Richard Heinzel

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Richard Heinzel, Foto, um 1890.

Richard Heinzel (geb. 3.11.1838 Capo d’Istria, gest. 4.4.1905 Wien) war ein Germanist, dessen Forschungsschwerpunkte vor allem in der germanischen Grammatik und in der Sagengeschichte lagen. Sein Denkmal von Carl Kundmann im Arkadenhof der Universität Wien wurde am 28. Mai 1914 enthüllt.

Leben

Richard Heinzel wurde 1862 in Wien als Sohn eines Gymnasiallehrers geboren. Nach Absolvierung des Piaristengymnasiums begann er sein Studium der klassischen und deutschen Philologie in Wien. Ab 1860 war er selbst als Gymnasiallehrer in Wien, Triest und Linz tätig, mit einer kurzen Unterbrechung für eine Stelle als Hofmeister der Familie Sutsos in Rumänien. 1862 schloss er seine Promotion ab und 1868 wurde er als ordentlicher Professor nach Graz für ältere, deutsche Sprache und Literatur berufen. Fünf Jahre nach Beginn seiner Lehrstelle in Graz, ging er schließlich als Nachfolger seines alten Studienfreundes Wilhelm Scherer als ordentlicher Professor der deutschen Sprache und Literatur nach Wien. Hier verblieb er bis zu seinem Tod am 4. April 1905. Zu seiner wichtigsten Ehrung gehörte sicherlich seine Mitgliedschaft zunächst als korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Wien und schließlich als wirkliches Mitglied ab 1879.[1]

Schaffen

Die Forschungsschwerpunkte Heinzels lagen in der mittelhochdeutschen Dichtung, germanischen Grammatik, Metrik, sowie in der Sagengeschichte.[2] Mit Wilhelm Scherer verband Heinzels Arbeiten die auf nahezu naturwissenschaftliche Exaktheit zielende Methode seiner Forschungen. Heinzel schrieb mit sachlichem, sogar bewusst unpersönlichem Stil und nutzte als Methode das exakt schematische und systematische Beschreiben. Anton Schönbach schreibt sehr treffend, dass "H.[einzel] wollte die naturwissenschaftlichen Methoden des Zählens, Messens, Wägens und Scheidens auf die Philologie übertragen, um durch ihren Gebrauch seiner Wissenschaft neben jenen einen festen, berechtigten Platz zu erobern.“[3] und weiter: "H.[Heinzel]s Absehen war sehr früh mit aller Entschiedenheit darauf gerichtet, den Anteil der Persönlichkeit des Forschenden an der wissenschaftlichen Arbeit möglichst zu verringern, ja, ihn gänzlich auszuscheiden."[4]

Irene Ranzmaier beschrieb Heinzels Bedeutung für die Germanistik an der Universität Wien sehr treffend: "Neben Jakob Minor, [...], zählt Richard Heinzel zu den wichtigsten Lehrern jener Generation von Studenten, der auch die älteren Professoren der germanistischen Lehrkörpers um 1930 angehören. Beide, Heinzel wie Minor, sind zu den Vertretern einer positivistischen Richtung der Germanistik zu zählen. Der Positivismus in geisteswissenschaftlichen Fächern zielt darauf ab, sich der Exaktheit naturwissenschaftlicher Methoden anzunähern und legt sein Hauptaugenmerk auf die Entdeckung historischer Kausalitäten (wie z.B. Stilparallelen) auf der Grundlage des empirisch Feststellbaren. In der Praxis ergab sich daraus die Konzentration auf die Sammlung von Material und Daten, unter vornehmlich biographisch sowie stoff- und motivgeschichtlich ausgerichteter Forschung. Die stark von naturwissenschaftlicher Vorgehensweise abweichenden Arbeitsschritte der Interpretation und Synthese der gewonnenen Befunde mußten unter diesen Vorzeichen und der Ablehnung jeglicher Spekulation zweitrangig werden."[5]

Seine erste Publikation, eine Ausgabe der mittelhochdeutschen Gedichte Heinrichs von Melk (1864), beleuchtete diese in ihrem historischem Kontext. Heinzel zog hierzu nicht nur die theologischen und kirchenpolitischen Anschauungen des Dichters heran, sondern auch die literarhistorische Entwicklungen dieser Gattung. Emblematisch für sein naturwissenschaftliches Vorgehen, könnte seine Publikation Geschichte der niederfränkischen Geschäftssprache von 1874 gelten. Hier widmete er sich einer sehr differenzierten Erforschung der Laute: er nahm sie auf, klassifizierte sie und führte die Lautdifferenzen auf Stilqualitäten zurück. Genauso ging er auch in seiner Abhandlung Über die Endsilben der altnordischen Sprache von 1877 vor: Das gesammelte Material wurde kategorisiert und dann in Tabellen geordnet, und schließlich erläutert. Die naturwissenschaftliche Methode wandte er auch in seinen Studien zu Sagen an, wie etwa zur Nibelungen-Sage (1885), Walther-Sage (1888) oder der ostgotischen Heldensage (1889). Ein Verdienst Heinzels besteht sicherlich darin, dass er für seine Studien zusätzliche Sprachkenntnisse erwarb, so erlernte er slawische Sprachen und machte sich mit dem Sanskrit vertraut.[6]

Schriften (Auswahl)

  • Heinrich von Melk, 1867.
  • Geschichte der niederfränkischen Geschäftssprache, 1874.
  • Über den Stil der altgermanischen Poesie, 1875.
  • Über die Endsilben der altnordischen Sprache, 1877.
  • Über die Hervarasaga, 1887.
  • Über die Walthersage, 1888.
  • Ueber die ostgothische Heldensage, 1889.
  • Über die französischen Gralromane, 1892.
  • Notkers Psalmen : nach der Wiener Handschrift (herausgegeben zusammen mit Wilhelm Scherer), 1876.

Literatur

  • Czeike 1994: Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, 3, Wien 1994, S. 128.
  • Killy/Vierhaus 1996 : Walter Killy/Rudolf Vierhaus: Deutsche Biographische Enzyklopädie, Bd. 4, München u.a. 1996, S. 548.
  • König 2003 : Christoph König(Hg.): Internationales Germanistenlexikon 1800-1950, Bd. 2: H - Q, Berlin/New York 2003, S. 704-705.
  • Hartkopf 1992 : Werner Hartkopf: Die Berliner Akademie der Wissenschaften 1992, S. 142.
  • Meringer 1905: Rudolf Meringer: Richard Heinzel, in: Neue Freie Presse, Morgenblatt, 7.4.1905, S. 1-2. [1]
  • ÖBL 1959 : Österreichisches biographisches Lexikon 1815-1900, Bd. 2, 1959. [2]
  • Ranzmaier 2002 : Irene Ranzmaier(Dipl.): Germanistik an der Universität Wien zur Zeit des Nationalsozialismus. Das Institut, seine Vertreter und ihre Wissenschaft, Universität Wien 2002.
  • Schönbach 1907 : Anton E. Schönbach: Heinzel Richard, in: Bettelheim, Anton (Hg.): Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog, Bd. 10, Berlin 1907, S. 16-32.

Einzelnachweise

  1. Czeike 1994, S. 128. König 2003, S. 704-705.
  2. König 2003, S. 704.
  3. Schönbach 1907, S. 18.
  4. Schönbach 1907, S. 19.
  5. Ranzmaier 2002, S. 10.
  6. Schönbach 1907, passim.

Weblinks

Darstellungen


Cigdem Özel