Michael Powolny

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Michael Powolny
Michael Powolny (*18. September 1871 in Judenburg, Steiermark; † 4. Jänner 1954 in Wien) war einer der bedeutendsten österreichischen Keramiker des 20.Jahrhunderts. In seiner Laufbahn schuf er jedoch auch zahlreiche plastische Arbeiten, darunter auch das Denkmal für Franz Serafin Exner im Arkadenhof der Universität Wien.

Leben

Michael Powolny kam am 18. September 1871 als erstes Kind von Ignaz und Maria Powolny in Judenburg zur Welt. Die Familie Powolnys stammte aus dem Handwerksmilieu, sowohl der Vater als auch der Großvater waren Hafner gewesen und besaßen eine Hafnerei in Judenburg welche durch das in der Fabrik erzeugte Emailgeschirr in ihrer Existenz bedroht war. Schon früh fiel den Eltern die Begabung des Jungen auf, sodass er nach dem Besuch der Volks- und Bürgerschule in Judenburg in der väterlichen Betrieb eintrat und eine Lehre begann.[1]

Als die Mutter 1880 starb, war Michael Powolny erst acht Jahre alt. Sein Vater heiratete erneut, doch auch er starb sehr früh im Jahre 1889. Die zweite Frau des Vaters verkaufte Haus und Hafnerei und zerschlug damit Michael Powolnys Pläne das Geschäft zu übernehmen. Powolny erhielt die Möglichkeit seine Lehre in der Firma "Sommerhuber" in Steyr für zwei Jahre fortzusetzen. Er vertiefte dort seine Fähigkeiten und konnte anschließend im Jahr 1891 in die "k.k. Fachschule für Thonindustrie" in Znaim eintreten. Nach einer dreijährigen Ausbildung in Znaim, folgte Powolny dem Rat seiner Lehrer und wagte 1894 den Schritt nach Wien an die Wiener Kunstgewerbeschule. Powolny absolvierte bis 1899 einige Kurse die seine Fähigkeiten als Modelleur förderten. 1899 wurden sämtliche Professoren durch Mitglieder der Wiener Secession ersetzt, so auch Powolnys Lehrer der von Arthur Strasser abgelöst wurde.[2]

Strasser und Powolny waren sich in Fragen des Stils stets uneinig, was zu Spannungen zwischen Lehrer und Schüler führte. Powolny schöpfte daher weit mehr aus seinem Kontakt und seiner Freundschaft zu den anderen Secessionisten, darunter der Bildhauer Franz Metzner, Gustav Klimt und Josef Hoffman. Das Gedankengut und der Geschmack der Secession wurde von Powolny begeistert aufgenommen, und fand in seinen weiteren Werken ihren Niederschlag. 1901 schloss Powolny seine Ausbildung ab und wurde freischaffender Künstler, außerdem trat er der Vereinigung "Wiener Kunst im Haus" bei. Drei Jahre lang wirkte er als Assistent Metzners, bis er ihn auf Grund einer Krankheit schließlich bis 1909 ganz ersetzte. Im Jahr 1906 hatte er gemeinsam mit dem Maler und Grafiker Berthold Löffler eine Keramik-Werkstätte mit dem Namen "Wiener Keramik" gegründet, welche in den darauffolgenden Jahren sehr erfolgreich wurde. Die Keramiken wurden von der "Wiener Werkstätte" vertrieben und sicherten so Powolnys internationale Bekanntheit. 1909 wurde Powolny, als Nachfolger Metzlers, als Lehrer der neuen Keramikwerkstätte an die Kunstgewerbeschule berufen; diese Stelle sollte er bis 1932 innehaben.[3]

Die Werkstätte für Keramik an der Wiener Kunstgewerbeschule 1930.

1912 wurde Powolny zum Professor ernannt, trat dem "Wiener Werkbund" bei, und die "Wiener Keramik" fusionierte 1913 mit der "Gmundner Keramik".Powolny absolvierte keinen Militärdienst, stattdessen kam es zur Zusammenarbeit mit der Firma "Wienerberger" und mit Josef Hoffmann unter anderem am Palais Stoclet. Auch setzte er sich intensiv mit der Glaskunst auseinander und schuf einiges für die Firma "Lobmeyr". Aufgrund dessen übernahm Powolny 1923 die Leitung der Klasse für Glasbearbeitung an der Wiener Kunstgewerbeschule, welche er bis 1931 innehatte. In den 1920er Jahren nahm Powolny auch Aufträge der Kirche oder der Stadt Wien an, darunter auch Denkmäler für die Gemeinde Hinterbrühl. Ab 1923, dem Neugründungsjahr der Porzellanmanufaktur "Augarten", wirkte er dort als Berater und entwarf weiterhin.[4] Die 1930er Jahre markierten für Powolny eine gänzlich neue Schaffensphase. Er beteiligte sich an mehreren Kirchenausstattungen und arbeitete an großformatigen bildhauerischen Werken, darunter Frauendarstellungen und das Denkmal für Franz Serafin Exner. Im Zuge dessen übernahm Powolny auch die Klasse für Bildhauerei an der Wiener Kunstgewerbeschule welche er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1936 leitete.

Powolny wurde 1934, gemeinsam mit den gesamten Lehrkörpern der Kunstgewerbeschule, der Vaterländischen Front verpflichtet. Ab 1936 war Powolny auch Mitglied der Wiener Secession, die jedoch bereits 1939 von den Nationalsozialisten aufgelöst wurde. Erst 1946 konnte er der neu gegründeten Secession beitreten, und blieb bis zu seinem Tod dabei. Nach seiner Pensionierung war Michael Powolny weiterhin als Lehrer tätig und führte sein eigenes Atelier und bekam bis ins hohe Alter regelmäßig Aufträge. Mit 70 Jahren heiratete Powolny erstmals, die Kabarettistin Stefanie Loeff und verbrachte mit ihr seinen Lebensabend. Am 4. Jänner 1954 starb Michael Powolny im 83. Lebensjahr. Er wurde am Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.[5]

Schaffen/ Ausstellungen & Preise (Auswahl)

Michael Powolny und seine Schüler um 1932.
Powolnys Kontakt mit der Wiener Secession ist ausschlaggebend für einen großen Teil seines Werkes. Für Powolny zählt das Ganze mehr als das Detail und will dem Charakter des Materials gerecht werden. Seine frühen Werke zeigen eine ausgeprägte Stilisierung und eine monumentale Tektonik. Großen Erfolg hat er jedoch vor allem mit den bunt glasierten und vergoldeten Keramiken und Figuren die international Vertrieben werden. Einige Jahre später weichen diese bunten Figuren zugunsten einer strengeren schwarz-weißen Glasurgestaltung und einer zurückgenommenen Form. Powolnys Auseinandersetzung mit der Glaskunst bringt eine Neubelebung der Tief- und Holzschnitttechnik. Die Gläser und Dekorentwürfe sind sehr beliebt und sichern Powolnys Erfolg. In den zwanziger Jahren entstehen einige Arbeiten für öffentliche Aufträge und in den dreißigern einige profane Bildhauerarbeiten in denen eine realistischere Formensprache entwickelt wird, die er bis zu seinem Tod beibehalten sollte. Powolnys Schaffen geht weit über die Secessionszeit hinaus und ist nicht nur für die österreichische Keramikkunst bedeutend, sondern auch international sehr wesentlich. Powolny hat durch seine lange Lehrtätigkeit unzählige Schüler ausgebildet, von denen viele bedeutsame Keramiker wurden und selbst Schüler ausbildeten. Demnach steht Powolny am Beginn einer österreichischen Keramik-Hochblüte die sein Schaffen des 20.Jahrhunderts fortsetzt.[6]
  • Erste Ausstellungsbeteiligung 1899 an der Winterausstellung des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie.
  • Weihnachtswettbewerb 1900 1. Preis auf dem Gebiet der Plastik für einen Fries.
  • 1901 Ausstellung der Arbeiten der Wiener Kunstgewerbeschule.
  • 1902 Ausstellung der Wiener Secession und der "Wiener Kunst im Haus".
  • 1903 Ausstellung der "Wiener Kunst im Haus", Powolny zeigte neben einem Brunnenmodell, Reliefs und Grabmalentwürfe und gewann an Bedeutung.
  • 1906 Gründung der "Wiener Keramik", rund 300 Keramiken nach Powolnys Entwürfen erregten internationale Aufmerksamkeit.
  • 1908 Kunstschau der Klimt-Gruppe.
  • 1909 Internationale Kunstschau.
  • 1911 Internationale Kunstschau in Rom.
  • Jahrelange Beteiligung in den Ausstellungen des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie.
  • 1912 Frühjahrsausstellung Österreichischer Kunstgewerbe
  • 1914 Werkbund Ausstellung in Köln.
  • 1920er Aufträge von öffentlichen Einrichtungen und der Kirche.
  • 1925 Titel des Regierungsrates und Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes in Paris sowie die Auszeichnung mit dem Diplom d'Honneur.
  • 1930 Werkbund Ausstellung in Wien.
  • 1933 Auszeichnung mit der Staatspreismedaille.
  • 1935 Weltausstellung in Brüssel und Auszeichnung mit dem "Grand Prix" für eine Brunnenfigur.
  • 1936 Auszeichnung mit dem Offizierskreuz des österreichischen Verdienstordens.Triennale in Mailand, Ausstellung des neuen österreichischen Werkbunds.
  • 1941 Personalausstellung Powolnys im Österreichischen Museum für angewandte Kunst anlässlich seines 70.Geburtstages, über 300 Exponate.
  • 1943 Auszeichnung mit dem Alfred-Roller-Preis der Stadt Wien (zweites und letztes Mal vergeben). Ausstellung deutsche Werkkunst.
  • 1947 Erste Große Österreichische Kunstausstellung in Wien.
  • 1951 Ausstellung Österreichische Plastik 1900- 1950 in Salzburg. Auszeichnung als Ehrenmitglied der Akademie für angewandte Kunst anlässlich seines 80.Geburtstages und Auszeichnung mit der Ehrenmedaille der Stadt Wien.
  • 1965 wurde im 22. Wiener Gemeindebezirk die Powolnygasse nach ihm benannt.

Werke (Auswahl)

  • Die Zeit, Privatbesitz, 1901.
Kniender weiblicher Akt mit Kopftuch und Umhang (Roter Scherben, matt schwarz glasiert, 49 cm), Michael Powolny 1940.
  • Plastische Arbeiten für das Palais Stoclet, Brüssel, 1905-11.
  • Keramische Modelle für die eigene Werkstätte "Wiener Keramik", 1906-13.
  • Krinoline Sommer, Privatbesitz, 1910.
  • Keramische Modelle für die "Gmundner Keramik", 1913-19.
  • Glas- und Glasgravurentwürfe für "J.& L. Lobmeyr", 1913-23.
  • Deckelpokal, Österreichisches Museum für angewandte Kunst, 1913.
  • Statuette Erzherzog Carl von Österreich, Heeresgeschichtliches Museum Wien, vor 1916.
  • Reliefmedaille und Modell Gustav Klimt, Privatbesitz, 1918.
  • Porträtplakette Franz Serafin Exner zum 70. Geburtstag, Kunsthistorisches Museum Wien, 1919.
  • Keramische Krippe für die Klosterneuburger Stiftskirche, 1920.
  • Porzellanmodelle für die "Wiener Porzellanmanufaktur Augarten", 1923-27.
  • Große Medaille für Verdienste um die Republik Österreich, 1925. Kleine Medaille, 1927.
  • Beethoven-Denkmal, Gemeinde Hinterbrühl, 1927.
  • Schubert-Gedenktafel, Gemeinde Hinterbrühl, 1928.
  • Bronzetabernakel für die Kirche St.Georg, Köln, 1930.
  • Pomona (Frau mit Obstkorb), Österreichische Galerie Wien, 1932.
  • Münzentwürfe (Schilling und Groschen) für die erste Republik Österreich, 1934/35.
  • Denkmal Franz Serafin Exner, Arkadenhof der Universität Wien, 1935/36.
  • Stuckarbeiten für das "Grand Hotel" und das "Café Imperial", Wien, 1937-38.
  • Keramische Modelle für die "Keramische Werkstätte Annie Seidl-Heck", 1938-48.
  • Kniender weiblicher Akt mit Kopftuch und Umhang, Privatbesitz, 1940.
  • Münzentwürfe (Schilling und Groschen) für die zweite Republik Österreich, 1946.
  • Keramische Reliefs für Gemeindebauten der Stadt Wien, 1949-52.

Literatur

  • Ludwig Abels,Wiener Moderne, in: Dekorative Kunst, 7 (1901).
  • Frottier 1990: Elisabeth Frottier, Michael Powolny. Keramik und Glas aus Wien 1900 bis 1950. Monographie und Werkverzeichnis, Köln, 1990.
  • Ilse Krumpöck, Die Bildwerke im Heeresgeschichtlichen Museum, Wien, 2004
  • Diethard Leopold u.a (Hg.), Wien 1900 (Kat. Ausst., Leopold Museum, Wien, 2009) Wien, 2009.

Einzelnachweise

  1. Frottier 1990, S.11
  2. Frottier 1990, S.12
  3. Frottier 1990, S.13-15
  4. Frottier 1990, S.16-18
  5. Frottier 1990, S.18-20
  6. Frottier 1990, S.16-20

Weblinks

Darstellungen