Stefan Schwartz

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Stefan Schwartz, 1891.

Stefan Schwartz (* 20. August 1851 in Neutra/Ungarn; † 31. Juli. 1924 in Raabs a. d. Thaya/Niederösterreich) war Bildhauer, Medailleur und Ziseleur (Abb. 1).

Leben

Stefan Schwartz wurde am 20. August 1851 im ungarischem Neutra (1918 der Tschechoslowakei eingegliedert) als Sohn des Tischlermeisters Johann Schwarcz geboren. Er hätte nach dem Willen seiner Eltern Geistlicher werden sollen, was allerdings nicht seinen eigenen Vorstellungen entsprach.[1]

Nach Abbruch des Gymnasiums arbeitete Stefan Schwartz von 1864-1865 in der Metallwarenfabrik seines Vetters in Pest, der dessen künstlerisches Talent erkannte. [2] Daneben erhielt Stefan Schwartz Zeichenunterricht. Nach Auflösung der Fabrik übersiedelte Schwartz nach Wien, wo er in der Hof-Bronzewarenfabrik Dziedinski & Hanusch eine Ausbildung zum Meister der Ziselierkunst absolvierte. Daneben nahm er am Unterricht an der Realschule auf der Wieden teil, wo er Modellieren und figurales Zeichnen erlernte. 1868 trat Stefan Schwartz in die k.k. hof-, kammer- und landesbefugte Gold-, Silber- und Metallwaren-Fabrik Mayerhofer & Klinkosch ein. Von 1869 bis 1871 erhielt er eine Ausbildung bei Professor Otto König an der Kunstgewerbeschule in Wien, wo er sich vor allem der figuralen Plastik widmete. [3]

1872 folgte, zusammen mit dem Ziseleur Rudolf Mayer, die Eröffnung eines selbständigen Ateliers für Ziseleurarbeiten in der Josefstadt, wobei Schwartz auch Schüler der Kunstgewerbeschule privat unterrichtete. Es folgten mehrere Studienreisen nach Italien, Frankreich, Deutschland sowie Belgien. 1875 heiratete Schwartz Carolina Robel, welche allerdings bereits 1876 verstarb. Noch 1875 verpflichtete ihn Rudolf von Eitelberger als Lehrer der Ziseleurkunst an der Kunstgewerbeschule in Wien, wo er für die Errichtung einer Abteilung für Ziselieren und Gravieren eintrat.[4]

Die provisorische Leitung der "Schule für Ciselieren und verwandte Fächer" übernahm Schwartz schließlich im darauffolgenden Jahr. Das Ziselieratelier wird ebenso noch 1876 eröffnet. 1877 wurde Stefan Schwartz zum "Assistenten der Fachschule für Bildhauerei" berufen und schließlich im Jahre 1881 zum "Wirklichen Lehrer" an der Kunstgewerbeschule ernannt. Am 14. Juli 1884 erhieltt Schwartz sodann den Professorentitel. Von 1902 bis 1911 war Stefan Schwartz fortan als Professor im Spezialatelier für Metallplastik tätig, von 1911 bis 1914 unterrichtete er in der kunstgewerblichen Werkstätte für Metallplastik.

Stefan Schwartz verstarb am 31. Juli 1924 in Raabs an der Thaya. Sein Leichnam wurde nach Wien überführt, wo er am Zentralfriedhof bestattet ist. [5]

Schaffen

Das Oeuvre von Stefan Schwartz erstreckt sich von Kleinplastiken über großformatige Denkmäler bis zu monumentalen Standbildern und Marmorbüsten. Besonders geschätzt werden seine qualitativ hochwertigen numismatischen Arbeiten, denen die Forschungsliteratur auch die meiste Aufmerksamkeit innerhalb seines Oeuvres schenkt. [6]

Werke (Auswahl)

Plastiken und Skulpturen:

  • Gruftdenkmal für Rudolf von Eitelberger am Wiener Zentralfriedhof (Abb. 2)
  • "Adventus Augusti", Reiterstandbild in der Hofburg in Wien , Durchgang Michaelator, linke Seite
  • Blütezeit des Rittertums", Hofburg in Wien, Fassade des Heldenplatzes, zehnte Skulptur von links
  • "Seneca", marmornes Standbild, Sitzungssaal des Wiener Parlaments
  • Friedrich Graf Schönborn, Marmorbüste, Wien, Parlament-Säulenhalle
  • Marmorbüste Rudolf von Eitelberger, Wien, ehemaliges Museum der Stadt Wien
  • Marmorbüste Prof. J. Heider, Wien, ehemaliges Museum der Stadt Wien
  • Denkmal für Karl Schenkl, Arkadenhof der Universität Wien (Abb. 11)
  • Denkmal Prof. Sigmund Exner, Physiologisches Institut der Universität Wien (Abb. 3)
  • Denkmal Prof. Viktor von Ebner, Wien, Universität, Histologisches Institut
  • Krupp-Gedenkstein im Theaterpark Berndorf in Niederösterreich[7]

Medaillen:

  • Medaille auf die silberne Hochzeit des Kaiserpaares, gewidmet von der Stadt Budapest, 90 mm, 24. 4. 1879
  • Medaille für Rudolf von Eitelberger, 1817-1885, Professor der Kunstgeschichte, Gründer und Direktor des k.k Österreichischen Museums für Kunst und Industrie in Wien. Auf seinen Tod (18.4. 1885), 1885, 62 mm (Abb. 4).
  • Medaille für Dr. Theodor Billroth, 1829-1894, Chirurg, Professor der Medizin. Auf seinen 60. Geburtstag, gewidmet von seinen Schülern und Freunden, 26. 4. 1889, 62 mm (Abb. 5).
  • Medaille auf den Tod der Kaiserin Elisabeth, 40 mm, 10. 9. 1898
  • Medaille auf das 50jährige Regierungsjubiläum des Kaisers, 22/18 mm, oval, 1898
  • Medaille auf das 60jährige Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Josef I. gewidmet von der Stadt Wien, 75/75 mm, achteckig, 1908.
  • Porträtmedaille auf Kaiser Franz Josef I., 45/36 mm, oval, einseitig, 1898
  • Porträtmedaille auf Kaiserin Elisabeth, 45/36 mm, oval einseitig, 1898
  • Staatsmedaille für Bildende Kunst, 50 mm, 1907
  • Preismedaille der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, 70 mm, ohne Jahresangabe
  • Medaille auf die Weltausstellung in St. Louis, 151/98 mm, oval, 1904
  • Große Preismedaille der Stadt Venedig für die Internationale Kunstausstellung 58 mm, 1903
  • Auf die Jubiläums-Gewerbe-Ausstellung in Wien, veranstaltet vom Niederösterreichischen Gewerbeverein 65 mm, 1888[8]

Plaketten:

  • Porträtplakette auf Ludwig van Beethoven, 177/134 mm, einseitig, ohne Jahresangabe
  • Porträtplakette auf Dante Alighieri, 178/136 mm, achteckig, einseitig, ohne Jahresangabe (Abb. 6)
  • Porträtplakette auf Jeanette von Eitelberger, 128/98 mm, einseitig, 1892
  • Porträtplakette auf Wilhelm Exner, 179/113 mm, einseitig 1904 (Abb. 7)
  • Porträtplakette auf Johann Wolfgang von Goethe, 179/137 mm, ohne Jahresangabe
  • Porträtplakette auf Rudolf Fürst zu Liechtenstein, 80/62 mm, ohne Jahresangabe
  • Porträtplakette auf Napoleon I. 196/147 mm, ohne Jahresangabe
  • Porträtplakette auf Friedrich von Schiller, 216/170 mm, ohne Jahresangabe
  • Porträtplakette auf Richard Wagner, 195/145 mm, ohne Jahresangabe
  • Porträtplakette auf George Washington, 197/150 mm, einseitig, ohne Jahresangabe[9]

Plaketten und Medaillen mit Themen sakralen oder mythologischen Inhalts:

  • Plakette "Madonna mit Kind", 81/74 mm, einseitig (Abb. 8)
  • Plakette "Drei Grazien", 81/62 mm, achteckig, einseitig (Abb. 9)
  • Medaille Avers: "Der heilige Hubertus im Wald vor dem Hirschen knieend"; Revers: "Tannenreisig und Eichenlaub von einem leeren Schriftband umwunden", 26 mm
  • Plakette "Nacktes Brustbild des Gekreuzigten mit Dornenkrone", 80/61 mm [10]

Ganz besonders hervorzuheben ist die von Stefan Schwartz gestaltete Österreichische Kronenmünze in Silber und Gold, auf der Kaiser Franz Joseph dargestellt ist und welche die Signatur des Künstlers zeigt (Abb. 10). Diese Besonderheit beweist den Stellenwert, den Stefan Schwartz auch beim Kaiserhaus genoss.

Ehrungen

  • 1878, Bei der Weltausstellung in Paris erhält Stefan Schwartz drei Medaillen, unter anderem für seine Verdienste als Lehrer an der k.k. Kunstgewerbeschule in Wien
  • 1885, Ausstellungsmedaille bei der Ungarischen Landesausstellung in Budapest
  • 1886, Ehrenvolle Erwähnung von zwei Statuetten bei der Jubiläums-Ausstellung in Berlin
  • 1893, Medaille für ausgestellte kleinplastische Bronzen bei der Columbischen Weltausstellung in Chicago
  • 1896, Auszeichnung für ausgestellte Medaillen auf der Internationalen Kunstausstellung in Berlin
  • 1898, Verleihung des Ritterkreuzes des Josefs-Ordens
  • 1900, Medaille d'or bei der Weltausstellung in Paris
  • 1904, Gold- und Bronzemedaille bei der Weltausstellung in St. Louis
  • 1906, Kommandeurkreuz des St.Sava-Ordens, verliehen von König Peter I. für das Modellieren neuer serbischer Silbermünzen
  • 1906, Verleihung der Erzherzog-Karl-Ludwig-Medaille
  • 1910, Verleihung des montenegrinischen Danilo-Ordens III. Klasse durch König Nikolaus I. für die Modellierung von Münzen mit dem Portrait des Königs
  • 1910, Ernennung zum k.k. Regierungsrat
  • 1918, August-Miller-Ehrenpreis für die Marmorbüste von Sigmund Exner [11]

Mitgliedschaften

  • 1880, Mitglied des Wiener Künstlerhauses
  • 1889, Ordentliches Mitglied im "Club der Plastiker" (spätere Vereinigung der Bildhauer), in der Folge Ausübung verschiedener Funktionen innerhalb der Vereinigung der Bildhauer
  • 1893, Mitglied in der "Wiener Numismatischen Gesellschaft"
  • 1905, Mitglied im "Künstlerverband österreichischer Bildhauer"
  • 1910, Ehrenmitglied der "Vereinigung der Wiener Medailleure"
  • 1921, Mitglied des Sachverständigenkollegiums für den Bereich der Bildenden Künste in Wien in Angelegenheiten des Urheberrechts[12]

Literatur

  • Czeike 1997: Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, 5, Wien 1997, S. 171
  • Holy 2007: Monika J. Holy, Stefan Schwartz. Bildhauer, Medailleur und Ziseleur in Wien. 1851-1924, Wien 2007
  • Hauser 1994: Peter Hauser, Stefan Schwartz. Medailleur. Familienbiographie und Medaillenkatalog, Linz 1994

Einzelnachweise

  1. Hauser 1994, S. 9
  2. Czeike 1997, S. 171
  3. Holy 2007, S. 27
  4. Holy 2007, S. 27
  5. Holy 2007, S. 28
  6. Hauser 1994, S. 15-16
  7. Hauser 1994, S. 16
  8. Hauser 1994, S. 29-37
  9. Hauser 1994, S. 41-64
  10. Hauser 1994, S. 65-70
  11. Holy 2007, S. 28-30
  12. Holy 2007, S. 30-32

Darstellungen


Caroline Mang, Herbert Kreiser