Karl Theodor von Inama-Sternegg

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Karl Theodor von Inama-Sternegg, Radierung von August Steininger, s.d.

Karl Theodor von Inama-Sternegg (* 20. Jänner 1843 in Augsburg, † 28. November 1908 in Innsbruck) war Staatswissenschaftler, Statistiker und Wirtschaftshistoriker. Von 1881 bis 1906 wirkte Inama-Sternegg als Honorarprofessor der Staatswissenschaften an der Universität Wien. Dem Wissenschaftler wurde im Arkadenhof der Universität Wien ein Denkmal gewidmet.

Leben

Karl Theodor von Inama-Sternegg (Abb. 1) entstammt dem deutschen Zweig Inama-Sternegg der im norditalienischen Trentino ansässigen Familie Inama. Sein Vater Johann von Inama-Sternegg (1807-1868) war bayerischer Oberstaatsanwalt, seine Mutter Emilie (1812-1843) war Tochter des bayerischen Finanzkammerdirektors Regierungsrat Michael von Aschenbrier. Karl Theodor absolvierte das Gymnasium in Amberg (Oberpfalz) und studierte anschließend an der Universität München Jurisprudenz sowie Volkswirtschafts- und Staatslehre, wo er 1865 promovierte. Daneben betrieb er philosophische und historische Studien und versuchte sich auch als Schriftsteller und Pianist. In seiner preisgekrönten Dissertation "Die volkswirtschaftlichen Folgen des Dreißigjährigen Krieges für Deutschland" widmete sich Inama-Sternegg einem Thema der Wirtschaftsgeschichte, die später Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit werden sollte.

Nach verschiedenen Praktika bei Gerichtsbehörden in München zwischen 1865 und 1867 wurde Inama-Sternegg im Jahr 1868 außerordentlicher und 1871 ordentlicher Professor der Staatswissenschaften an der Universität Innsbruck. Im Jahr 1880 folgte er einem Ruf an die Universität Prag, um schließlich im Jahr 1881 ein Angebot aus Wien für das Amt eines Direktors im Büro für administrative Statistik anzunehmen. Zugleich wirkte Inama-Stermegg als Honorarprofessor der Staatswissenschaften an der Universität Wien, welche Funktion er bis 1906 ausübte. Seine Fachkompetenz fand schließlich ihre besondere Anerkennung in der Wahl zum Präsidenten der Statistischen Zentralkommission im Jahre 1884.

Nach Ausscheiden aus dem Staatsdienst durch Versetzung in den bleibenden Ruhestand im Jahr 1905 wählte Inama-Sternegg Innsbruck als ständigen Wohnsitz, wo er 1908 im Alter von 65 Jahren überraschend einem Herzleiden erlag.

Schaffen

Das Forschungs- und Tätigkeitsgebiet von Inama-Sternegg war äußerst vielfältig und breit gestreut. Schon ab 1881 als Honorarprofessor der Staatswissenschaften an der Universität Wien mit den Schwerpunkten Statistik und Verwaltungslehre bildete er eine ganze Generation von Statistikern aus. Als Direktor des Büros für administrative Statistik und gleichzeitig Präsident der Statistischen Zentralkommission die beiden wichtigsten statistischen Organisationen in Personalunion vereinigend, unternahm Inama-Sternegg Aufbau und Reorganisation der amtlichen Statistik Österreichs. Er wurde zum Pionier der zentralen Bearbeitung und Erfassung statistischen Materials nach wissenschaftlichen Kriterien, wobei er Theorie und Praxis eng zu verbinden trachtete. So organisierte er im Jahr 1890 erstmals eine zentrale österreichische Volkszählung mit Hilfe von elektrischen Maschinen. Daneben pflegte und vertiefte er die internationalen statistischen Beziehungen, so dass man ihn 1899 zum Präsidenten des Internationalen Statistischen Institutes wählte. Das Quellenwerk „Österreichische Statistik“, das „Österreichische Statistische Handbuch“ sowie die Entwicklung der „Statistischen Monatsschrift“ zu einer international angesehenen Zeitschrift gehen auf ihn zurück.

Als Historiker widmete sich Inama-Sternegg vornehmlich der Siedlungs-, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte, wobei er den Brückenschlag zur Statistik und empirischen Sozialwissenschaft herzustellen suchte. Schon in Innsbruck gab er zusammen mit Vinzenz Zingerle die „Tiroler Weistümer“[1] heraus und regte die Edition der landesfürstlichen Urbare[2] Österreichs an. Hier entstand auch der 1. Band seines Hauptwerkes „Deutsche Wirtschaftsgeschichte“, des ersten Werkes, das den Begriff Wirtschaftsgeschichte im Titel führt und auch in Problemstellung und Bearbeitung neue Wege wies. Der Zusammenhang von Landbesitz, Besiedlung und Hoheitsrechten stand im Zentrum seiner weiteren wirtschaftshistorischen Forschungen.

Während die Verdienste von Inama-Sternegg als Statistiker unbestritten blieben, desgleichen seine kleineren historischen Abhandlungen und historisch-statistischen Forschungen, fanden seine großen Werke mehrfach Gegner, die ihnen die letzte quellenmäßige Akribie absprechen wollten. Seine nationalökonomisch-theoretischen Arbeiten bewegten sich in konventionellen Bahnen. Vielfach führten ihn seine historischen Bestrebungen auch auf das Feld der Anthropologie, das er seiner historischen Methode zu integrieren trachtete. Auch der historischen Lohn- und Preisstatistik, der genealogisch-statistischen Forschung und der Kulturgeschichte im umfassenden Sinne gehörte sein Interesse.[3]

Schriften (Auswahl)

  • Über die Emancipation der Frauen, Innsbruck 1869
  • Verwaltungslehre in Umrissen, Innsbruck 1870
  • Untersuchungen über das Hofsystem im Mittelalter, Innsbruck 1872
  • Tirolische Weistümer (gemeinsam mit V. Zingerle), 3 Bände, Wien 1875–1880
  • Über die Quellen der deutschen Wirtschaftsgeschichte, Wien 1877
  • Die Ausbildung der großen Grundherrschaften in Deutschland während der Karolingerzeit, Leipzig 1878
  • Deutsche Wirtschaftsgeschichte (DW), Band 1: DW bis zum Schluß der Karolingerperiode, Leipzig 1879
  • Das Zeitalter des Credits, Prag 1881
  • Der Statistische Unterricht, Tübingen 1890
  • Deutsche Wirtschaftsgeschichte (DW), Band 2: DW des 10.–12. Jahrhunderts, Leipzig 1891
  • Die persönlichen Verhältnisse der Wiener Armen, Wien 1892
  • Deutsche Wirtschaftsgeschichte (DW), Band 3/Teil 1: DW in den letzten Jahrhunderten des Mittelalters, Leipzig 1899
  • Deutsche Wirtschaftsgeschichte (DW), Band 3/Teil 2: DW in den letzten Jahrhunderten des Mittelalters, Leipzig 1901
  • Staatswissenschaftliche Abhandlungen, Leipzig 1903
  • Neue Probleme des modernen Kulturlebens, Leipzig 1908

Ehrungen

  • Mitglied der Akademie der Wissenschaften, Wien
  • korrespondierendes Mitglied der Akademien der Wissenschaften in Rom, München und Berlin
  • Ehrendoktorate der Universitäten Wien, Cambridge, Krakau und Czernowitz
  • Präsident der Statistischen Zentralkommission, Wien, 1884
  • lebenslängliches Mitglied des österreichischen Herrenhauses, ab 1891
  • Präsident des Internationalen Statistischen Instituts, 1899
  • Ernennung zum Geheimrat, 1901

Literatur

  • Neue Freie Presse vom 30. November 1908, S. 6: Nachruf auf Karl Theodor von Inama-Sternegg
  • ÖBL 1965: Inama von Sternegg Karl Theodor, in: Österreichisches biographisches Lexikon 1815-1950, III. Band, Wien 1965, S. 32-33
  • NDB 1974: Herbert Matis, Inama v. Sternegg Theodor, in: Neue Deutsche Biographie, zehnter Band, Berlin 1974, S. 166-168
  • Müller 1976: Valerie Müller, Karl Theodor von Inama-Sternegg - ein Leben für Staat und Wissenschaft, Innsbruck 1976
  • Inama-Sternegg Karl Theodor von, in: Austria-Forum (abgerufen am 4.5.2014), URL: http://austria-forum.org/af/AEIOU/Inama-Sternegg%2C_Karl_Theodor_von

Einzelnachweise

  1. Aufzeichnungen des altüberkommenen Gewohnheitsrechts und Brauchtums vorwiegend aus dem ländlichen Lebenskreis
  2. Verzeichnis von Liegenschaften
  3. NDB 1974, S. 167

Kreiser Herbert