Richard Kauffungen

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Richard Kauffungen um 1915.

Richard Kauffungen (bürgerlicher Name Richard Kauffung; * 24.6.1854, Wien/Unter St. Veit; † 29.9.1942, Solothurn) war ein österreichischer Bildhauer der Ringstraßenzeit und bedeutender Vertreter des Historismus.

Leben

Kauffungen war der Sohn eines Zeichenlehrers aus Hannover. Seine Kindheit verbrachte der spätere Bildhauer in der damals noch zu Niederösterreich gehörenden Ortschaft Unter St. Veit bei Wien.[1] Nach Abschluss der „k.k Normal-Haupt- und Unterrealschule zu St. Anna in Wien“ ging er bei einem Holzschnitzer in die Lehre, einige Jahre später arbeitete er im Atelier des Hofbildhauers Müller und La Vigne.[2] Im Jahr 1879, nach dreijährigem Militärdienst, konnte Kauffungen sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste aufnehmen, wo er zusammen mit Hans Bitterlich im Atelier von Edmund von Hellmer seine Ausbildung genoss. Gemeinsam mit Hellmer arbeitete Kauffungen an dem Türkenbefreiungsdenkmal in St. Stephan, welches sich in der Erdgeschoßhalle des Südturms befand.An der Wiener Akademie der bildenden Künste wurde er von Carl Kundmann ausgebildet. [3] Ab 1880 war er selbstständig. Zur Ausführung drei seiner Werke (Lionardo, Donatello und Ludovico Vittoria) im Rudolfinum, hielt er sich ab 1882 für ein Jahr in Prag auf. Durch seine hervorragende Ausführung der Gruppe „Phryne vor dem Richter“ erhielt er ein Reisestipendium in Italien. Ab 1885 war er wieder in Wien. Kauffungen übernahm die Ausstattung von kirchlicher sowie profaner Bauten in Wien als auch in anderen Städten und Orten der Monarchie. Sowohl für öffentliche als auch für private Auftraggeber schuf der Bildhauer fortan Arbeiten. [4] Ab 1907 war er als Lehrer der Bildhauerei an der „Wiener Frauenakademie“ tätig. Diesen Beruf führte er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1926 aus. Am Höhepunkt seines Schaffens übernahm der Bildhauer 1908 die Leitung der Kunstschule für Frauen und Mädchen. 1917 erfolgte die Ernennung zum Professor. Seit 1887 war er Mitglied des Wiener Künstlerhauses. Er stellte in Wien, München, Berlin und Paris aus. Am 13. Oktober 1926 wurde Richard Kauffungen von Bundespräsident Hainisch mit den goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Repbulik Österreich ausgezeichnet. Im Sommer 1940 übersiedelte Kauffungen nach Solothurn in die Schweiz, wo er seinen Lebensabend verbringen wollte. Bereits zwei Jahre später verstarb der österreichische Bildhauer am 29. September 1942. [5]

Schaffen

Der Wiener Bildhauer Richard Kauffungen (1854-1942) zählt zu den bedeutendsten Vertretern des Historismus in Österreich. Der Blick auf sein Werk ist gleichzeitig ein Fokus auf die kultur-, gesellschafts- und ideengeschichtlichen Aspekte des späten 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. In einer Zeit der Kontinuitäten und des Umbruchs blieb Kauffungen der Kunstauffassung des 19. Jahrhunderts verhaftet, mit seinem pädagogischen Engagement für die Kunsterziehung der Frau nahm er bildungsgeschichtlich jedoch eine zukunftweisende Haltung ein. Fast drei Jahrzehnte lang gehörte er dem Lehrkörper der 1897 gegründeten und später von ihm geleiteten Kunstschule für Frauen und Mädchen an, einem emanzipatorischen Modell, das genau an der Grenze zwischen konservativem Rollenbild und liberalem Fortschrittsgeist stand.[6]

Er erhielt 1894 den Reichelpreis, 1901 den Dobnerpreis, außerdem noch Ehrenpreis der Stadt Wien. Da Kauffungen zu jenen Bildhauern gehörte, die mit ihrem Schaffen maßgeblich die Gestaltung der Ringstraße prägten, ist er mit neun Denkmälern, die seiner Hand entstammen, im Arkadenhof der Universität Wien vertreten.[7]

Kauffungens Beitrag zu den Denkmälern im Arkadenhof der Universität Wien

Der Schwerpunkt der Arbeiten Kauffungens lag mit Sicherheit in der Herstellung zahlreicher Porträtbüsten und –reliefs, welche bevorzugt aus den Materialien Gips, Marmor, Sandstein und Bronze gefertigt wurden. Die individuelle Gestaltung der Porträts sowie ihrer Hervorhebung durch einzelne Charakterzüge eines Dargestellten zeichnen die Arbeiten des bekannten Bildhauers aus. Vor allem Einzelporträts, in seltenen Fällen auch Doppelporträts, welche als Brust- und Kopfbilder, aber auch als Hermen oder Denkmäler modelliert wurden, sind ein Merkmal Richard Kauffungens.

Als Mitglied des „Clubs der Plastiker“, welcher sich gezielt für die Vergabe von Aufträgen an junge Bildhauer einsetzte, kann angenommen werden, dass Richard Kauffungen auch deshalb zwischen 1888 und 1920 acht Aufträge zur Schaffung von Denkmälern im Arkadenhof erhielt. In Anbetracht der 90 Denkmäler, welche in diesem Zeitraum Platz im Arkadenhof fanden, ist der Einfluss Kauffungens ein dementsprechend großer. Mit der Überführung der Obersteiner-Büste im Jahr 1997 ist der Bildhauer seither sogar mit neun Büsten vertreten. Die Gestaltung der Arkadenhof-Denkmäler steht im starken Gegensatz zu allen anderen Porträts, welche Kauffungen geschaffen hatte. Obwohl sie zu den besten Arbeiten innerhalb des Arkadenhofs zählen, sind sie alle ‚sehr einheitlich gearbeitet und folgen dem klassischen Muster der naturalistischen Porträtplastik.’[8] Die physischen und charakterlichen Züge der einzelnen Professoren wurden nicht vom Bildhauer herausgearbeitet, weshalb eine Identifikation der dargestellten Person durch eine Inschriftentafel notwendig ist. Der Bildhauer signierte alle seine Professorendenkmäler mit dem Kürzel R. Kauffungen, außer jenes von Krafft-Ebing, welches die Signatur Rich. Kauffungen trägt. Darüberhinaus erhielt jedes einzelne Denkmal eine Datierung mittels römischer Ziffern. [9]

Werke (Auswahl)

  • 1878: Statuen für die Universität Wien – Archimedes, Euklid, Augustinus, Chrsyostomus.
  • 1886: Zwei Statuen für das Wiener Burgtheater – A. Ristori, R. Felix.
  • 1890: Denkmal für das Allgemeine Krankenhaus im 9. Wiener Gemeindebezirk – Kaiser Josef II.
  • 1895: Kuppel des Michaelertraktes der Wiener Hofburg – Justitia und Clementia.
  • 1896: Tympanonrelief der Wiener Pfarrkirche Breitenfeld – St. Franziskus Seraphin.
  • 1903: Herme vor der Technischen Hochschule Wien – J. v. Radinger.
  • 1904: Siebenbrunnen, 5. Wiener Gemeindebezirk.
  • 1904: Erzherzog-Rainer-Brunnen, 4. Wiener Gemeindebezirk.
  • 1912: Drei Reliefs für den Festsaalbau der Wiener Hofburg – 5 dargestellte Kinder.
  • Außerdem Denkmäler für Böhmen-Leipa und Termesvár, sowie ein Grabmal in Budweis und Arbeiten für Laibach, Mähren-Ostrau, Ödenburg, Olmütz, Fiume etc.

Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien

Literatur

  • ÖBL 1815-1950: Eintrag zu Richard Kauffungen in: Österreichisches biographisches Lexikon und biographische Dokumentationen, Wien Bd. 3. 1956, S. 269. (PDF Version)
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrten Porträt in Stein und Bronze, Die Denkmälder im Arkadenhof der Universität Wien. Wien/Köln/Weimar 2007, S. 16.
  • Stieglitz 2008: Olga Stieglitz (u.a.), Der Bildhauer Richard Kauffungen (1854-1942): Zwischen Ringstraße, Künstlerhaus und Frauenkunstschule, Frankfurt 2008. Digitalisierte Version auf Google Books
  • Vollmer 1999: Hans Vollmer (Hg.), Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Band 19, Leipzig 1999, S. 600.

Weblinks

  • Eintrag zu Richard Kauffungen auf Artnet
  • Artikel zur Enthüllung von Kauffungens Krafft-Erbig Denkmals in der NFP [1]
  • Artikel zur Ausschmückungen in der Neuen Hofburg mit Statuen von u.a. Benk in der NFP [2]
  • Artikel zur Enthüllung von Kauffungens Rainer Brunnen am Rilkeplatz in der NFP [3]

Einzelnachweise

  1. Vollmer 1999, S. 600.
  2. Stieglitz 2008, S. 22-23.
  3. Stieglitz 2008, S. 27-28.
  4. Vollmer 1999, S. 600.
  5. Stieglitz 2008, S. 41-64.
  6. Stieglitz 2008, Buchrückseite.
  7. Maisel 2007, S.16.
  8. Stieglitz 2008, S. 300.
  9. Stieglitz 2008, S. 296-300.

Darstellungen


Carola Auer, Kevin Breiteneder, Sarah Geschwandtner, Kristina Kogler, Anna-Angela Libal, Julia Strobl, Dragana Ivic, Sibylle Zelger, Franca Esther Zitta, Evelyn Haspl, Katharina Anzböck, Barbara Buder, Leo Czernin, Katharina Dirnberger, Magdalena Fleming, Sophie Scheffner