Rudolf Weyr

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Rudolf Weyr, 1894, mit seiner Brunnenskulptur "Macht zur See" für die Fassade des Michaelertraktes

Rudolf Weyr (geb. 22. März 1847 in Wien, gest. 30.Oktober 1914 ebda.) war neben Viktor Tilgner Hauptvertreter der Bildhauerei der Ringstraßenepoche. Er schuf 1896/98 das Denkmal für den Ophthalmologen Ludwig Mauthner im Arkadenhof der Universität Wien.

Leben

Rudolf Weyr studierte von 1864 bis 1872 an der Akademie der bildenden Künste unter Franz Bauer. Bei ihm erlernte er die Grundlagen der bildhauerischen Techniken. Anschließend studierte er noch zwei Jahre am Wiener Polytechnikum Architektur. Aus dieser Mischung sollte sich auch sein Hauptaufgabengebiet in der Kunst ergeben: Er schuf zu vielen Gebäuden der Ringstraße den skulpturalen Bauschmuck. Bereits zu seiner Studienzeit stach er durch seine Leistungen hervor, so gewann er 1865 den Füger’schen Compositonspreis. Bekanntheit erlangte er aber durch seine Simson und Delila-Gruppe 1870, wofür er den Reichelpreis bekam. Es folgten weitere Preise: 1872 für den Entwurf einer Medaille zur Weltausstellung von 1873,[1] 1873 gemeinsam mit dem Medailleur Anton Scharff Preis von der Wiener Künstlergenossenschaft für eine Erzherzog Karl Ludwig-Ehrenmedaille,[2] und 1878 der zweite Preis für einen Entwurf des Denkmals für den Dichter Grillparzer im Wiener Volksgarten, an dessen Ausführung er sich auch beteiligte. Vor allem die 1880er Jahre waren für Weyr eine Zeit von zahlreichen Aufträgen (siehe Schaffen). Ab 1889 war er Professor am Polytechnikum, sowie 1898 und 1901 Vorstand der Wiener Künstlergenossenschaft. Außerdem wurde er Ehrenmitglied der k. k. Akademie der bildenden Künste, deren Präsident er 1911/12 war. Eine besondere Ehrung war seine Erhebung in den Ritterstand 1911 durch den Kaiser. Am 30. Oktober verstarb er schließlich in Wien.[3]

Schaffen

Rudolf Weyrs Hauptaufgabengebiet lag zweifellos im Bauschmuck. Hierzu zählen vor allem die Bogenzwickelfiguren und die Reliefs der Kunststädte am Kunsthistorischen Museum, sowie die überlebensgroße Statue des Kaisers Karl VI. für das Universitätsgebäude schuf er zwei Gruppen, die die medizinische und juridische Fakultät darstellen. Maßgeblich am Bauschmuck beteiligt war er für das Hofburgtheater, wofür er 1883 Zwickelfiguren schuf, sowie den Fries mit dem Triumphzug des Bacchus und der Ariadne. Im Zuschauerraum stellte er außerdem den plastischen Dekor an der Decke her. Ebenso schuf er unter anderem den Dekor des Kuppelraumes im Naturhistorischen Museum. Im Parlament stellte er weitere zwei Marmor-Reliefs her, die den Wohlstand und die Industrie zeigen. Weyr war also intensiv an der Gestaltung der damals neuen Bauten der Ringstraße beteiligt und hat zu deren heutigem Erscheinungsbild maßgeblich beigetragen.[4]

Abgesehen von Bauschmuck, hat er auch zahlreiche Denkmäler geschaffen beziehungsweise bei größeren Denkmalprojekten mitgearbeitet. Zu nennen sind das Grillparzer-Denkmal, das Denkmal für die Brandopfer des Ringtheaters im Zentralfriedhof (1882-1886), das Canon-Denkmal (1906) im Stadtpark, sowie das Brahms-Denkmal (1908) auf dem Karlsplatz. Außerdem schuf er mehrere Grabdenkmäler, unter anderem für den Feldmarschall-Lieutenant von Littrow, die Schauspielerin Seewald und für den Kunsthistoriker Karl von Lützow.[5]

Auch im Bereich der Kleinplastik war er tätig. So lieferte er 1875 einen Entwurf für einen Tafelaufsatz in Gold und Silber mit der Hauptfigur des Kaisers im Ornat des Goldenen Vlieses. Diesen schenkte der niederösterreichische Gewerbeverein dem Kaiser Franz Josef.[6] Des Weiteren, schließen sich mehrere Entwürfe für kleinere Bronzearbeiten wie Lampen oder Stiegengeländer an.

Weyr schließt sich den neobarocken Tendenzen seiner Zeit an. Sein skulpturales Oeuvre ist somit als malerisch und lebhaft charakterisierbar. Mit seinen dekorativen Ausstattungen in öffentlichen Gebäuden trug er entscheidend zum Erscheinungsbild des modernen Wiens bei.[7]

Werke (Auswahl)

Skulptur

  • Simson und Delila-Gruppe, 1870.
  • Sechs rahmende Reliefs für das Grillparzer-Denkmal, 1889, Wien, Volksgarten.
  • Porträtbüste von Prof. Johann Jos. Ritter v. Prechtl, 1903, Wien, Resselpark.
  • Denkmal für Hans Canon, 1905, Wien, Stadtpark.
  • Denkmal für den Komponisten Johannes Brahms, 1908, Wien, Resselpark.
  • Die Macht zur See (Brunnen), 1889-1895, Granit und Laaser-Marmor, Wien, Hofburg, Michaelertrakt.

Bauplastik

  • Portalbekrönung, 1882-1884, Wien, Thonet-Hof (Rotenturmstraße 1-3). (zerstört)
  • Zwickelfiguren, 1875-1877, Wien, Kunsthistorisches Museum.
  • Zwickelfiguren, vor 1889, Wien, Naturhistorisches Museum.
  • Attikafries über dem Mittelportikus, 1882, Wien, Burgtheater.
  • Marmorreliefs für den Wohlstand und die Industrie, Wien, Parlament.

Einzelnachweise

  1. Thieme/Becker 1942, S. 484.
  2. Wurzbach 1887, S. 206.
  3. Thieme/Becker 1942, S. 484.
  4. Thieme/Becker 1942, S. 484. Berggruen 1886, S. 112.
  5. Eisenberg 1893.
  6. Thieme-Becker 1942, S. 484. David 1903/4, S. 326.
  7. Berggruen 1886, S. 112.

Literatur

  • Berggruen 1886: Oskar Berggruen: Rudolf Weyr’s Bildhauerwerke, in : Die Graphischen Künste, 8, 1886, S. 105-116. [1]
  • Czeike 1997: Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Bd. 5. 1997.
  • David 1903/4: J. J. David: Rudolf Weyr. Eine Würdigung seiner Kunst, in: Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur, 19, 1903/4, S. 321-326. [2]
  • Eisenberg 1893: Ludwig Eisenberg: Das geistige Wien. Bd. 1. 1893.
  • Killy 1999: Walther Killy (Hg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie, Bd. 10, München u.a. 1999, S. 467.
  • Thieme-Becker 1942: Ulrich Thieme/Felix Becker, Hans Vollmer (Hg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart (Bd. 35), Leipzig 1942, S. 484.
  • Wurzbach 1887: Constant v. Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich, 55, Wien 1887, S. 206-207.

Darstellungen