Wilhelm Seib

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Wilhelm Seib

Wilhelm Seib (* 18. Mai 1854 in Stockerau; † 07. März 1923 in Spannberg) war ein österreichischer Bildhauer, Maler und Architekt.

Leben

Wilhelm Seib wurde als Sohn von Anton Seib (*11. August 1810 in Wien; † 13. November 1873)[1], einem Beamten des Obersten Gerichtshofs, und Magdalena Seib, geb. Münzker (*14. Jänner 1825 in Spannberg; † 24. März 1899), in eine angesehene Wiener Bürgerfamilie in Stockerau hineingeboren. Er besuchte in Wien, Josefstadt, die Volksschule und drei Klassen der Unterrealschule, sowie anschließend die Kunstgewerbeschule am Neubau.[2] 1868 begann Wilhelm Seib das Studium an der Akademie der bildenden Künste bei Professor Franz Bauer, ab 1872 bei Carl Kundmann.[3] 1873 erhielt Seib den "Gundel- Preis", der jährlich für die besten Gesamtstudien eines jeden Jahres verliehen wurde. 1874 konnte Seib sich über den "Füger- Preis" freuen.[4] Von 1875- 80 besuchte er die Spezialschule für höhere Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste bei Professor Carl Kundmann, der ihn auf Grund seiner hervorragenden Fähigkeiten zu seinem Mitarbeiter machte. Am 8.8 1882 ehelichte Wilhelm Seib in der Pfarrei Maria von Siege Wilhelmine Augusta Bachmann (* 17. April 1855 in Wien). Aus ihrer Ehe gingen drei Kinder hervor, Friedrich Theodor, Karl Wilhelm und Wilhelm Karl. Nach der Trennung von seiner Frau, heiratete er am 18. Mai 1890 Ida Bigler ( *25. August 1869 in Wels), mit der er eine Tochter namens Romama hatte. Seine erste Frau Wilhelmine starb am 29. Jänner 1905 und wurde auf dem Zentralfriedhof in Wien in einem Massengrab beerdigt.[5] Im Jahr 1890 wurde er auch Mitglied der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens (Künstlerhaus), 1911 Professor. Um 1914 zog Seib für immer nach Spannberg in den Heimatort seiner Mutter, wo er bereits 1897 ein Anwesen gekauft hatte, welches nach seinen Wünschen umbaut worden war. Seine letzten Jahre waren von großer Not geprägt. Aus einem grippalen Infekt wurde ein Lungenleiden,welchem er am 7. März 1923 erlag. Wilhelm Seib wurde im Familiengrab in Spannberg begraben, wo auch seine Frau Ida, sein Sohn Karl, seine Tochter Romana und deren Gatte, sowie seine Mutter Magdalena, geb. Münzker, und seine Tante Barbara Rathauscher ihre letzte Ruhe fanden.

Schaffen

Während seiner Lehrzeit an der Wiener Akademie der bildenden Künste, zuerst bei Franz Bauer und von 1872–80 bei Carl Kundmann, konnte er nicht nur seine Meister von sich überzeugen, sondern auch Kaiser Franz Joseph I.. Mit Kundmann arbeitete er späterhin u. a. an der Ausführung des Tegetthoff- Denkmals in Wien, am Praterstern. Mit "des Sängers Fluch" von 1875 konnte er Kaiser Franz Joseph I. auf sich aufmerksam machen, der ihn daraufhin zwei Jahre lang mit 400 Gulden[6] pro Jahr unterstützte und ihm immer wieder Aufträge für kleine Bronzegruppen erteilte.[7] In ihnen wiederholt sich oft das Reitermotiv, wie zum Beispiel bei der bronzenen Gruppe "Rudolf von Habsburg mit dem Priester", welche als Pendant zu "Des Sängers Fluch" vom Kaiser in Auftrag gegeben worden war,[8] und sich in den Gemächern des Kaiser befand. Im Jahre 1877 erhielt Seib den Allerhöchsten Hofpreis, II. Klasse Silbermedaille, für das Werk "Dädalus und Ikarus".[9] Seib soll auch eine Studieneise nach Rom unternommen haben, welche nicht bestätigt ist.[10]

Stilistisch folgte er der ruhigen Monumentalität seines Lehrers Carl Kundmann, die er zwar etwas auflockerte, ohne dabei eine Brücke zu den radikaleren Strömungen nach 1900 zu schlagen. Er reihte sich in die Riege der Bildhauer der Wiener Ringstraße ein. Er wurde sogar für die Nachfolge Kundmanns vorgeschlagen, was sich allerdings nicht erfüllte.[11] Als er im Rahmen eines Wettbewerbs die Steinstatuen "Schumann" und "Ghirlandajo" für das Rudolfinum in Prag schuf, wurde ihm dort eine Professur angeboten, welche er wegen mangelnder Sprachkenntnisse nicht antrat.[12] Trotz einiger Teilerfolge bei Wettbewerben wurden ihm oft Arbeiten größeren Maßstabs aus Finanzierungsproblemen abgesagt, wie das "Nibelungen-Denkmal" für Pöchlarn[13]. Etliche kleinere Denkmäler, wie das Lenau- Denkmal 1902, oder das Schiller- Denkmal 1905, konnte er aber verwirklichen. Seine bedeutendste Leistung auf diesem Sektor blieb das für das Kaiserforum bestimmte Modell des Denkmals für Rudolf I., dessen Ausführung sich jedoch Erzherzog Franz Ferdinand entgegenstellte.[14] Seine Grabdenkmäler nehmen einen großen Teil seines Schaffens ein. 1904 zog er sich nach Spannberg zurück. Infolge des Krieges, nach dem Ende der Monarchie, der veränderten Auftragslage und gesundheitlicher Probleme, konnte er seinen Beruf als Bildhauer nicht mehr recht ausüben und verarmte. In seinen letzten Jahren, als er der Tätigkeit des Bildhauers aus gesundheitlichen Gründen garnicht mehr nachkommen konnte, widmete er sich verstärkt der Zeichnung und dem Ölbild.[15] Seibs Oeuvre erstreckt sich von Statuetten und Kleinplastiken, über Bauplastik, Grabmäler bis hin zur Malerei und Zeichnung.

Werke

  • Denkmal Josef Kudler im Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1891
  • Denkmal Gustav Demelius im Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1897
  • Ill und Moldau, allegorische Reliefdarstellungen Parlament Wien, 1873- 1883
  • Graf Rudolf von Habsburg und der Priester, Statuette, Bronze, Hofmobilienverwaltung Wien, 1875
  • Des Sängers Fluch, Statuette, Bronze, Hofmobiliendepot Wien, 1875
  • Ghirlandajo, Steinstatue, Rudolfinum Prag, um 1882
  • Schumann, Steinstatue, Rudolfinum Prag, um 1882
  • Grabdenkmal Leopold Groner, Marmor, Zentralfriedhof Wien, 1884
  • Ernst Rüdiger Graf Starhemberg, Reiterstatue Gips, Wien Museum, 1886
  • Grabdenkmal Johann Ritter von Herbeck, Marmor, Granit, Figuren in Bronze, Zentralfriedhof Wien, 1888- 1891
  • Römischer Legionär, Steinstatue, Neue Hofburg Wien, um 1891
  • Frau Sofie Renner, geb. Baronesse von Stockart- Bernkopf, Gipsbüste, 1891
  • Johann Michael Schweighofer, Gipsbüste, Wien Museum, 1892
  • Spes Publica, Steinstatue, Neue Hofburg Wien, Michaelertrakt, 1892
  • Hochaltar der Kirche Spannberg, Öl auf Tempera, 1894
  • Kaiser Maximilian I. als Sieger im Tunier, Wachsstatuette, KHM Wien, 1894
  • Erzherzog Wilhelm, Terracotta, 1895
  • Christus, Marmor auf Sockel, Wien Museum, 1896
  • Sallust, Laaser Marmor, vor dem Parlament Wien, 1896
  • Mausoleum für Fürst Otto Wrede, Mondsee Friedhof, 1897
  • Hl. Maria, Marmorbüste auf Sockel, Wien Museum, 1898
  • Pieta, Krankenhaus Stockerau, 1898
  • Rudolf von Habsburg, Reiterstatuette, Bronze, Wien Museum, 1899
  • Lenau- Denkmal, Granit, Bronzerelief, Stockerau, 1902
  • Mädchen mit Krug, Gips, 1902 ( Spende von W. Seib für die Lotterie in Haag zu Gunsten der Buren)
  • St. Martin, Bronze, 1902
  • Christus- Statue (Grabdenkmal), Bronze, Hietzinger Friedhof Wien, 1904
  • Arbeitende Maria mit den Jesuskind, Gipsmodell, Privatbesitz Hildegard Theil, 1905
  • Friedrich Schiller, Büste auf Sockel, Fürstenfeld, 1905
  • Friedrich Schiller, Statue, Carrara Marmor, Bronze, St. Pölten 1905
  • Kreuzigungsgruppe, Savonierestein, Friedhof Stockerau, vor 1905
  • Pieta, Grabmal für Rudolf Seyrl, Marmor, Seewalchen am Attersee Friedhof, um 1905
  • Christusstatue, Grabdenkmal für Familie Riss, weißer Marmor, Stockerau Friedhof, 1906
  • Grabmal Carl Schweighofer, Marmor, Granit, Bronzefigur, Zentralfriedhof Wien, 1906
  • Grabmal für Josef Brodschild, Bronzefigur, Stockerau Friedhof, um 1907
  • Figur der Mutter Gottes, Grabdenkmal für Julius Schaumann, Bronze, Stockerau Friedhof, 1908
  • Pallas Athene, Steinstatue, Gymnasium Stockerau, 1908
  • Grabdenkmal für Nikolaus Heid, Figur aus Kalkstein und Bronzerelief, Stockerau Friedhof, 1912
  • Christus am Kreuz, Grabdenkmal für Rudolf von Oldenbourg, Waldfriedhof München, um 1912

Preise und Auszeichnungen

  • 1885 In der von der Republik Uruguay ausgeschriebenen Wettbewerb erhält er für seinen Entwurf für ein Denkmal "General Artigas" den ersten Preis.
  • 1897 Ehrenbürgerschaft von Spannberg für den Hochaltar für die Spannberger Pfarrkirche.
  • 1899 "Kaiserpreis" bei der XXVI. Jahresausstellung des Künstlerhauses für sein Werk "Rudolf von Habsburg".
  • 1902 "Dobner- Preis" für die Bronzegruppe "St. Martin".
  • 1903 Bei dem Wettbewerb für ein "Deutschmeister- Denkmal" den 2. Preis.
  • 1904 "Goldene Medaille" bei der Weltausstellung in St. Louis für sein Werk "Rudolf von Habsburg".
  • 1911 Kaiser Franz Josef verleiht Wilhelm Seib den Titel "Professor".
  • 1911 "Regierungs- Jubiläums- Erinnerungs- Medaille" verliehen durch Fürst von und zu Liechtenstein an Seib als Mitglied des leitenden Ausschusses der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens.
  • 1912 "Erzherzog Karl-Ludwig- Medaille" bei der XXXVII. Jahresausstellung im Künstlerhaus für die Gruppe "Arbeitende Maria mit dem Jesuskinde".
  • 1918 Erster Preis bei der Ausstellung der Entwürfe für ein Kriegerdenkmal für Baden im Künstlerhaus.

Mitgliedschaften

  • 1890 Mitglied der "Genossenschaft bildender Künstler Wien".
  • 1906 wird Seib im Linzer Volksblatt (13. Juni 1906) als Mitglied der "Österreichischen Leo- Gesellschaft" genannt.
  • 1913 Jurymitglied des Komitees zur Prägung einer Medaille anlässlich des Jubiläums "100jähriges Bestehen der Gesellschaft der Musikfreunde" Wien.

Einzelnachweise

  1. Taufmatrikelbuch St. Ulrich
  2. lt. biografischer Notizen von Ida Seib
  3. Krause 2005, S. 115
  4. Lützow 1877
  5. Seethaler 1994
  6. lt. biographischer Aufzeichnung von Ida Seib
  7. Krause 2005, S. 115
  8. Kosel 1902
  9. Lützow 1877
  10. Eckstein 1890; Seethaler 1994;
  11. Krause 2005, S. 115
  12. Allgemeine Kunst-Chronik, VII. Bd., Nr. 9, Samstag, 3. März 1883; Vgl. Seethaler 1994
  13. Eheim 1967; Seethaler 1994
  14. Krause 2005, S. 115
  15. Seethaler 1994

Literatur

  • Eckstein 1890: A. Eckstein (hrsg.), Künstler- Album, Wien 1890.
  • Eheim 1967: F. Eheim, Heimatbuch der Stadt Pöchlarn, Pöchlarn 1967.
  • Kosel 1902: H. St. Kosel (hrsg.), Deutsch- österreichisches Künstler- und Schriftsteller- Lexikon, Wien 1902.
  • Mitteilungen der Kunstsektion der Österreichischen Leo- Gesellschaft, Wien 1908.
  • Krause 2005: W. Krause, Seib, Wilhelm, in: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL)- Band 12, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2005, S. 115.
  • Lützow 1877: C. v. Lützow, Geschichte der Akademie der bildenden Künste, Wien 1877.
  • Seethaler 1994: H. Seethaler, Wilhelm Seib : ein Bildhauer der Wiener Ringstraßenzeit 1854- 1929, Wien 1994.
  • ThB30, 1936.

Weblinks

Abbildungen



David Berger, Verena Simone Göbel, Sarah Lange, Rene Kreisl, Katharina Schmidt