Lorenz von Stein

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Fotografie, ©ÖNB.

Lorenz von Stein (* 15.11.1815 in Eckernförde, Deutschland; † 23.09.1890 in Weidlingau bei Wien) war Jurist und Nationalökonom.

Leben

Lorenz von Stein wurde 1815 im damals dänischen Ort Bordy (heute eingemeindeter Stadtteil von Eckernförde) geboren. Seine schulische Laufbahn absolvierte von Stein im Christians-Pflegeheim in Eckernförde und in der Lateinschule in Flensburg. Ab 1835 studierte er in Kiel Rechtswissenschaft. 1837 zwischenzeitlich in Jena, legte er zwei Jahre später in Kiel die Prüfungen ab. Nach einem Jahr in einer staatlichen Stelle in Kopenhagen und der Promotion 1840. begann die wissenschaftliche Laufbahn von Steins. Er reiste nach Berlin und Paris, wo er für sein Buch "Der Socialismus und Communismus des heutigen Frankreich. Ein Beitrag zur Zeitgeschichte" recherchierte. Obwohl von Stein schon ab 1843 in Kiel Lehrveranstaltungen abhielt, bezog er erst mir seiner Ernennung zum außerordentlichen Professor ein Gehalt.

1852 wurde von Stein wegen politischen Aktivitäten von der dänischen Regierung entlassen und 1855 von Kaiser Franz Joseph zum ordentlichen Professor in Wien ernannt, um Nationalökonomie zu lehren. Er wohnte im Mölkerhof in der Schottengasse 3. 1856 erwarb von Stein eine Thermalquelle bei Cilli in der Untersteiermark (Celje, Slowenien), die er Kaiser-Franz-Josef-Bad oder auch Bad Tüffer nannte.

Neben seiner Lehrtätigkeit und den wissenschaflichen Publikationen war von Stein auch als Publizist von Wochenzeitungen tätig: "Centralblatt für Eisenbahnen und Dampfschifffahrt der Österreich-Ungarischen Monarchie" (seit 1862), "Austria. Wochenschrift für Volkswirtschaft und Statistik" (seit 1863). Er schrieb außerdem politische Artikel für die "Augsburger Allgemeine Zeitung".

1868 wurde er in den erblichen Ritterstand erhoben. Seine unternehmerische Tätigkeit (Torfmoor/Glashütte) brach 1879 zusammen, was den Umzug aus der Wiener Kolingasse 10 in das Haus seines Sohnes in Weidlingau zur Folge hatte. Bis 1887 unterhielt er noch eine Wohnung in der Maria-Theresien-Straße 9. Er starb 1890 an den Nachwirkungen einer in Europa grassierenden Influenza.

Interessant im Zusammenhang mit den bildlichen Darstellungen, die Lorenz von Stein zeigen, ist seine Verbitterung. Sie soll nicht nur in Briefen, sondern auch in den Porträts zum Ausdruck kommen.

[1]

Schaffen

Lorenz von Stein setzte sich in den Anfangsjahren des Sozialismus mit den gesellschaftlichen Folgen der beginnenden Industrialisierung auseinander. Er versuchte das Verhältnis von Staat und den einzelnen Menschen zu klären. Der von der Industrialisierung geschaffenen neuen Wirklichkeit der Ungleichheit war das frühere Verständnis vom Staat und seinen Aufgaben nicht mehr aufrechtzuerhalten. Von Stein war für die persönliche Freiheit des einzelnen Menschen und sah diese im kapitalistischen System verwirklicht. Auf der anderen Seite wusste er von den Ungleichheiten, die nach ihm zwar nicht beseitigt werden könnten, aber die soziale Mobilität nicht einschränken dürften. Seine Forderung nach einem allgemeinen Zugang zur Bildung und nach Unterschützung für die ärmeren Menschen trägt schon Züge der heutigen Sozialstaatlichkeit.

Seine vielfältigen Kenntnisse in den Bereichen des Rechts, der Wirtschaftswissenschaften und der politischen Theorie lassen die Benennung seiner Tätigkeit als inter-disziplinär gerechtfertigt erscheinen. Von Stein wird auch mit der erst später als wissenschaftliches Fach begründeten Soziologie in Verbindung gebracht. [2]

Werke/Schriften

  • 1841: Die Geschichte des dänischen Civilprozesses und das heutige Verfahren. Als Beitrag zu einer vergleichenden Rechtswissenschaft
  • 1842: Der Socialismus und Communismus des heutigen Frankreich. Ein Beitrag zur Zeitgeschichte
  • 1846: Geschichte des französischen Strafrechts und des Prozesses, 3. Band der Französischen Staats- und Rechtsgeschichte von L. A. Warnkönig u. L. Stein
  • 1848: La question du Schleswig-Holstein
  • 1850: Die Geschichte der socialen Bewegung in Frankreich von 1789 bis auf unsere Tage (3 Bände)
  • 1851: Die Frau, ihre Bildung und Lebensaufgabe
  • 1852 - 1856: System der Staatswissenschaft (Band 1 und 2)
  • 1858: Lehrbuch der Volkswirtschaft = Die Volkswirtschaftslehre (2. Aufl. 1858)
  • 1859: Lehre von der vollziehenden Gewalt
  • 1860: Lehrbuch der Finanzwissenschaft
  • 1865 - 1868: Die Verwaltungslehre (7 Bände)
  • 1870: Handbuch der Verwaltungslehre und des Verwaltungsrechts
  • 1873: Gedichtband "Alpenrosen"
  • 1874: Die Frau auf dem Gebiete der Nationalökonomie
  • 1876: Gegenwart und Zukunft der Rechts- und Staatswissenschaft Deutschlands
  • 1880: Die Frau auf dem socialen Gebiet
  • 1889/98: Vorlesungen, hrsg. in Tokio

[3]

Einzelnachweise

Literatur

  • Koslowski 2005

Stefan Koslowski, Zur Philosophie von Wirtschaft und Recht: Lorenz von Stein im Spannungsfeld zwischen Idealismus, Historismus und Positivismus, Berlin 2005.

Darstellungen


David Berger, Marlene Schweinschwaller