Karl Anton von Martini

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Martini, Karl Anton Frh. v. (15.08.1726-07.08.1800; Naturrecht, Römsches Recht), Zeichnung: F. C. Krüger, Stich: Berol, o.J..

Karl Anton von Martini (* 15.08.1726 Revó bei Bozen, Italien; † 07.08.1800 Wien) war ein österreichischer Jurist, Rechtslehrer, Justiz- und Bildungsreformer im Dienste des Naturrechts.[1] Das ihm zu Ehren errichtete Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien befindet sich an der Eckposition Nr. 50, auf der linken Seite des Hofes.[2]

Leben

Karl Anton Martini wurde am 15.08.1726 in Revò im Nonstal, zugehörig zum Fürstbistum Trient, geboren. Sein Vater hieß Karl Ferdinand und seine Mutter hieß Margherita Pretti (Preti), ihrerseits geboren in Cagnò, in der Nähe von Revò. Sie gehörte zu einer der drei Familien von Cagnò die in den ländlichen Adel gehoben worden war. Das Ehepaar Martini hatte elf Kinder, wobei Karl Anton als zweiter Sohn zur Welt kam. Die Familie wohnte in einem kleinen Wohnhaus in Revò. Ein Bruder Karl Anton Martinis, Pietro Giuseppe Antonio war ebenfalls ein Jurist und in Wien tätig. Er unterrichtete von 1753 bis 1769 an der Theresianischen Akademie in Wien. Auch ein Onkel Martinis war Doktor 'in utroque iure', er wurde von Kaiser Josef 1768 sogar in den Adelsstand erhoben. 1747 übersiedelte Karl Anton Martini nach Wien, wo er 1758 Theresia von Eger, Tochter des Adeligen Johann Friedrich, heiratete. Sein Schwiegervater war Sekretär bei der österreichisch-böhmischen Hofkanzlei und später Regierungsrat. Aus der Ehe gingen zwei Söhne und eine Tochter hervor. Am 25.06.1765 wurde dem Vater Karl Antons, Karl Ferdinand Martini der Titel Ritter verliehen. Vermutlich war ihm dieser niedrige Rang des Reichsadels, aufgrund seines am kaiserlichen Hof erfolgreichen Sohnes zugebilligt worden. 1765 wurde auch ein Wappen der Familie gestaltet, das sich am Haus von Karl Ferdinand Martini in Revò befindet.[3]

Martinis Vater war Hofrat der k.k. obersten Justizstelle, eine Position, die später auch sein Sohn einnehmen wird. Nach philosophischen und rechtswissenschaftlichen Studien in Trient und Innsbruck, übersiedelte Karl Anton von Martini nach Wien, wo er 1753 das Doktorat beider Rechte erlangte. Nach Studienreisen durch mehrere Länder Europas war Martini ein Jahr bei der kaiserlichen Botschaft in Madrid angestellt. 1754 - 1782 war er Professor für Naturrecht und für die Institutionen und die Geschichte des römischen Rechts in Wien.[4]

Besonders wichtig ist seine Tätigkeit als Privatdozent für die Kinder Maria Theresias, darunter auch den späteren Kaiser Leopold II. (ab 1761). 1764 wurde er Hofrat der obersten Justizstelle. Zum Zeitpunkt seines Todes war Martini Zweiter Präsident der Behörde. Unter den vielen staatlichen Beratungsgremien, denen Martini angehörte, ist eine der herausragendsten sicherlich die Kompilationshofkommission. Diese war mit der Erstellung des Bürgerlichen Gesetzbuches (ABGB) befasst.[5]

Karl Anton Martini starb am 08.08.1800 in Wien im Alter von 74 Jahren.[6]

Schaffen

Karl Anton von Martini beschäftigte sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit Fragen der Rechtskodifikation, der Gerichtsreform, des Staatskirchenrechts und des Bildungssystems. Seine Auffassung des Naturrechtssystems hatte erhebliche Konsequenzen für den staatlichen und kirchlichen Bereich im Vielvölkerstaat der Habsburger. Martini setzte sich für die Gleichheit der Menschen und den Schutz ihrer Persönlichkeits- und Grundrechte ein.[7] Insgesamt arbeitete Martini für vier Habsburger Herrscher: Maria Theresia (1740-1780), ihren Sohn Josef II. (1780-1790), dessen Bruder Leopold II. (1790-1792) und Kaiser Franz (1792-1835).[8]

Martini war vor allem als Staatsrechtler einflussreich: Seine Betonung der aus dem Naturrecht entstehenden Grundrechte des Einzelnen erfordert logischerweise eine Beschränkung der Macht des Herrschers. Diese Rechts- und Staatsauffassung wurde jedoch nur kurzfristig, nämlich in der Regierungszeit Leopold II. von den Regierenden geteilt. Davor unter Joseph II. und danach unter Franz II. wurden seine Ansichten nicht akzeptiert. Unter dem Eindruck der französischen Revolution wurden zum Beispiel die Grundrechtsbestimmungen aus Martinis Entwurf des Bürgerlichen Gesetzbuches gestrichen. Dies wurde bemerkenswerterweise auch von seinen Schülern Josef von Sonnenfels und Franz Anton von Zeiller gebilligt.

Karl Anton von Martini gilt als Schöpfer des westgalizischen Gesetzbuches von 1796, welches dem österreichischen Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB) von 1811 zugrunde liegt.[9]

Schriften

  • Ordo historiae iuris civilis, 1755
  • De lege naturali positiones, 1767 (dt.: Lehrbegriff d. Naturrechts, 1797)
  • Positiones de iure civitatis, 1768 (dt.: Lehrbegriff d. Natur-, Staats- u. Völkerrechts, 1783)

Literatur

  • Barta 1999: Heinz Barta (Hg.), Naturrecht und Privatrechtskodifikation. Martini-Colloquium, 1, 1998, Innsbruck, Tagungsband, Wien 1999.
  • Barta 2002: Heinz Barta (Hg.), Naturrecht und Privatrechtskodifikation. Storia, istituzioni e diritto in Carlo Antonio de Martini. Europäisches Martini-Colloquium, 2, 2000, Trient, Trient 2002.
  • Barta/Pallaver 2007: Heinz Barta/Günther Pallaver (Hg.), Karl Anton von Martini: ein österreichischer Jurist, Rechtslehrer, Justiz- und Bildungsreformer im Dienste des Naturrechts, Wien u. a. 2007.
  • Hebeis 1996: Michael Hebeis, Karl Anton von Martini : (1726 - 1800) ; Leben und Werk, Frankfurt am Main 1996.
  • Hofmeister 1990: Herbert Hofmeister, „Martini, Karl Anton Freiherr von“, in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 299-300. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd119407744.html
  • Pallaver 2007: Günther Pallaver, Martini, ein bürgerlicher Vordenker, in: Heinz Barta/Günther Pallaver (Hg.), Karl Anton von Martini: ein österreichischer Jurist, Rechtslehrer, Justiz- und Bildungsreformer im Dienste des Naturrechts, Wien u. a. 2007, S. 196-217.
  • Pancheri 2007: Roberto Pancheri, Karl Anton von Martini und seine Familie, in: Heinz Barta/Günther Pallaver (Hg.), Karl Anton von Martini: ein österreichischer Jurist, Rechtslehrer, Justiz- und Bildungsreformer im Dienste des Naturrechts, Wien u. a. 2007, S. 218-223.

Einzelnachweise

  1. Barta/Pallaver 2007.
  2. Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien u.a. 2007, S. 55.
  3. Pancheri 2007, S. 218-223.
  4. Hofmeister 1990.
  5. Hofmeister 1990.
  6. Pancherie 2007, S. 223.
  7. Barta/Pallaver 2007, S. 5.
  8. Pallaver 2007, S. 196.
  9. Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, Wien 1994.

Weblinks

Darstellungen


David Berger, Verena Sulzbachner