Thomas Garrigue Masaryk

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Fotografie Thomas G. Masaryk
Abb.1, Denkmal Thomas Garrigue Masaryk

Tomáš Garrigue Masaryk (* 7. März 1850 in Hodonín, Mähren; † 14. September 1937 in Lány) war ein tschechischer Philosoph, Soziologe und Staatsmann. Das Denkmal Thomas Garrigue Masaryk wurde von dem Bildhauer Vincenc Makovsky für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und 1996 enthüllt.


Leben

Thomas Garrigue Masaryk wurde am 7. März 1850 in Hodonín (heute Tschechische Republik) geboren. Er besuchte das Gymnasium in Wien und interessierte sich sofort für die Philosophie, Sprachen, Dichtung, Kunst und historische Lektüren. [1] Von 1870 bis 1876 absolvierte er auch sein Studium der klassische Philologie und Philosophie an der Universität in Wien. Einer der Professoren, die ihn besonders beeinflussten, war der Philosoph Franz Brentano. Er eiferte ihm nach und übernahm einige seiner Theorien. Gegenüber Karel Čapek erzählte Masaryk dass, „In my student years in Vienna, the person who had the greatest influence on me as a teacher and a man was the philosopher Franz Brentano. I used to go and see him at his house very often...He helped me immensely by his emphasis on method, empiricism, and perhaps most of all by the example of his profound criticism of the philosophers and their teaching.“[2] Er verbrachte sieben Semestern mit seiner Lehrtätigkeit als außerordentlicher Privatdozent an der Universität Wien.[3] Eine besondere Vorliebe hatte er aber für Platon. Als zweites Studium belegte Masaryk außerdem noch Naturwissenschaften und Anatomie.[4] Von 1878 bis 1882 war er Privatdozent. 1882 wurde er Professor an der Tschechischen Hochschule in Prag. [5] Von 1891 bis 1893 war er als Vertreter der "Jungtschechen" und von 1907 bis 1914 als Vertreter der von ihm gegründeten "Realistenpartei" und Mitglied des österreichischen Reichsrats. 1914 war Masaryk bereits eine bekannte Persönlichkeit des politischen und akademischen Lebens. Er trat als Verteidiger der Demokratie auf. 1914 verließ er Österreich-Ungarn und gründete mit Edvard Beneš den tschechischen Nationalrat in Paris, schloss 1917 in den USA mit den tschechischen und slowakischen Emigranten den Pittsburgher Vertrag über die Gründung eines gemeinsamen Staates und wurde 1918 erster Präsident der Tschechoslowakei. Er wurde noch zweimal in das Amt des Präsidenten gewählt und versuchte während seiner Regierungstätigkeit den Ausgleich mit der deutschen Bevölkerung zu erreichen. Er erwarb in allen Bevölkerungskreisen Achtung und Anerkennung.[6] Masaryk starb am 14. Oktober 1937.

Schaffen

Thomas Garrigue Masaryk war erster Präsident der Tschechoslowakei und gilt für viele heute noch als tschechischer Nationalist, aber auch als Zerstörer der Donaumonarchie. Als Dozent der Philosophie wurde er von den Philosophen als Politiker gesehen und die Politiker nannten ihn einen Philosophen, die Anhänger der Monarchie eine Verräter, die Liberalen einen religiösen "Dunkelmann" und die Kleriker einen Atheisten. Weil Masaryk keine eigene Philosophie und auch kein eigenes politisches Programm hervorbrachte, sondern alle bereits vorhandenen Theorien untersuchte, lehnten ihn viele Zeitgenossen ab. Heute weiß man, dass er seiner Zeit weit voraus war; etwa als Philosoph, der die existentielle Problematik noch vor dem Existentialismus aufgreift oder auch als Politiker, der schon Anfang des 20. Jahrhunderts die Notwendigkeit einer europäischen Staatsgemeinschaft erkennt.[7] Als ein Moralist aus der Tradition Sokrates wurde er zum Kämpfer gegen alle geschlossenen Systeme und eingefrorenen Fronten.[8]

Schriften

  • Curriculum vitae, 1875.
  • Selbstmord als soziale Massenerscheinung, 1879.
  • Die philosophischen und soziologischen Grundlagen des Marxismus, Wien 1899.
  • Das neue Europa, engl. und frz. 1918, dt. 1922.
  • The Making of a State, 1925; Engl. 1927.


Literatur

  • Vilem Dolezal, Masaryks Lebensweg, 1920.
  • Karel Capek, Gespräche mit T. G. Masaryk, München 1969.
  • Milan Machovec,Thomas G. Masaryk. In Wien, Wien 1969, S. 237-244.
  • Willy Lorenz, Wer war Thomas Garrigue Masaryk?: Das Rätsel seiner Abstammung, Graz 1988, S. 313-319.

Einzelnachweise

  1. Machovec 1969, S. 237.
  2. Josef Novák (Hrsg.), On Masaryk: Texts in English and German, Rodopi Verlag, 1988, Seite 30, 31.
  3. Homepage der Masaryk Universität Brünn, http://www.muni.cz/history/tgm 8.06.2014
  4. Machovec 1969, S. 239.
  5. Lorenz 1988, S.314-315.
  6. http://austria-forum.org/af/AEIOU/Masaryk%2C%20Thomas%20Garrigue 12.02.2014
  7. Machovec 1969.
  8. Machovec 1969.



Michaela Pilat, 2013WS Carina Schaffer, 2014SS