Karol Kuzmány

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Karol Kuzmány, Lithographie von Josef Kriehuber (1800-1876), 1866.

Karol Kuzmány (* 16. November 1806 in Brezno/Bries (Slowakei); † 14. August 1866 in Turčianské Teplice/Bad Stuben (Slowakei)) war ein bedeutender slowakischer Schriftsteller, Dichter und Journalist, der zwischen 1849 und 1859 als Professor für Praktische Theologie und Kirchenrecht an der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Wien wirkte. An seine Tätigkeit an der Universität erinnert seit 1998 das Denkmal von Ľudmila Cvengrošová im Arkadenhof.

Leben

Kuzmány stammte aus einer großen evangelischen Pfarrersfamilie. Als jüngstes von zehn Kindern wurde ihm eine solide gymnasiale Ausbildung in Dobšina/Dobschau, und Gemer/Sajogömör zuteil, eher er das Lyzeum in Bratislava/Pressburg absolvierte. Während seines Theologie-Studiums nahm er an Vorlesungen an den deutschen Universitäten in Jena, Leipzig, Halle und Berlin teil, wo er alle berühmten Lehrer seiner Zeit hörte. Er besuchte die Stätte der Reformation, wo er auch eine Biographie des Wittenberger Reformators Martin Luther (die später mehrfach aufgelegt und auch ins Ungarische übersetzt wurde) verfasste.[1]

Nach seiner Rückkehr in die Slowakei 1829 heiratete er Karoline Kellner, mit der er sechs Kinder hatte. Im Jahre 1829 wurde er Professor in Käsmark, 1830 Pfarrer in Altsohl (in der heutigen Slowakei) und 1832 in Neusohl (ebenfalls in der heutigen Slowakei). Sein weiteres Leben und Schaffen wurde ab den 1830er stark von dem zuhnehmenden Konflikt mit den Magyaren beeinflusst. Des Panslawismus (eine allslawische Bewegung, deren Ziele vom kulturellen Austausch bis zur Errichtung eines homogenen slawischen Staates reichten) verdächtigt, musste er nach Wien übersiedeln. Hier studierte er 1836/1837 an der Wiener Protestantisch-Theologischen Lehranstalt und arbeitete in der Kommission für slawische juristisch-politische Terminologie. Nach dem Tod von Ján Kollár (†1852) wirkte Kuzmány als Vertrauter der Regierung und Vertreter der Slowaken in Wien [2].

Kuzmány war Mitbegründer und zweiter Vorsitzender der Matica slovenská („Slowakische(r) Stiftung/Verein“) - des damals wichtigsten und bis heute existierenden Kulturinstituts der Slowakei, das 1863 als Ausdruck des nationalen Kulturbewusstseins unter der ungarischen Herrschaft gegründet wurde. Er ist auf dem Nationalfriedhof in Martin, Slowakei bestattet.

Schaffen

Karol Kuzmány, Denkmal von Ľudmila Cvengrošová (*1937), 1998, Arkadenhof der Universität Wien.

Das ungarische Protestantenpatent vom 1. September 1859, welches teilweise auf Kuzmánys kirchlichen Organisationsplan zurückging, ist mit seinem Namen eng verbunden. Gemeinsam mit Ján Kollár reflektierte Kuzmány die Möglichkeiten zur strukturellen Reform des ungarländischen Protestantismus. Dabei gingen die beiden davon aus, "dass die ganze evang. Kirche A.C. in der Monarchie zu einer Cooperation vereinigt und in administrativer und kirchengerechtlicher Beziehung in einem Ober-Consistorium in Wien concentriert, dieses aber unmittelbar dem Ministerium des Innern untergestellt würde."[3]. Es sollte die Vormachtstellung der Magyaren einschränken und den Nationalitäten Ungarns zur Gleichberechtigung auf kirchlichem Gebiet verhelfen.

Als Literat plädierte er für ein neu gewonnenes slawisches Selbstbewusstsein und widersetzte sich der Magyarisierungspolitik. 1861/1862 wurde er Dekan der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Wien, sowie deren erster Ehrendoktor [4].

Schriften und Werke (Auswahl)

Kuzmány wurde bekannt vor allem als Verfasser populärer patriotischer, religiöser und historischer Gedichte. Seine literarischen Werke werden stilistisch dem Übergang von Klassizismus zur Romantik zugeordnet. Seine früheren Werke wurden in der tschechischen Sprache geschrieben, ab 1844 schrieb er slowakisch. Karol Kuzmány veröffentlichte neben eigenen Schriften auch Übersetzungen berühmter Werke von Homer, Alexander Sergejewitsch Puschkin und Adam Mickiewicz. Weiters gründete er bereits 1836 die slawische Zeitschrift „Hronka“ deren Mitarbeiter Kollar, Stur, Hurban und Hodzda waren. [5]

  • 1840 - Das Leben des Dr. M. Luther mit einer kirchengeschichtlicher Einleitung
  • 1840 - Ladislav, Briefroman (Erstveröffentlichung in seiner Zeitung Hronka 3, 1838)
  • 1843 - Běla, Idyll. Epos (Erstveröffentlichung in seiner Zeitung Hronka 1, 1836)
  • 1848 - Heil der Edlen. Wer für die Wahrheit glüht (Sláva šľachetným, Kto za pravdu horí), hymnisches Lied.
  • 1856 - Urkundenbuch zum österreichischen evangelischen Kirchenrecht
  • 1860 - Handbuch des allgemeinen und österreichischen evangelisch-protestantischen Ehrenrechts
  • 1856/1860 - Praktische Theologie der evangel. Kirche augsb. Und helvet. Conf. - seine Vorlesungen aus der Univeristät Wien in 3 Bänden.

Literatur

  • Gottas 2007: Gottas: Kuzmány Karol. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 4. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1969, S. 380.
  • Maisel 2007: Maisel, Thomas: Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, S. 90.
  • Schwarz 1996: Schwarz, Karl: Über Beziehungen zwischen dem slowakischen Luthertum und Wien: Der Theologieprofessor Karol Kuzmány (1806-1866), in: Lion, Michal: Austriaca Slovaca, Slovakia Austriaca: fünf Jahrhunderte slowakisch-österreichische kulturelle Beziehungen, Wien 1996, S. 38-51.
  • Trauner 1997: Trauner, Karl-Reinhart: Eine Fakultät und die vielen Völker, in: Schwarz, Karl (Hg.): Zeitenwechsel und Beständigkeit. Beiträge zur Geschichte der evangelisch-theologischen Fakultät in Wien 1821-1996, Wien 1997, S. 78-80.
  • Oebl 1815-1950, Bd. 4 (Lfg. 19, 1968), S. 380

Einzelnachweise

  1. Schwarz 1996, S. 41.
  2. Gottas 2007, S. 380.
  3. zit. nach Schwarz 1996, S. 46-47.
  4. Maisel 2007, S. 90.
  5. Oebl 1815-1950, Bd. 4 (Lfg. 19, 1968), S. 380

Weblinks


Barbora Trebichalska, A0507553

redigiert von Theresa Rosner, Sommersemester 2014