Rudolf Much

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Rudolf Much, 1927

Rudolf Much (geb. 7. Oktober 1862 in Wien, gest. 8. März 1936 ebenda) war ein Germanist, der vor allem im Bereich der germanischen Sprachgeschichte und Altertumskunde arbeitete. Sein Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien wurde am 16. Mai 1952 enthüllt.

Leben

Rudolf Much wurde 1862 als Sohn des Juristen Dr. Matthäus Much (1832-1909) geboren. Matthäus Much widmete sich seit 1870 vor allem prähistorischen Studien und verfasste zahlreiche Abhandlungen zu diesem Fachgebiet. Schon sehr früh erwarb sich Rudolf Much durch seinen Vater Kenntnisse der Ur- und Frühgeschichte. Er begleitete außerdem seinen Vater auf seinen Ausgrabungen und erarbeitete sich so praktische Kenntnisse archäologischer Methoden. 1880 begann Much an der Universität Wien sein Studium der klassischen Philologie und schließlich der Germanistik. Hier gehörte er dem Kreis um den Germanisten Richard Heinzel an. Ab 1885 arbeitete er als Volontär an der urgeschichtlichen Abteilung des Hofmuseums in Wien. Bei Heinzel promovierte er 1887 zur Vorgeschichte Deutschlands. Seine Habilitation für germanische Sprachgeschichte und Altertumskunde folgte mit der Habilitationsschrift "Deutsche Stammsitze" sechs Jahre später. 1904 wurde er zum a.o. Professor und 1906 zum Ordinarius berufen. Außerdem erhielt er die Berufung zum Ordinarius für skandinavische Sprachen und Literatur. Ein Angebot der Universität in Berlin lehnte er ab. Er unternahm mehrere Studienreisen nach Dänemark, Schweden und Wales (zur Erlernung des Kymrischen). Des Weiteren gehörte er mehreren, wissenschaftlichen Institutionen an. So war er seit 1907 korrespondierendes Mitglied und seit 1912 wirkliches Mitglied der Wiener Akademie der Wissenschaften. Weiterhin war er korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, sowie der Deutschen Akademie in München und schließlich ordentliches Mitglied der königlichen Vitterhetssällskap in Uppsala. 1934 wurde er schließlich emeritiert.[1]

Schaffen

Rudolf Muchs Untersuchungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie in den kulturgeschichtlichen Zusammenhang eingeordnet und dass in ihnen zum Vergleich auch benachbarte Kulturen wie etwa die keltische herangezogen werden. Als sein Hauptwerk gilt herbei sein geographisch, historisch und sozialhistorisch angelegter Kommentar zur Germania des Tacitus, den er 1935 veröffentlicht. Er baute hierbei auf antike, sowie auf innergermanische Zeugnisse auf. Teils bestätigte er die Angaben des Tacitus, teils ergänzte oder berichtigte er ihn sogar durch literarische und archäologische Zeugnisse.[2]

Des Weiteren, war er 1909 unter anderem zusammen mit Rudolf Meringer, Wilhelm Meyer-Lübke und Hugo Schuchardt Mitbegründer der Zeitschrift Wörter und Sachen. Hierbei ist das Wort Sachen nicht nur im Sinne von materiellen Objekten zu verstehen, sondern im Sinne von Ideen, Konzepten. Mit diesem Titel gab man zu verstehen, dass die Sprachwissenschaft als Teil der Kulturwissenschaft zu sehen ist.[3] So sah Much seine wissenschaftliche Arbeit auch als Teil einer umfassenden Altertumskunde an. Voraussetzungen hierfür im Schaffen Muchs war sein Studium der germanischen Sprachen, detaillierte Kenntnis der antiken Zeugnisse über die germanische Frühzeit, ein guter Überblick über die Ergebnisse der damals aufblühenden Vor- und Frühgeschichte und somit auch genaue Kenntnis der Siedlungs- und Ausbreitungsgeschichte der Germanen, sowie Vertrautheit mit vielen Gebieten der Indogermanistik, besonders der keltischen.

Zum Wirken Muchs während der nationalsozialistischen Zeit schrieb Irene Ranzmaier folgendes:"Die Much'sche Schule der Germanenkunde ist durch einen starken Zug zum Deutschnationalismus charakterisiert; unter anderem sahen ihre Vertreter das (Gemein)Germanische beziehungsweise in der Folge Deutsch als älteste und somit ursprünglichste der indogermanischen Sprachen an. Weiters legten sie in ihrer Forschung einen Schwerpunkt auf germanische Männerbünde und deren mythische Zeremonien."[4] Muchs Frau Cornelie Benndorf wurde Anhängerin des Nationalsozialismus. Much selbst hatte enge Kontakte zu Führern der großdeutschen Bewegung, wie etwa Georg von Schönerer.[5] Zeitlebens weigerte sich Much jedoch einer politischen Partei beizutreten, da dies mit seiner Verpflichtung der wissenschaftlichen Objektivität nicht zu vereinbaren gewesen sei. So stellte er sich 1931 gegen die Berufung Joseph Nadlers nach Wien, da ihm seine Theorien allzu sehr von politischen Einstellungen beeinflusst schienen.[6]

Aus dem Umkreis Muchs gingen mehrere Professoren hervor: Lily Weiser, Walter Steinhauser, Richard Wolfram, Siegfried Gutenbrunner, Rudolf Kriß, Otto Höfler, Eberhard Kranzmayer.[7]

Schriften

  • Deutsche Stammsitze, 1892.
  • Der germanische Himmelsgott, in: Abhandlungen zur germanischen Philologie. Festgabe für Richard Heinzel, Halle a.S. 1898.
  • Deutsche Stammeskunde, 1900. Einblick in den Nachdruck von 2011 - Google Books
  • Der Sagenstoff des Grimnismal, in: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur, (1903) 47, S. 21-329.
  • Der Eintritt der Germanen in die Weltgeschichte, in: Germanistische Forschungen, Festschrift des Wiener akademischen Germanistenvereins, 1925.
  • Kommentar, zu: Tacitus, Germania, 1935.
  • Mitherausgeber für die Zeitschrift Wörter und Sachen, 1909ff.

Zahlreiche Beiträge in:

  • Hoops, J. (Hg.): Reallexikon der germanischen Alterthumskunde, 4 Bde., 1911-1919.
  • Mayerhofer, E./Pirquet C. (Hg.): Lexikon der Ernährungskunde, 5 Lfg., 1923-1926.
  • Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur.

Eine ausführlicheres Werkverzeichnis bis zum Jahr 1932 bietet: Verzeichnis der Schriften von Rudolf Much : als Festgabe zu seinem siebzigsten Geburtstag dargebracht von Freunden, Kollegen und Schülern, Wien 1932.

Literatur

  • Czeike 1995 : Czeike Felix: Historisches Lexikon Wien, Bd. 4 (1995), S. 308-309.
  • Degener 1935 : Degener, Hermann A.L.: Wer ist's? Unsere Zeitgenossen,10. Ausgabe, Berlin 1935, S. 1099.
  • Killy/Vierhaus 1998 : Killy, Walther/Vierhaus, Rudolf (Hg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie, Bd. 7, München 1998, S. 237.
  • König 2003 : König, Christoph (Hg.): Internationales Germanistenlexikon 1800-1950, Band 2: H - Q, Berlin/New York 2003, S. 1271-1272.
  • ÖBL 1975 : Österreichisches biographisches Lexikon 1815-1950, Bd. 6 (1975). [1]
  • Ranzmaier 2010 : Ranzmaier, Irene: Germanistik - Kontinuitätsstiftende Ansätze der Wissenschaft und die Bedeutung kollegialer Unterstützung, in: Ash, Mitchell G./Nieß, Wolfram/Pils, Ramon (Hg.): Geisteswissenschaften im Nationalsozialismus. Das Beispiel der Universität Wien, Göttingen 2010, S. 427-454. Link zu Google-Books
  • Ranzmaier 2002: Ranzmaier, Irene (Dipl.): Germanistik an der Universität Wien zur Zeit des Nationalsozialismus. Das Institut, seine Vertreter und ihre Wissenschaft, Universität Wien 2002.
  • Reichert 2002 : Reichert, Hermann: Much, Rudolf, in: Beck,Heinrich/Geuenich Dieter/Steuer, Heiko (Hg.): Reallexikon der germanischen Altertumskunde, Bd. 20 (2002), S. 273-279. Link zu Google-Books

Einzelnachweise

  1. Czeike 1995, S. 308-309. Degener 1935, S. 1099. König 2003, S. 1271-1272. ÖBL 1975 Reichert 2002, S. 273-275.
  2. Killy/Vierhaus 1998, S. 273.
  3. Reichert 2002, S. 275.
  4. Ranzmaier 2010, S. 429.
  5. König 2003, S. 1271.
  6. Reichert 2002, S. 274.
  7. Ranzmaier 2002, S. 12.

Weblinks

Darstellungen



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