Josef Maria Pernter

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Porträt Josef M. Pernter (?), unbekannter Fotograf.
Michael Drobil. Denkmal für Josef Maria Pernter, Arkadenhof der Universität Wien. Foto: Rene Kreisl.

Josef Maria Pernter (* 15. März 1848 Neumarkt, Südtirol - † 20. Dezember 1908 Arco, Trentino) war ein österreichischer Meteorologe und Mathematiker. Im Arkadenhof der Universität Wien wurde ihm zu ehren 1935 ein Denkmal gesetzt, welches vom Bildhauer Michael Drobil geschaffen wurde.

Leben

Josef Maria Pernter war einer von sieben Söhnen des Gutsbesitzers Valentin Pernter. Er besuchte Gymnasien in Bozen und Meran. Anschließend widmete er sich theologischen Studien in St. Andrä und Pressburg und trat 1864 in die Gesellschaft Jesu ein. Zwei Jahre lang lehrte er an den Jesuitnengymnasien in Kalksburg und Pressburg. [1] 1877 verließ er den Orden aus gesundheitlichen Gründen, blieb sein Leben lang aber ein strenger Katholik. Pernter zog nach Innsbruck, wo er am 26. September 1877 die Matura ablegte und ein Physik- und Mathematikstudium begann. Pernter promovierte am 5. Juli 1882 bei Josef Stefan in Wien und habilitierte sich am 15. Juli 1885 als Prof. Doz. für Meteorologie. 1890 wurde er als außerordentlicher Professor an die Universität Innsbruck berufen und 1892 zum ordentlichen Professor für Kosmische Physik ernannt. 1897 trat er die Nachfolge von Hann als Professor der Physik der Erde an der Universität Wien an. [2] 1908 stirbt Pernter nach langer Krankheit in Arco. [3]

Schaffen

Josef Maria Pernter war der Gründer des meteorologischen Observatoriums in Innsbruck (1890). Das von ihm gegründete Institut für kosmische Physik in Innsbruck diente als Vorbild für andere Universitäten in Österreich. Der Ausbau der wissenschaftlichen Klimatologie und Meteorologie sowie die Organisation und Erweiterung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik gehörte zu seinen Lebenswerken. [4]

Expeditionen

Seine Hauptforschungsgebiete beziehen sich auf alpinmeteorologische Probleme und Beobachtungen. Dazu unternahm er mehrere Expeditionen. 1881 untersuchte er während einer Expedition auf dem Obir die Höhenabhängigkeit der Psychrometerkonstante. 1888 folgte eine Expedition auf den Sonnblick. Dort unternahm er erste Einstrahlungs- und Ausstrahlungsmessungen, sowie Messungen der Polarisation des Himmelslichtes und führte weitere Szintillationsbeobachtungen durch.[5]

Forschung

Mit der Übernahme der Innsbrucker Lehrkanzel für kosmische Physik intensivierte sich seine Forschungsarbeit. Sein Hauptaugenmerk lag nun auf den wichtigen Erscheinungen des nordalpinen Föhns um dessen Wichtigkeit für das Klima zu beweisen. Im weiteren Sinne verglich er Abweichungen des Luftdruckes auf Berggipfeln und Tälern um jene Ergebnisse mit denen des Alpenvorlandes und der Ebene zu vergleichen. [6] Seine Arbeit „Die Windverhältnisse auf dem Sonnblick und einigen anderen Gipfelstationen“ wurde von Pernters Kollegen, vor allem für die Bedeutung der Forschung in höheren Luftschichten, eine besonders gewürdigt. Auch im Bereich der meteorologischen Optik liefert Josef Maria Pernter wichtige Ergebnisse im Bereich der optischen Erscheinungen und der Bedeutung der Lichtbrechung. Er setzte die Rayleigh’sche Theorie des blauen Himmelslichtes in Europa durch und verbesserte in diesem Zuge die Theorie des Regenbogens. [7]

Zentralinstitut für Meteorologie und Erdmagnetismus

Seit 1878 war Josef Pernter Voluntär der Zentralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus. 1880 wurde er zum Assistent und 1884 zum Adjunkt unter Julius Hann befördert und am 25. Juni 1897 zum Direktor selbiger bestimmt. Sein Ziel war es die Zentralanstalt als wissenschaftliches Institut zu erhalten. Es gelang ihm die finanzielle Lage der Zentralanstalt zu einem Zeitpunkt wo, es um die Staatsfinanzierung schlecht stand, zu verbessern und ihre Räumlichkeiten zu vergrößern; gleichzeitig wurde das Personal verdreifacht. Damit regte Pernter im Ergebnis auch die gesamte wissenschaftliche Tätigkeit in Österreich an. Weiters beantragte er den Bau eines erdmagnetischen Observatoriums, da erdmagnetische Messungen und Registrierungen durch einen nahen Bau einer elektrischen Anlage unmöglich geworden wären. Er reorganisierte den wettertelegrafischen Dienst und richtete die Abteilung für Erdbebenforschung ein, wodurch eine Umbenennung folgte: Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik. [8]

Schriften

Sein Haupt- und Lebenswerk ist zweifelsohne das 1902 erschienene Werk „Meteorologische Optik“. Pernter fasste alle zur damaligen Zeit aktuellen Kenntnisse zusammen. Er lieferte aber nicht nur ein Überblickswerk, sondern beantwortete auch zahlreiche ungeklärte fragen und schloss somit viele offene Lücken. Weiters schuf er mit dem Aufbau und der Einteilung die grundlegende Systematik für dieses Wissensgebiet. [9]

Auswahl

  • Über den täglichen und jährlichen Gang des Luftdruckes auf Berggipfeln und in Gebirgsthälern, 1881.
  • Psychrometerstudien, 1883.
  • Messungen der Ausstrahlung auf dem hohen Sonnblick, 1888.
  • Der Krakatau-Ausbruch und seine Folgeerscheinungen, 1889.
  • Zur Theorie des Bishopschen Ringes, 1889.
  • Die Windverhältnisse auf dem Sonnblick und einigen anderen Gipfelstationen, 1891.
  • Zur Erklärung des täglichen Ganges der Windgeschwindigkeit, 1893.
  • Über die Häufigkeit, die Dauer und die meteorologischen Eigenschaften des Föhns in Innsbruck, 1895.
  • Die allgemeine Luftdruckverteilung und die Gradienten beim Föhn, 1896.
  • Die Farben des Regenbogens und der weiße Regenbogen, 1897.
  • Untersuchungen über die Polarisation des Lichtes in trüben Medien und des Himmelslichtes mit Rücksicht auf die Erklärung der blauen Farbe des Himels, 1901.
  • Das moderne Wetterschießen, 1901.
  • Die Geschichte der k. k. Zentralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus, 1901.
  • Meteorologische Optik, 1902.
  • Voraussetzungslose Forschung. Freie Wissenschaft und Katholicismus, 1902.
  • Die tägliche telegraphische Wetterprognose in Österreich 1904, 1905, 1907.

Literatur

  • Steinhauser 1978: Ferdinand Steinhauser, Josef Maria Pernter, in: Akademie der Wissenschaften (Hg.), Österreichisches biographisches Lexikon, Bd. 7, Wien 1978, S. 428.
  • Waniek 1951: Norbert Waniek, Geschichtlicher Grundriss des österreichischen Anteils am Aufbau der Meteorologie, phil. Diss., Wien 1951.
  • Oberkofler/Goller 1991: Gerhard Oberkofler/Peter Goller, Von der Lehrkanzel für kosmische Physik zur Lehrkanzel für Meteorologie und Geophysik an der Universität Innsbruck. Von Josef Maria Pernter bis Herfried Hoinkes (1890-1975), Innsbruck 1991, S. 11-14.

Einzelnachweise

  1. Oberkofler/Goller 1991, S. 11-14.
  2. Steinhauser 1978, S. 428.
  3. Waniek, 1951, S. 1 ff.
  4. UAW Senat S. 90.26, Josef Maria Pernter, Denkmalakt.
  5. Steinhauser 1978, S. 428.
  6. Oberkofler/Goller, 1991, S. 11-14.
  7. Steinhauer, 1978.
  8. Waniek 1951, S. 1 ff.
  9. Steinhauser 1978, S. 428.

Erika Peherstorfer

Redigiert: Rene Kreisl