Josef Stefan

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Josef Stefan, ©ÖNB.
Abb. 2: Denkmal für Josef Stefan im Arkadenhof der Universität Wien, um 1935, ©ÖNB.

Josef Stefan (slowenisch Jožef Štefan, * 24. März 1835 zu St. Peter bei Ebenthal (heute zu Klagenfurt); † 7. Jänner 1893 in Wien) war ein österreichischer Mathematiker und Physiker. Im Arkadenhof der Universität Wien befindet sich ein Denkmal für Josef Stefan.

Leben

Josef Stefan wurde als Sohn eines slowenischen Lebensmittelhändlers in Kärnten geboren. Er besuchte in Klagenfurt sowohl die Volksschule als auch das Gymnasium und kam 1853 an die Universität Wien, wo er sich als Schüler Joseph Petzval’s und Andreas v. Ettingshausen’s dem Studium der Mathematik und Physik widmete.[1] 1857 publizierte Stefan seine ersten wissenschaftlichen Erkenntnisse in "Poggendorffs Annalen der Physik", woraufhin ihm der Physiologe Carl Ludwig das Laboratorium im Josephinum für weitere experimentelle Forschungen zur Verfügung stellte. 1858 promovierte Stefan an der Universität Wien. Ab diesem Zeitpunkt war Josef Stefan auch als Realschullehrer für Physik tätig. Seine Habilitation für mathematische Physik erfolgte noch im selben Jahr. 1863 wurde Stefan zum ordentlichen Professor für höhere Physik der Universität ernannt und war damit der jüngste Universitätsprofessor der k. u. k. Monarchie.[2] Ab 1866 wurde Stefan Nachfolger von Ettingshausen als Direktor am physikalischen Institut. Im Studienjahr 1869/70 war Josef Stefan Dekan der philosophischen Fakultät und 1876/77 Rektor der Universität Wien. Im Jahr 1883 war Stefan Vorsitzender der Internationalen elektrischen Ausstellung und im Jahr 1885 Vorsitzender der Internationalen Stimmtonkonferenz.[3] Er war auch Generalsekretär und Vize-Präsident der Akademie der Wissenschaften und Präsident des ersten Österreichischen Verband für Elektrotechnik. Gegen Ende des Jahres 1892, als er zu Besuch bei einem Freund war, erlitt Stefan einen Schlaganfall. Er starb am 7. Januar 1893 und wurde am Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.[4] An der Fakultät für Physik der Universität Wien (Boltzmanngasse 5, 1090 Wien) ist ein Hörsaal nach Josef Stefan benannt.

Schaffen

Josef Stefan gilt als Begründer der österreichischen Physikerschule. Sein Forschungsgebiet umfasste die Optik, Elektrodynamik, kinetische Gastheorie, der Schall und die Akustik. Besondere Bedeutung erlangte er durch die Entdeckung des nach ihm benannten Strahlensatzes, der "Stefan-Boltzmann-Konstante" und dem "Stefan-Boltzmannschen Strahlungsgesetz" im Jahr 1879, das einen wesentlichen Beitrag zur näheren Kenntnis der Intensität von Wärmestrahlung bot und mit dem er als erster die richtige Temperatur der Sonnenoberfläche berechnen konnte.[5] Josef Stefan experimentierte mit dem Wärmeleitvermögen von Gasen mittels selbst konstruiertem Diathermometers. Ebenso förderte er die Übernahme der Maxwell'schen Theorie in Europa. Er war sowohl zur mathematischen Bearbeitung eines physikalischen Problems, sowie zu dessen experimenteller Untersuchung befähigt. Besondere Bedeutung hatte für Stefan die praktische Anwendung der gewonnenen Erkenntnisse.[6]

Werke/Schriften

  • 1871 Über das Gleichgewicht und die Bewegung, insbesondere die Diffusion von Gasgemengen in: Sitzungsberichte der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien, 2te Abteilung a, 1871, 63, S. 63-124.
  • 1873 Versuche über die Verdampfung, in: Sitzungsberichte der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse, 68, S. 385-423.
  • 1879 Über die Diffusion der Flüssigkeiten, in: Sitzungsberichte der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse, 78, S. 957-975.
  • 1880 Über die Tragkraft der Magnete, in: Sitzungsberichte der kaiserl. Akademie der Wissenschaften, 81, 2. Abt., Jän. 1880, 28 S.
  • 1886 Über die Beziehung zwischen den Theorien der Capillarität und der Verdampfung, in: Sitzungsberichte der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse, 94, S. 4-14.
  • 1889 Über die Verdampfung und die Auflösung als Vorgänge der Diffusion, in: Sitzungsberichte der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse, 98, S. 1418-1442.
  • 1890 Über die Theorie der Eisbildung, 1890, Monatshefte der Mathematik und Physik, Volume 1, S. 1-5.

Literatur

  • Wolfgang L. Reiter, Institution und Forschung: Physik im Wandel 1850-1900 - eine kaleidoskopische Annäherung, in: Universität – Forschung – Lehre: Themen und Perspektiven im langen 20. Jahrhundert, Band 1 von 650 Jahre Universität Wien – Aufbruch ins neue Jahrhundert, hrsg. von K. Kniefacz, E. Nemeth, H. Posch, F. Stadler, Wien 2015, S. 149-168, bes. S. 164-166.
  • Karl Josef Westritschnig: 180. Geburtstag von Josef Stefan: Physiker, Lehrer, Mensch: der bedeutendste Physikpionier Kärntens in einer übernationalen Habsburgermonarchie der Universität Wien, München 2014, 519 S.
  • Karl Westritschnig: Josef Stefan eine biografische Spurensuche. 120. Todestag - zur Erinnerung an den Kärntner pyhsikalischen Forscher und Menschen, München 2012, 203 S.
  • Niko Ottowitz [Hrsg.]: Jožef Stefan, fizik, 1835 - 1893 = Jožef Stefan, Physiker, 1835 - 1893, Klagenfurt 2010.
  • Oesterr. Staatsarchiv [Hrsg.]: Biografisches Handbuch österreichischer Physiker und Physikerinnen anlässlich einer Ausstellung des Österreichischen Staatsarchivs, Beitr. von D. Angetter, M. Martischnig, Wien 2005, S. 136-138, online via: http://www.oesta.gv.at/DocView.axd?CobId=47562, 25.08.2015.
  • Helga Adamcik-Preusser zu Niederberg: Die wissenschaftliche Bedeutung der physikalischen Arbeiten von Josef Stefan, phil. Diss. Univ. Wien, Wien 2004.
  • Janez Strnad: Jožef Stefan - the centenary of his death, Ljubljana 1993.

Einzelnachweise

  1. G. Jäger: Stefan, Josef. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 54, Duncker & Humblot, Leipzig 1908, S. 448–451
  2. https://physik.univie.ac.at/fakultaet/ueber-die-fakultaet/geschichte/geschichte-teil-1/, 25.08.2015
  3. D. Angetter/M. Martischnig/W. W. Swoboda: Stefan Josef. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 13, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2007–2010, S. 132.
  4. http://www.ijs.si/ijsw/Jo%C5%BEef%20Stefan%20En, aus dem Engl. übersetzt von d. Verf., 25.08.2015
  5. D. Angetter/M. Martischnig/W. W. Swoboda: Stefan Josef. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 13, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2007–2010, S. 132.
  6. D. Angetter/M. Martischnig/W. W. Swoboda: Stefan Josef. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 13, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2007–2010, S. 132.

Weblinks

Eintrag zu Josef Stefan im Österr. Biographischen Lexikon (ÖBL): http://www.biographien.ac.at/oebl_13/132.pdf, 25.08.2015
Eintrag zu Josef Stefan in der Allgem. Deutschen Biographie (ADB): https://de.wikisource.org/wiki/ADB:Stefan,_Josef, 25.08.2015
Eintrag zu Josef Stefan in Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Stefan, 25.08.2015
Homepage des slowenischen Institut Jozef Stefan: http://www.ijs.si/ijsw/Jo%C5%BEef%20Stefan%20En, 25.08.2015



Andrea Mayr