Karl von Littrow

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
Version vom 22. November 2014, 17:47 Uhr von C.strauss (Diskussion | Beiträge)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Karl von Littrow, ©ÖNB.

Karl Ludwig von Littrow (* 18. Juli 1811 in Kasan; † 16. November 1877 in Venedig) war ein österreichischer Astronom.

Leben

Er wurde am 18.07.1811 in Kasan geboren und war der älteste Sohn des bekannten Astronomen Joseph Johann von Littrow. Sein Bruder Heinrich war Kartograph. 1816 übersiedelte er mit seinem Vater nach Ofen und 1819 nach Wien. Dort begann er bereits mit 16 Jahren sein Studium. Unter der Anleitung seines Vaters widmete er sich bereits 1824 der Längenbestimmung Wien - München. 1831 war er als Assistent an der Sternwarte tätig. Er stand seinem Vater ab 1831 als Gehilfe zur Seite. 1832 erlangte er den Doktortitel der Philosophie an der Universität Krakau. 1836 bekam er die Adjunktenstelle an der Wiener Universitätssternwarte. Auf Grund der Konkursarbeit für diese Stelle ist nachweisbar, dass Karl Littrow fünf Sprachen beherrschte. 1841 gelang es Littrow eine Methode zur Längenbestimmung zur See zu entwickeln. Diese entstand aus Angst vor einer Seereise (Es drohte ihm eine Umschiffung Italiens mit Aufenthalten an mehreren Orten mit Cholera-Quarantäne). Er folgte seinem Vater am 15.10.1842 als Direktor der Universitätssternwarte Wien. In den Jahren 1841 bis 1843 war Littrow vor allem als Schriftsteller und Herausgeber tätig. In dieser Zeitspanne veröffentlichte er Aufsätze zur Astronomie, einen "Kalender für alle Stände", eine Biografie seines Vaters und vieles mehr. [1]

Drei Jahre zuvor, im Jahr 1839, heiratete er Auguste Bischoff, eine deutsch-österreichische Schriftstellerin und Frauenrechtlerin. Sein früh verstorbener Sohn Otto von Littrow war der Erfinder des Littrow-Spektrometers. 1847 wurde Karl Ludwig von Littrow mit Otto Wilhelm von Struve zum Beurteilungskommissar über den trigonometrischen Anschluss von Russland und Österreich ernannt.[2]

Schon seit den Anfang der 1850er Jahre war Littrow längere Zeit an Rheuma erkrankt. Nichtsdestotrotz beschäftigte er sich 1856 mit Längenbestimmungen zwischen Wien und Greenwich sowie Wien und München. Am 29.10.1857 wurde die alte Sternwarte von der Akademie der Wissenschaften übernommen. 1849, 1857 und 1864 wurde er zum Dekan der Philosophischen Fakultät in Wien gewählt. Als 1868 der Neubau der Universität Wien beschlossen wurde setzte Littrow sich für den Neubau der neuen Universitätssternwarte an der Türkenschanze ein. Die Genehmigung für den Bau gab es vom Ministerium aber erst 1873. Am 19. Juli 1874 wurde der Grundstein für die "Neue Universitätssternwarte" gelegt. Karl von Littrow srarb im Jahre 1877 in Venedig. Er erlebte die Fertigstellung der heutigen Universitätssternwarte nicht mehr. Die neue Sternwarte wurde am 5. Juni 1883 in Anwesenheit Kaiser Franz Joseph I. feierlich eröffnet. [3]

Schaffen

Karl von Littrow wurde insbesondere durch eine Bearbeitung der Hellschen Beobachtung des Venusdurchganges von 1769 bekannt. Ab 1850 trug er als Universitätsdekan einen hohen Anteil zur Einführung der damals in Österreich versuchten Institutionen deutscher Hochschulen bei. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit fungierte Littrow von 1847 bis 1851 als Kommissär der Gradmessungsarbeiten der russischen Landvermessung. Der Astronom wurde 1869 zum Präsidenten der Meteorologischen Gesellschaft. Er war auch Vorstandsmitglied der Astronomischen Gesellschaft in Deutschland. Er setzte die Herausgabe der von seinem Vater edierten „Annalen der k.k. Sternwarte in Wien“ fort und gab das populärwissenschaftliche Paradewerk seines Vaters „Die Wunder des Himmels“ neu heraus. Karl von Littrow führte auch eine neue Methode der Längenbestimmung zur See ein, bearbeitete mit Edmund Weiss die meteorologischen Beobachtungen der Wiener Sternwarte und übersetzte „Abriß einer Geschichte der Astronomie im Anfang des 19. Jahrhunderts“ von George Biddell Airy. m Physikalischen Wörterbuch von Johann Gehler veröffentlichte Littrow 1844 sein „Verzeichnis der geographischen Ortsbestimmungen".[4] Karl von Littrow wird vor allem hinsichtlich der Wiener Universitätsgeschichte mit der Errichtung der neuen Universitätssternwarte in Verbindung gebracht. Die Universität Wien wählte Littrow für die Studienjahre 1849/50, 1857/58 und 1864/65 zum Dekan, für das Studienjahr 1870/71 zu ihrem Rektor. Er war Träger des Ritterkreuz des kaiserlich-russischen St. Annen-Ordens II. Klasse sowie Träger des königlich-dänischen Daneborg-Ordens. [5]

In Währing, im 18. Wiener Bezirk, wurde die Littrowgasse nach ihm benannt. Gemeinsam mit seinem Vater Joseph Johann von Littrow wurde zu seinem Gedächtnis am 26. Juni 1892 ein Doppeldenkmal im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt. Das Denkmal Joseph Johann von Littrow (=Denkmal Karl von Littrow) gestaltet der Bildhauer Hans Bitterlich. Finanziert wurde dieses von der Familie Littrow. [6]

Schriften bzw. Werke (Auszug)

  • Populäre Geometrie: als Hülfsbuch für Leser gemeinfaßlicher Darstellungen aus dem Gebiete der Astronomie und Physik, und als Einleitung in das Studium der Geometrie überhaupt abgefaßt. Stuttgart 1839.
  • Annalen der Universitäts-Sternwarte Wien
  • Überarbeitete Neuauflagen von „Wunder des Himmels“ [7]
  • Almanach der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften;
  • Sternschnuppen und Kometen. Geschichte der Entdeckung des Zusammenhanges zwischen diesen beiden Gattungen von Himmelskörpern, 1867;
  • Über Methoden, Länge und Mißweisung aus Circummeridianhöhen zu bestimmen, 1868 (auch Französisch und Englisch);
  • Ueber das Zurückbleiben der Alten in den Naturwissenschaften, 1869; Die neue Sternwarte der Wiener Universität, 1874.
  • Die Sonnenfinsterniss am 8. July 1842 [8]

Einzelnachweise

  1. Posch 1910, S. 223-246.
  2. Ferrari d'Occhieppo 1972, S.252.
  3. Posch 1910, S. 223-246.
  4. Posch 1910, S. 223-246.
  5. Angetter 2013.
  6. Maisel 2007, S. 75-76.
  7. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Hg.): Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL), Band 5, Wien 1972, S. 251-252. http://www.biographien.ac.at/oebl_5/252.pdf
  8. Katalog der deutschen Nationalbibliothek; https://portal.dnb.de/opac.htm;jsessionid=487438D262DDDB6D1B961D095E68944A.prod-worker1?method=showFullRecord&currentResultId=%22117065986%22%26any&currentPosition=1 abgerufen am 09.07.2014

Literatur

  • Angetter 2013: Daniela Angetter, Karl (Carl) Ludwig Edler von Littrow – zum 200. Geburtstag, in: Institut Österreichisches Biographisches Lexikon und biographische Dokumentation (Hg.): Biographie des Monats, Wien, Wien 6.12.2013, http://www.oeaw.ac.at/oebl/Bio_d_M/bio_2011_07.htm.
  • Ferrari d'Occhieppo 1972: Ferrari d'Occhieppo, Littrow Joseph Johann von, in: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Hg.): Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL), Band 5, Wien 1972, S. 251-252.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Glehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.
  • Posch u.a. 2010: Posch Thomas u.a., Die Geschichte der Universitätssternwarte Wien. Dargestellt anhand ihrer historischen Instrumente und eines Manuskripts von Johann Steinmayr, Frankfurt am Main 2010.
  • Wurzbach 1866: Constant von Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaisertums Österreich, 1866, Band 15, S.292-295.

Weblinks

  • http://www.oeaw.ac.at/oebl/Bio_d_M/bio_2011_07.htm Daniela Angetter: Karl (Carl) Ludwig Edler von Littrow – zum 200. Geburtstag, in: Biographie des Monats, Institut Österreichisches Biographisches Lexikon und biographische Dokumentation; abgerufen am 06.12.2013 und am 14.07.2014

Darstellungen

Ines Oswald Theresa Rosner 2014