Josef von Sonnenfels: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
Wechseln zu: Navigation, Suche
(Darstellungen)
 
K (1 Version)
(kein Unterschied)

Version vom 11. Juli 2014, 09:21 Uhr

Abb. 1 Josef von Sonnenfels, Fotografie nach einem Ölbild von Gebhard Kneip (?), Festsaal des Universitätsarchivs Wien

Josef von Sonnenfels (* 1732/ 33 in Nikolsburg, Südmähren; † 25. 04. 1817 in Wien) war einer der führenden Geister des josephinischen Staates. Zu seinen Ehren wurde 1891 im Arkadenhof der Universität Wien das Denkmal Josef von Sonnenfels von dem Bildhauer Alois Düll aufgestellt.


Leben

Josef von Sonnenfels entstammt einer jüdischen Konvertitenfamilie. Zwischen 1736 und 1739 nahmen er, sein Vater und sein Bruder nacheinander den katholischen Glauben an. Nach dem Abbruch des Gymnasialstudiums wollte Sonnenfels die geistliche Laufbahn einschlagen. Er absolvierte zunächst ein Piaristenkolleg in Nikolsburg und studierte dann von 1745 bis 1749 an der philosophischen Fakultät Philosophie und Sprachen in Wien. Es folgte ein fünfjähriger Militärdienst im Infanterieregiment "Hoch und Deutschmeister". Schließlich studierte er Rechtswissenschaften in Wien. Hierbei wurde er besonders von dem Kanonist Paul Joseph Riegger und dem Naturrechtslehrer Karl Anton von Martini geprägt. Als Rechnungsführer bei der kaiserlichen Arcierenleibgarde verdiente er daraufhin einen bescheidenen Lebensunterhalt, bemühte sich allerdings parallel um eine Lehrkanzel für deutsche Literatur an der Universität Wien. 1763 übernahm er schließlich die erste Professur für Polizei- und Kameralwissenschaft in Wien, die an der Philosophischen und ab 1784 an der Juristischen Fakultät gelehrt wurde. Ebenso war er Rechtslehrer an der Theresianischen und der Savoyischen Ritterakademie. Hinzu kamen kleinere Beschäftigungen wie "Illuminationsdirektor" von Wien 1776, Theaterzensor und Referent der Zensurhofkommission (1770-1772), Mitglied der Niederösterreichischen Regierung mit Schwerpunkt Polizeireferat (ab 1773) und Mitglied der Studienhofkommission 1780. 1781 betraute ihn Kaiser Joseph II. mit dem Fachbereich "Lehre des Geschäftstils", dies beinhaltete eine "Rectifizierung des Stils" bei allen zu verabschiedenden Gesetzen.[1] Er verlagerte in Folge den Schwerpunkt seiner Arbeit von der Lehrtätigkeit hin zur Legislative, wo er als Mitglied und Referent einiger Kommissionen auch Erfolge zu vermelden hatte. Nebenher hatte Sonnenfels viele weitere Ämter bekleidet. 1768 wurde er auf Betreiben Jakob Schmutzers hin Sekretär der Zeichen- und Kupferstichakademie in Wien. Er hatte den Vorsitz in der Kommission zur Reinigung des Talmuds und war Rektor der Universität Wien 1794 sowie 1796. Für seine Verdienste bekam er 1804 den Stephansorden und die Freiherrnwürde verliehen. 1806 wurde er Ehrenbürger der Stadt Wien, vier Jahre später sogar Präsident der Akademie der bildenden Künste (1810). Privat hatte er 1763 die Tochter eines Oberamtmannes, Theresia Hay, geehelicht. Sie hatten keine Kinder. 1817 verstarb Josef von Sonnenfels in Wien.[2]

Schaffen

Josef von Sonnenfels lag vor allem die Reform und Reinhaltung der Sprache am Herzen, weshalb er sich stetig ausführlicher mit aufklärerischen Kunsttheorien beschäftigte. Sonnenfels verfasste viele Reden und blieb vor allem als Staatsphilosoph, Rechtsreformer und Gesellschaftstheoretiker in Erinnerung. Besonders bekannt ist sein Kampf gegen den "Hanswurst" des Wiener Schauspiels.[3] Des Weiteren hatte er sich auch der bildenden Kunst zugewandt. Er war ein begeisterter Anhänger der Theorien Winckelmanns. In einer außerordentlichen Versammlung am 23. September 1768 hielt er seine Antrittsrede mit dem Thema "Von dem Verdienste des Porträtmalers"[4]. In ihr äußerte er den Wunsch und Plan, eine politisch nützliche Kunstausübung zur allgemeinen Wohlfahrt zu fördern und zu stärken.[5] Sonnenfels kritisierte die Geringschätzung des Porträtmalers gegenüber der Historien- und Landschaftsmaler, die er in einer mangelnden Kompetenz einer gewissen Klasse bei der Beurteilung von Kunstwerken sah. Er empfahl daher jungen Adeligen Reisen nach Rom, Neapel und in andere Kunstmetropolen, um dort Galerien, Villen und Kunststätten berühmter Meister zu besuchen.[6] Sonnenfels schrieb damit gerade dem Adel als einziger Klasse die Formung und Festigung eines Kunstverstandes zu.[7] Auch thematisierte er die Unterschiede der Ähnlichkeit des Porträts. Einerseits führte er eine historisch und staatspolitisch gerechtfertigte Ähnlichkeit an, die er als Übereinstimmung sichtbarer Merkmale von Darzustellendem und Darstellung verstand, und andererseits eine „gelehrte Ähnlichkeit“, die sich dann einstellt, wenn der Künstler die individuelle Schönheit der idealen Schönheit am nächsten bringt.[8] Sonnenfels teilte das Porträt, dem er keinen unbedingt künstlerisch motivierten Auftrag zu Grunde legte, in den Bereich der Gesichtsdarstellung und der Nebenteile. Vor allem in diesen äußeren Teilen der Figur manifestiert sich, laut Sonnenfels, die künstlerische Freiheit. In der Übereinstimmung aller Teile zum Ganzen liegt die Harmonie des Porträts.[9] Sonnenfels prägte auch durch seine rechtswissenschaftlichen und wirtschaftspolitischen Lehren Generationen von Juristen im Sinne der österreichischen Nationalerziehung und im josephinischen Geist, in dem er die katholisch-absolutistische Tradition der Habsburger mit den Ideen des Naturrechts und der Aufklärung kombinierte.[10]

Schriften

  • Specimen Juris Germanici de Remediis Juris, Juri Romano Incognitis, Wien 1757.
  • Ankündigung einer Teutschen Gesellschaft in Wien, Wien 1761.
  • Herrn Joseph von Sonnenfels … Einleitungsrede In Seine Akademische Vorlesungen, Wien 1763.
  • Betrachtungen über die Neuen Politischen Handlungsgrundsätze der Engländer, Wien 1764.
  • Vom Zusammenschluß, Wien 1764.
  • Grundsätze der Polizey-, Handlungs- und Finanzwissenschaft, 3 Teile, 1765.
  • Der Mann ohne Vorurtheil. Eine Wochenschrift, Wien 1765-67.
  • Theresie und Eleonore. Eine Wochenschrift, Wien 1767
  • Briefe über die Wienerische Schaubühne, 4 Bde., 1768.
  • Über die Liebe des Vaterlandes, Wien 1771.
  • Von der Verwaltung der Domänen in Bauerngüter, Wien 1773.
  • Über die Abschaffung der Tortur, Zürich 1775. ( 2. Auflage Nürnberg 1782).
  • Politische Abhandlungen, I. de Luca (hrsg.), Wien 1777.
  • Versuch über die Grundsätze des Stils in privat- und öffentlichen Geschäften, 2 Bde., Wien 1781.
  • Der Schlafrock: an Herrn von .. Großhändler in .... Regensburg 1783.
  • Gesammelte Schriften. 10 Bände. Baumeister, Wien 1783–1787(hier sind die meisten der kleineren Abhandlungen enthalten).
  • Über den Geschäftsstil. Die ersten Grundlinien für angehende österreichische Kanzleybeamten, Wien 1784, (Ab 1787 zweite, stark überarbeitete Auflage).
  • Über Wucher- und Wuchergesetze, Wien 1784.
  • Handbuch der inneren Staatsverwaltung mit Rücksicht auf die Umstände und Begriffe der Zeit I (einziger Band), Wien 1798.
  • Über die Stimmenmehrheit bei Criminalurtheilen, Wien 1801.
  • Bemerkungen über die für die Hauptstadt Wien...erlassene neue Gesinde-Ordnung, Wien 1810.
  • Über öffentliche Sicherheit, oder von der Sorgfalt, die Privatkräfte gegen die Kraft des Staates in einem untergeordneten Verhältnis zu erhalten. Ein Nachlaß, Wien 1817.

Literatur

  • Brauneder 1987: Wilhelm Brauneder, Juristen in Österreich 1200-1980, Wien 1987.
  • Brosche 1962: Günter Brosche, Josef von Sonnenfels und das Wiener Theater, Dissertation, Wien 1962.
  • Burg 1915: Hermann Burg, Der Bildhauer Franz Anton Zauner und seine Zeit, Wien 1915.
  • Conrad 1967: Hermann Conrad, Joseph von Sonnenfels. Zum 150. Geburtstag eines Vorkämpfers gegen die Folter, in: Juristen-Jahrbuch 8, Köln 1967, S. 1- 16.
  • Kann 1962: Robert Kann, Kanzler und Katheder. Studien zur österreichischen Geistesgeschichte vom Spätbarock zur Frühromantik, Wien/ Freiburg/ Basel 1962, S. 149- 257.
  • Kopetzky 1882: Franz Kopetzky, Joseph und Franz von Sonnenfels. Das Leben und Wirken eines edlen Bruderpaares, nach den besten Quellen dargestellt, Wien 1882.
  • Lentze 1972: Hans Lentze, Joseph von Sonnenfels ( 1732- 1817), in: Österreich in Geschichte und Literatur 6, 1972, S. 289 ff.
  • Lindner 1988: Dolf Lindner, Der Mann ohne Vorurteil, 1983; J. Sonnenfels, herausgegeben von H. Reinalter, 1988.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.
  • Osterloh 1970: Karl-Heinz Osterloh, Joseph von Sonnenfels und die österreichische Reformbewegung im Zeitalter des aufgeklärten Absolutismus. Eine Studie zum Zusammenhang von Kameralwissenschaft und Verwaltungspraxis (= Historische Studien 409,) Lübbeck/ Hamburg 1970.
  • Reinalter 1987: Helmut Reinalter (Hg.), Joseph von Sonnenfels (= Veröffentlichungen der Kommission für die Geschichte Österreichs der Österreichischen Akademie der Wissenschaften), Wien 1987, darin besonders W. Ogris, Joseph von Sonnenfels als Rechtsreformer.
  • Sonnenfels 1786: Hildegard Kremers (Hg.), Josef von Sonnenfels, Aufklärung als Sozialpolitik, Gesammelte Schriften, Band 8, Wien 1786, Wien, 1994.
  • Spanke 2004: Daniel Spanke, Porträt – Ikone – Kunst, Methodologische Studien zum Porträt in der Kunstliteratur, München 2004.
  • Wurzbach 1887: Constantin von Wurzbach (hrsg.), Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich XXXV, Wien 1887, S. 317- 343.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Brauneder 1987, S.82.
  2. Reinalter 1988, S. 1-6.
  3. Brauneder 1987, S.84.
  4. Sonnenfels 1786, S. 350-397.
  5. Spanke 2004, S. 189.
  6. Sonnenfels 1786, S. 355-357.
  7. Spanke 2004, S. 194.
  8. Sonnenfels 1786, S. 379-380.
  9. Sonnenfels 1786, S. 395.
  10. Brauneder 1987, S. 84.

Darstellungen