Sigmund Freud

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Wiener Pressebilddienst Votava, Sigmund Freud.

Sigmund Freud (* 5. Mai 1856 in PřÍbor; † 23. September 1939 in London) war ein österreichischer Neurologe und gilt als Begründer der Psychoanalyse. Freuds Lehren bilden bis heute das Grundgerüst für die moderne Tiefenpsychologie. Das Denkmal Sigmund Freuds im Arkadenhof der Universität Wien ist eine Kopie der Büste von Paul Königsberger welche im Freudmuseum in der Berggasse 19 aufbewahrt wird.

Leben

Sigmund Salomon Freud wurde als Sohn des Wollhändlers Kallamon Jacob Freud (* 1815; † 1896) und seiner Frau Amalia (* 1835; † 1930), geborene Nathansohn, in Freiberg, heutiges PřÍbor, geboren. Insgesamt hatte Sigmund sieben Geschwister, zwei Brüder und fünf Schwestern. Nachdem der Vater im Wolltuchgeschäft aufgrund der Verlagerung der Handelsstraßen in Freiburg keine Zukunft für seine Familie sah, erfolgte die Übersiedlung nach Wien.[1] Sigmund wurde vorerst von seinen Eltern zu Hause unterrichtet. Anschließend schickte man ihn auf eine Privatschule, deren Name bis heute nicht bekannt ist. Im Alter von neun Jahren wechselte er nach erfolgreicher Aufnahmeprüfung an das Leopoldstädter Communal-Realgymnasium. Während seiner Schulzeit erfreute sich der junge Freud besonders an Literatur, woraus sich auch seine schöne Ausdrucksweise und Sprache entwickelt hatte. Nach einer mit Auszeichnung bestandenen Matura wollte Freud zunächst Jura studieren, da sein Freund Heinrich Braun (* 1854; † 1927), ein späterer Sozialpolitiker, ihn dazu bewogen hatte. Aufgrund eines Vortrages von Carl Brühl (* 1820; † 1899) über die Natur, fühlte er sich jedoch bald darauf dazu berufen, Medizin zu studieren. Im Herbst des Jahres 1873 folgte die Immatrikulation an der Universität Wien. Der äußerst fleißige und begabte Freud konnte aber erst am 30. März 1881 promovieren. Obwohl Sigmunds Familie immer an der Grenze zur Armut gelebt hatte, wurde er von seinem Vater während des Studiums finanziell unterstützt.[2] 1882 trat Freud eine Stelle im Wiener Allgemeinen Krankenhaus unter Theodor Meynert an, die er bis 1885 innehatte. Dort arbeitete er im Laboratorium für Gehirnanatomie im Bereich der Neurophysiologie. Aufgrund von fachlichen und persönlichen Differenzen gab Freud diese Stelle jedoch auf.[3] In seiner ersten wissenschaftlichen Arbeit am Zoologischen Institut unter Carl Claus (* 1835; † 1899) beschäftigte sich Freud mit männlichen Flussaalen, wo er zum ersten Mal in Kontakt mit der Intersexualität kam. Am 5. September 1885 wurde Sigmund Freud die Dozentur für Neuropathologie verliehen. Von 1885 bis 1886 hielt er sich im Rahmen des Universitäts-Jubiläums-Reisestipendiums an der Salpêtrière in Paris auf, wo er unter Jean-Martin Charcot (* 1825; † 1893) im Bereich der Hysterie und Hypnose als Behandlungsmethode forschte und arbeitete. 1902 folgte die Ernennung zum außerordentlichen-, und 1919 zum ordentlichen Professor an der Universität Wien. Neben zahlreichen Ehrungen wurden Sigmund Freud unter anderem der Titel des Ehrendoktors an der Clark University in Worcester verliehen. Ebenso wurde er im Jahr 1936 zum korrespondierenden Mitglied der “Royal Society” ernannt. Als Begründer der Psychoanalyse sowie der Kinderneurologie hat Freud im Zuge seiner Forschungen unbekannte Symptome entdeckt und neue Fachgebiete der Medizin geschaffen.[4] Er selbst erkrankte aufgrund seines erhöhten Zigarrenkonsums, etwa 20 Stück pro Tag, 1923 an einem Gaumenkarzinom. In 32 folgenden Operationen wurden ihm die komplette rechte Gaumenseite sowie ein Teil des Kiefer entfernt und eine Prothese eingesetzt, die den Namen “Ungeheuer” erhielt. Das Tragen der Prothese war äußerst unangenehm und mit großen Schmerzen verbunden, da das umliegende Gewebe und die Wunden ständig gereizt wurden. Aufgrund der nicht enden wollenden Schmerzen beging er, unter Aufsicht seines Arztes, am 23. September 1939 im Alter von 83 Jahren mit eine Überdosis Morphium Selbstmord in seinem Haus in London.[5] Freuds Wunsch folgend wurde sein Körper verbrannt und die Asche in einer griechischen Vase aus seiner Sammlung aufbewahrt.[6]

Im Auftrag von Maximilian Eitingon (* 1881; † 1943), einem Schüler Sigmund Freuds, schuf David Paul Königsberger schon 1920 eine Büste des Psychoanalytikers. Bei der Enthüllung im Arkadenhof der Universität Wien 1955 wurde aber nur eine Kopie dieser Büste enthüllt, das Original befindet sich bis heute im Sigmund-Freud-Museum in Wien.[7] An seiner ehemaligen, wiener Wohnadresse, in der Berggasse 19, wurde eine Gedenktafel zu Ehren Sigmund Freuds montiert. Eine Stele im Sigmund Freud-Park soll heute ebenfalls an den Begründer der Psychoanalyse erinnern. Doch auch außerhalb Österreichs wurden seinen Ehren Denkmäler errichtet.

Privates

Sigmund Freud war seit 1886 glücklich mit Martha Bernays verheiratet, mit der er sich bereits während seiner Studienzeit verlobt hatte. Vor der Heirat war das Paar vier lange Jahre getrennt gewesen, da Martha mit ihrer Familie vorübergehend in Hamburg gelebt hatte. Bereits 1887 wurde dem Paar das erste Kind geboren, fünf weitere sollten in den folgenden Jahren noch hinzukommen, darunter auch seine bekannte Tochter Anna Freud. Vor allem in späteren Jahren aber verbrachte Freud zunehmend mehr Zeit mit seiner Tochter Anna, die ihm sowohl eine wichtige soziale Stütze als auch gute Mitarbeiterin war. Anna Freud nahm als Stellvertreterin ihres Vaters an zahlreichen Ehrungen und Auszeichnungen teil, denen Freud aufgrund seiner Gebrechlichkeit nicht mehr beiwohnen konnte. Vor allem nach der Emigration nach Großbritannien war Anna diejenige, die ihren Vater liebevoll umsorgte und ihm so einen schönen Lebensabend bereiten konnte. Trotz weltweiter Anerkennung und Ehrungen blieb er ein bodenständiger, den Traditionen verhafteter Mensch und Familienvater, der sich in seiner Freizeit gerne mit dem Tarock-Spiel die Zeit vertrieb.[8]

Freud und der Nationalsozialismus

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 in Deutschland wurde Freud von Freunden gewarnt und dazu aufgefordert, Wien so schnell wie möglich zu verlassen und ins Ausland zu emigrieren, um nicht in die Hände der Putschisten zu fallen. Freuds Psychoanalyse war bereits den groß inszenierten Bücherverbrennungen der Nazis zum Opfer gefallen und auch seine Familie mit jüdischer Abstammung erwartete eine traurige Zukunft. Als nach der Machtübernahme Österreichs 1938 SA-Männer die Wohnung Freuds am 15. März durchsuchten, blieb die Familie vorerst verschont. Bereits eine Woche später gab es eine erneute Hausdurchsuchung, bei der Anna Freud, eine Tochter Sigmunds, abgeführt wurde. Das Warten auf die Rückkehr der Tochter war für Freud unerträglich, weshalb er auch nach ihrer Heimkehr am selbigen Tag den Entschluss gefasst hatte, ins Ausland zu emigrieren. Nach dreimonatiger Wartezeit wurde der Familie die Ausreisegenehmigung erteilt. Am 4. Juni 1938 verließ Sigmund Freud mit seiner Familie Wien. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Paris, gelangten sie nach London, wo Freud seine letzten Lebensjahre verbringen sollte. Freud hatte seine vier älteren Schwestern in Wien zurückgelassen. 1942 wurden sie in Konzentrationslager verschleppt und anschließend ermordet.[9]

Schaffen

Freud widmete sich während seiner medizinischen Laufbahn vorrangig der Erforschung des menschlichen Seelenlebens. Besondere Bedeutung erlangte er durch die Erfindung der Psychoanalyse, die ihm weltweites Ansehen einbrachte. Zu Beginn seiner wissenschaftlichen Karriere beschäftigte sich Sigmund Freud mit Forschungen über 400 Flussaalen. Als er jedoch mit den Ergebnissen dieser Arbeit nicht zufrieden war, wechselte er an das Physiologische Institut unter Ernst Wilhelm von Brücke, wo er neuro-histologische Arbeiten durchführen konnte. Ab 1884 widmete er sich Studien über Kokain, deren Wirkung er in Selbstexperimenten testete. Freud publizierte die Ergebnisse seiner Arbeit, die sowohl einen Gesamtüberblick als auch über die Wirkung der bisher unbekannten Droge bot. Während eines Aufenthaltes an der Salpêtrière in Paris wuchs sein Interesse an der Psychologie der Nervenpathologie, welche im weiteren Verlauf zu seinem Hauptforschungsgebiet werden sollte. Im Anschluss an die Rückkehr nach Wien eröffnete der 30-jährige Freud seine erste Privatpraxis in der Rathausstraße und war nebenbei auch auf der neurologischen Abteilung der Kinderklinik tätig. Zu seinen Patienten zählten vor allem Nervenkranke, die er mit den üblichen Methoden versucht hatte zu heilen. Als diese aber nicht den gewünschten Erfolg mit sich brachten, kam es zum Einsatz der Hypnose. Mit der Hilfe Josef Breuers war es ihm gelungen nachzuweisen, dass ein Patient während einer Hypnose in die Situation zurückgeführt werden konnten, durch die die Symptome entstanden waren. Dadurch konnte der unterdrückte Affekt an die Oberfläche gebracht werden und der Patient war geheilt.

Freud entdeckte im Zuge seiner Forschungen ein weiteres psychisches System welches er den Ödipus-komplex nannte. Dabei handelt es sich um einen Entwicklungsablauf im Kindesalter in dem sich das Kind vom gegengeschlechtlichen Elternteil angezogen fühlt und den gleichgeschlechtlichen als Konkurrenz und rachsüchtig empfindet. Die Anerkennung blieb zunächst aus, erst 1899 als er sein Buch "Die Traumdeutung" publizierte, wurde ihm großes Lob und Anerkennung zuteil. Sigmund Freud hatte bewiesen, dass der Traum Ausdruck psychischer und emotionaler Verarbeitungsprozesse war. Die Arbeiten auf diesen Gebieten, sowie der infantilen- und Sexualität im Allgemeinen, bildeten das zentrale Element der Freud’schen Forschung und brachten einen radikalen Umbruch in der Psychologie mit sich. 1923 erreichte Freud den Höhepunkt seiner wissenschaftlichen Tätigkeiten mit der Veröffentlichung "Das Ich und das Es". Die Strukturtheorie der Psyche nach Freud teilt diese, in ein bewusstes Ich, ein Über-Ich – das Gewissen - und ein unbewusstes Es. Im Laufe der Jahre entstand unter Sigmund Freud ein System zur theoretischen und praktischen Analyse der gesamten menschlichen Persönlichkeit. Aus diesen Forschungstätigkeiten heraus entwickelte sich die Wissenschaft der seelischen Prozesse.

Sigmund Freuds Psychoanalyse war Ausgangspunkt für weitere Forschungsarbeiten und in weiterer Folge auch die Basis der modernen Tiefenpsychologie sowie der Psychotherapie. Zahlreiche Schüler des bekannten Psychoanalytikers, darunter Carl Gustav Jung (* 1875; † 1961) oder Alfred Adler (* 1870; † 1937) gründeten darauf basierend ihre eigenen Lehren und gelangten ebenfalls zu großem Ansehen. Trotz den herausragenden Leistungen gab es innerhalb Österreichs keine Auszeichnung für Sigmund Freud. Sowohl das noch zu Zeiten der Monarchie oft verliehene Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft als auch das österreichische Verdienstkreuz blieben ihm verwehrt. Freuds Psychoanalyse nahm nicht nur auf Psychiatrie und Allgemeinmedizin großen Einfluss, sie griff auch auf die Geisteswissenschaften über und führte zu veränderten Einstellungen gegenüber der Kunst, Religion und Literatur.[10]

Schriften

  • Sammlung kleiner Schriften zur Neurosenlehre, 1893-1906.
  • Die Traumdeutung, 1900.
  • Über den Traum, 1901.
  • Zur Psychopathologie des Alltagslebens, 1901.
  • Über Psychoanalyse, 1909.
  • Totem und Tabu, 1913.
  • Massenpsychologie und Ich-Analyse, 1921.
  • Das Ich und das Es, 1923.
  • Zeitgemäßes über Krieg und Tod, 1924.
  • Zur Einführung des Narzissmus, 1924.
  • Theoretische Schriften, 1931.

Einzelnachweise

  1. Freud 2006, S. 10-11.
  2. Freud 2006, S. 12-13.
  3. http://www.biologie-seite.de/Biologie/Sigmund_Freud
  4. Freud 2006, S. 13-38.
  5. Tragl 2007, S. 136.
  6. Freud 2006, S. 10-38.
  7. Maisel 2007, S. 79.
  8. Freud 2006, S. 13-38.
  9. Freud 2006, S. 34-35.
  10. Freud 2006, S. 13-37.

Literatur

  • Eissler 1966: Kurt R. Eissler, Sigmund Freud und die Universität Wien. Über die Pseudo-Wissenschaftlichkeit der jüngsten Freud-Biographik, Bern 1966.
  • Fischer 2005: Lisa Fischer (u.a.), Sigmund Freud. Wiener Schauplätze der Psychoanalyse, Wien (u.a) 2005.
  • Freud 2006: Ernst Freud (Hg.), Sigmund Freud. Sein Leben in Bildern und Texten, Frankfurt am Main 2006.
  • Günter 2007: Michael Günter (Hg.), Sigmund Freud. Die Aktualität des Unbewussten, Tübingen 2007.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien. Biographische Skizzen, Wien 1990.
  • Schmidbauer 2005: Wolfgang Schmidbauer, Der Mensch Sigmund Freud. Ein seelisch verwundeter Arzt?, Stuttgart 2005.
  • Tichy 1999: Marina Tichy (u.a.), Freud in der Presse. Rezeption Sigmund Freuds und der Psychoanalyse in Österreich 1895-1938, Wien 1999.
  • Tragl 2007: Karl Heinz Tragl, Chronik der Wiener Krankenanstalten, Wien (u.a.) 2007.

Weblinks

Darstellungen


Carola Auer, Kevin Breiteneder, Carina Schaffer