Viktor Hammer

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Viktor Hammer mit dem Alphabet der von ihm erfundenen amerikanischen Unziale
Viktor Hammer (auch Victor Hammer, geb. 9.12.1882 in Wien, gest. 10.7.1967 in Lexington, Kentucky) war Maler, Buch- und Schriftkünstler, Graphiker, Illustrator, Drucker, Architekt, Bildhauer, sowie Musikinstrumentenbauer. Er schuf 1965 das Denkmal für Johann Sölch.

Leben

Studium

Viktor Hammer begann seine künstlerische Laufbahn 1897 mit dem Studium im Atelier des Architekten Camillo Sitte. Ein Jahr später schrieb er sich in die Akademie der bildenden Künste in Wien ein und studierte unter den Malern Christian Griepenkerl und Heinrich Lefler, sowie unter den Bildhauern Edmund Hellmer, Hans Bitterlich und Anton Hanak.[1] Hier lernte er auch Richard Gerstl kennen, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband. Zwischen 1908 und 1910 begab sich Hammer dank eines Stipendiums auf eine Reise nach München, Paris und Berlin.[2]

Stationen in Europa

Nach seiner Rückkehr in Wien begab er sich in die Lehre des Architekten Heinrich Tessenow und begann seine künstlerische Tätigkeit zunächst als Porträtmaler. 1913 trat er der Wiener Sezession bei.[3]

Als Soldat während des ersten Weltkrieges war er Mitglied des k.u.k. Kriegspressequartiers und Kriegsmaler in Russland, Italien und in der Türkei.

Wieder in Wien, ging er seinen typographischen Interessen nach. So entwickelte er seinen ersten, von insgesamt sechs, Schrifttyp. 1922 brach er nach Florenz auf, wo er seine eigene Handpresse gründete, die er Stamperia del Santuccio (nach der kleinen Heiligenstatuette am Eingang seiner Werkstatt in der Via San Leonardo), nannte.[4]

1933 siedelte er nach London über, um bald danach sich für zwei Jahre im kleinen Ort Kolbsheim (Elsass) zurückzuziehen. Hier entwarf er eine Kapelle für Alexandre de Grunelius. Außerdem war er in den Sommermonaten Leiter der Schule für "freie und strenge" Künste in Archkogl am Grundlsee. 1938 wurde er schließlich als Professor an die Akademie der bildenden Künste in Wien berufen. Wurde jedoch bald nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wegen seiner jüdischen Ehefrau Rosa Leopoldine Roßbach suspendiert.

Nach seiner Pensionierung 1939 beschloss Hammer mit seiner Ehefrau in die USA aufzubrechen.[5]

Die Zeit in den USA

Von 1939 bis 1948 unterrichtete er am Wells College in Aurora, NY. Hier begründete er 1941 die Wells College Press, in der auch sein Sohn Jacob Hammer mitarbeitete. Mit der Handpresse stellte er sehr qualtitätvolle Editionen von bibliophilen Drucken her. Noch heute wird hier der Preis The Victor Hammer Fellowship vergeben.

1945 nahm er schließlich die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Nach seiner Zeit in Aurora wurde er 1948 bis 1953 Künstler an der Transylvanian University in Lexington, Ky. Seine zweite Frau Carolyn Reading heiratete er 1955.

Obwohl er bis zu seinem Tod 1967 in Kentucky verblieb, hatte er weiterhin enge Kontakte zu Wien. Hier lebte seine Tochter Veronika und außerdem unterhielt er wohl auch in Wien eine Werkstatt, wie aus der Rechnung für das Denkmal für Johann Sölch hervorgeht.[6]

Schaffen

Viktor Hammer war ein sehr vielseitiger Künstler. Nicht nur hinsichtlich der verschiedenen Medien, in denen er arbeitete, sondern auch hinsichtlich den Stilen, die er rezipierte und umsetzte. Durch den Bezug auf das Mittelalter, wie zum Beispiel in seinem typographischem Werk, ist Hammer in der Tradition der Nazarener und Präraphaeliten zu sehen.[7] Vor allem in seinem spätem Oeuvre ist auch der Einfluss der Neuen Sachlichkeit zu sehen (siehe Selbstbildnisse). Thematisch schaffte er sowohl als Maler als auch als Bildhauer hauptsächlich Porträts.

Bekanntheit erlangte Hammer jedoch in erster Linie mit seiner Tätigkeit als Typograph und Drucker. Vor allem seine Wiederentdeckung der mittelalterlichen Unziale war in diesem Feld seine wichtigste Errungenschaft und beeinflusste zahlreiche Schriftdesigner.

Norman H. Strouse bezeichnete Hammer als Renaissance Man in Mid-America.[8] In der Tat strebte Hammer in vielen Hinsichten den Idealen des Renaissance Künstlers nach. So legte er großen Wert auf das Handwerkliche. Seine Druckerei wurden zum Beispiel von einer Handpresse betrieben. Außerdem blieb er trotz der klassischen Moderne, also trotz Zeitgenossen wie Picasso, den traditionellen Stilen verpflichtet.

Andrea Winklbauer schreibt zu Hammers Stil: "Ab den 1920er Jahren arbeitet H.[Hammer] im Stil der Neuen Sachlichkeit, wobei er sich einer altmeisterlichen Malweise bedient und mit seinen Komp.[Kompositionen] auf die Malerei der Frührenaissance zurückgreift; er fertigt in Silberstift Portr.[Porträts] und stellt häufig nach zeitgen.[zeitgenössischer] Mode gekleidete und frisierte Modelle in Posen, mit Requisiten und vor Hintergründen dar, wie sie aus Renaiss.-Portr. bek.[bekannt] sind (Mrs. Parmenia Ekstrom, 1940er Jahre), manchmal auch in historisierender Kleidung (Bildnis Frau Meuron, vor 1936) oder in Tracht (Portr. Konrad und Anna Mautner, 1914, '17)."[9] Ankwics verglich Hammer aufgrund seines glatten Farbauftrags und der Sauberkeit seiner Ausführung sogar mit Holbein; mit dem Hammer auch die sehr feinen Silberstiftzeichnungen gemeinsam hätte.[10]

Für die Bezeichnung als Renaissance Man spricht sicherlich auch, dass Hammer in mehreren Medien arbeitete und sogar theoretische Texte zu Kunst und Architektur verfasste, wie etwa seine Schrift A theory of architecture : a platonic dialog von 1951.

Schriften und Werke - Eine Auswahl

Schriften

  • Autobiographische Schrift: Victor Hammer (Österreichische Blätter, Bd. 2), Graz 1936.
  • A theory of architecture : a platonic Dialog, New York 1952.

Architektur

  • Kapelle, 1934-1936, Schloss Kolbsheim, Elsass, Frankreich.

Typographien

  • sog. Hammerschrift, 1923, Gebr. Klingspor.
  • Samson Unziale, ca. 1930, Privatschrift.
  • Pindarschrift, 1937, Privatschrift.
  • Aurora, 1941.
  • American Uncial, 1943, Dearborn TF.
  • Neue Hammer Unziale, 1953, Gebr. Klingspor.
  • Andromaque, 1958, Anvil Press.

Gemälde

  • Selbstbildnis mit Stimmgabel, Mischtechnik, 95x71 cm, Sammlung E. Khuner, Wien.
  • Selbstbildnis mit Pinsel, Mischtechnik, 108x88 cm, 1928, Sammlung E. J. Kaufmann, Pittsburgh, PA.
  • Bildnis von Edgar Kaufmann SR., 1929, Tempera auf Holz.
  • Florentinische Buchhändler im Borgo degli Albizi, um 1930, Lexington, University of Kentucky.
  • Baron Franckenstein, circa 1930-1931, Tempera auf Holz.
  • Die Ehebrecherin vor Christus, Tempera auf Holz.
  • Christus und die Geldwechsler, 1945, Tempera auf Goldgrund.
  • Kruzifix, 1957-1958, Tempera und Blattgold auf Holz.
  • Mnemosyne und ihre Töchter, die Musen (Triptychon), 1958-1961, Tempera und Blattgold auf Holz.

Bildhauerische Werke

Literatur

  • Ankwics 1922 : H. Ankwics, Viktor Hammer, in: Ulrich Thieme/Felix Becker (Hg.), Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler : von der Antike bis zur Gegenwart, 15. Gresse - Hanselmann, Leipzig 1922, S. 567.
  • Ausst.Kat. Leipzig/Frankfurt am Main/Berlin 2003 : Buchgestaltung im Exil. 1933-1950 (Ausst. Kat. Leipzig/Frankfurt am Main/Berlin, Deutsche Bibliothek, 2003), Wiesbaden 2003, S. 165-166.
  • Ausst.Kat. Raleigh 1965 : Victor Hammer. A retrospective Exhibition (Ausst. Kat. Raleigh, Museum of Art, April 1965), Raleigh 1965.
  • Czeike 1994 : Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, 3, Wien 1994, S. 38.
  • Hammer 1936 : Viktor Hammer, Victor Hammer (Österreichische Blätter, Bd. 2), Graz 1936.
  • Killy/Vierhaus 1996 : Walter Killy/Rudolf Vierhaus, Deutsche biographische Enzyklopädie, 4, München u.a. 1996, S. 361.
  • Roessler 1917-1918 : Arthur Roessler, Der Bildnismaler Viktor Hammer, in: Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten, 1917-1918, 41, S. 332-336. [1] (zuletzt aufgerufen am 22.8.2014)
  • Winklbauer 2010 : Andrea Winklbauer, Viktor Hammer, in: Allgemeines Künstler-Lexikon : die bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Bd. 68, 2010, S. 523.

Einzelnachweise

  1. Ausst. Kat. Raleigh 1965, S. 72-73.
  2. Winklbauer 2010, S. 523.
  3. Ausst. Kat. Raleigh 1965, S. 72-73.
  4. Ausst.Kat. Raleigh 1965, S. 73.
  5. Winklbauer 2010, S. 523.
  6. UAW, Senat 222.41, Rechnung von Viktor Hammer, 30.3.1965.
  7. Ausst.Kat. Raleigh 1965, S. 19.
  8. Ausst.Kat. Raleigh 1965, S. 68.
  9. Winklbauer 2010, S. 523.
  10. Ankwics 1922, S. 567.

Weblinks

Darstellungen


Cigdem Özel

Redigiert: Elena Koren SoSe 2014