Nicht realisierte Denkmal-Projekte

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Der Arkadenhof der Universität Wien beinhaltet heute mehr als 150 Denkmäler. Neben diesen noch heute bestehenden Denkmälerprojekten gibt es mehrmals Projekte, die nicht zur Realisierung und Aufstellung gelangten.

So hätte ein Projekt von 1914 ein Gruppendenkmal der Historiker Theodor Sickel, Engelbert Mühlbacher, Alfons Huber und Heinrich von Zeissberg vorgesehen. Ein anderes Projekt sah drei Varianten zur Gestaltung der Bibliothekswand vor: entweder Porträtmedaillons von Professoren, die bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts an der Universität wirkten, oder Inschriftentafeln zur Geschichte der Universität oder als weitere Möglichkeit, die Anbringung von Porträts habsburgischer Fürsten, deren Regierung von besonderer Bedeutung für die Universität gewesen war.[1] Keine dieser drei Gestaltungsmöglichkeiten wurde realisiert.

Weitere Denkmalprojekte waren unter anderem 1911/12 eine Büste für den Mediziner Leopold von Auenbrugger, ein Denkmal für den Numismatiker Joseph Hilarius Eckhel in den 1960ern, ein Denkmal für Richard Meister (1974), für Othenio Abel (1974–83) oder Jakob Pollak (1989–92). Bereits 1956 wurde an ein gemeinsames Denkmal für die österreichischen Nobelpreisträger gedacht.

Im Folgenden werden zwei der schlussendlich dann aber nicht realisierten Denkmalprojekte näher erläutert.

Das Denkmal für Leopold von Auenbrugger

Leopold Auenbrugger (* 19. November 1722 in Graz; † 18. Mai 1809 in Wien) gilt als Erfinder der medizinischen Untersuchungstechnik der Perkussion und Wegbereiter der physikalischen Diagnostik. Mittels Anschlagens an den menschlichen Brustkorb können Schallunterschiede festgestellt und damit verborgene Brust-Krankheiten entdeckt werden.[2]

Entstehungsgeschichte

Wie aus den Senatsakten des Universitätsarchivs hervorgeht, wurde das Denkmal im Jahr 1908 vom Dekan der medizinischen Fakultät beantragt und von der artistischen Kommission befürwortet.[3] Auf Antrag des akademischen Senats wurde ein Schreiben an das zuständige Ministerium für Kultus und Unterricht erstellt und um die Mittel zur „Errichtung eines etwas reicher ausgestatteten historischen Denkmals (…)“ ersucht.[4] Anlässlich des 100. Todestages im Mai 1909 sollte die Büste Auenbruggers im Arkadenhof enthüllt werden.[5]

Das Datum zur Enthüllung konnte nicht eingehalten werden. Die Errichtung des Denkmals verzögerte sich, da Auenbrugger nicht dem medizinischen Lehrkörper der Universität angehört hatte und daher ein Platz für ein Denkmal in den Arkaden der Universität schwierig werden würde. Daher sollte über einen anderen Aufstellungsort abseits des Universitätsgebäudes beraten werden. Dabei wurde das Areal der neuen Kliniken in Betracht gezogen. Da sich jedoch der größte Teil des Areals noch in unbebautem Zustand befand, war an einen zukünftigen Aufstellungsort des Denkmals nicht zu denken.[6]

Da kein geeigneter Standort gefunden werden konnte, wurde die Aufstellung des Denkmals für Leopold von Auenbrugger auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.[7] Darüber hinaus wird das projektierte Denkmal für Leopold Auenbrugger nicht in den Akten erwähnt und es ist nicht belegt, ob es auch je als Büste ausgeführt wurde.

Gedenktafel für Leopold Auenbrugger am Neuen Markt, 1010 Wien, 1909

Gedenktafel für Leopold Auenbrugger am Neuen Markt, 1010 Wien

Eine bronzene Gedenktafel mit Inschrift am Neuen Markt im 1. Wiener Gemeindebezirk erinnert an den Mediziner Leopold Auenbrugger und seine Verdienste um die medizinische Wissenschaft.[8] An der Adresse Neuer Markt 9 befand sich das Sterbehaus Auenbruggers. Die von floralem Dekor ausgeschmückte Inschriftentafel von 1909 – dem Jahr seines 100. Todestages – enthält zudem einen Verweis auf seine Publikation Inventum novum ex percussione thoracis humani ut signo abstrusos interni pectoris morbos detegendi von 1761, abgekürzt durch Inventum novum. Damit veröffentlichte er seine Forschungsergebnisse zur Perkussion des Brustkorbes.

Das Gruppendenkmal der Historiker Theodor v. Sickel, Alfons Huber, Engelbert Mühlbacher, Heinrich von Zeissberg

Für die Historiker Theodor von Sickel, Engelbert Mühlbacher, Alfons Huber und Heinrich von Zeissberg war 1914 ein gemeinsames Gruppendenkmal angedacht. Der Künstler Josef Kassin schuf dafür ein Modell.

Modell von Josef Kassin für das Historiker-Gruppendenkmal von 1914

Entstehungsgeschichte

Auf Antrag eines vorbereitenden Denkmalkomitees wurde ein Denkmal für die vier Historiker bei der philosophischen Fakultät beantragt.[9]

Ein Entwurf für die Komposition war bereits von dem Bildhauer Josef Kassin gefertigt worden, eine schwarz/weiß-Fotografie befindet sich auch heute noch im Akt.[10] Als Aufstellungsort für das Gruppendenkmal der vier Historiker plante man das dritte Feld auf der Juristenseite des Arkadenhofs, vor dem sich zum damaligen Zeitpunkt das Denkmal für den Juristen Heinrich Siegel befand.[11] Im April 1918 erhält das Rektorat der Universität den Bescheid des Unterrichtsministeriums, dass dem geplanten Denkmalvorhaben, das den Entwurf von Josef Kassin vorsah, aufgrund eines Sachverständigen-Gutachtens die finanzielle Unterstützung bewilligt wurde.[12]

Darüber hinaus wird das projektierte Gruppendenkmal der Historiker Theodor v. Sickel und seiner Schüler Alfons Huber, Engelbert Mühlbacher und Heinrich von Zeissberg nicht in den Akten erwähnt und es ist nicht belegt, ob es durch Josef Kassin auch je zu einer Ausführung in Stein gekommen war.

Erst knapp zehn Jahre später wird wieder an eine Ehrung gedacht - in diesem Fall ein Einzeldenkmal für Theodor v. Sickel. Die feierliche Enthüllung des Denkmals für Theodor v. Sickel fand im Juli 1930 statt. Das Denkmal stammt ebenfalls von Josef Kassin, wie schon der Entwurf für das Gruppendenkmal zuvor.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Obwohl das Gruppendenkmal der vier Historiker von Josef Kassin nicht im Arkadenhof realisiert wurde, ist es besonders hinsichtlich der späteren Gestaltung des Einzeldenkmals für Theodor von Sickel interessant.

Denkmal für Theodor von Sickel, Josef Kassin, 1930

In dem Gruppendenkmal zeigt Kassin den Gelehrten von den drei aufmerksam zuhörenden Schülern umgeben, mit der rechten Hand und Zeigegestus auf ein Schriftstück deutend. Jede der Figuren ist bis zur Körpermitte dargestellt, ihre Hände und Arme sind an einem Tisch mit profilierter Kante positioniert. Eingefasst wird die Gruppe durch eine tempelartige Architektur, bestehend aus zwei kannelierten Säulen korinthischer Ordnung und einem profilierten Gewölbebogen. Darüber ein mehrfach profiliertes Gesims. Den flachen Hintergrund der Figurengruppe bildet ein perspektivischer Einblick in eine Bibliothek, deren tonnengewölbter Raum angedeutet wird. Hohe Wandregale mit Büchern, deren Buchrücken erkennbar sind, mit dazwischen gestellten Säulen, ebenfalls mit korinthischen Kapitellen, bilden die seitlichen Wandflächen.

Die Historikergruppe konzentriert sich zentral rund um Theodor von Sickel. Die drei Schüler wenden sich ihrem Lehrer zu und werden in aufmerksamer Zuhörerposition mit Blick auf den Vortragenden gezeigt. Der pyramidale Aufbau der Figurengruppe und die Einfassung durch die tempelartige Architektur lenken den Blick des Betrachters auf die zentrale Hauptperson Theodor v. Sickel. Seine Figur ist etwas aus dem formalen Mittelpunkt gerückt, diesen bildet das Dokument in den Händen des Geschichtsforschers.

Das ausgeführte Einzel-Denkmal zeigt den Historiker als Halbfigur im Anzug gekleidet auf einem Sockel positioniert, in seinen Händen ein Schriftstück haltend. Mit seiner rechten Hand und einem Zeigegestus verweist er darauf. Diese Gestaltung denkt Kassin schon in dem früheren Gipsmodell für das Gruppendenkmal von 1914 an und übernimmt das für die spätere Konzeption von 1929. Die Haltung der bronzenen Halbfigur ähnelt der Figur aus dem Gruppendenkmal sehr stark. Das Denkmal für Theodor von Sickel wird in Form des Halbfigurendenkmals für den Arkadenhof ausgeführt. Seine drei Schüler – Engelbert Mühlbacher, Alfons Huber und Heinrich von Zeissberg – sind nicht im Arkadenhof vertreten.

Quellen

UAW Universitätsarchiv Wien - Senatsakten

Einzelnachweise

  1. UAW Senat S 87.4.5, Schreiben des Rektors der Universität Wien (Redlich) an die artistische Kommission, vom 08. Jänner 1913.
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_von_Auenbrugger, 03.08.2015
  3. UAW Senat S 87.4.23, Schreiben des Rektors der Universität Wien an den Dekan der medizinischen Fakultät, vom 15. Dezember 1908.
  4. UAW Senat S 87.4.23, Schreiben des Rektors der Universität Wien an den Dekan der medizinischen Fakultät, vom 15. Dezember 1908.
  5. UAW Senat S 87.4.23, Schreiben des Rektors an die artistische Kommission des akademischen Senats, vom 30. Oktober 1908.
  6. UAW Senat S 87.4.23, Geschichte des Auenbrugger-Denkmals, vom 21. April 1917.
  7. UAW Senat S 87.4.23, Geschichte des Auenbrugger-Denkmals, vom 21. April 1917.
  8. http://austria-forum.org/af/Bilder_und_Videos/Bilder_Wien/1010_Gedenktafeln/4731, 03.08.2015
  9. UAW Senat S 87.4.21, Schreiben Dr. E. von Ottenthal an den Rektor der Universität Wien, vom 24. Juni 1914.
  10. UAW Senat S 87.4.21, Schreiben Dr. E. von Ottenthal an den Rektor der Universität Wien, vom 24. Juni 1914.
  11. UAW Senat S 87.4.21, Schreiben des Rektors der Universität an das k.k. Ministerium für Kultus und Unterricht, vom 20. Juli 1915.
  12. UAW Senat S 87.4.21, Schreiben des Unterrichtsministers Owiklinski an den Rektor der Universität Wien, vom 02. April 1918.



Andrea Mayr