Josef Kudler

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Josef Kudler, Lithographie von Josef Kriehuber, undatiert. Archiv der Universität Wien:AT-UAW/135.665.

Josef Kudler (* 10. Oktober 1786 in Graz; † 6. Februar 1853 in Wien), seit 1851 Ritter von Kudler, war ein österreichischer Nationalökonom und Jurist.

Leben

Josef Kudler studierte Rechts- und Staatswissenschaften zuerst in Graz und später an der Universität Wien, wobei er vor allem eine Begeisterung für die Lehrtätigkeit entwickelte. Noch vor dem Doktorat wurde er supplierender Professor der Statistik und der politischen Wissenschaften. Im Jahre 1810 übernahm er als fertiger Doktor eine Professur am Lyzeum in Graz.[1] Ab 1821 wirkte er als Professor der politischen Wissenschaften und der österreichischen politischen Gesetzkunde an der Universität Wien. Sein Essay „Erklärung des Strafgesetzes über schwere Polizeiübertretungen“ aus dem Jahre 1824 war der Beginn seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Er erschien in der „Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde“, deren Redaktion er ab 1834 übernahm. Hier veröffentlichte er eine Reihe von Aufsätzen über rechtswissenschaftliche und politische Themen. So behandelte er zum Beispiel die Steuerfrage.[2] Im Jahre 1835 erhielt er den Titel und den Rang eines k. k. Regierungsrates und gehörte ab 1845 zum Komitee zur Reform des juridischen Studienwesens, welches von der Studien- Hofkommission gegründet worden war.[3] 1846 erschien auf Anregung von Erzherzog Wilhelm, der Schüler von Kudler war, sein Werk „Die Grundlehren der Volkswirtschaft“.[4] Zwei Jahre später, im Jahre 1848, gab er seine Lehrtätigkeit auf und wurde zum Vizedirektor der juridisch-politischen Studien der Wiener Universität gewählt. 1849 wurde er Vorstand des Professoren-Kollegiums der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, nachdem das Amt des Vizedirektors durch Umstrukturierungen aufgelöst worden war. Ab 1848 war Josef Kudler Abgeordneter im konstituierenden Reichstag, darüber hinaus wurde er dessen erster Alterspräsident. Zusätzlich wurde er 1848 Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Für seine Verdienste um den Staat und um die Wissenschaft verlieh man Kudler am 30. Oktober 1849 das Ritterkreuz des Leopold-Ordens. 1851 wurde er in den Adelsstand erhoben.[5] Ab 1852 durfte er den Titel Hofrat tragen.

Am 6. Februar 1853 verstarb Josef Ritter von Kudler in Wien.

Zu seinen Ehren wurde im Arkadenhof der Universität Wien vom Bildhauer Wilhelm Seib das Denkmal Josef Kudler errichtet, welches feierlich am 17. Juli 1891 enthüllt wurde.

Schaffen

Josef Kudler verschaffte sich auf mehreren Gebieten großes Ansehen. In seiner frühen Grazer Zeit zählte er zu den Gründern der Steiermärkischen Landwirtschaftsgesellschaft sowie des Lesevereins am Joanneum.[6] Bei der Etablierung und Verbreitung der wechselseitigen Feuerschadenversicherungsanstalt in Niederösterreich und der Steiermark hatte er großen Anteil.

Mit seinen Aufsätzen und Büchern machte er auf Missstände aufmerksam und diskutierte Lösungsansätze. So forderte er in seinem Werk "Die Grundlehren der Volkswirtschaft" Freiheit des Erwerbs, des Eigentums, Besitzes und Verkehrs und die Beseitigung der Untertänigkeit. Dieses 1846 erschienene, zweiteilige Lehrbuch löste Josef von Sonnenfels' „Grundsätze der Handlungswissenschaften“ ab. Er sprach sich darin klar gegen die Prohibitivschule aus. Die Einführung von mäßigen Schutzzöllen unterstütze er unter dem Einfluß von Friedrich List. Kudlers Schriften verinnerlichten eine Verbindung aus wissenschaftlichem Geist und praktischem Ansatz, gepaart mit dialektischem Verstand.[7] Im Parlament vertrat Kudler freiheitliche Grundsätze, auch wenn er der Rechten angehörte.[8] In den Sitzungen hielt er einige Reden in denen er zum Beispiel die Zulässigkeit der Schwurgerichte bei Verbrechen thematisierte. Er trat auch für Abschaffung der Prügelstrafe ein, sprach sich aber gleichzeitig für die Beibehaltung der Todesstrafe aus. Desweiteren forderte er eine Normierung des Verhältnisses des Staates zur Kirche, die einerseits volle Gewissensfreiheit, andererseits aber auch die Macht des Staates gegenüber der Kirche wahren würde.[9]

Kudler gehörte der Steiermärkischen Landwirtschaftsgesellschaft an und beteiligte sich an vielen gemeinnützigen und industriellen Unternehmungen. Er war Mitglied verschiedener regionaler Brandschadenversicherungsanstalten, der Eisenwerkaktiengesellschaft in Wolfsbach, der Wiener Dampfmühlengesellschaft, der Bierbrauerei in Brunn, dem niederösterreichischen Gewerbeverein sowie dem Verein zur Hilfe für entlassene Häftlinge.

Schriften

(Auswahl)

  • Erklärung des Strafgesetzes über schwere Polizei- Übertretungen mit Berücksichtigung der auf dasselbe sich beziehenden später erlassenen Gesetze und Erläuterungen, Wien 1824.
  • Versuch einer tabellarischen Darstellung des Organismus der österreichischen Staatsverwaltung mit erläuternden Anmerkungen, Wien 1834.
  • Die Grundlehren der Volkswirtschaft, Wien 1846, 2 Bände.
  • Steiermarks Volkszahl in den Jahren 1819 und 1820, in: Steiermärkischen Zeitschrift, 1821.
  • Steiermarks Viehstand in den Jahren 1819 u. 1820, ebd. (mit Rückblick auf frühere Jahre), 1821.
  • Über die Beziehung der Wissenschaften zum Staatsbürgerlichen Leben, ebd., 1824.
  • Über die Vorzüge der Versicherungsanstalten mit wechselseitiger Gewährleistung vor jenen, welche als gewinnbringende Unternehmungen begründet werden, ebd., 1824.
  • Über die angebliche schwere Polizei- Übertretung des auffallenden Umgangs mit einer verehelichten Person, in: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit, 1825.
  • Beiträge zur richtigen Erklärung des §. 251 des 2. Theiles des Strafgesetzbuches, ebd., 1827.
  • Über die Verjährung des Ehebruchs nach dem österrechischen Strafgesetz, ebd., 1827.
  • Über die Bestimmung der Größe der Strafe in Urtheilen, welche über begangene schwere Polizei- Übertretung geschöpft werden, ebd., 1827.
  • In wiefern ist es zufällig, bei der Ausübung des Richteramtes über schwere Polizei- Übertretungen auf Bestimmungen des 1. Theils des allgemeinen Strafgesetzes Bedacht zu nehmen, ebd., 1847.

Literatur

  • Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 4. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1969.
  • Otruba 1982: Gustav Otruba, Kudler, Joseph Ritter von, in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 165 f.
  • Roschmann-Hörburg 1883: v. Roschmann-Hörburg, Kudler, Joseph Ritter v., in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 17, Leipzig 1883, S. 292–298.
  • Wurzbach 1882: C. v. Wurzbach (hrsg.), Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich XIII, Wien 1887, S. 298- 301.

Einzelnachweise

  1. Wurzbach 1865, S, 298, Sp. 1
  2. http://www.deutsche-biographie.de/sfz46513.html
  3. Wurzbach 1865, S, 298, Sp. 1.
  4. Wurzbach 1865, S, 298, Sp. 2.
  5. Wurzbach 1865, S. 299. Sp. 1.
  6. http://www.deutsche-biographie.de/sfz46513.html
  7. Nachruf auf Josef Kudler, verfasst vom Generalsekretär der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Vgl. Wurzbach 1865, S. 300, Sp. 1f.
  8. Wurzbach 1865, S. 298, Sp. 2.
  9. Wurzbach 1865, S. 299, Sp. 1.

Weblinks

Sarah Lange

Redigiert: Rene Kreisl