Stephan Ladislaus Endlicher

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Stephan Ladislaus Endlicher, Lithographie von Josef Kriehuber, 1848,© Bildarchiv der ÖNB, Wien

Stephan Ladislaus Endlicher (* 24.6. 1804 in Pressburg; † 28.3. 1849 in Wien) war Professor für Botanik an der Universität Wien sowie Direktor des Botanischen Gartens und des botanischen Museums in Wien. Endlicher war ein hervorragender Pflanzensystematiker. Er beschäftigte sich mit altdeutscher und klassischer Philologie sowie der chinesischen Kultur. Das Denkmal Stephan Ladislaus Endlicher wurde vom Bildhauer Johann Kalmsteiner geschaffen und 1897 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.

Leben

Endlicher wurde als Sohn eines angesehenen praktischen Arztes in Pressburg geboren, wo er auch die Schule besuchte.[1] In weiterer Folge absolvierte er in Wien und Budapest das Studium der Philosophie und trat danach in das erzbischöfliche Seminar in Wien ein um sich dem Studium der Theologie zu widmen. 1826 verließ Endlicher, nach Beendigung seines Theologie Studiums und Empfang der ersten Weihe, die geistliche Laufbahn und kehrte zurück nach Pressburg. Ab 1828 war er an der kaiserlichen Hofbibliothek in Wien tätig, wo er mit der Edition eines Handschriftenkataloges beschäftigt war. Seine Stellung an der Bibliothek war förderlich um Schriften zu veröffentlichen, wodurch er einen bedeutenden Ruf als Schriftsteller erhielt. Sein Vater machte ihn durch Spaziergänge auf die Schönheiten der Natur aufmerksam. Fasziniert davon wandte sich Endlicher der Botanik zu. 1836 wurde Endlicher zum Kustos der botanischen Abteilung des Hofnaturalienkabinett ernannt. In weiterer Folge wurde er 1840 zum Professor der Botanik und Direktor des botanischen Gartens in Wien gemacht, als welcher er 1844 das Museum im botanischen Garten errichten ließ.[2] Trotz der Aufmerksamkeit Kaiser Ferdinands, schloss er sich 1848 der freiheitlichen Bewegung an und wurde in das Frankfurter Parlament und in den Reichstag von Kremsier gewählt, zog sich jedoch bald wieder zurück.[3] Mit Joseph von Hammer-Purgstall setzte er sich 1847 für die Gründung der Akademie der Wissenschaften ein, trat aber bereits am 11.März 1848 wieder aus. Endlichers wissenschaftliche Arbeiten weisen neben klassischer, deutscher Philologie, chinesischer Grammatik und Geographie und Numismatik auch die ungarische Rechtsgeschichte auf. Im Jahre 1845 brachte er die " Anfangsgründe der chinesischen Grammatik" heraus. Seine größte Anerkennung holte er sich jedoch als Botaniker, er gab 1836–1850 das grundlegende in 23 Teilen gegliederte Buch "General plantarum" heraus, welches eine umfassende Darstellung des Pflanzenreiches zeigt. Über die Umstände des Todes ist nichts genaues bekannt, er starb am 28.März 1849 nach kurzem Krankenlager, im Alter von 45 Jahren, in Wien. Es gibt aber das Gerücht er hätte sich selber vergiftet.[4]

Endlicher war ursprünglich auf dem katholischen Friedhof in Matzleinsdorf begraben, erhielt nach dessen Auflösung jedoch ein Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof ( Gr.0/Nr. 38 re). Des Weiteren ist ihm eine Gasse im zehnten Wiener Gemeindebezirk gewidmet.[5] Sein von Johann Kalmsteiner geschaffenes Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien wurde am 4. Juli 1897 feierlich enthüllt.

Schaffen

Stephan Ladislaus Endlicher, ein Mann mit einer Vielfalt an Begabungen und Interessen erwarb als Direktor des Botanischen Gartens große Verdienste, indem er sich dessen Neugestaltung und der Errichtung eines Museumsgebäudes annahm. Außerdem leitete er auch die neue Aufstellung und Ordnung des reichen Herbariums und begründete, die mit dem Museum vereinte, botanische Bibliothek. Seine eigene Sammlung botanischer Werke, neben dem Herbarium, schenkte er dem Staat Österreich. Seine größte Anerkennung erwarb er als Botaniker, unter anderem durch sein Hauptwerk "Genera plantarum secundum Ordines plantarum", welches eine Darstellung des Pflanzenreiches in einem natürlichen, allerdings noch, der aristotelischen Lehre von dem „Konstanz der Arten“, voraussetzendes System zeigt. Es zeigt eine Beschreibung sämtlicher damals bekannter Ordnungen und Gattungen des Pflanzenreiches mit genauer Angabe der Literatur, Synonymen, wichtigsten Abbildungen, geographischer Verbreitung und medizinischer und technischer Verwendung. Die Anordnung geschah nach einem neuen, von Franz Unger in Zusammenarbeit mit Endlicher entworfenen System (Grundzüge der Botanik, 1843). Für die Botanik Österreichs bedeutete das Wirken dieser beiden Akademiker eine neue Blütezeit nach einer Periode vorübergehender Stagnation.[6]

Werke (Auswahl)

  • Flora Posoniensis, 1830.
  • Prodromus Florae Norfolkicae, 1833
  • Atakta botanika, 4 H., 1833.
  • Analecta grammatica, 1836.
  • Genera plantarum secundum ordines naturales disposita, 1836–50.
  • Iconographia generum plantarum, 1-10, 1838–40.
  • Atlas von china, 6 Lieferungen, 1843.
  • Grundzüge der Botanik ( gem. mit F. Unger), 1843–45.
  • Anfangsgründe der chines. Grammatik, 1844.
  • Synopsis Conferarum, 1847
  • SynopsisConferarum, 1847.
  • Die Gesetze des hl. Stephan, 1849.
  • Hrsg.Rerum Hungaricarum monumenta Arpadiana, 1849.[7]

Literatur

  • Czeike 1997 : Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, 2, Wien 1997.
  • Maisel 2007 : Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.
  • Österreichisches biographisches Lexikon 1815-1950, herausgegeben von der österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1956.
  • Kleindel 1987: Walter Kleindel, Das Grosse Buch der Österreicher, 4500 Personendarstellungen in Wort und Bild, Namen, Daten, Fakten, Wien 1987.
  • ADB 1877: ReichardtHeinrich Wilhelm, Karl Ritter von, in : Allgemeine Deutsche Biographie , 6, Leipzig 1877, S. 108–110.
  • Haberlandt 1899: G. Haberlandt ( Hg.), Briefwechsel zwischen Franz Unger und Stephan Endlicher , Berlin 1899.

Einzelnachweise

  1. Czeike 1997, S. 182.
  2. Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950, Wien 1956, Bd.1, S. 249.
  3. Maisel 2007, S. 44
  4. Haberlandt 1899, S. 169.
  5. austria-forum.org
  6. ADB 1877, S. 108–110
  7. Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950, Wien 1956, Bd. 1, S. 249.

Weblinks

Darstellungen

  • Grab Stephan Ladislaus Endlicher
  • Kopie der Büste Endlichers aus dem Arkadenhof der Universität Wien in der Aula des Botanischen Institut der Universität Wien
  • Denkmal für Stephan Ladislaus Endlicher von Johann Kalmsteiner im Arkadenhof der Universität Wien




redigiert von Carina Schaffer, 2014SS