Olga Taussky-Todd: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Olga Taussky-Todd''' (* 30. August 1906 in Olmütz, Mähren; † 7. Oktober 1995 in Pasadena, Kalifornien) war Mathematikerin. Im Jahr 2015/16 wurde sie mit einem [[Denkmal Olga Taussky-Todd|Denkmal]] im [[Arkadenhof der Universität Wien]] geehrt.
 
'''Olga Taussky-Todd''' (* 30. August 1906 in Olmütz, Mähren; † 7. Oktober 1995 in Pasadena, Kalifornien) war Mathematikerin. Im Jahr 2015/16 wurde sie mit einem [[Denkmal Olga Taussky-Todd|Denkmal]] im [[Arkadenhof der Universität Wien]] geehrt.
 
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== Leben ==
 
== Leben ==
Olga Taussky wurde in Olmütz als Tochter eines Industriechemikers und Journalisten geboren, der seinen insgesamt drei Töchtern, Ilona (geb. 1905), Olga und Hertha (geb. 1909) eine umfassende Erziehung ermöglichte. Im Jahre 1909 erfolgt die Übersiedelung der Familie nach Wien, während des Ersten Weltkrieges zog sie nach Linz, wo der Vater einer Essigfabrik Arbeit fand. Als der Vater während des letzten Schuljahres von Olga starb, sahen sich die drei Töchter veranlasst, möglichst rasch ein Studium aufzunehmen, um nicht in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Die ältere Schwester Ilona hatte bereits Chemie studiert.<ref>https://austria-forum.org/af/Biographien/Tau%C3%9Fky%2C_Olga</ref> Olga Taussky studierte nach der Matura ab 1925 Mathematik an den Universitäten Wien und Zürich und erwarb 1930 bei Philipp Furtwängler (1869 - 1940) mit einer Dissertation zu Klassenkörpertheorie das Doktorat. Mit ihrer Arbeit antwortete sie auf ein von dem Mathematiker David Hilbert (1862 - 1943) aufgeworfenes Forschungsproblem zur algebraischen Zahlentheorie, mit dem sie sich auch nach Ende Ihres Studieums auseinandersetzte. Gleichzeitig betreute sie die Herausgabe der gesammelten Werke des deutschen Wissenschaftler, der die mathematische Forschung bis in das 20. Jahrhundert hinein geprägt hatte. 1933/34 war sie in Wien als Assistentin der Universitätsprofessoren Hans Hahn (1879 - 1934) und Karl Menger (1902 - 1985)tätig. 1938 heiratete sie den irischen Mathematiker John Todd. Für das Paar folgten aufgrund des Krieges mühsame, wechselhafte Jahre. 1934 - 1937 startete Olga Taussky ihre wissenschaftliche Karriere mit einer fellowship am Girton College in Cambridge sowie am Bryn Mawr college, wo sie mit der im Exil lebenden Deutschen Emmy Noether und einer Gruppe von Mathematikerinnen zur Matrizentheorie forschte. Nach Erlangung des Msters of Arts 1937 lehrte sie von 1940 - 1944 Mathematik an der Londoner Universität. John Todd wurde im Zuge des Kriegsdienstes zunächst in Radarforschungen einbezogen, wo es ihm gelang, in einem National Mathematical Laboratory Mathematiker zu wichtigen Forschungsaufgaben zusammenzuführen.
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Olga Taussky wurde am 30. August 1906 in Olmütz geboren. Ihre Eltern waren Ida Pollach und der Journalist und Industriechemiker Julius David Taussky, die ihren insgesamt drei Töchtern, Ilona (geb. 1905), Olga und Hertha (geb. 1909) eine umfassende Erziehung ermöglichten.  
In den ersten Kriegsjahren war sie im Ministerium für Flugzeugproduktion und folglich bis 1947 Forscherin am Department of Scientific and Industrial Research. Die Erfahrungen in der angewandten mathematischen Forschung in in Großbritannien und die Bekanntschaft mit US-amerikanischen Wissenschaftlern führten nach dem Kriege dazu, dass das Ehepaar eingeladen wurde, in den USA auch National Applied Mathematical Laboratories zu etablieren. 1947 emigierte sie mit ihrem Mann John Todd daher in die USA, wo Olga Taussky 1948 Mitglied des Institute of Advanced Study in Washington wurde.<ref>https://austria-forum.org/af/Biographien/Tau%C3%9Fky%2C_Olga</ref>
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Taussky-Todd besuchte in Wien die Volksschule und daraufhin das Gymnasium in Linz, wohin die Familie während des ersten Weltkrieges übersiedelte. Schon früh war die mathematische Begabung Olga Taussky-Todds erkennbar und sie löste vom Vater gestellte Probleme.<ref>Christa Binder, Von Olmütz nach Pasadena: Die Zahlentheoretikerin Olga Taussky-Todd, in: Renate Tobies (Hg.), „Aller Männerkultur zum Trotz“. Frauen in Mathematik, Naturwissenschaften und Technik, Frankfurt/New York 2008, S. 206-207.</ref>  
 
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Nach der Matura studierte Olga Taussky-Todd ab 1925 Mathematik an den Universitäten Wien und Zürich und schloss 1930 bei Philipp Furtwängler (1869-1940) das Studium mit einer Dissertation zur Klassenkörpertheorie unter dem Titel "Über eine Verschärfung des Hauptidealsatzes"<ref>Christa Binder, Taußky, Olga, in: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 25, Berlin 2013, S. 814</ref> ab. Mit ihrer Arbeit antwortete sie auf ein von dem Mathematiker David Hilbert (1862-1943) aufgeworfenes Forschungsproblem zur algebraischen Zahlentheorie, mit dem sie sich auch nach Ende Ihres Studiums weiter auseinandersetzte. An der Universität Wien und folgend auch an der Universität Göttingen arbeitete Taussky-Todd als Instruktorin und konnte in Göttingen 1931/1932 an der Herausgabe der gesammelten Werke David Hilberts mitwirken.<ref>https://geschichte.univie.ac.at/de/personen/olga-taussky-todd-prof-dr-dr-hc, aufgerufen am 20.01.2019.</ref> <ref>Claudia Wurzinger, Olga Taussky-Todd, in: Brigitta Keintzel/Ilse Korotin (Hg.), Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben. Werk. Wirken, Wien/Köln/Weimar 2002, S. 730.</ref>
Das Californian Institute of Technology (Caltech) in Pasadena, Los Angeles wurde ihre letzte große Wirkungsstätte, wo sie sich in wissenschaftlicher Hinsicht gänzlich entfalten konnte. John Todd hatte von Beginn an eine ordentliche Professur, baute insbesondere die Computertechnik am mathematischen Department auf und war weiters für angewandte Mathematik zuständig. Olga Taussky-Todd hielt demgegenüber Spezialvorlesungen zu Matrixtheorie, Eigenwerttheorie und verschiedenen anderen Themen. Gleichzeitig betreute sie Dissertationen zahlreicher Schüler (insgesamt 16 Abschlussarbeiten). Allerdings besaß sie zunächst keine offizielle Stelle als Professorin, obgleich sie die Aufgaben einer ordentlichen Professorin ausübte. Als im Jahre 1969 schließlich eine junge Frau, Assistant Professor of English, in der Presse als erste Professorin des Caltech glorifiziert wurde, handelte Olga Taussky und wandte sich selbst an die Administration, woraufhin sie folglich im Jahre 1971 effektiv zur Professorin ernannt wurde. <ref>https://austria-forum.org/af/Biographien/Tau%C3%9Fky%2C_Olga</ref> Nach Wien kam sie 1956 als Visiting Professor. <ref> Keintzel/Korotin 2002, S.729-731.</ref>                
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1933/34 war sie in Wien als schlecht bezahlte Assistentin der Universitätsprofessoren Hans Hahn (1879-1934) und Karl Menger (1902-1985) tätig.<ref>Christa Binder, Von Olmütz nach Pasadena: Die Zahlentheoretikerin Olga Taussky-Todd, in: Renate Tobies (Hg.), „Aller Männerkultur zum Trotz“. Frauen in Mathematik, Naturwissenschaften und Technik, Frankfurt/New York 2008, S. 213.</ref> Durch zwei Stipendien wurde es Taussky-Todd ermöglicht von 1934 bis 1937 zunächst eine Scholarship am Bryn Mawr College in Pennsylvania und anschließend die Yarrow-Fellowship in Cambridge wahrzunehmen.<ref>Claudia Wurzinger, Olga Taussky-Todd, in: Brigitta Keintzel/Ilse Korotin (Hg.), Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben. Werk. Wirken, Wien/Köln/Weimar 2002, S. 730.</ref> Am Bryn Mawr College arbeitete sie mit der im Exil lebenden Deutschen Emmy Noether (1882-1935) und einer Gruppe von Mathematikerinnen zur Matrizentheorie und hatte 1937 eine Stelle am Westfield College in London inne. Dort trifft sie auch auf den irischen Mathematiker John (Jack) Todd (1911-2007), den sie ein Jahr darauf in London heiratete.
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1940 übersiedelte das Ehepaar nach Belfast und lehrte finanziert durch ein erweitertes Forschungsstipendium an der Queen’s University.<ref>Christa Binder, Von Olmütz nach Pasadena: Die Zahlentheoretikerin Olga Taussky-Todd, in: Renate Tobies (Hg.), „Aller Männerkultur zum Trotz“. Frauen in Mathematik, Naturwissenschaften und Technik, Frankfurt/New York 2008, S. 218.</ref>
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Von 1940 bis 1944 lehrte sie Mathematik an der Londoner Universität. John Todd wurde im Zuge des Krieges und dem damit einhergehenden Kriegsdienst zunächst in Radarforschungen einbezogen, wo es ihm gelang, in einem National Mathematical Laboratory Mathematiker zu wichtigen Forschungsaufgaben zusammenzuführen.
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In den Kriegsjahren 1943 bis 1946 war Olga Taussky-Todd zunächst als Science Officer im Ministerium für Flugzeugproduktion tätig und arbeitete bis 1947 als Forscherin am Department of Scientific and Industrial Research.<ref>Claudia Wurzinger, Olga Taussky-Todd, in: Brigitta Keintzel/Ilse Korotin (Hg.), Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben. Werk. Wirken, Wien/Köln/Weimar 2002, S. 730.</ref> 
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Die Erfahrungen in der angewandten mathematischen Forschung in Großbritannien und die Bekanntschaft mit US-amerikanischen Wissenschaftlern führten nach dem Krieg dazu, dass das Ehepaar eingeladen wurde, in den USA sogenannte National Applied Mathematical Laboratories zu etablieren. 1947 emigrierten sie daher in die USA, wo Olga Taussky-Todd, mit kurzer Unterbrechung, von 1949 bis 1957 als Mathematical Consultant für das National Bureau of Standards in Washington, D. C. tätig war.<ref>Claudia Wurzinger, Olga Taussky-Todd, in: Brigitta Keintzel/Ilse Korotin (Hg.), Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben. Werk. Wirken, Wien/Köln/Weimar 2002, S. 730.</ref> Sie arbeitete in jener Zeit vor allem zu computerspezifischen Problemstellungen und baute die Computertechnik mit auf.<ref>Christa Binder, Von Olmütz nach Pasadena: Die Zahlentheoretikerin Olga Taussky-Todd, in: Renate Tobies (Hg.), „Aller Männerkultur zum Trotz“. Frauen in Mathematik, Naturwissenschaften und Technik, Frankfurt/New York 2008, S. 220.</ref>
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John Todd wurde 1957 zum ordentlichen Professor an das California Institute of Technology (Caltech) in Pasadena berufen. Auch Olga Taussky-Todd erhielt eine Professur, die jedoch erst 1971 in eine ordentliche umgewidmet wurde,<ref>Christa Binder, Taußky, Olga, in: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 25, Berlin 2013, S. 814</ref> nachdem im Jahre 1969 eine junge Frau, Assistant Professor of English, in der Presse als erste Professorin des Caltech benannt wurde und sich Olga Taussky-Todd daraufhin an die Administration wandte. <ref>https://austria-forum.org/af/Biographien/Tau%C3%9Fky%2C_Olga, aufgerufen am 21.01.2019.</ref> Als Gastprofessorin unterrichtete Taussky-Todd neben einem Aufenthalt am Courant Institute in New York 1956 auch an der Universität Wien.<ref>https://geschichte.univie.ac.at/de/personen/olga-taussky-todd-prof-dr-dr-hc, aufgerufen am 20.01.2019</ref>
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Das Californian Institute of Technology (Caltech) in Pasadena, Los Angeles wurde ihre letzte große Wirkungsstätte, wo sie sich in wissenschaftlicher Hinsicht gänzlich entfalten konnte. Olga Taussky-Todd hielt Spezialvorlesungen zu Matrixtheorie, Eigenwerttheorie und verschiedenen anderen Themen. Gleichzeitig betreute sie Dissertationen zahlreicher Schüler (insgesamt 16 Abschlussarbeiten).
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1977 wurde Taussky-Todd emeritiert und lebte bis zu ihrem Tod am 7. Oktober 1995 in Pasadena.
  
 
== Schaffen ==
 
== Schaffen ==
Durch die Mathematikerinnengruppe in Cambridge wurde weitere Forschung mit topologischer Algebra sowie mit der Matrizentheorie angeregt. Es gelang ihr letztlich den auf Ferdinand Georg Frobenius zurückgehenden Beweis für einen Zusammenhang zwischen n-dimensionalen Kugeln und Algebren ohne Nullteiler zu erbringen.<ref> Keintzel/Korotin 2002, S.729-731.</ref> Während des 2. Weltkrieges erforschte sie zusammen mit ihrem Mann die Vibrationen von Flugzeugen und etnwickelte dafür die Numerik von Matrizen, an deren Ausbau sie in der Folgezeit maßgeblich beteiligt war und als Pionierin der Matrizentheorie bekannt wurde.<ref> https://en.wikipedia.org/wiki/Olga_Taussky-Todd</ref> Ebenso widmete sie sich intensiv der Untersuchung von Quaternionen und Caley-Zahlen. Verstärkt befasste sie sich auch mit den den Summen von Quadraten, worüber sie mehrfach publizierte. Bekanntheit erlang sie etwa durch ihre Arbeit Sums of squares, die in der American Mathematical Monthly 77 (1970) erschien. Neben den wissenschaftlichen Artikeln hat sie immer wieder Probleme gestellt und publiziert, aus denen ihre Schüler oftmals ihre Forschungsgebiete bezogen. Ihre mathematischen Forschungen setzte Olga Taussky-Todd auch nach ihrer Emeritierung fort. <ref>https://austria-forum.org/af/Biographien/Tau%C3%9Fky%2C_Olga</ref>  
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Durch die Mathematikerinnengruppe in Cambridge wurden weitere Forschungen zur topologischen Algebra sowie zur Matrizentheorie angeregt. Es gelang Taussky-Todd letztlich den auf Ferdinand Georg Frobenius (1849-1917) zurückgehenden Beweis für einen Zusammenhang zwischen n-dimensionalen Kugeln und Algebren ohne Nullteiler zu erbringen.<ref>Keintzel/Korotin 2002, S.729-731.</ref> Während des zweiten Weltkrieges erforschte sie zusammen mit ihrem Mann die Vibrationen von Flugzeugen und entwickelte dafür die Numerik von Matrizen, an deren Ausbau sie in der Folgezeit maßgeblich beteiligt war und als Pionierin der Matrizentheorie bekannt wurde.<ref>https://en.wikipedia.org/wiki/Olga_Taussky-Todd</ref> Ebenso widmete sie sich intensiv der Untersuchung von Quaternionen und Caley-Zahlen. Verstärkt befasste sie sich auch mit den Summen von Quadraten, worüber sie mehrfach publizierte. Bekanntheit erlang sie etwa durch ihre Arbeit Sums of squares, die in der American Mathematical Monthly 77 (1970) erschien.  
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Ihre mathematischen Forschungen setzte Olga Taussky-Todd auch nach ihrer Emeritierung 1977 fort.<ref>https://austria-forum.org/af/Biographien/Tau%C3%9Fky%2C_Olga</ref>  
  
 
=== Mitgliedschaften ===
 
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== Schriften ==
 
== Schriften ==
*Olga Taussky and John Todd, "Matrices with finite period," Proc. Edinburgh Math. Soc. 6 (1939) 128-134.
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* Olga Taussky/John Todd, Matrices with finite period, Proc. Edinburgh Math. Soc. 6, 1939, S. 128-134.
*Olga Taussky and John Todd, "Infinite powers of matrices," J. London Math. Soc. 17 (1942) 147-151.
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* Olga Taussky/John Todd, Infinite powers of matrices, J. London Math. Soc. 17, 1942, S. 147-151.
*Olga Taussky, "Matrices C with Cn → 0," J. Algebra, 1 (1954) 5-10.
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* Matrices C with Cn → 0, J. Algebra, 1, 1954, S. 5-10.
*Olga Taussky, Sums of squares, American Mathematical Monthly. v. 77, 1970.
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* Sums of squares, American Mathematical Monthly. v. 77, 1970.
*Olga Taussky, How I became a torchbearer for matrix theory, American Mathematical Monthly. v. 95, 1988.
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* How I became a torchbearer for matrix theory, American Mathematical Monthly. v. 95, 1988.
  
 
== Literatur ==
 
== Literatur ==
*Brigitta Keintzel/ Ilse Korotin (Hg.), Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben-Werk-Wirken, Wien/Köln/Weimar 2002.
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* Mary Terrall (Hg.), Olga Taussky-Todd (1906-1995). Autobiography, 1979-1980, repr.2003, California Institute of Technology.
*Mary Terrall (Hg.), Olga Taussky-Todd (1906-1995)- Autobiography, 1979-1980, repr.2003, California Institute of Technology
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* Christa Binder, Von Olmütz nach Pasadena: Die Zahlentheoretikerin Olga Taussky-Todd, in: Renate Tobies (Hg.), „Aller Männerkultur zum Trotz“. Frauen in Mathematik, Naturwissenschaften und Technik, Frankfurt/New York 2008, S. 205-224.
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* Christa Binder, Taußky, Olga, in: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 25, Berlin 2013.
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* Claudia Wurzinger, Olga Taussky-Todd, in: Brigitta Keintzel/Ilse Korotin (Hg.), Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben. Werk. Wirken, Wien/Köln/Weimar 2002, S. 729-731.
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== Weblinks ==
 
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''Charlotte Reuß''

Version vom 4. Februar 2019, 19:48 Uhr

Olga Taussky-Todd (* 30. August 1906 in Olmütz, Mähren; † 7. Oktober 1995 in Pasadena, Kalifornien) war Mathematikerin. Im Jahr 2015/16 wurde sie mit einem Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien geehrt.

Olga Taussky-Todd


Leben

Olga Taussky wurde am 30. August 1906 in Olmütz geboren. Ihre Eltern waren Ida Pollach und der Journalist und Industriechemiker Julius David Taussky, die ihren insgesamt drei Töchtern, Ilona (geb. 1905), Olga und Hertha (geb. 1909) eine umfassende Erziehung ermöglichten. Taussky-Todd besuchte in Wien die Volksschule und daraufhin das Gymnasium in Linz, wohin die Familie während des ersten Weltkrieges übersiedelte. Schon früh war die mathematische Begabung Olga Taussky-Todds erkennbar und sie löste vom Vater gestellte Probleme.[1] Nach der Matura studierte Olga Taussky-Todd ab 1925 Mathematik an den Universitäten Wien und Zürich und schloss 1930 bei Philipp Furtwängler (1869-1940) das Studium mit einer Dissertation zur Klassenkörpertheorie unter dem Titel "Über eine Verschärfung des Hauptidealsatzes"[2] ab. Mit ihrer Arbeit antwortete sie auf ein von dem Mathematiker David Hilbert (1862-1943) aufgeworfenes Forschungsproblem zur algebraischen Zahlentheorie, mit dem sie sich auch nach Ende Ihres Studiums weiter auseinandersetzte. An der Universität Wien und folgend auch an der Universität Göttingen arbeitete Taussky-Todd als Instruktorin und konnte in Göttingen 1931/1932 an der Herausgabe der gesammelten Werke David Hilberts mitwirken.[3] [4] 1933/34 war sie in Wien als schlecht bezahlte Assistentin der Universitätsprofessoren Hans Hahn (1879-1934) und Karl Menger (1902-1985) tätig.[5] Durch zwei Stipendien wurde es Taussky-Todd ermöglicht von 1934 bis 1937 zunächst eine Scholarship am Bryn Mawr College in Pennsylvania und anschließend die Yarrow-Fellowship in Cambridge wahrzunehmen.[6] Am Bryn Mawr College arbeitete sie mit der im Exil lebenden Deutschen Emmy Noether (1882-1935) und einer Gruppe von Mathematikerinnen zur Matrizentheorie und hatte 1937 eine Stelle am Westfield College in London inne. Dort trifft sie auch auf den irischen Mathematiker John (Jack) Todd (1911-2007), den sie ein Jahr darauf in London heiratete. 1940 übersiedelte das Ehepaar nach Belfast und lehrte finanziert durch ein erweitertes Forschungsstipendium an der Queen’s University.[7] Von 1940 bis 1944 lehrte sie Mathematik an der Londoner Universität. John Todd wurde im Zuge des Krieges und dem damit einhergehenden Kriegsdienst zunächst in Radarforschungen einbezogen, wo es ihm gelang, in einem National Mathematical Laboratory Mathematiker zu wichtigen Forschungsaufgaben zusammenzuführen. In den Kriegsjahren 1943 bis 1946 war Olga Taussky-Todd zunächst als Science Officer im Ministerium für Flugzeugproduktion tätig und arbeitete bis 1947 als Forscherin am Department of Scientific and Industrial Research.[8] Die Erfahrungen in der angewandten mathematischen Forschung in Großbritannien und die Bekanntschaft mit US-amerikanischen Wissenschaftlern führten nach dem Krieg dazu, dass das Ehepaar eingeladen wurde, in den USA sogenannte National Applied Mathematical Laboratories zu etablieren. 1947 emigrierten sie daher in die USA, wo Olga Taussky-Todd, mit kurzer Unterbrechung, von 1949 bis 1957 als Mathematical Consultant für das National Bureau of Standards in Washington, D. C. tätig war.[9] Sie arbeitete in jener Zeit vor allem zu computerspezifischen Problemstellungen und baute die Computertechnik mit auf.[10] John Todd wurde 1957 zum ordentlichen Professor an das California Institute of Technology (Caltech) in Pasadena berufen. Auch Olga Taussky-Todd erhielt eine Professur, die jedoch erst 1971 in eine ordentliche umgewidmet wurde,[11] nachdem im Jahre 1969 eine junge Frau, Assistant Professor of English, in der Presse als erste Professorin des Caltech benannt wurde und sich Olga Taussky-Todd daraufhin an die Administration wandte. [12] Als Gastprofessorin unterrichtete Taussky-Todd neben einem Aufenthalt am Courant Institute in New York 1956 auch an der Universität Wien.[13] Das Californian Institute of Technology (Caltech) in Pasadena, Los Angeles wurde ihre letzte große Wirkungsstätte, wo sie sich in wissenschaftlicher Hinsicht gänzlich entfalten konnte. Olga Taussky-Todd hielt Spezialvorlesungen zu Matrixtheorie, Eigenwerttheorie und verschiedenen anderen Themen. Gleichzeitig betreute sie Dissertationen zahlreicher Schüler (insgesamt 16 Abschlussarbeiten). 1977 wurde Taussky-Todd emeritiert und lebte bis zu ihrem Tod am 7. Oktober 1995 in Pasadena.

Schaffen

Durch die Mathematikerinnengruppe in Cambridge wurden weitere Forschungen zur topologischen Algebra sowie zur Matrizentheorie angeregt. Es gelang Taussky-Todd letztlich den auf Ferdinand Georg Frobenius (1849-1917) zurückgehenden Beweis für einen Zusammenhang zwischen n-dimensionalen Kugeln und Algebren ohne Nullteiler zu erbringen.[14] Während des zweiten Weltkrieges erforschte sie zusammen mit ihrem Mann die Vibrationen von Flugzeugen und entwickelte dafür die Numerik von Matrizen, an deren Ausbau sie in der Folgezeit maßgeblich beteiligt war und als Pionierin der Matrizentheorie bekannt wurde.[15] Ebenso widmete sie sich intensiv der Untersuchung von Quaternionen und Caley-Zahlen. Verstärkt befasste sie sich auch mit den Summen von Quadraten, worüber sie mehrfach publizierte. Bekanntheit erlang sie etwa durch ihre Arbeit Sums of squares, die in der American Mathematical Monthly 77 (1970) erschien. Ihre mathematischen Forschungen setzte Olga Taussky-Todd auch nach ihrer Emeritierung 1977 fort.[16]

Mitgliedschaften

  • Mathematical Association of America
  • London Mathematical Society
  • Vizepräsidentin der American Mathematical Society
  • seit 1975 korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
  • seit 1985 korrenspondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

Auszeichnungen

  • 1947 Senior Research Award des Departments of Scientific and Industrial Research in London
  • 1970 Ford-Preis der Mathematical Association of America für die Arbeit Sums of Squares
  • 1978 Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse
  • 1981 Noether Lecture, eine jährliche Ehrung der Association for Women in Mathematics
  • 1988 Ehrendoktorat der University of Southern California
  • 1999 Tagung in Berkeley: Olga Taussky-Todd Celebration of Careers in Mathematics for Women
  • 2010 Die Universität Wien benannte den Seminarraums C 209 an der Fakultät für Mathematik in "Olga-Taussky Todd Raum" um (28. April 2010).
  • 2015/16 Errichtung eines Denkmals im Arkadenhof der Universität Wien

Schriften

  • Olga Taussky/John Todd, Matrices with finite period, Proc. Edinburgh Math. Soc. 6, 1939, S. 128-134.
  • Olga Taussky/John Todd, Infinite powers of matrices, J. London Math. Soc. 17, 1942, S. 147-151.
  • Matrices C with Cn → 0, J. Algebra, 1, 1954, S. 5-10.
  • Sums of squares, American Mathematical Monthly. v. 77, 1970.
  • How I became a torchbearer for matrix theory, American Mathematical Monthly. v. 95, 1988.

Literatur

  • Mary Terrall (Hg.), Olga Taussky-Todd (1906-1995). Autobiography, 1979-1980, repr.2003, California Institute of Technology.
  • Christa Binder, Von Olmütz nach Pasadena: Die Zahlentheoretikerin Olga Taussky-Todd, in: Renate Tobies (Hg.), „Aller Männerkultur zum Trotz“. Frauen in Mathematik, Naturwissenschaften und Technik, Frankfurt/New York 2008, S. 205-224.
  • Christa Binder, Taußky, Olga, in: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 25, Berlin 2013.
  • Claudia Wurzinger, Olga Taussky-Todd, in: Brigitta Keintzel/Ilse Korotin (Hg.), Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben. Werk. Wirken, Wien/Köln/Weimar 2002, S. 729-731.


Weblinks

Einzelnachweise

  1. Christa Binder, Von Olmütz nach Pasadena: Die Zahlentheoretikerin Olga Taussky-Todd, in: Renate Tobies (Hg.), „Aller Männerkultur zum Trotz“. Frauen in Mathematik, Naturwissenschaften und Technik, Frankfurt/New York 2008, S. 206-207.
  2. Christa Binder, Taußky, Olga, in: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 25, Berlin 2013, S. 814
  3. https://geschichte.univie.ac.at/de/personen/olga-taussky-todd-prof-dr-dr-hc, aufgerufen am 20.01.2019.
  4. Claudia Wurzinger, Olga Taussky-Todd, in: Brigitta Keintzel/Ilse Korotin (Hg.), Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben. Werk. Wirken, Wien/Köln/Weimar 2002, S. 730.
  5. Christa Binder, Von Olmütz nach Pasadena: Die Zahlentheoretikerin Olga Taussky-Todd, in: Renate Tobies (Hg.), „Aller Männerkultur zum Trotz“. Frauen in Mathematik, Naturwissenschaften und Technik, Frankfurt/New York 2008, S. 213.
  6. Claudia Wurzinger, Olga Taussky-Todd, in: Brigitta Keintzel/Ilse Korotin (Hg.), Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben. Werk. Wirken, Wien/Köln/Weimar 2002, S. 730.
  7. Christa Binder, Von Olmütz nach Pasadena: Die Zahlentheoretikerin Olga Taussky-Todd, in: Renate Tobies (Hg.), „Aller Männerkultur zum Trotz“. Frauen in Mathematik, Naturwissenschaften und Technik, Frankfurt/New York 2008, S. 218.
  8. Claudia Wurzinger, Olga Taussky-Todd, in: Brigitta Keintzel/Ilse Korotin (Hg.), Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben. Werk. Wirken, Wien/Köln/Weimar 2002, S. 730.
  9. Claudia Wurzinger, Olga Taussky-Todd, in: Brigitta Keintzel/Ilse Korotin (Hg.), Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben. Werk. Wirken, Wien/Köln/Weimar 2002, S. 730.
  10. Christa Binder, Von Olmütz nach Pasadena: Die Zahlentheoretikerin Olga Taussky-Todd, in: Renate Tobies (Hg.), „Aller Männerkultur zum Trotz“. Frauen in Mathematik, Naturwissenschaften und Technik, Frankfurt/New York 2008, S. 220.
  11. Christa Binder, Taußky, Olga, in: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 25, Berlin 2013, S. 814
  12. https://austria-forum.org/af/Biographien/Tau%C3%9Fky%2C_Olga, aufgerufen am 21.01.2019.
  13. https://geschichte.univie.ac.at/de/personen/olga-taussky-todd-prof-dr-dr-hc, aufgerufen am 20.01.2019
  14. Keintzel/Korotin 2002, S.729-731.
  15. https://en.wikipedia.org/wiki/Olga_Taussky-Todd
  16. https://austria-forum.org/af/Biographien/Tau%C3%9Fky%2C_Olga

Darstellungen


Charlotte Reuß