Karl Landsteiner: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Version vom 11. Juli 2014, 10:21 Uhr

Abb. 1: Karl Landsteiner, 1868-1943, Portraitfotografie
Abb. 2: Karl Landsteiner in seinem Laboratorium im Pathologisch-anatomischen Institut der Universität Wien, Fotografie.

Karl Landsteiner (*14. Juni 1868 in Baden bei Wien; † 26. Juni 1943 in New York City, New York) war ein österreichischer Pathologe und Serologe, der 1901 das AB0-System der Blutgruppen entdeckte, wofür er 1930 den Nobelpreis für Medizin erhielt. Die Gedenktafel für Karl Landsteiner befindet sich an Platz Nummer 73 im Arkadenhof der Universität Wien.[1]

Leben

Karl Landsteiner wurde am 14. Juni 1868 in Baden bei Wien geboren. Er besaß nur einen Matrikelauszug der Wiener Kultusgemeinde als Geburtsnachweis und keine Geburtsurkunde. Der Einfachheit halber, gab er daher später immer Wien als seinen Geburtsort an. Seine Eltern waren der Journalist und Zeitungsherausgeber Dr. jur. Leopold Landsteiner und seine Gattin Fanny, geb. Heß. Der frühe Tod des Vaters nur sieben Jahre nach der Geburt des Sohnes traf die Hinterbliebenen stark. Ein treuer Freund der Familie Josef Hesky übernahm die Vormundschaft für den jungen Karl Landsteiner. Die Schulzeit, Volks- und k. k. Mittelschule absolvierte er großteils in Wien mit einer zweijährigen Klassenzeit an einer Linzer Mittelschule. Laut Zeugnis lagen seine Stärken in den Bereichen Geographie, Geschichte, Mathematik, Naturwissenschaft und Stenographie. 1885 legte Landsteiner die Matura ab.[2]

Karl Landsteiner studierte Medizin in Wien und promovierte 1891. Er arbeitete an verschiedenen Instituten, etwa bei Max Gruber (Hygiene) und Anton Weichselbaum (Pathologie), an der II. medizinischen und I. chirurgischen Klinik in Wien. Er habilitierte sich 1903 für Pathologie in Wien und wurde 1911 zum außerordentlichen Professor ernannt.[3]

1916, also während des ersten Weltkrieges, schloss Landsteiner die Ehe mit Leopoldine Helene Wlasto(s), sie war die Tochter des Mesners der griechisch-orientalischen Kirchengemeinde zum Hl. Georg in Wien, die sie einige Jahre später verließ. Aus der Verbindung ging der Sohn Ernst Karl hervor.[4]

1919 nahm er einen Ruf in die Niederlande an, wurde jedoch schon 1922 an das Rockefeller-lnstitut in New York berufen, dem er bis zu seinem Tode im Jahre 1943 angehörte.[5]

Schaffen

Abb. 3: Nobelpreis-Urkunde für Karl Landsteiner

Schon als Assistent am Pathologisch-anatomischen Institut entdeckte Landsteiner 1900 das AB0 Blutgruppen-System, wenig später beschrieb er mit Viktor Mucha eine brauchbare Modifikation der Dunkelfeldtechnik zum Nachweis des Treponema pallidum (Bakterium aus der Familie der Spirochäten). Zusammen mit Ernest Finger gelang ihm die Übertragung der Syphilis, später auch der Poliomyelitis auf Affen. Er entdeckte auch, dass die Wasserann-Reaktion (nicht streng spezifische Komplementbindungsreaktion zum Nachweis bestimmter Reagine im Serum Syphiliskranker) auch mit Extrakten aus nichtsyphilitischen Organen gelingt. Es folgen die Beschreibung einer Reihe weiterer immunologischer Phänomene, u.a. der Blutfaktoren MNP in den 20er Jahren, die Entdeckung des Rhesusfaktors (gemeinsam mit seinen Schülern) und die Klärung des Pathomechanismus (naturwissenschaftlich erklärbarer Ablauf eines krankhaften Prozesses) des Icterus neonatorum (Neugeborenengelbsucht) 1940.[6] 1930 erhielt Landsteiner als dritter Mediziner aus der Wiener Schule den Nobelpreis für Medizin für die Entdeckung des Blutgruppensystems. Auf Landsteiner geht der Donath-Landsteiner Test bei paroxysmaler Kältehämoglobinurie (sehr seltener Untertyp der Autoimmun-hämolytischen Anämie) zurück, ferner die Bezeichnung "Hapten" für einen Teil eines Antigens. Er differenzierte erstmals Hämoglobinarten im Tierreich und beschrieb pflanzliche Antikörper. Landsteiner gilt als Begründer der Immunhämatologie.[7]

Karl Landsteiner veröffentlichte seine Erkenntnisse zum ersten Mal 1901 in der Zeitung "Wiener Medizinische Wochenschrift" unter der Überschrift "Ueber Agglutinationserscheinungen normalen menschlichen Blutes". In der "Zeitschrift für Medizinalbeamte" wurden sein Vortrag 1903 mit dem Titel "Ueber die Verwerthbarkeit individueller Blutdifferenzen für die forensische Praxis" gedruckt. Landsteiner verfasst etwa 350 Arbeiten.[8]

Abb. 4: Paul-Ehrlicher-Preis (Medaille), den Landsteiner am 14. März 1930 verliehen bekam.

Am 14. März 1930 wurde Karl Landsteiner der Paul-Ehrlich-Preis verliehen (Abb. 4). Dabei handelt es sich um eine goldene Medaille. 1931 wurde er in die Gesellschaft der Ärzte in Wien ehrenhalber aufgenommen.[9] Ebenfalls 1930, genauer gesagt am 10. Dezember erhielt Landsteiner den Nobelpreis für Medizin für seine Verdienste im Bereich der Sereologie und Immunologie, insbesondere aber für die Entdeckung der Blutgruppen (Abb. 3). Der Vorschlag an das Komitee zur Vergabe des Nobelpreises an Landsteiner kam von seinem Medizinerkollegen Julius Wagner-Jauregg, der selbst 1927 den Nobelpreis für Malariatherapie bei progressiver Paralyse erhalten hatte.[10]

Werke / Schriften

  • Über die Agglutinationserscheinungen normalen menschlichen Blutes. 1901
  • Über die Abhängigkeit der serologischen Spezifität von der chemischen Struktur, 1918
  • Spezifische Serumreaktionen mit einfach zusammengesetzten Substanzen bekannter Konstitution, 1920
  • Serologische Studien über das Blut von Menschenaffen, 1925
  • On Individual Differences in Human Blood, 1928
  • Die Blutgruppen und ihre praktische Bedeutung besonders für die Bluttransfusion, 1930
  • Die Spezifität der serologischen Reaktionen,1933
  • Der Rhesusfaktor, 1940

Literatur

  • Paul Speiser. Karl Landsteiner, Entdecker der Blutgruppen und Pionier der Immunologie. Biographie eines Nobelpreisträgers aus der Wiener Medizinischen Schule. 3. unveränd. Auflage. Blackwell Ueberreuter-Wiss., Berlin 1990.
  • Speiser/Smekal 1975: Paul Speiser/Ferdinand G. Smekal (Hg.), Karl Landsteiner. Entdecker der Blutgruppen und Pionier der Immunologie. Biographie eines Nobelpreisträgers aus der Wiener Medizinischen Schule. 2. vollständig überarbeitete Auflage, Wien 1975.</ref>
  • Landsteiner, Karl. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 4. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1969, S. 433 f.
  • Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert. Hrsg.: Österreichische Nationalbibliothek, Wien. K. G. Saur, München 2002, ISBN 3-598-11545-8 (Band 2) S. 781.
  • Gerabeck 2005: Werner Gerabeck, Enzyklopädie Medizingeschichte, Verlag Enzyklopädie Medizingeschichte, 2005, S. 822.
  • Martina Pesditschek, Karl Landsteiner (1868-1943), in: Heimat großer Söhne. Exemplarische Leistungen österreichischer Naturforscher, Techniker und Mediziner, Helmuth Grössing/Gerhard Heindl (Hg.), Frankfurt am Main 1997.
  • Tragl 2011: Karl Heinz Tragl, Geschichte der Gesellschaft der Ärzte in Wien seit 1838 als Geschichte der Medizin in Wien, Wien 2011, S. 142-143.

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S. 67.
  2. Speiser/Smekal 1975, S. 11-18.
  3. Gerabeck 2005, S. 822.
  4. Speiser/Smekal 1975, S. 57.
  5. Gerabeck 2005, S. 822.
  6. Gerabeck 2005, S. 822.
  7. Gerabeck 2005, S. 822.
  8. Gesellschaft der Ärzte in Wien, Billrothhaus. Seite besucht am 16.6.2014.
  9. Speiser/Smekal 1975, S. 82.
  10. Speiser/Smekal 1975, S. 72.

Weblinks

Darstellungen


Autor: ?, Verena Sulzbachner