Moriz Kaposi

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Moriz Kaposi, Foto um 1890, J.F. Lehmann, München 1902.

Moriz Kaposi (* 23. Oktober 1837 in Kaposvár, Ungarn; † 6. März 1902 in Wien), bis 1871 Kohn, war Professor für Dermatologie und Syphilidologie an der Universität Wien. Als wichtigster Schüler Ferdinand von Hebras gilt er als Mitbegründer der neuen Dermatologie.

Leben

Moriz Kohn wurde als Sohn einer jüdischen Familie am 23. Oktober 1837 in der Handelsstadt Kaposvár an der Kapos im südlichen Ungarn geboren, damals Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie. Die Volksschule und die ersten Jahre der Gymnasialausbildung absolvierte er in Kaposvar. Danach übersiedelte die Familie nach Preßburg (heute Bratislava, Slowakei), wo er das Gymnasium abschloss.[1] Das Medizinstudium führte ihn ab dem Studienjahr 1855/56 an die Wiener Universität, die Promotion erfolgte 1861. Nach zweijähriger Ausbildung an der Klinik für Syphilidologie bei Prof. Sigmund, wechselte er als Assistent an die berühmte Klinik von Ferdinand von Hebra, dem "Vater der Dermatologie". 1866 habilitierte sich für Syphilidologie (1874 erhielt er die erweiterte Dozentur für Dermatologie).[2]

Nur wenige Jahre später, 1869 heiratete er Martha Hebra (1851-1945), die 18jährige Tochter seines Lehrers Ferdinand von Hebra; das Paar hatte zwei Töchter und zwei Söhne. Der 1872 geborene Hermann wurde ebenfalls Arzt und war Chirurg am St. Josefs-Krankenhaus ind Breslau.[3] 1871 trat der junge Familienvater und aufstrebende Wissenschaftler zum Katholizismus über und ersuchte in einem Schreiben an die "Hohe k.k. n.oe. Statthalterei" auch um Änderung seines Familiennamens in Kaposi (nach seinem Geburtsort): "Der ergebenst Gefertigte stellt das unterthänige Ansuchen, daß ihm - für sich und seine Familie - gestattet werde, seinen bisherigen Familiennamen "Kohn" gegen "Kaposi" vertauschen zu dürfen.". Am 8. November 1871 wurde sein Antrag auf Namensänderung bewilligt.[4] Als Begründung für diesen Schritt gab Kaposi selbst an, dass damals fünf weitere Ärzte dieses Namens an der Universität tätig waren und er fürchten müsse, mit ihnen verwechselt zu werden.

1875 wurde Kaposi zum a.o. Professor ernannt und übernahm nach dem Tod seines Schwiegervaters 1880 die interimistische Leitung der Klinik. Im Jahr 1881 wurde er offiziell zum Ordinarius der Dermatologischen Klinik, eine Position die er bis zu seinem Tode am 6. März 1902 innehatte. In der Wiener Gesellschaft war Kaposi, wie Michael Braun schildert, wohlbekannt und verkehrte auch in Kunstkreisen. Seine Frau Martha stand dem Bildhauer Carl Kundmann Modell.[5] Das damals geschaffene ganzfigurige Porträt Martha Hebras sollte später auch das Grabmal Kaposis auf dem Döblinger Friedhof in Wien bekrönen. Auch Kaposi selbst saß noch zu Lebzeiten dem Bildhauer Johannes Benk Modell, die Witwe Martha Kaposi stiftete die Marmorbüste ihres verstorbenen Mannes der Universität, wo sie über fünf Jahre nach seinem Tod, am 15. Dezemeber 1908 im Arkadenhof der Universität Wien aufgestellt wurde.

Schaffen

Kaposi gilt neben seinem großen Lehrer Hebra als Mitbegründer der Dermatologie und als einer ihrer bedeutensten Förderer.[6] Laut Karl-Ludwig Salier stellte er die Dermatologie und Venerologie vollends auf die pathologisch-anatomische Basis.[7] 1872 beschrieb er als erster Forscher einen äußerst seltenen Hauttumor, den er als "idiopathisches multiples Pigmentsarkom der Haut" bezeichnete. Heute ist er unter dem Namen "Karposi-Sarkom" weltberühmt. Als Begleiterkrankung bei HIV-Infektionen wurde dieses seltene Sarkom, wie Michael Nanut und Wolfgang Regal es treffend formulierten, "zu einem Synonym für AIDS".[8] Denn 1981 sorgte in den USA das gehäufte Auftreten des "Karposi-Sarkoms" bei jungen, homosexuellen Männern, die gleichzeitig an einer Immmunschwäche litten, für Aufsehen.

Moriz Kaposi, der neben seiner Muttersprache Ungarisch, fließend Deutsch, Englisch und Französisch sprach, war ein ausgezeichneter Vortragender und Lehrer. Seine scharfen, kritischen Kommentare waren allerdings unter seinen Kollegen gefürchtet.[9] Er publizierte über 150 wissenschaftliche Arbeiten, die zum größten Teil im "Archiv für Dermatologie und Syphilis", dessen Redakteur er gemeinsam mit anderen war, erschienen. [10] Unter seinen zahlreichen Werken, die veröffentlicht wurden, seien nur zwei besonders hervorgehoben: Der zweite Teil von Ferdinand von Hebras großem Lehrbuch der Hautkrankheiten wurde von diesem nur begonnen und durch Moriz Kaposi zu Ende geführt (1878). [11] Kaposis viel beachtetes Lehrbuch "Pathologie und Therapie der Hautkrankheiten in Vorlesungen für praktische Ärzte und Studierende", erschien erstmals 1880, wurde ins Französische, Englische und Russische übersetzt und sorgte so für weltweite Verbreitung der Wiener Schule.

Werke

Monographien und Lehrbücher:

  • Syphilis der Schleimhaut der Mund-, Rachen-, Nasen- und Kehlkopfhöhle (Habilitations-Monographie), Erlangen 1866.
  • Ferdinand von Hebra/Moriz Kaposi, Lehrbuch der Hautkrankheiten (mehrere Bd.), 1870-1872.
  • Die Syphilis der Haut und der angrenzenden Schleimhäute, Wien 1872.
  • Pathologie und Therapie der Hautkrankheiten in Vorlesungen für praktische Ärzte und Studierende, Wien 1880 (Fünf Auflagen, Übersetzungen ins Französische, Englische und Russische).
  • Pathologie und Therapie der Syphilis, 1, Stuttgart 1881.
  • Pathologie und Therapie der Syphilis, 2, Stuttgart 1891.
  • Atlas der Hautkrankheiten (3 Bd.), Wien 1898/1899.

Zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften, in Auswahl:

  • Idiopathisches multiples Pigmentsarkom der Haut, in: Archiv für Dermatologie und Syphilis, 1872, 4, S. 256-278.
  • Gedenkrede auf FERD. HEBRA anlässlich der Enthüllung seiner Denkbüste in den Arkaden der Universität, 14. Juni 1891, in: Wiener klinische Wochenschrift, 1891, 4, S. 463-465.

Literatur

  • BJB 1902: Anton Bettelheim (Hg.), Biographisches Jahrbuch und deutscher Nekrolog, 7, Berlin 1902.
  • Biograph. Lex. 1931: Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte aller Zeiten und Völker, Berlin u.a. 1929-1935.
  • Braun 1982: Michael Braun, Classics in Oncology. Moriz Kaposi, M.D., in: CA-A Cncer Journal for Clinicians, 32, 4, 1982, S. 340-341.
  • Czeike 1994: Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, 3, Wien 1994.
  • DBE 1997: Walther Killy/Rudolf Vierhaus (Hg.), Deutsche Biographische Enzyklopädie, 5, München u.a. 1997.
  • Eisenberg 1893: Ludwig Eisenberg, Das geistige Wien. Künstler- und Schriftsteller-Lexikon, 2, Medicinisch-naturwissenschaftlicher Theil, Wien 1893.
  • Enc. Judaica 1932: Encyclopaedia Judaica. Das Judentum in Geschichte und Gegenwart, 9, Berlin 1932.
  • Enc. Judaica 1971: Encyclopaedia Judaica, 10, Jerusalem 1971.
  • Holubar/Fatovic-Ferencic o.J., Karl Holubar/Stella Fatovic-Ferencic, Moriz Kaposi 1837-1902: a historical reappraisal, in: www.oegdv.at. ÖGDV.Österreichische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie, o.J. (23.8.2013).[1]
  • Jew. Encycl. 1904: Isidore Singer (Hg.), The Jewish Encyclopedia. A Descriptive Record of the History, Religion, Literature, and Costums of the Jewish People from the Earliest Times to the Present Day, 7, New York u.a. 1904.
  • Jüdisches Lexikon 1929: Jüdisches Lexikon. Ein enzyklopädisches Handbuch des jüdischen Wissens in vier Bänden, 3, Berlin 1929.
  • Kagan 1952: Solomon R. Kagan, Jewish Medicine, Boston 1952.
  • Kohut 1900: Adolph Kohut,Berühmte israelitische Männer und Frauen in der Kulturgeschichte der Menschheit. Lebens- und Charakterbilder aus Vergangenheit und Gegenwart, 1, Leipzig 1900.
  • Kreuter 1996: Alma Kreuter, Deutschsprachige Neurologen und Psychiater. Ein biographisch-bibliographisches Lexikon von den Vorläufern bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, 2, München u.a. 1996.
  • Lesky 1981: Erna Lesky, Meilensteine der Wiener Medizin. Große Ärzte Österreichs in drei Jahrhunderten, Wien/München/Bern 1981.
  • ÖBL 1965: Österreichisches biographisches Lexikon 1815-1950,Bd.3, Graz u.a. 1965.
  • Pagel 1901: J. Pagel (Hg.), Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts, Berlin u.a. 1901.
  • Regal/Nanut 2004: Wolfgang Regal/Michael Nanut: Der Mann hinter dem Sarkom (Altes Medizinisches Wien 95), Ärztewoche, 18, 43, 2004.[2]
  • Salier 1977: Karl-Ludwig Salier, Kaposi, Moriz, in: Neue Deutsche Biographie, 11, 1977, S. 133. [3]
  • Schönbauer 1944: Leopold Schönbauer, Das medizinische Wien. Geschichte/Werden/Würdigung, Berlin/Wien 1944.
  • Univ. Jew. Encycl. 1948: The Universal Jewish Encyclopedia, 6, New York 1948.
  • Wr.Med.Wo. 8.3.1902: Nachruf auf Moriz Kaposi, in: Wiener Medizinische Wochenschrift,10, 8.März 1902, 449/450.
  • Wininger 1936: S[alomon] Wininger, Große jüdische National-Biographie, 3, Cernãuţi 1928.

Weblinks

  • Eintrag Moriz Kaposi im Austriaforum [4]
  • Classics in Ontology. Moriz Kaposi, M.D. (Michael Braun) [5]
  • Inst. f. Geschichte der Medizin, Univ. Erlangen, „Atlas der Hautkrankheiten“ von Ferdinand von Hebra (1856) - Online [6]
  • Eintrag zu Moriz Kaposi auf Wikipedia [7]

Einzelnachweise

  1. Braun 1982, S. 341;Regal/Nanut 2004; Czeike 1994.
  2. Kreuter 1996.
  3. Salier 1977.
  4. Holubar/Fatovic-Ferencic o.J., S. 3-5, Abb. 2.
  5. Braun 1982, S. 341.
  6. Lesky 1981, S. 213-218.
  7. Salier 1977
  8. Regal/Nanut 2004
  9. Braun 1982, S. 341.
  10. ÖBL 1965, S.222
  11. Schönbauer 1944, S. 235.

Darstellungen


Julia Strobl, 2013SS