Josef Riedl

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Josef Riedl in seinem Atelier in der Grinzingerstraße
Abb. 2: Josef Riedl mit Selbstporträtkopf, Adneter Marmor

Josef Franz Riedl, (*12.03.1884 in Wien, † 16.11.1965 in Wien) war ein österreichischer Bildhauer und Maler der in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen war aber sich dessen zum Trotz hochgearbeitet und aufgrund seiner künstlerischen Fertigkeiten zahlreiche Preise gewonnen hatte.

Leben

Josef Riedl wurde als erster Sohn eines Holzbildhauer-Gehilfen geboren. Er wuchs unter ärmlichen Verhältnissen auf, die er aber selber nicht als solche empfand. Nach Absolvierung der Bürgerschule begann er 1898 die Staatsgewerbeschule, in der er modellieren und zeichnen studierte. Bereits zwei Jahre später kam er als Lehring in das Atelier Benk. Dort fertigte Riedl auch seine erste Rundplastik an, den überlebensgroßen Kopf einer griechischen Göttin. Ab 1902 lernte er in der Akademie der bildenden Künste in Wien, nachdem er die erforderliche Aufnahmeprüfung bestanden hatte. Es wurde kräftig in den Klassen ausgesiebt, bereits nach einem Jahr waren von vormals einundzwanzig Studenten nur noch sieben vorhanden. Riedl war einer davon. Viktor Tilgner, Edmund Hellmer und Hans Bitterlich waren Professoren die an der Akademie der bildenden Künste lehrten. Letzterer schrieb 1903 einen Wettbewerb für eine Zeichen-Komposition aus, den Riedl für sich entschied. Ein Jahr später unternahm er eine Studienreise nach München die keine Früchte trug. Bei einer Reise nach St. Corona am Wechsel lernte Josef Riedl schließlich seine spätere Frau Anna Bayer kennen, die er 1917 ehelichte. 1904 starb Riedls Vater, das war für ihn ein schwerer Schlag. Die prekäre finanzielle Lage der Familie verschlechterte sich noch weiter. Ende April 1905 schrieb Riedl seine Abschlussarbeit an der Akademie der bildenden Künste bei Professor Bitterlich. Hofrat Edmund Hellmer wurde auf Riedl aufmerksam und lud ihn zu sich ein. Bei diesem Treffen sprach sich Riedl für seine Künstlerkollegen Michael Drobil, Josef Müllner und Alfred Hofmann aus und lobte ihren Fleiß und ihr Können. Nachdem er Hellmer seine Arbeiten gezeigt hatte, nahm in dieser als Schüler auf. Seine erste Marmorarbeit fertigte Riedl 1908 an, sie bestand aus Adneter Marmor aus Untersberg bei Salzburg. So schuf er unter der Leitung von Hellmer zahlreiche Werke für den Prater. Nachdem Riedl eine Wettbewerb für sich entschied und ein Reisestipendium als Preis erhielt, war der Weg frei für ein eigenes Atelier. Diesen Wunsch erfüllte er sich 1910/11. Der erste Weltkrieg brachte für Riedl die Einziehung zum Militärdienst mit. Er bemerkte in diesem Zusammenhang: "Und man gewahrte, mehr als daß man das für möglich gehalten hätte, wie man plötzlich zur Nummer, die man ja wirklich war, heruntergesunken, und alles Individuelle weggewischt war."[1] Riedl wurde im Krieg verwundet und kam schließlich zurück nach Wien. Noch im Lazarett fertigte er einige Porträt Plaketten. 1940, in der Zeit des zweiten Weltkrieges erhielt er einige Aufträge, unter anderem ein Bildnis des Führers Adolf Hitler anzufertigen. Nach dem Krieg erhielt Riedl zahlreiche Aufträge in Wien. Unter anderem auch zwei Aufträge für die Aula, den Arkadenhof der Universität Wien. Es sollten Denkmäler für Julius Tandler und Clemens Pirquet ausgeführt werden. [2]

Für seine Werke wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er erhielt unter anderem den Preis der Stadt Wien im Jahre 1926, den Reichel-Preis ebenfalls im Jahre 1926, die Goldene Staatsmedaille 1931 und 1950 die Große Goldmedaille des Künstlerhauses.[3]

Josef Riedl schrieb einen Lebensbericht der von seinem Sohn Rupert Riedl redigiert und in Form eines Buches 2005 erschienen ist.[4] Der Künstler schließt seine Ausführungen in seiner Schrift Ende des Jahres 1961/62 und setzte sie nicht mehr fort. In den Jahren darauf wurde das große Atelier in der Grinzingerstraße aufgegeben. 1964 erkrankte Riedl an Cerebrosklerose und verstarb schließlich ein Jahr später im Sanatorium Obersteinergasse. Seine Frau Anna folgte ihm im Frühjahr darauf im selben Sanatorium nach.[5]

Schaffen

Er arbeitete überwiegend an Kleinplastiken, figuralen Plastiken und Sgraffiti für Fassaden. Im Laufe seiner Schaffensphase fertigte er 228 heute noch bekannte Werke an. [6]

Riedls künstlerischer Werdegang ist von großen Vorbildern durchwachsen, darunter Viktor Tilgner, Edmund Hellmer und Hans Bitterlich, um nur drei seiner Ausbilder zu nennen. Riedl arbeitete in mehreren Ateliers ehe er sich schließlich selbständig machte und ein eigenes Künstlerlokal eröffnete. Seine Werke sind vielseitig und ausdrucksstark, er arbeitete ungern nach Vorgaben. Einige Werke haben sich erhalten und sind zum Teil noch an ihrem ursprünglichen Platz, ein weiterer Teil steht in Privatbesitz. Vieles ist allerdings nicht mehr erhalten bzw. ist der Aufenthaltsort der Stücke unbekannt. Riedls künstlerisches Schaffen begann um das Jahr 1900 und dauerte sein ganzes Leben an.[7] So fertigte er unter der Leitung Edmund Hellmers einige Stücke für den Prater, bevor er sein erstes eigenes Atelier eröffnete. Unter den Auftragsarbeiten in Wien waren auch zwei Denkmäler für den Arkadenhof der Universität Wien. Julius Tandler und Clemens Pirquet sollten geehrt werden.

Werke

  • Kopf des Abel, Gewändefigur Votivkirche, Wien, Ton, Gips, Marmor, 1900/02, Besitz Fam. Kattus.
  • Rundskulptur, Draperiefigur, Marmor, 1900/02, Aufenthaltsort nicht bekannt.
  • Reliefarbeit, Marmor, Kaminverkleidung, 1900/02, Ehem. Gartenpalais Liechtenstein, Wien.
  • Rundspkulptur, aufersteh. Christus, Marmor, Grabmal, 1900/02, Hietzinger Friedhof, Wien.
  • Reliefarbeit, Portrait Johann Strauß m. Donauweibchen und Engeln, Marmor, Epitaph, 1900/02, Zentralfriedhof Wien.
  • Reliefarbeit, Portrait Josef Riedl, Ton, Gips, 1900/02, Besitz Rupert Riedl.
  • Rundskulptur, Hände, Untersberger Marmor, 1909, Museum Kaiserslautern.
  • Rundplastik, Bulldogge m. weibl. Akt, Gips, Architekturbezug, 1910/11, Ehem. Kabarett Simplizissimus, Wien, Wollzeile, Stiegenhaus, entfernt.
  • Reliefarbeit, Darst. der vier Jahreszeiten, Kunststeinguss, Architekturbezug, 1912/14, Villa in Wien 19, Huleschg. 5-7, Fassade.
  • Skulptur im Fuchsenfeldhof, 1923.
  • Reliefarbeit, Ornamentvignetten, Kunststeinguss, 1924/25, Verkehrsbüro Wien 1, Fassade.
  • Rundplastik, weibl. Akte, Kunststeinguss, 1924/25, Bürogebäude, Wien 7, Mariahilfer Str. 52/Kirchengasse 1, Fassade.
  • Musizierender Putto in der Anlage am Fuchsenfeld, 1925.
  • Kugelfisch für den Zierbrunnen im Bebelhof, 1926.
  • Fassadenschmuck für den Kindergarten Sandelten, 1928.
  • Fassadenschmuck für den Karl-Marx-Hof, 1930.
  • Manhardtdenkmal, 1929.
  • Denkmal Julius Tandler im Arkadenhof der Universität Wien, 1956.
  • Denkmal Clemens Pirquet von Cesenatico im Arkadenhof der Universität Wien, 1961.

Weitere Werke des Künstlers Josef Riedl, finden sich in einem Werkverzeichnis, welches von seinem Sohn Rupert Riedl erstellt wurde.[8]

Literatur

  • Riedl 2005: Rupert Riedl, Leben und Schaffen des Bildhauers Josef Riedl. Eine Künstlerbiografie, Frankfurt am Main 2005.
  • Czeike 1995: Felix Czeike (Hg.), Historisches Lexikon Wien, 4, Wien 1995, S. 674.

Einzelnachweise

  1. Riedl 2005, S. 93.
  2. Riedl 2005, S. 11-291.
  3. Czeike 1995, S. 674.
  4. Riedl 2005.
  5. Riedl 2005, S. 291.
  6. Czeike 1995, S. 674.
  7. Riedl 2005, S. 295-325.
  8. Riedl 2005, S. 295-324.

Darstellungen


Hanna Sumislawska-Glessner, Magdalena Fleming, Verena Sulzbachner