Josef Müllner

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: H.S., Josef Müllner bearbeitet die Skulpturengruppe „Sommernachtstraum“, Kreidezeichnung, 1932.

Josef Franz Müllner (*1. August 1879 in Baden bei Wien; † 3. Jänner 1969 ebenda) war ein österreichischer Bildhauer und Medailleur. Er erschuf drei Denkmäler und den Siegfriedskopf im Arkadenhof der Universität Wien.

Leben

Josef Franz Müllner wurde im Jahr 1879 als Sohn des Kaufmanns Josef Müllner und seiner Frau Maria in Baden geboren. Bereits ein Jahr nach seiner Geburt übersiedelte die Familie mit ihren vier Kindern nach Wien. Dort besuchte Müllner zwischen 1893 und 1895 die Staatsgewerbeschule. Anschließend bewarb er sich um einen Studienplatz an der Wiener Akademie der Bildenden Künste und wurde beim zweiten Versuch in die Klasse von Prof. Edmund Hellmer aufgenommen. Anschließend kam er in die Meisterklasse, welche von Prof. Kaspar Clemens Eduard Zumbusch unterrichtet wurde.

Während seines Studiums nahm er an zahlreichen Wettbewerben und Ausschreibungen teil. [1] Müllner war von 1906 bis 1911 Mitglied der Secession; 1912 erfolgte der Wechsel zum Künstlerhaus. Ab 1910 unterrichtete er als Professor an der Wiener Akademie und war ab 1922 Leiter der Meisterschule. Zwischen 1926 und 1928 hatte er das Amt als Rektor inne, anschließend war er für acht weitere Jahre Prorektor. [2] Bis 1948 war er an der Akademie durchgehend als Professor der Bildhauerei tätig.[3]

Als Müllner 1967 einen Gehirnschlag erlitt, konnte er seine Arbeit nicht fortsetzen und musste von seiner Nichte betreut werden. Am 25. Dezember 1968 starb der Bildhauer im 90. Lebensjahr und wurde kurz darauf am Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.

Aufgrund seiner hervorragenden Leistungen wurde Josef Müllner mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, zu denen u.a. die Goldene Fügermedaille (1899), der Reichel-Künstlerpreis (1906), der Staatspreis der Republik Österreich (1928) sowie Ehrenbürgerschaften in den Städten Wien und Baden zählen. [4]

Schaffen

Müllner studierte sieben Jahre lang an der Akademie der Bildenen Künste. Während seines Studiums wurde ihm der "Prix de Rome" verliehen. Daraufhin hielt er sich ein Jahr lang in Italien auf, um Studien an Kunstwerken aus der Antike und Renaissance durchzuführen. Die exakte Darstellung von Tieren und deren Bewegungen interessierte besonders; ein Kontakt zum Direktor des Zoologischen Gartens belegt die Begeisterung, welche seine naturgetreuen Abbildungen auslösten. "Müllner arbeitete im neoklassischen Stil und sein umfangreiches Werk, das unterschiedlichste Sujets beinhaltete (Reliefs, Porträtbüsten, Kriegsdenkmäler etc.) entsprach dem Repräsentationsbedürfnis der zu Ende gehenden Monarchie. Er war in seinen Allegorien, Personifikationen und Denkmälern ein Vertreter der Bildhauerei, die idealisierte, zu Eklektizismus und Klassizismus neigte und so vom Beginn des Jahrhunderts bis in den Nationalsozialismus ohne wesentliche Modifkationen bestehen konnte." [5] Wegen seiner Unterstützung des Nationalsozialismus ist sein Gesamtwerk heute umstritten.[6]

Perko beschreibt Müllner als einen sehr ehrgeizigen Künstler: "Müllner betrachtete sein eigenes Schaffen niemals als etwas Abgeschlossenes, sondern er rang von Werk zu Werk immer nach einem höheren Grad der Vervollkommung." [7] Im Laufe seiner Karriere wandte er sich von der figuralen Kleinplastik ab, um sich auf monumentale Kunstwerken zu konzentrieren. Müllner interessierte sich nicht nur für die Bildenden Künste; auch Zeichnen, Musik, Theater und Literatur machten einen großen Teil seines Lebens aus. [8] Ein Ausspruch von ihm selbst war: „Mit Reden ist in der bildenden Kunst nicht viel getan. Das Werk muß sprechen, nicht der Mund.“[9]

Werke (Auswahl)

  • Minotaurus, Marmor, Palais Wittgenstein Wien, 1905.
  • Orpheus mit Löwen, Marmor, Villa Bergmann, Lawies, 1906.
  • Kampf – Mann mit Bären ringend, Bronze, Palais Wittgenstein Wien, 1907.
  • Schubertbrunnen, Marmor, Schubertmuseum der Stadt Wien, 1910.
  • "Scherzogruppe", Modenapark Wien, 1913.
  • Luegerdenkmal, Marmor, Aufstellung Wien 1926.
  • Heldendenkmal für die gefallenen Studierenden der Wiener Universität, Marmor, Aula Universität Wien, 1922.
  • Siegerstatue, vor dem Theseustempel Volksgarten Wien, 1922.
  • Ehrengrab für Clemens Pirquet von Cesenatico, Zentralfriedhof Wien, 1930.
  • Büste Mozarts, Baden, 1962.

Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien

Einzelnachweise

  1. Perko 1998, S. 5-7.
  2. Ankwicz 1998, S. 250.
  3. Walter Wagner, Die Geschichte der Akademie der Bildenden Künste in Wien, Wien 1967, S. 378-387.
  4. Perko 1998, S. 16-17.
  5. http://luegerplatz.com/muellner.html
  6. http://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Biographien/M%C3%BCllner,_Josef
  7. Perko 1998, S. 7.
  8. Perko 1998, S. 7-13.
  9. Perko 1998, S. 7-13.

Literatur

  • Ankwicz 1998: H. Ankwicz, Josef Müllner, in: Hans Vollmer (Hrsg.), Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker, unter Mitwirken von etwa 400 Fachgelehrten und bearbeitet und redigiert von H. Vollmer, B.C. Kreplin, L. Scheewe, H. Wolff, O. Kellner. Fünfundzwanzigster Band Moehring – Olivie, Leipzig 1998.
  • Diers 1995: Michael Diers (Hg.), Monumente in Eisen. Formen und Funktionen ephemerer Denkmäler, Berlin 1995.
  • Perko 1998: Walter Perko, Der akademische Bildhauer Josef Müllner (1879 – 1968), Baden 1998.
  • Pötzl-Malikova 1976: Maria Pötzl-Malikova, Die Plastik der Ringstaße, Wiesbaden, 1976.

Weblinks

Gallery


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