Joseph Johann von Littrow

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1 Joseph Johann von Littrow, Lithographie nach Josef Kriehuber, 1836

Joseph Johann von Littrow (*13. März 1781 in Bischofteinitz, Böhmen; † 30. November 1840 in Wien) war Astronom und Autor. Ihm und seinem Sohn, Karl von Littrow, zu Ehren wurde am 26. Juni 1892 ein Doppeldenkmal im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt (siehe auch: Denkmal Joseph Johann von Littrow). Gestaltet wurde dieses von dem Bildhauer Hans Bitterlich. Finanziert wurde das Denkmal von der Familie Littrow.[1]

Leben

Joseph Johann Littrow, Sohn eines Kaufmanns, studierte ab 1799 an der Karls-Universität in Prag Rechtswissenschaften und Theologie. Dort lernte er den späteren Schriftsteller August Gottlieb Meißner kennen. Gemeinsam mit diesem und anderen Freunden gründete er 1800 die Zeitschrift „Die Propyläen“. Sein Studium brach er ohne Abschluss 1803 ab und war anschließend als Hauslehrer und Hofmeister der jungen Grafen J. Renard in Schlesien und in Wien tätig. Littrow heiratete im Jahr 1808 Karoline von Ulrichtsthal (1792-1833), eine Tochter von Franz Ulrich von Ullrichsthal. Mit ihr hatte er zwölf Kinder, darunter den späteren Astronomen Karl von Littrow und den Kartographen Heinrich von Littrow. Nach einer autodidaktischen Weiterbildung nahm Littrow 1807 eine Stelle als Professor für Astronomie an der Jagiellonen-Universität in Krakau an. Im Jahr 1810 ging er nach Kasan. Dort gründete er eine kleine Sternwarte. 1816 wechselte er als Mitdirektor zur Sternwarte nach Budapest. 1819 übernahm er eine Professur für Astronomie an der Universität Wien und wurde Direktor der ersten Universitätssternwarte Wien. Diese reorganisierte er von Grund auf und regte den Bau einer neuen Sternwarte an. Der Astronom arbeitete mit dem Mechaniker und Optiker Simon Plößl zusammen. 1836 wurde Littrow durch den österreichischen Kaiser Ferdinand I. in den erblichen österreichischen Adelstand erhoben. Littrow starb am 30. November 1840 im Alter von 59 Jahren in Wien. Das geplante Vorhaben der Verlegung der Sternwarte aus der Innenstadt an die Peripherie konnte Joseph Johann von Littrow zu Lebzeiten nicht erreichen, sondern wurde schließlich von seinem Sohn Karl von Littrow in den 1870er Jahren umgesetzt. Allerdings erreichte er, dass das alte Institutsgebäude gründlich umgebaut wurde.[2]

Schaffen

Neben seinen bedeutenden organisatorischen Leistungen an der Universität Wien war Joseph Johann von Littrow ein geschätzter Hochschullehrer, der seine mathematischen und astronomischen Vorlesungen in mehreren umfangreichen Lehrbüchern veröffentlichte.[3] 1834-36 veröffentlichte Littrow das populärwissenschaftliche Buch „Die Wunder des Himmels". Bis 1963 erschien dieses Werk in 11. Auflagen. Es zählte damals zu den Klassikern der astronomischen Literatur. Ab 1837 arbeitete der Astronom an einer Übersetzung des Werkes „Geschichte der inductiven Wissenschaften" des britischen Philosophen und Wissenschaftshistorikers William Whewell. Die ersten Übersetzungen erschienen in 3 Bänden ab dem Jahr 1840. Seine wissenschaftlichen Aufsätze erschienen 1846 gesammelt als „Vermischte Schriften“, in der auch eine Biographie des bekannten Astronomen enthalten ist. Joseph Johann von Littrow war zwar kein bahnbrechender Forscher, allerdings wird er dennoch als der bedeutendste österreichische Astronom in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehandhabt.[4]

Schriften (Auswahl)

Von seinen zahlreichen Schriften machten Joseph Johann von Littrow namentlich seine beliebten Vorträge über Sternkunde in der „Wiener Zeitschrift für Kunst und Litteratur“ populär.[5]

  • Die Wunder des Himmels. Stuttgart 1834-36, 3 Teile, 11. Auflagen (völlig neu bearbeitet von Karl Stumpff, Bonn 1963)
  • Atlas des gestirnten Himmels, 3. Auflage, Stuttgart 1838.
  • Vermischte Schriften. 3 Bände, hrsg. von Karl Ludwig von Littrow, Stuttgart 1846.

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.
  • Posch 2010: Thomas Posch u.a., Die Geschichte der Universitätssternwarte Wien. Dargestellt anhand ihrer historischen Instrumente und eines Manuskripts von Johann Steinmayr, Frankfurt am Main 2010.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S.78.
  2. Posch 2010, S.184-185.
  3. ÖBL 1972, S. 252.
  4. ÖBL 1972, S. 252.
  5. Posch 2010, S.182-223.

Darstellungen

Oswald Ines

redigiert von Constanza Trofaier, SoSe 2014