Josef Thorak

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Josef Thorak, zu sehen bei der Arbeit.

Josef Thorak (* Februar 1889 in Wien; † Februar 1952 am Chiemsee) war ein österreichischer Bildhauer, der vor allem in der Zeit des Nationalsozialismus sehr erfolgreich war.

Leben

Abb. 2: Josef Thorak, auf der Fotografie der Erste von links

Josef Thorak wuchs in Salzburg auf und absolvierte eine Ausbildung als Töpfer. [1] In Wien lernte Thorak bei dem Bildhauer Anton Hanak. 1911 schaffte Thorak schließlich die Aufnahme an der Akademie für bildende Künste. Ab 1915 studierte er auch an der Preußischen Akademie in Berlin. [2] Mit seiner ersten Frau Hertha und den beiden gemeinsamen Kindern lebte Thorak in Bad Saarow. Aus der Literatur geht hervor, dass Thorak bereits vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 ein bekannter Bildhauer war.[3] 1929 schloss Thorak seine zweite Ehe mit der Jüdin Hilda Lubowski. Er erkannte jedoch, dass diese Ehe seiner geplanten NS-Karriere im Wege stand und ließ sich 1933 wieder scheiden.[4] Nachdem sich die Ausschreitungen gegen die Juden zuspitzten, musste Hilda Lubowski mit dem gemeinsamen Sohn Peter Thorak 1939 in die Schweiz emigrieren. Die Jahre 1934 bis 1944 waren laut Susanne Rolinek seine produktivsten.[5] Themen der machtpolitischen Situation und der Herrschaftssymbolik traten in Thoraks Werken in den Vordergrund, Christliche Themen wie sie vor 1933 bei Thorak zu finden sind, traten in den Hintergrund. Thorak hatte offensichtlich eine Abneigung gegenüber der Moderne, er hatte eher einen Hang zum Monumentalen und zum Heldenideal, betont Rolinek.[6] Im Juli 1933 arbeitete Thorak an einer Büste für Joseph Goebbels, diese wurde jedoch nie ausgestellt. Thorak hatte engen Kontakt zum Reichspräsidenten Hjalmar Schacht sowie zum Auslandspressechef Ernst Hanfstaengl.[7] Diese Kontakte verschafften ihm eine Reihe von Aufträgen. Am 23. April 1941 stellte Thorak einen Antrag zur Aufnahme in die NSDAP.[8] Thorak wollte sich der Unterstützung Speers und Hitlers sicher sein. Im April 1937 ernannte Hitler Thorak zum Professor an der Münchner Akademie.[9]

Schaffen

Während seiner Italienreise fertigte Thorak eine Büste Benito Mussolinis an, die Hitler diesem 1940 schenkte. 1934 führte Thorak auch die Totenmaske für den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg aus. Bei einer Ausstellung der Nationalsozialisten, organisiert von Alfred Rosenberg in Berlin 1935, war Thorak als Bildhauer mit Büsten von Hitler und Kemal Atatürk vertreten.[10] Der Bildhauer arbeitete am Berliner Olympiagelände und an der Gestaltung von Reliefs für das Reichsbankgebäude. 1937 gelang Thorak der Durchbruch bei der Pariser Weltausstellung.[11] Im Jahr 1955 fertigte Thorak für den Arkadenhof der Universität Wien eine Büste des Wiener Kunsthistorikers Julius von Schlosser an.[12]

1928 erhielt er den Staatspreis der Berliner Akademie. In seiner Kunst befasste er sich mit dem nackten Menschen, der entweder isoliert oder in kunstvoller Körpergruppierung und auch gern in engem Zusammenhang mit Architektur in seinen Werken auftritt. Er verwendete meist einen kolossalen Maßstab in welchem er seine Plastiken gestaltete. Stilisiert ausgeführt waren sie dennoch in enger Verbindung mit dem Naturvorbild.[13]

Werke/Auswahl

  • Kriegsdenkmäler für Berlin, Wannsee, Saarow, Stolp i. P., Torgau.
  • Bauskulptur an der Henrich von Kleist-Oberschule in Berlin.
  • Seine nackte Statue "Die Fromme" 1928 von der Stadt Berlin für die städt. Smlg angekauft.
  • Büsten des Reichspräsid. von Hindenburg (nahm 3. 8. 1934 auch dessen Totenmaske, die - in Bronze gegossen - vom Künstler in das Märkische Mus, gestiftet wurde), Kemal Atatürks (1935), des Marschalls Pilsudski.
  • Befreiungsdenkmäler für Eskischehir u. Demyli, Türkei.
  • 2 Pferdeplastiken vor der Gartenfront der Neuen Reichskanzlei in Berlin.
  • "Faustkämpfer" um 1937 auf dem Olympiagelände in Berlin.
  • "Paracelsus" um 1943 im Mirabellgarten in Salzburg.
  • Heilige Ursula um 1949 in Linz.
  • Jünglingsakt um 1934/35 in Erlangen.
  • Büste Hitlers um 1944.
  • Denkmal für Julius von Schlosser im Arkadenhof der Universität Wien.

Literatur

  • Hochleitner 2008: Martin Hochleitner, Politische Skulptur - Barlach/Kasper/Thorak/Wotruba, Weitra 2008.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.
  • UAW Senat 222.25
  • De Gruyter Allgemeines Künstlerlexikon 2014: Internationale Künstlerdatenbank - Online, bereitgestellt von der Österreichischen Nationalbibliothek. Seite besucht am 28.06.2014.

Einzelnachweise

  1. Hochleitner 2008, S. 77.
  2. Hochleitner 2008, S. 77.
  3. Hochleitner 2008, S. 77.
  4. Hochleitner 2008, S. 78.
  5. Hochleitner 2008, S. 79.
  6. Hochleitner 2008, S. 79.
  7. Hochleitner 2008, S. 79.
  8. Hochleitner 2008, S. 83.
  9. Hochleitner 2008, S. 84.
  10. Hochleitner 2008, S. 80.
  11. Hochleitner 2008, S. 80.
  12. Maisel 2007, S. 77.
  13. De Gruyter Allgemeines Künstlerlexikon 2014.

Weblinks

Darstellungen


Alice Hundsdorfer, Verena Sulzbachner