Joseph Maximilian Petzval

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1 Joseph Maximilian Petzval, Lithographie von Adolf Dauthage, 1854
Abb. 2 Joseph Maximilian Petzval, Stich von Ad. Juppe

Joseph Maximilian Petzval (* 6. Jänner 1807, Szepes-Béla bei Letschau (Slowakei); †17. September 1891, Wien) war ein österreichischer Mathematiker, Physiker und Photograph. Die Photographische Gesellschaft Wien stiftete ihm zu ehren ein Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien, welches von Anton Brenek ausgeführt und am 6. November 1901 enthüllt wurde.

Leben

Als Sohn eines Volksschullehrers wurde Joseph Maximilian Petzval am 6. Jänner 1807 in Szepes-Béla, einem Ort in der deutschen Sprachinsel Zips, der heutigen Slowakei, geboren. Die Volksschule besuchte er in Késmark, die ersten drei Jahre des Gymnasiums in Podolin, die letzten drei in Löcse. Petzval beschreibt in späteren Jahren den Ablauf als eintönig. Der Unterricht erfolgte in lateinischer Sprache von einem Lehrer, der alle Fächer unterrichtete. Die Annahme, Petzval wäre in Mathematik nicht gut gewesen, lässt sich widerlegen – er war immer Klassenbester.[1] Nach Abschluss des Gymnasiums bereitete er sich 2 Jahre lang am Lyzeum in Kaschau auf die Universität vor. Er arbeitete als Hauslehrer und gab Privatstunden. 1826 begann er den Ingenieurkurs in der ungarischn Stadt Pest und schloss 1828 mit Ingenieursdiplom ab. Im selben Jahr trat er als praktischer Ingenieur für Wasserbau in den Dienst der Stadt Pest, wo er für die nächsten 7 Jahre tätig war.[2] Nebenbei beschäftigte er sich weiterhin mit der Mathematik an der Universität und promovierte 1832. Im selben Jahr begann er Mathematik, Mechanik und praktische Geometrie an der Universität Budapest zu lehren. 1835 erfolgte die Ernennung Petzvals zum ordentlichen Professor für höhere Mathematik an der Universität in Budapest, woraufhin er 1837 als außerordentlicher Professor für Mathematik, Mechanik und Geometrie nach Wien berufen wurde und dort durchgehend bis zu seiner Emeritierung 1877 beschäftigt war.[3] 1849 wurde er wirkliches Mitglied der kaiserlichen Akademie für Wissenschaften, bei der er bereits 1846 als Gründungsmitglied gelistet war.[4] Ab 1873 war Petzval auch an der ungarischen Akademie der Wissenschaften als korrespondierendes Mitglied tätig. 1860 erarbeitete er die Statuten für die Photographische Gesellschaft, deren Ehrenmitglied er 1877 wurde. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Petzval abgeschieden in Wien, wo er 1891 verstarb.[5] 10 Jahre nach seinem Tod, anläßlich des 40-jährigen Jubiläums der Photographischen Gesellschaft, wurde ihm 1901 ein Relief im Arkadenhof der Universität Wien gestiftet sowie eine Gasse nach ihm benannt. Der Mathematiker erhielt ein Ehrengrab mit Denkmal am Zentralfriedhof.[6]

Petzval war laut Zeitgenossen eine streitbare und eigenwillige Persönlichkeit. Er war ein ausgezeichneter Redner, dessen Schlagfertigkeit einen Beigeschmack von Ironie und Gehässigkeit trug. Durch seine Kritik an der Universität (vor der Reform) und an seinen Kollegen machte er sich aber auch Feinde, die ihn zwar als Wissenschaftler, aber nicht als Mensch, schätzten.[7]

Schaffen

Joseph Maximilian Petzval steht als angewandter Mathematiker am Anfang einer langen Reihe von berühmten Mathematikern in Österreich. Er war sowohl in der Lehre als auch in der Forschung tätig (welche zu dieser Zeit als geduldetes Hobby angesehen wurde). Petzval war von Beginn an wissenschaftlich aktiv. Er war ein beliebter Lehrer, der seine Vorträge klar und lebendig gestaltete.[8]

Photographische Optik

Petzval ist vor allem im Bereich der Optik und Photographie bekannt. Durch seine Berechnungen von 1840 konnte ein lichtstärkeres Objektiv gebaut werden, dessen Belichtungszeit deutlich kürzer war, als jene der Konkurrenz. 1839 beginnt Petzval sich mit der photographischen Optik zu beschäftigen. Angeregt wurde er von Andreas von Ettingshausen, der von Wien nach Paris geschickt wurde, um die 1838 erstmals hergestellten brauchbaren Photographien auf einer Jodsilberbeschichtung zu erforschen. Er kehrte mit Problemen hinsichtlich der langen Belichtungszeit zurück, derer sich Petzval annahm. Sein Ziel war es die Belichtungszeit zu verkürzen und gleichmäßig hellere Bilder zu erzeugen.[9] In Zusammenarbeit mit dem Optiker Voigtländer wurde das Patzvalsche Porträt-Doppelobjektiv gebaut und rasch verbreitet. Allerdings war Petzval die kommerzielle Bedeutung des Objektives nicht bewusst, weswegen er lediglich mit einem kleinen Geldbetrag abgespeist wurde und ein Streit zwischen ihm und Voigtländer 1845 entbrannte. Weitere Zusammenarbeiten mit unterschiedlichen Wiener Optikern führten jedoch zu keinen finanziellen Erfolgen. 1843 entwickelte er einen Feldstecher und 1857 das Petzvalsche Orthoskop (für Landschaftsaufnahmen).[10] Für seine Verdienste in der Photographie wurde er 1850 Ritter des Franz-Josef-Ordens.[11]

Anwendungsorientierte Mathematik

Zwischen 1853 und 1859 erschien Petzvals zweibändiges Werk „Integration der linearen Differentialgleichungen mit constanten und veränderlichen Coefficienten“. In diesem Werk entdeckte er die Laplace Transformation, welche als Instrument für die Lösung von Differentialgleichungen verwendet werden konnte. Jedoch blieb die erhoffte Anerkennung durch die Isolation der österreichischen Universität aus. Dadurch bedingt veralterte sein Werk nach Verbreitung rasch, da er selbst die neuen Errungenschaften nicht kannte. Weiters entbrannte 1857 ein Plagiatsstreit zwischen Petzval und seinem Schüler Spitzer, der diese Entdeckung parallel veröffentlichte.[12]

Petzval wandte sich noch den Bereichen der Akustik und Ballistik zu.[13] Dopplers Prinzip stellte er sein eigenes „Prinzip der Erhaltung der Schwingungsdauer“ entgegen, woraufhin ein weiterer Streit folgte. Petzval hatte mit seiner Veröffentlichung unrecht und konnte das Dopplersche Prinzip nicht widerlegen, allerdings war seine Kritik an der ungenauen Herleitung Dopplers berechtigt.[14]

Schriften

Petzval erlangte nie den Ruhm, den er sich für seine Arbeit erhofft hatte. Veröffentlichungen in der Geschichte der Mathematik waren selten. Durch die wissenschaftliche Isolation Österreichs von den umliegenden Ländern, waren Petzval die neuen Kenntnisse nicht bekannt, gleichzeitig wurde seine Forschung erst später im Ausland verbreitet, wo sie bereits als überholt und alt angesehen wurde. Seine Streitigkeiten waren meist berühmter als seine Werke, dies zog eine Minderung der Arbeit mit sich.[15]

  • Bericht über die Ergebnisse einiger dioptischer Untersuchungen, Pest 1843
  • Die Ministerial-Verordnung und der neue Entwurf von 1850 über Habilitation der Privatdocenten, Wien 1850
  • Integration der linearen Differentialgleichungen mit constanten und veränderlichen Coefficienten, Wien 1851-1859
  • Theorie der Störung der Stützlinie, 1904
  • Theorie der Tonsysteme, 1904

Literatur

  • Fellner 2003: Manuela Fellner (Hg.), Die Schärfung des Blicks. Joseph Petzval, das Licht, die Stadt und die Fotografie (Kat. Ausst. Technisches Museum, Wien 2003/2004), Wien 2003.
  • Kaiser 2001: Hans Kaiser, Josef M. Petzval zum 110. Todestag, in: Internationale Mathematische Nachrichten, 188, Wien 2001, S. 9-19.
  • Komitee für die Errichtung eines Petzval-Denkmals 1905: Komitee für die Errichtung eines Petzval-Denkmals (Hg.), Zur Erinnerung an Josef Petzval, Wien 1905.
  • Gürtler 1980: Elisabeth Gürtler, Das Studium an den Gymnasien und an der philosophischen Fakultät der Alma mater Rudolphina in der Zeit von 1800 bis zur Revolution 1848, 2, Wien 1980, S. 238-239.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Kaiser 2001, S. 11-12.
  2. Kaiser 2001, S. 12.
  3. Kaiser 2001, S. 13.
  4. Komitee zur Errichtung eines Petzval-Denkmals 1905, S. 3.
  5. Kaiser 2001, S. 17.
  6. Fellner 2003, S. 126-127.
  7. Kaiser 2001, S. 13, 14.
  8. Kaiser 2001, S. 9, 13.
  9. Fellner 2003, S. 121; Kaiser 2001, S. 14-15.
  10. Kaiser 2001, S. 15.
  11. Kaiser 2001, S. 17.
  12. Kaiser 2001, S. 16.
  13. Fellner 2003, S. 124.
  14. Kaiser 2001, S. 16-17.
  15. Kaiser 2001, S. 17.

Erika Peherstorfer

redigiert von Constanza Trofaier, SoSe 2014