Wilhelm von Hartel: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 11. Juli 2014, 09:21 Uhr

Porträt Wilhelm von Hartel

Wilhelm von Hartel (* 28. Mai 1839 in Hof (Mähren); † 14. Jänner 1907 in Wien) war Professor für Klassische Philologie an der Universität Wien sowie Unterrichtsminister von Wien in den Jahren 1900 bis 1905. Das Denkmal für Wilhelm von Hartel befindet sich im Arkadenhof der Universität Wien und wurde von dem Bildhauer Heinrich Karl Scholz angefertigt.


Leben

Wilhelm von Hartel wurde als Sohn des städtischen Rechnungsführers Johann Hartel geboren. Der Eintritt ins Gymnasium der Stadt Troppau erfolgte im Jahr 1852; später besuchte Hartel ein Gymnasium in Prag, wo er u.a. von seinem späteren Kollegen Karl Schenkl Latein und Griechisch Unterricht erhielt. Im Jahr 1859 maturierte Hartel mit Auszeichnung und ging im Anschluss an die Universität Wien, wo er das Studium der Klassischen Philologie aufnahm. [1] Dort wurden seine Lehrer an der Universität (u.a. Hermann Bonitz, Emanuel Hoffmann und Johannes Vahlen) bald auf ihn aufmerksam, so dass Hartel bereits im ersten Semester zum Kustos der Seminarbibliothek ernannt wurde. Im zweiten Studienjahr wurde er ordentliches Mitglied der philologischen Abteilung des philologisch-historischen Seminars. Hartel studierte neben klassischer Philologie auch Geschichte, Kunstgeschichte bei Rudolf Eitelberger und Germanistik bei Franz Pfeiffer. Finanziell sicherte sich er sich ab, in dem er als Erzieher im Haus des Grafen Lanckoronski arbeitete; eine Tätigkeit, die zahlreiche Auslandsreisen mit sich brachte. [2]

In dieser Zeit gründete Wilhelm von Hartel die Burschenschaft Silesia, der er insgesamt zwei Jahre lang angehörte und gegenwärtig auf Grund ihrer rechten Positionierungen umstritten ist. 1863 approbierte er für das Lehramt in den Sprachen Latein und Griechisch; 1864 legte er sein Rigorosum ab und erhielt in Wien seinen Doktortitel. Seine ersten knappen Publikationen erschienen in der "Zeitschrift für Österreichischen Gymnasien".[3]

Obgleich Hartel eine akademische Laufbahn an der Universität anstrebte, widmete er sich auch der Unterrichtstätigkeit am Gymnasium; 1864 und 1865 war etwa drei Semester als Probekandidat, dann als Supplent am Akademischen Gymnasium in Wien tätig. Bereits 1866 hielt er als Privatdozent seine ersten philologischen Vorlesungen an der Universität. Von der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften wurde ihm gleichzeitig die Aufgabe übertragen, die Herausgabe der Werke Cyprians zu übernehmen. Ab 1868 übernahm er die Leitung des philologischen Proseminars; nach seiner Habilitation wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt und darüber hinaus in die Prüfungskommission für Gymnasiallehrer aufgenommen. [4] Seine Stelle als außerordentlicher Professor erhielt Hartel unmittelbar nach dem Abgang von Hermann Bonitz, der sein langjähriger Lehrer war. [5] 1871 wird Hartel zu einem korrespondierenden Mitglied der Akademie der Wissenschaften gewählt; ein Jahr später folgte seine Ernennung zum ordentlichen Professor. Ab 1874 übernahm Hartel zusätzlich die Direktion des philologischen Seminars, dessen Mitglieder seine ehemaligen Lehrer (u.a. Karl Schenkl und Emanuel Hoffmann) waren. Noch im selben Jahr übernahm er die Leitung des von der Akademie der Wissenschaften projektierten "Corpus scriptorum ecclesiasticorum latinorum" sowie die Redaktion der "Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien". 1874/75 bekleidet er das Amt des Dekans der philologischen Fakultät. [6]


Hartel hatte als Professor nicht nur innerhalb Österreichs eine hohe Reputation erlangt; auch im Ausland war er durch seine wissenschaftlichen Arbeiten bekannt geworden: den Anfragen der Universitäten in Göttingen (1883) und Heidelberg (1886) folgte er allerdings nicht. In Wien wurde er zum Senator der Universität ernannt; der Kaiser verlieh ihm wiederum den Titel des Hofrates.

Neben seinen wissenschaftlichen Tätigkeiten befasste sich Hartel auch mit den Methoden zum Unterricht an den Mittelschulen. Zusammen mit mehreren Gymnasiallehrern formulierte er neue Anweisungen zum Unterricht an den Schulen, die den wissenschaftlichen, pädagogischen und didaktischen Standards der Zeit entsprechen sollten und eine Reform früherer Methoden zu Ziel hatten.

1890/91 wurde Hartel schließlich zum Rektor der Universität Wien und Direktor der Hofbibliothek ernannt. [7] 1893 trat er zudem als erster Präsident der 42. Versammlung deutscher und österreichischer Philologen und Schulmänner auf, die in Wien abgehalten wurde. Dabei hielt Hartel anlässlich der im Arkadenhof der Universität Wien enthüllten Denkmäler eine Festrede für Thun, Exner und Bonitz, die als Mitbegründer der modernen österreichischen Mittelschule angesehen wurden. Noch im selben Jahr wurde ihm für seine herausragenden Leistungen vom Kaiser ebenfalls das Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft verliehen. [8]

Die Bekanntheit Hartels stieg in dieser Zeit enorm an: er wurde parallel zum auswärtigen Mitglied der königlich bayrischen Akademie in München, zum Ehrenmitglied der Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen, zum korrespondierenden Mitglied der Akademie in Berlin und der "Real Academia de la historia" in Madrid gewählt. 1896 wird Hartel schließlich zum Sektionschef, als Leiter der Agenden der Hoch und der Mittelschulen ernannt und beendet seine Laufbahn an der Universität nach insgesamt 30 Jahren.

1900 wird Hartel zum Unterrichtsminister gewählt; diese Position bekleide er fünf Jahre lang und übernahm damit die mehrfache Leitung des Schulwesens, der Kultusangelegenheiten sowie die Pflege der Schönen Künste. [9] Am 11. September 1905 schied Hartel aus dem Kabinett aus um in den Ruhestand zu treten.


Wilhelm von Hartel starb am 14. Jänner 1907 nach einer Herzattacke und wurde am 17. Jänner in seiner Familiengruft am Hietzinger Friedhof, unweit des Schlossparks von Schönbrunn beigesetzt. Sein letzter Wille veranlasste die Gründung eines Stipendiums an der Universität Wien, welches er mit 40 000 Kronen förderte und seinen Namen tragen sollte. [10] Der "Wilhelm Hartel - Preis" wird heute noch an Wissenschaftler vergeben, die auf philosophisch - historischem Gebiet herausragende wissenschaftliche Leistungen erbringen. [11]

Schaffen

Wilhelm von Hartel begann bereits sehr früh wissenschaftliche Abhandlungen zu publizieren. 1864 und 1865 hatte er schon seine erste Schriften über die Entstehung der Odyssee veröffentlicht; 1866 publizierte er "Kritischen Beiträge zu Livius". 1871 vollendet Hartel seine "Homerischen Studien I." sowie die Herausgabe der Schriften Cyprians im Rahmen des von der Akademie der Wissenschaften projektierten "Corpus der Kirchenlehrerschriften".

In dem er die Methode der Statistik innerhalb der Sprachwissenschaft etablierte und sich dem Text mit lautphysiologischen Analysen annäherte, setzte er ein Exempel für weitere Untersuchungen antiker Texte. 1879 gründeten Karl Schenkel und Wilhelm Hartel gemeinsam die philologischen "Wiener Studien", worin Hartel als Herausgeber der Zeitschrift zahlreiche Aufsätze publizierte. [12]

Gleichzeitig legte Hartel einen Fokus auf Schriften zum griechischen Staatsrecht und publizierte die "Demosthenischen Studien" sowie die "Studien über das attische Staatsrecht und Urkundenwesen". Große Beliebtheit verschaffte sich Hartel darüber hinaus, indem es ihm gelang eine wertvolle Papyrussammlung ("Papyrus Erzherzog Rainer") zu erhalten. Zu einem großen Papyrus von 487 n. Chr. lieferte Hartel in Folge auch selbst eine wissenschaftliche Erklärung. Zu dem Corpus der Kirchenväterschirften, zu dem er regelmäßig forscht, publizierte Hartel 1886 ferner die Schriften des Bischofs Lucifer von Cagliari.[13]


Einen maßgeblichen wissenschaftlichen Beitrag leistete Hartel auch in der umfassenden Erarbeitung eines Thesaurus linguae latinae, welches u.a. von Eduard von Wölfflin und Theodor Mommsen in die Wege geleitet wurde. Neben Mommsen und Sueß wurde er außerdem Initiator des deutschen Akademiekartells und beteiligte sich an der Errichtung der internationalen Akademieassoziation. [14]

Essenziell ist neben seinen wissenschaftlichen Tätigkeiten Hartels maßgeblicher Beitrag zur Unterrichtsreform an den österreichischen Mittelschulen. 1884 veröffentlichte er mit mehreren Kollegen neue Instruktionen zum Unterrichtswesen.[15]

In seiner Funktion als Unterrichtsminister von Österreich führte er eine neue, strengere Rigorosenordnung für die philologische Fakultät ein; ebenso erhöhte er den Schwierigkeitsgrad der Prüfungen an der medizinischen und theologischen Fakultät und förderte die Gleichstellung der Technischen Hochschule und der Hochschule für Bodenkultur mit der Universität Wien, indem er ihnen u.a. das Promotionsrecht zuerkannte. Gleichzeitig war Hartel in dieser Funktion Initiator für den Bau des neuen Allgemeinen Krankenhauses, den Bau des städtischen Versorgungsheimes in Lainz sowie den Ausbau von Pflegeanstalten für Geistes- und Nervenkrankheiten. Ferner förderte Hartel den Neubau des Botanischen Instituts am Rennweg und trieb den aufgrund von Platzmangel notwendig gewordenen Neubau des elektrotechnischen Instituts der technischen Hochschule voran. Unter seiner Leitung wurde auch das physiologische Institut in Wien vollendet. [16]

Zentral ist auch die Tätigkeit Hartels für das Frauenstudium; durch eine neue Organisation der Mädchenlyzeen und die Einführung von Reifeprüfungen sowie Lehramtsprüfungen für Mädchen. Unter ihm entstanden in allen Teilen Österreichs neue Lyzeen mit unterschiedlichen Unterrichtssprachen; bereits vorhandene "höhere Töchterschulen" wurden in Lyzeen umgewandelt. [17] Wilhelm von Hartel ermöglichte Frauen u.a. den Zugang zum Philosophischen und Medizinischen Studium und berechtigte sie zur Erlangung der Doktorwürde.

Im Hinblick auf die "Pflege der Schönen Künste" veranlasste er die Errichtung der "Modernen Galerie" in Wien, in welcher zeitgenössische Werke der Malerei und der Plastik ausgestellt wurden; ferner setzte sich Hartel für einen Museumsbau in Carnuntum ein, um die dort geborgenen Fundstücke angemessen ausstellen zu können. Unter seiner Leitung wurden auch die Vorkehrungen getroffen, den Diokletianspalast in Split bautechnisch zu vermessen, ihn restaurieren zu lassen und damit zu seiner Konservierung beizutragen. [18]

Werke (Auswahl)

  • Untersuchungen über die Entstehung der Odyssee I, II, Zeitschrift für die österr. Gymnasien 1864, S. 473-502; 1865, S. 317-342.
  • Kritische Beiträge zu Livius, Zeitschrift für die österr. Gymnasien 1866, S. 1-20.
  • Cypriani Opera omnia, Wien 1868 - 1871
  • Eutropii Breviarium, Berlin 1872.
  • Homerische Studien I-III, 1871; 1874.
  • Die Universitäten 1874, Offizieller Ausstellungsbericht der Weltausstellung in Wien 1873.
  • Demosthenische Studien I, II, 1877; 1878.
  • Studien über attisches Staatsrecht und Urkundenwesen I-III, 1878; 1879.
  • Ennodii Opera, Wien 1882.
  • Über die Aussprache des Lateinischen in unseren Schulen, Zeitschrift für die österr. Gymnasien, 1878, S. 939-952.
  • Ein griechischer Papyrus aus dem Jahre 487 n. Chr. 1883.
  • Die österreichische Expedition nach Lykien im Jahre 1881, Österreichische Monatsschrift für den Orient 11, 1885.
  • Lucifer von Cagliari und sein Latein, Archiv für lateinische Lexikoraphie 1886.
  • Luciferi Calaritani Opuscula, Wien 1886.
  • Bibliotheca patrum Latinorum Hispaniensis, herausgegeben und bearbeitet nach den Aufzeichnungen Dr. Gustav Loewes, I -VI, Wien 1886.
  • Neubearbeitung von G. Curtius, Griechische Schulgrammatik, 17. Auflage, Wien 1888.
  • Paulini Nolani Opera, Wien 1894.
  • Patristische Studien I-VI, 1890; 1895.
  • Die Wiener Genesis, herausgegeben zusammen mit Franz Wickhoff, Wien 1895.[19]

Vorträge

  • Über die griechischen Papyri Erzherzog Rainer, Vortrag Wien 1886.
  • Über Aufgaben und Ziele der klassischen Philologie, Rektoratsrede, Wien 1890.
  • Festrede zur Enthüllung der Denkmäler für Thun, Exner und Bonitz, Wien 1893.
  • Grillparzer und die Antike. Posthumer Aufsatz, vorgesehen für einen Vortrag in der Wiener Grillparzergesellschaft, abgedruckt im "Neuen Wiener Tagblatt" des 15. und 16. Jänners 1907.[20]

Literatur

  • Meister 1934: Richard Meister, Ruhmeshalle der Wiener Universität. Geschichte der Wiener Universität, Donauwörth/Wien/Basel 1934, S. 104.
  • Czeike 2004: Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, 3, Wien 2004, S. 63.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, S. 74.

Quellen

  • Frankfurter 1912: Salomon Frankfurter, Wilhelm von Hartel. Sein Leben und sein Wirken, Zur Enthüllung des Denkmales in der Universität am 9. Juni 1912.
  • Engelbrecht 1908: August Engelbrecht, Wilhelm Ritter von Hartel. Nekrolog, Leipzig 1908.
  • Bericht über die feierliche Enthüllung des Hartel - Denkmals. Separatabdruck aus der Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien, Wien 1913.
  • UAW, Wilhelm Ritter von Hartel (1839-1907). Österreichischer Geisteswisseschaftler und Kulturpolitiker aus Mähren, Wien - Tage an der Masaryk-Universität, Brünn 19. - 20- Oktober 1995.
  • Wilhelm von Hartel. Separatabdruck aus der Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien, 1907, Heft III, Wien 1907.

Einzelnachweise

  1. Frankfurter 1912, S. 9 -11.
  2. Frankfurter 1912, S. 16-18.
  3. Frankfurter 1912, S. 19.
  4. Engelbrecht 1908, S. 6-7; Frankfurter 1912, S. 21-22.
  5. Czeike 2004, S. 63.
  6. Engelbrecht 1908, S. 7 - 8.
  7. Engelbrecht 1908, S. 9 - 10.
  8. Engelbrecht 1908, S. 12-13.
  9. Engelbrecht 1908, S. 13 - 14.
  10. Engelbrecht 1908, S. 26-31.
  11. http://stipendien.oeaw.ac.at/de/preis/wilhelm-hartel-preis
  12. Engelbrecht 1908, S. 6-8.
  13. Engelbrecht 1908, S. 9 -10.
  14. Engelbrecht 1908, S. 27-28.
  15. Engelbrecht 1908, S. 9.
  16. Engelbrecht 1908, S. 16-18
  17. Wilhelm von Hartel. Separatabdruck aus der Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien, Wien 1907.
  18. Engelbrecht 1908, S. 19 - 22.
  19. ÖAW, S 877, Wilhelm Ritter von Hartel (1893-1907). Österreichischer Geisteswissenschaftler und Kulturpolitiker aus Mähren, Wien - Tage an der Masaryk-Universität, Brünn 19. - 20- Oktober 1995, S. 3.
  20. Wilhelm Ritter von Hartel (1893-1907). Österreichischer Geisteswissenschaftler und Kulturpolitiker aus Mähren, Wien - Tage an der Masaryk-Universität, Brünn 19. - 20- Oktober 1995, S. 3.

Darstellungen

Weblinks


Caroline Mang