Wilhelm Dantine

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Wilhelm Felix Ferdinand Dantine, Foto: Zeitenwechsel und Beständigkeit, ed. Karl Schwarz (= Schriftenreihe des Universitätsarchives, Univ. Wien, Bd. 10, Wien 1997).

Wilhelm Felix Ferdinand Dantine (* 6. November 1911 in Leoben; † 21. Mai 1981 in Wien) war ein langjähriger Studentenpfarrer, Studieninspektor des Theologenheims und zwischen 1963-1981 Professor für Systematische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. An seine Tätigkeit an der Universität erinnert seit 2001 das von Josef Zenzmaier gefertigte Denkmal im Arkadenhof des Hauptgebäudes.

Leben

Wilhelm Dantine stammte aus einer Juristenfamilie, die sich bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen lässt. Sein Leben und seine Karriere wurden vor allem durch ein großbürgerlich-liberales Elternhaus in Leoben sowie durch das Heranwachsen in einer Universitätsstadt bzw. in einer evangelischen Pfarrgemeine geprägt. [1] Nach seinem von 1930-1934 durchgeführten Theologiestudium in Wien, Bonn und Erlangen war Wilhelm Dantine mehr als 25 Jahre als Pfarrer in Wallern/Oberösterreich tätig. Dort wirkte er bis 1948, unterbrochen durch Kriegsdienst und Gefangenschaft von 1942–1946 und vertreten durch seine Ehefrau Charlotte (geb. von Versen, *1913-† 1996), mit der er fünf Kinder hatte. Charlotte war ebenfalls eine Theologin, die zwar amtlich tätig sein durfte, aber damaliger Rechtslage nach nicht ordiniert wurde. [2]

Zwischen 1948 und 1963 war Dantine als Studentenpfarrer in Wien tätig. Nachdem er im Jahre 1950 zum Dr. theol promoviert worden war und sich im Jahre 1955 für das Fach Systematische Theologie habilitiert hatte, übernahm er 1963 die Ordentliche Professur für Systematische Theologie (AB) an der Wiener Evangelisch-Theologischen Fakultät, die er bis zu seinem Tod am 21. Mai 1981 innehatte.[3]

Sein Sohn Johannes Dantine war ebenfalls lutherischer Theologe und (außerordentlicher) Universitätsprofessor für Systematische Theologie an der Universität Wien, sein Enkel Olivier Dantine ist seit 2012 Superintendent der Diözese Salzburg-Tirol.

Schaffen

Dantines Denkweise wurde hauptsächlich von Martin Luther und seinem Lehrer Karl Barth (1886-1968) geprägt. Dantine vertrat im überwiegend katholischen Österreich einen selbstbewussten und zeitgeschichtlich reflektierenden Protestantismus, der Lutherische Prinzipientreue und ökumenische Aufgeschlossenheit miteinander zu verbinden versuchte.[4] Sein internationaler wissenschaftlicher Rang beruhte auf einem 1959 erschienenen Buch Die Gerechtmachung des Gottlosen, das von seinem Schüler Erich Gritsch ins Englische übersetzt worden war ("Justification of the Ungodly") und damit seinen Bekanntheitsgrad weit über Europa hinaus erweiterte. Eine internationale Anerkennung gewann Dantine auch durch sein Engagement für die Leuenberger Konkordie (1973), ein ökumenisches Dokument, welches nach mehr als 400 Jahren eine innerprotestantische Einigung erzielt hatte und zu einer theologischen Grundlage der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) führte.[5] Nach dem Krieg setzte er sich nicht nur für eine innerprotestantische Einigung, sondern auch für ein aktives Wirken seiner Kirche in der Gesellschaft ein. Während der 1970er Jahre wirkte Dantine als Experte für die Beziehungen zwischen Theologie und Recht – als Berater des österreichischen Justizministers Christian Broda an der Strafrechtsreform mit.

Ehrungen

  • 1965/66, 1969/70, 1976-79 - Dekan der Evangelisch-theologischen Fakultät und Mitglied des Akademischen Senates der Universität Wien
  • 1968 - Ehrendoktorwürde, Universität Tübingen
  • 1981 - Ehrendoktorwürde, Reformierte Theologische Akademie Budapest
  • Wilhelm-Dantine-Haus - das von ihm geleitete Evangelische Theologenheim in Wien wurde nach ihm am 26.Juni 2001 umbenannt
  • Dr.-Wilhelm-Dantine-Gedächtnisfonds - Studienförderung der Evangelischen Kirche A. u. H. B. in Österreich (urspr. "Gustav-Entz-Stiftung")
  • 2001 - Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien, feierlich enthüllt am 29.10.2001.
  • 2001 - Wilhelm-Dantine-Professur - Zeitprofessur für den Grenzbereich von Recht und Theologie, die freilich weder ausgeschrieben wurde, noch jemals zur Besetzung gelangt ist[6]

Schriften (Auswahl)

  • Die Gerechtmachung der Gottlosen. Eine dogmatische Untersuchung, München 1959.
  • Über den protestantischen Menschen. Kritik und Erwartung Hamburg 1959.
  • Glaube und Wissenschaft, ihre kritische Funktion, in: Karl Rahner, Intellektuelle Redlichkeit und christlicher Glaube, Freiburg 1966.
  • (als Hg. mit Kurt Lüthi): Theologie zwischen gestern und morgen. Interpretationen und Anfragen zum Werk Karl Barths, München 1968.
  • Der heilige und der unheilige Geist. Über die Erneuerung der Urteilsfähigkeit, Stuttgart 1973.
  • Jesus von Nazareth in der gegenwärtigen Diskussion, 1974.
  • Schwarze Theologie: Eine Herausforderung der Theologie der Weißen?, Freiburg 1976.
  • Hoffen – Handeln – Leiden. Christliche Lebensperspektiven, Freiburg 1976.
  • Das Dogma im tridentinischen Katholizismus, in: Handbuch der Dogmen- und Theologiegeschichte, hrsg. v. Carl Andresen, Bd. 2., Göttingen 1980, S. 411–498.
  • Recht aus Rechtfertigung, Ausgewählte rechtstheologische und kirchenrechtliche Aufsätze, hrsg. v. Albert Stein, Tübingen 1982.
  • Der Tod, eine Herausforderung zum Leben. Erwägungen eines ChristenGütersloher Verlagshaus, 1983.
  • (mit Eric Hultsch): Lehre und Dogmenentwicklung im Römischen Katholizismus, in: Handbuch der Dogmengeschichte und Theologiegeschichte, hrsg. v. Carl Andresen., Bd.3. Göttingen 1984, S. 289-423.
  • Versöhnung. Ein Grundmotiv christlichen Glaubens und Handelns, Wien 1996.
  • Protestantisches Abenteuer, hrsg. v. Michael Bünker, Innsbruck 2001.

Literatur

  • Amtsblatt Nr. 68/2001: Amtsblatt Nr. 68/2001 Satzungen der Dr. Wilhelm-Dantine-Gedächtnisstiftung Ziff. 5.
  • Dantine 1995 Charlotte Dantine, Interview, in: Birgit Meindl: Die Fülle des Himmels- die Hälfte der Arbeit. 30 Jahre Frauenordination in der Ev. Kirche in Österreich, Wien 1995, S. 95-99.
  • Schwarz 2002: Schwarz, Karl: Wilhelm Dantine-das Profil eines protestantischen Rechtstheologen: biographische und forschungsgeschichtliche Aspekte, in: Wiener Jahrbuch für Theologie, Bd. 4 (2002), S. 299-324.
  • Schwarz 2013: Schwarz, Karl W.: Leoben-Wallern-Wien. Bemerkungen zum Lebensweg des Studieninspektors Wilhelm Dantine, in: Festschrift 100 Jahre Wilhelm Dantine Haus 1913-2013, Wien 2013, S. 23-???)
  • Wagner 1997: Wagner, Falk: Glaubensgewissheit und Weltverantwortung. Zum Profil der systematisch-theologischen Position von Wilhelm Dantine. In: Karl Schwarz, Falk Wagner (Hrsg.): Zeitenwechsel und Beständigkeit. Beiträge zur Geschichte der Evangelisch-theologischen Fakultät in Wien 1821–1996 (= Schriftenreihe des Universitätsarchivs, Universität Wien; 10). WUV, Wien 1997. S. 391-426.

Einzelnachweise

  1. Schwarz 2013, S. 24.
  2. Dantine 1995, S. 95-99.
  3. Wagner 1997, S. 391.
  4. Wagner 1997, S. 391.
  5. Schwarz 2013, S. 23-24.
  6. Amtsblatt Nr. 68|2001, Ziff. 5

Weblinks


Barbora Trebichalska, Barbara Wessely