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'''Julius Wiesner''', ab 1909 Julius Ritter von Wiesner (* 20.1.1838 in Tschechau, Mähren; † 9.10.1916 in Wien) war Pflanzenanatom und Pflanzenphysiologe. Er führte bahnbrechende Forschungen im Bereich mikroskopischer Untersuchungen, der Lichteinwirkung auf Pflanzen und der Entstehung des Chlorophylls durch. Sein [[Denkmal Julius von Wiesner|Denkmal]] im [[Arkadenhof der Universität Wien]] wurde von [[Franz Seifert]] angefertigt und 1927 enthüllt.<ref>''Maisel 2007'', S. 67.</ref>
 
'''Julius Wiesner''', ab 1909 Julius Ritter von Wiesner (* 20.1.1838 in Tschechau, Mähren; † 9.10.1916 in Wien) war Pflanzenanatom und Pflanzenphysiologe. Er führte bahnbrechende Forschungen im Bereich mikroskopischer Untersuchungen, der Lichteinwirkung auf Pflanzen und der Entstehung des Chlorophylls durch. Sein [[Denkmal Julius von Wiesner|Denkmal]] im [[Arkadenhof der Universität Wien]] wurde von [[Franz Seifert]] angefertigt und 1927 enthüllt.<ref>''Maisel 2007'', S. 67.</ref>
  

Aktuelle Version vom 7. Dezember 2014, 15:45 Uhr

Abb. 1: Julius von Wiesner, Foto 1898.[1]

Julius Wiesner, ab 1909 Julius Ritter von Wiesner (* 20.1.1838 in Tschechau, Mähren; † 9.10.1916 in Wien) war Pflanzenanatom und Pflanzenphysiologe. Er führte bahnbrechende Forschungen im Bereich mikroskopischer Untersuchungen, der Lichteinwirkung auf Pflanzen und der Entstehung des Chlorophylls durch. Sein Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien wurde von Franz Seifert angefertigt und 1927 enthüllt.[2]

Leben

Abb. 2: Julius von Wiesner, Einleitung in die technische Mikroskopie, Wien 1867.
Abb. 3: Zellen des Zuckerrohres, in: Einleitung in die technische Mikroskopie, Wien 1867, S. 254.
Abb. 4: Julius von Wiesner, Das Bewegungsvermögen der Pflanzen, Wien 1881.

Julius Ritter von Wiesner wurde 1838 in Tschechau (Čechyně) in Mähren geboren und besuchte das Gymnasium in Brünn, wo er bereits im Alter von 16 Jahren durch eine wissenschaftliche Arbeit über die Brünner Flora von sich reden machte, da er sich nicht mit dem reinen Aufzählen der Pflanzenformen begnügte, sondern diese nach Florengebieten untersuchte.[3] Er studierte zunächst am Technischen Institut in Brünn, entschied sich aber dann doch Botanik zu studieren und kam 1858 an die Universität Wien. 1860 promovierte er an der Universität Jena zum Doktor der Philosophie.[4] Bereits 1861 habilitierte er sich am Polytechnischen Institut in Wien für physiologische Botanik. Dort hielt er Vorlesungen über Warenkunde, Mikroskopie und Pflanzenphysiologie. 1868 wurde er außerordentlicher Professor und 1870 ordentlicher Professor der Anatomie und Physiologie der Pflanzen an der Forstakademie Mariabrunn. 1873 wurde er als Nachfolger Ungers Professor der Anatomie und Physiologie an der Universität Wien, wo er von 1873 bis 1909 als ordentlicher Professor unterrichtete.

Ab 1877 war er Mitglied der Kaiserlichen Akademie der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klassen. Er war Vorstand des im Jahr 1873 gegründeten Pflanzenphysiologischen Instituts und von 1898 bis 1899 auch Rektor der Universität Wien. Von den Universitäten Uppsala und Glasgow erhielt er die Ehrendoktorwürde weiters war er Mitglied zahlreicher Universitäten wie jener von München, Berlin, Paris oder Rom. Seine Forschungsreisen über den Lichtgenuss der Pflanzen führten ihn nach Sumatra, Ägypten und Nord-Amerika. Es folgten weitere Reisen durch ganz Europa, von Italien bis Spitzbergen.

Von seinen Schülern wurde er hoch verehrt, so widmeten sie ihm 1903 anlässlich des 30. Jahrestages seiner Professur das Werk „Wiesner und seine Schule“[5] und Karl Linsbauer publizierte zu seinem 70. Geburtstag 1908 eine Festschrift.[6] Zu seinen Schülern zählte unter anderem Hans Molisch, der später sein Assistent und danach sein Nachfolger als ordentlicher Professor der Anatomie und Physiologie der Pflanzen an der Universität Wien werden sollte.

1909 wurde Julius Wiesner in den erblichen Ritterstand erhoben und blieb bis zu seinem Lebensende Mitglied des Herrenhauses.

Er wohnte in Wien in der Liechtensteinstraße 12, wo er am 9. Oktober 1916 starb und auf dem Grinzinger Friedhof bestattet wurde (Grab 10/2/4). Im 22. Wiener Gemeindebezirk ist seit 1953 die Wiesnergasse nach ihm benannt.[7]

Julius Wiesners Sohn war der Pathologe Richard Ritter von Wiesner (* 30.5.1875 in Wien; † 14.10.1954 in Wien). Er wurde 1938 nach den NS-Rassengesetzen „bis auf weiteres beurlaubt“ und 1940 „ohne Entschädigung entlassen“. Nach Ende des Dritten Reiches 1945 wurde er an der Universität Wien wieder eingestellt.[8]

Schaffen

Wiesner veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten. Eines seiner wichtigsten Forschungsgebiete war die Mikroskopie. So veröffentlichte er im Jahr 1867 die „Einleitung in die technische Mikroskopie“ oder im Jahr 1872 „Mikroskopische Untersuchungen“. In diesen Arbeiten setzte er sich unter anderem mit Holzstoffreaktionen, Feinbau der Zellmembran oder Papieruntersuchungen auseinander. Entscheidend war sein Werk „Die Rohstoffe des Pflanzenreiches. Versuch einer technischen Rohstofflehre des Pflanzenreiches“, das er 1873 publizierte. Er systematisierte darin die Pflanzen aufgrund mikroskopischer Untersuchungen und vertrat damit den neuen Ansatz einer technischen Rohstofflehre, die sich in Botanik aber auch Industrie und Technik durchsetzte. Wiesner wurde damit zu einer weltweit anerkannten Persönlichkeit, was sich in den Ehrendoktorwürden und Mitgliedschaften zahlreicher Universitäten manifestierte.

Ab den 1870er Jahren setzte sich Wiesner vor allem mit der Erforschung des Bewegungsvermögens der Pflanzen auseinander, wozu er 1881 unter dem Titel "Das Bewegungsvermögen der Pflanzen. Eine kritische Studie über das gleichnamige Werk von Charles Darwin nebst neuen Untersuchungen" eine Abhandlung veröffentlichte (Abb. 4), die zu einem intensiven Briefwechsel mit Darwin führte, in dem sich Darwin laut eigenen Angaben letztendlich geschlagen gab. Darwin lobte zudem den äußerst respektvollen Umgang in diesem Gelehrtendisput, der für ihn offensichtlich ungewohnt war. Er schloss seine Ausführungen mit den Worten "Ich empfand wirklich Freude, während ich bei lebendigem Leibe zerschnitten wurde."[9]

Ebenso befasste sich Wiesner mit der Einwirkung des Lichtes auf die Pflanzen, so in seinem 1907 erschienenen Werk „Der Lichtgenuss der Pflanzen“, in dem er anhand zahlreicher Beispiele, Tabellen, Diagramme und mathematische Formeln die Auswirkungen der Lichteinwirkung auf in- und ausländische Pflanzen verdeutlichte. In weiteren Werken behandelte er die Wachstumsgrenze von Pflanzen und die Entstehung des Chlorophylls.

Drei Pflanzen aus der Familie der Alismataceae (Froschlöffelgewächse) wurden nach Julius Wiesner benannt. Es handelt sich um die in Afrika beziehungsweise Ostasien beheimateten Wiesneria filifolia, Wiesneria schweinfurthii und Wiesneria triandra.[10]

Schriften

  • Die Gesetze der Riefentheilung an den Pflanzenaxen, in: Sitzungsberichte der mathetisch-naturwissenschaftlichen Classe der kaiserlichen Akademie, XXXVIII, Wien 1860, S. 832-863. Digitalisiert, Aufruf 19.1.2014: [1]
  • Einleitung in die technische Mikroskopie nebst mikroskopisch-technischen Untersuchungen, Wien 1867. Digitalisiert, Aufruf 19.1.2014: [2]
  • Die technisch verwendeten Gummiarten, Harze und Balsame, Erlangen 1869.
  • Die Rohstoffe des Pflanzenreiches. Versuch einer technischen Rohstofflehre des Pflanzenreiches, Leipzig 1873. Digitalisiert 2. Auflage 1900, Aufruf 19.1.2014: [3]
  • Die natürlichen Einrichtungen zum Schutz des Chlorophylls der lebenden Pflanze, Wien 1876.
  • Die Entstehung des Chlorophylls in der Pflanze, Wien 1877.
  • Das Bewegungsvermögen der Pflanzen. Eine kritische Studie über das gleichnamige Werk von Charles Darwin nebst neuen Untersuchungen, Wien 1881. Digitalisiert, Aufruf 19.1.2014: [4]
  • Die Elementarstructur und das Wachsthum der lebenden Substanz, Wien 1892. Digitalisiert, Aufruf 2.2.2014 [5]
  • Elemente der wissenschaftlichen Botanik, 3 Bände, Wien 1881-1889. Digitalisiert Anatomie und Physiologie der Pflanzen, 5.Auflage Band 1, Wien 1906, Aufruf 19.1.2014 [6]
  • Die mikroskopische Untersuchung des Papiers, Wien 1887.
  • Jan Ingen-Housz: sein Leben und sein Wirken als Naturforscher und Arzt, Wien 1905. Digitalisiert, Aufruf 19.1.2014: [7]
  • Die Beziehungen der Pflanzenphysiologie zu den anderen Wissenschaften. Inaugurationsrede gehalten am 24. Oktober 1898, Wien 1898.
  • Der Lichtgenuss der Pflanzen. Photometrische und physiologische Untersuchungen mit besonderer Rücksichtnahme auf Lebensweise, geographische Verbreitung und Kultur der Pflanzen, Leipzig 1907. Digitalisiert, Aufruf 19.1.2014: [8]
  • Naturwissenschaft und Naturphilosophie, in: Österreichische Rundschau, 15/4, Wien 1908, S. 257-272.

Literatur

  • Czeike 2004: Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, 5, Wien 2004, S. 652.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.
  • Trinajstic 2012: Mary-Anne Trinajstic, Begegnungen und Schnittstellen zwischen Julius von Wiesner und Julius von Sachs. Pflanzenphysiologie und Fragen des Lichteinflusses auf die Pflanze, DA-phil., 2012. Digitalisiert, Aufruf 19.1.2014: [9]
  • Gledhill 2008: David Gledhill, The name of plants, Cambridge 2008, S. 406. Digitalisiert, Aufruf 19.1.2014: [10]

Quellen

  • Presse 1916: Hans Molisch, Julius Ritter von Wiesner gestorben, in: Neue Freie Presse, 10. Oktober 1916, Abendausgabe, S. 3. Digitalisiert, Aufruf 19.1.2014: [11]
  • Presse 1927: Die Enthüllung des Wiesner-Denkmals in der Universität, in: Neue Freie Presse, 11. Dezember 1927, S. 12-13.
  • UAW: Universitätsarchiv Wien, Senat S 304.1392, Aufruf 19.1.2014: [[12]]

Einzelnachweise

  1. Bildarchiv ÖNB via http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.w/w680232.htm
  2. Maisel 2007, S. 67.
  3. Trinajstic 2012, S. 16.
  4. Presse 1916, S. 3.
  5. Trinajstic 2012, S. 18.
  6. Linsbauer 1908.
  7. Czeike 2004, 5, S. 652.
  8. UAW, S 304.1302.
  9. Presse 1927, S. 13.
  10. Gledhill 2008, S. 406.

Weblinks

  • BHL: Biodiversity Heritage Library, Aufruf 19.1.2014 [13]
  • Linsbauer 1908: Karl Linsbauer (redig.), Wiesner-Festschrift zum 70. Geburtstag, Wien 1908. Digitalisiert, Aufruf 19.1.2014 [14]



Gabriele Böhm-Nevole, Verena Sulzbachner