Julius von Schlosser

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Fotografie von Julius von Schlosser, o. J., unbekannter Fotograf.
Abb. 2: Julius von Schlosser, Fotografie von 1927, Fotograf/Künstler: Theo Bauer, Wien XIV..
Abb. 3: Julius von Schlosser, signiert, Künstler: Robert Fuchs, 1935.

Julius von Schlosser wurde am 23. September 1866 in Wien geboren und verstarb am 1. Dezember 1938 ebenda. Das Denkmal Julius von Schlossers im Arkadenhof der Universität Wien erinnert an den Wiener Kunsthistoriker. [1]

Leben

Am 23. September 1866 wurde Julius Alwin Ritter von Schlosser, dem Militärintendanten Wilhelm von Schlosser und einer Bologneserin in Wien, geboren.[2] Julius von Schlosser besuchte als junger Mann das Gymnasium und interessierte sich dabei vor allem für die humanistischen und künstlerischen Gebiete, sowie für die geschichtlichen und literarischen Schulfächer. Die Musik war ihm dabei besonders wichtig. Mathematik erschien ihm allerdings fremd und abstrakt. Anfangs schrieb er sich an der Wiener philosophischen Fakultät zum Studium ein, war aber vom Inhalt der Vorlesungen enttäuscht. Schließlich schrieb er sich auf einem von Franz Wickhoff geleiteten Kolleg ein.[3] Schlosser bemerkt in seinem in Buchform festgehaltenen Lebenskommentar, dass er während seines Studiums häufig daran gedacht hat vielleicht doch einen praktischen Beruf zu erlernen. Letztendlich hatte er es seiner Mutter zu verdanken, dass er sein Studium abschließen konnte, denn sein Vater war schon sehr früh verstorben.[4]

Julius von Schlossers Lehrer am Institut für österreichische Geschichtsforschung waren unter anderem Franz Wickhoff und Theodor von Sickel. Schlosser wurde im Jahr 1892 für Kunstgeschichte habilitiert. 1901 wurde er zum Direktor der Waffensammlung im Kunsthistorischen Museum ernannt. 1922 wurde Schlosser ordentlicher Professor an der Universität Wien. Er verfasste verschieden Werke zur Quellenkunde der Kunstgeschichte sowie zur Geschichte verschiedener Musikinstrumente und zur Portraitbildnerei in Wachs. Vor allen Dingen ist Schlossers Beitrag zur Anwendung historischer Quellenkritik im Bereich der Kunstgeschichte hervorzuheben.[5] Julius von Schlosser übernahm nach dem Tod Max Dvoráks die Lehrkanzel für Kunstgeschichte an der Universität Wien.[6] Schlosser gehörte zu den bedeutendsten Vertretern seines Fachs in Österreich. Vor allem durch sein Werk "Die Kunstliteratur" von 1924 wurde er äußerst bekannt.[7]

Er erwähnt immer wieder, dass er seinen Kunsthistoriker-Kollegen Benedetto Croce besonders verehrte. Auch den Kunsthistoriker Rudolf von Eitelberger schien er zu bewundern. Schlosser äußerte sich in seinem Lebenskommentar auch über Burckhardts "Cicerone" und meinte, dass dieses Buch ein ganz seltsames Licht auf das Fach werfe.[8]

Schlosser war bekannt für seine konservative, deutschnationale Gesinnung, er galt aber auch als bekennender Europäer und Italienverehrer. Einerseits trug er das Parteiabzeichen der NSDAP auf der Kleidung (ersichtlich in einer Fotografie, aufgenommen in seinem Todesjahr 1938), andererseits setzte er sich für seine jüdischen Schüler ein. Schlosser verfasste Beiträge für die Zeitschrift "Corona", die der "Konservativen Revolution" zugetan war.[9]

Mit seiner zweiten Ehefrau Neda Ftitscheff, einer bulgarischen Geigerin und einer befreundeten Familie namens Hahnloser (Hans R. Hahnloser war sein Assistent) reiste Julius von Schlosser durch Italien und den gesamten Mittelmeerraum, sogar bis nach Spanien, Griechenland, Sofia und Istanbul.[10]

Julius von Schlosser verstarb am 1. Dezember 1938 in Wien.[11] Sein Grab befindet sich am Wiener Zentralfriedhof in Wien Simmering, Gruppe 30 D, Reihe 1, Nr. 5.[12]

Schaffen

Julius von Schlosser habilitierte 1892 für Kunstgeschichte und wurde zum außerordentlichen Professor, dann 1922 zum ordentlichen Professor an der Universität Wien ernannt. Er verfasste zahlreiche kunsthistorische Schriften, darunter Arbeiten und Kritiken zur Quellenkunde der Kunstgeschichte, über die Historie der Musikinstrumente und die Portraitbildnerei unter Verwendung des Werkstoffes Wachs. Julius von Schlosser wurde in Zusammenhang mit der Wiener Schule der Kunstgeschichte bekannt.[13]

Eines seiner wichtigsten Werke behandelt die "Comentarii" des florentiner Bildhauers Ghiberti. Dieses von ihm kommentierte Werk hebt Julius von Schlosser in einem Beitrag über sein eigenes Leben besonders hervor. Dort schrieb er, dass das Werk Ghibertis ohne seinen Beitrag wohl wenig Beachtung bekommen hätte.[14] Eines seiner Bücher widmete Schlosser auch dem Autor Vasari, dem er äußerst kritisch gegenüberstand.[15]

Schlosser bemerkt in seinem in Buchform festgehaltenen Lebenskommentar, dass er sein individuelles Leben als "[...] die innere Entwicklung eines 'Kunsthistorikers' im Uebergang aus dem letzten Viertel des 'positivistisch-naturalistischen' und 'impressionistischen' 19. Jahrhunderts in das 'neuidealistische', 'expressionistische' 20. Jahrhundert" empfindet.[16]

Julius von Schlosser war ein Mitglied der "Wiener Schule der Kunstgeschichte". Dabei handelt es sich um eine kunsthistorische Lehrstätte, die eng mit dem Institut für Geschichtsforschung, welches von Theodor von Sickel organisiert wurde, verbunden ist. Sie hat in dem sogenannten II. Kunsthistorischen Institute der Universität Wien ihren Sitz. Die Anfänge der "Wiener Schule" reichen von der Zeitrechnung bis in die deutsche Romantik zurück. Es handelt sich dabei um ein wesentliches Kapitel der deutschen Wissenschafts- und Geistesforschung in Österreich. [17] Führende Vertreter der "Wiener Schule der Kunstgeschichte" neben Julius von Schlosser waren Alois Riegl (1858-1905) und Max Dvorák (1874-1921).[18]

1922 nach dem Tod Dvoráks übernahm Schlosser die Lehrkanzel für Kunstgeschichte an der Universität Wien neben Josef Strzygowski, der die andere Wiener Professur für Kunstgeschichte inne hatte. Strzygowski vertrat im Gegensatz zu Schlosser, eine antihistorische und antihumanistische Position.[19]

Als Universitätslehrer bildete Schlosser solch wichtige Persönlichkeiten wie Otto Pächt, Hans Sedlmayr und Ernst H. Gombrich aus.[20] Schlosser gilt als Pionier in seinem Metier. Sein schriftlicher Nachlass hat noch heute große Verwendung, vor allen Dingen als standardmäßiges Nachschlagewerk.[21]

Schriften

  • Schlosser 1908: Julius von Schlosser, Zu den Kunst und Wunderkammern der Spätrenaissance, 1908.
  • Schlosser 1911: Julius von Schlosser, Zur Geschichte der Porträtbildnerei in Wachs, 1911.
  • Schlosser 1941: Julius von Schlosser, Leben und Meinungen des florentinischen Bildners Lorenzo Ghiberti, Basel 1941.
  • Schlosser 1924: Julius von Schlosser, Die Kunstliteratur. Ein Handbuch zur Quellenkunde der neueren Kunstgeschichte, Wien 1924.
  • Schlosser 1920: Julius von Schlosser, Die Kunstlehre des 17. und 18. Jahrhunderts, Wien 1920.
  • Schlosser 1920: Julius von Schlosser, Die Geschichtsschreibung des Barocks und des Klassizismus, Wien 1920.
  • Schlosser 1920: Julius von Schlosser, Die italienische Ortsliteratur, Wien 1920.
  • Schlosser 1918: Julius von Schlosser, Materialien zur Quellenkunde der Kunstgeschichte, Wien 1918.
  • Schlosser 1914: Julius von Schlosser, Materialien zur Quellenkunde der Kunstgeschichte, Wien 1914.
  • Schlosser 1914: Julius von Schlosser, Materialien zur Quellenkunde der Kunstgeschichte, Wien 1914.
  • Schlosser 1935: Julius von Schlosser, Stilgeschichte und Sprachgeschichte der bildenden Kunst, 1935.

Literatur

  • Aurenhammer 2007: Hans H. Aurenhammer, Schlosser, in: Neue Deutsche Biographie, Band 23, Berlin 2007, S. 105-107.
  • Egger 1939: Hermann Egger, Julius von Schlosser; ein Nachruf, Wien 1939.
  • Gombrich 1939: Ernst Gombrich, Julius von Schlosser, in: The Burlington Magazine for Connoisseurs, 1939, Vol.74(431), S. 98-99.
  • Kastner 2006: Ulrike Kastner, Das Verhältnis zwischen Kunst und politischer Wirklichkeit in den zwanziger und frühen dreißiger Jahren in Deutschland und Österreich. dargestellt anhand von jeweils einem Krieger- und Arbeiterdenkmal von Anton Hanak, Josef Thorak und Fritz Wotruba, Wien 2006.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien 2007.
  • Thimann 2007: Michael Thimann, Julius von Schlosser (1866-1938), in: Ullrich Pfisterer, Klassiker der Kunstgeschichte. 1. Von Winckelmann bis Warburg, München 2007.
  • Schlosser 1924: Julius von Schlosser, Die Kunstwissenschaft in Selbstdarstellungen. Ein Lebenskommentar. Leipzig 1924.
  • Schlosser 1934: Julius von Schlosser, Die Wiener Schule der Kunstgeschichte. Rückblick auf ein Säkulum deutscher Gelehrtenarbeit in Österreich, Wien 1934.
  • Weiss 2012: Johannes Weiss, Julius von Schlosser und "Die Kunstliteratur", phil. Dipl.-arbeit (ms.), Wien 2012.
  • Theisen 2005: Maria Theisen (Red.) u.a., Wiener Schule: Erinnerung und Perspektiven, Wien 2004 (erschienen) 2005.

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S. 77.
  2. Thimann 2007, S. 195.
  3. Schlosser 1924, S. 96-98.
  4. Schlosser 1924, S. 96.
  5. Maisel 2007, S. 77.
  6. Thimann 2007, S. 196.
  7. Thimann 2007, S. 202.
  8. Schlosser 1924, S. 131.
  9. Thimann 2007, S. 197.
  10. Thimann 2007, S. 206.
  11. Thimann 2007, S. 195.
  12. Robert S. Budig, Ehrengräber am Wiener Zentralfriedhof, Wien 1995.
  13. Maisel 2007, S. 77.
  14. Schlosser 1924, S. 134.
  15. Thimann 2007, S. 204.
  16. Schlosser 1924, S. 96.
  17. Schlosser 1934, S. 10.
  18. Aurenhammer 2007, S. 106.
  19. Aurenhammer 2007, S. 106.
  20. Thimann 2007, S. 196.
  21. Thimann 2007, S. 207-209.

Quellen

  • UAW Senat 3.212.
  • UAW Senat 222.25.

Weblinks


Alice Hundsdorfer, Verena Sulzbachner