Josef Kassin

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Der Bildhauer Josef Kassin in seinem Wiener Atelier, 1890, Landesmuseum Kärnten

Josef Valentin Kassin (* 15. Mai 1856 in St. Ruprecht; † 30. Dezember 1931 in Wien), war ein österreichischer Bildhauer und Medailleur. Das Denkmal Theodor von Sickel im Arkadenhof der Universität Wien wurde von ihm geschaffen und 1930 feierlich enthüllt.

Leben

Josef Valentin Kassin wurde am 15. Mai 1856 in Kärnten, St. Ruprecht bei Klagenfurt als erstes von vier Kindern geboren. Seine Eltern, Maria und Josef Kassin galten als angesehene Bürger, hatte der Vater das Amt des Bürgermeisters der Gemeinde inne und besaß mehrere Realitäten sowie eine Bierbrauerei.[1] Aufgrund seines technischen und mechanischen Interesses besuchte Kassin ab 1867 die Realschule in Klagenfurt, wo er große Begabung beim Zeichnen und Malen zeigte. Das Wendejahr seiner Jungend markierte 1871. Von dem erstgeborenen Sohn wurde zu dieser Zeit erwartet die elterliche Wirtschaft zu übernehmen und im Zuge dessen die Ackerbauschule in Klagenfurt zu besuchen. Glückliche Umstände verhinderten einen Eintritt in die Institution und der 15-jährige Kassin widmete sich ein ganzes Jahr lang der Malerei und dem Zeichnen. Gutes Zureden des ehemaligen Zeichenlehrers und die zeichnerischen Beweise für sein Ausnahmetalent führten dazu, dass er ab 1872 in der Gewerbeschule seiner Begabung freien Lauf lassen konnte und Modellierunterricht erhielt. Der Wiener Bildhauer und Bronzegießer Franz Pönninger erkannte während einem seiner Besuche der Schule das bildhauerische Talent und den individuellen Stil des jungen Künstlers und bot ihm an, ab 1874 als Lehrling in seinem Wiener Atelier zu arbeiten.[2] Er erlernte dort unter anderem die Technik des Bronzegusses.

Auf Empfehlung Pönningers kam er auf die Akademie der Bildenden Künste zu Professor Carl Kundmann, der ihm nicht nur Lehrer sondern später auch Freund und Vertrauter werden sollte. Kassin fertigte nach seinem Tod ein Grabdenkmal mit Portraitmedaillon für Kundmann an, so wie er es für viele seine Freunde und Wegbegleiter getan hat. 1877 erhielt Kassin das Gindel´sche Stipendium der Wiener Akademie für die "besonders gelungen[e] Ausführung eines Diskuswerfers in Ganzfigur"[3] welches ihm ein intensives Studium der Malerei und des Portraits ermöglichte. Während seiner Studienzeit verbrachte er auch zwei Jahre beim Militär, wobei eines davon freiwillig absolvierte. Offenbar war Kassin zeitlebens patriotisch eingestellt. Für seine Abschlussarbeit an der Wiener Akademie, das Gruppenmonument „Samson und Delila“ - das heute als verschollen gilt - erhielt Kassin aufgrund seiner „anatomischen Genauigkeit“ und Ausführung den Rompreis.[4]Anstatt eines Jahres blieb er allerdings fünf Jahre in Rom, wo er sich ein Atelier mietete und bis 1890 Skulpturen für italienische und österreichische Auftraggeber schuf. Die Rückkehr aus Rom steht stellvertretend für das Ende Kassins künstlerischer Ausbildung.

Kassin versuchte zeitlebens den Spagat zwischen Auftragsarbeiten und Künstlerdasein zu überwinden und pflegte dafür stets seine Kontakte in Wien und Kärnten gleichermaßen. Er verstarb am 30. Dezember 1931 in Wien.[5]

Zur Person Kassin ist zu erwähnen, dass ihm seine heitere Art einen großen Freundeskreis bescherten, der wiederum für unzählige Aufträge sorgte. Eine besondere Beziehung baute er auch zur Stadt Baden bei Wien auf, für die er unter anderem den „Undinebrunnen“ schuf und der er nach seinem Tod zahlreiche seiner Werke vermachte. Der Nachruf des in St. Ruprecht bestatteten Bildhauers zeugt von seinem einzigartigen Vermächtnis und seiner Bedeutung für die Bevölkerung.

Schaffen

Der exzellente Ruf des jungen Künstlers verschaffte Kassin bereits während der Studienzeit Auftragsarbeiten so schuf er unter anderem Portraitmedaillons und Bronzeportraits für Auftraggeber aus Klagenfurt. 1890 beschloss der Künstler, Wien zu seinem Lebensmittelpunkt zu machen, da er die beruflichen Chancen der Stadt und ihrer Auftraggeber - das wohlhabende Bürgertum - erkannte. So fällt die fruchtbarste Periode Kassins mit der Gründerzeit und dem Ausbau der Ringstraße zusammen. Obwohl er Zeitgenosse und Bekannter der traditionellen Generation der Bildhauer und der Ringstraßenarchitekten, wie Ferstel und Hansen war, verließ er die klassizistische bzw. historistische Linie „um der modernen Formgebung des malerischen Realismus gerecht zu werden“ (S. 12-13). Die Strömungen Jugendstil und Expressionismus nahm der Künstler allerdings nie in seine Arbeiten auf. Kassin gab sich nicht nur mit Aufträgen zufrieden, er wollte auch als freischaffender Künstler ernst genommen werden. 1896 suchte er um Aufnahme in die Wiener Künstlergenossenschaft an. 1908 erhielt er von Kaiser Franz-Joseph den gleichnamigen Orden überreicht und wurde in den Ritterstand erhoben. Dies zeigt, dass er zu dieser Zeit zu den berühmtesten österreichischen Bildhauern der späten Ringstraßenzeit gehörte. Der leidenschaftliche Patriotismus Kassins ließ ihn viele Werke für seine Heimat Kärnten und die österreichisch-ungarische Monarchie anfertigen. Das letzte Werk des zeitlebens unverheirateten Künstlers war der Spannheimer Brunnen in Klagenfurt, welches von seinem Schüler Carl Langer vollendet wurde, da Kassin zuvor verstarb.

Ausgewählte Werke

  • Beethoven-Denkmal (Bronzerelief) am Beethovenstein im Helenental (1899)
  • Grabdenkmal für Carl Millöcker auf dem Wiener Zentralfriedhof (1900)
  • Marmormedaillon mit einem Mädchenantlitz für den Grabstein des eigenen Familiengrabes in Klagenfurt-St. Ruprecht (1929)
  • Undinebrunnen in Baden bei Wien (1903)
  • Seefahrer am Heldenplatz in Wien
  • Kriegerdenkmal in Tarvis (1909)
  • Bildnisbüste Kaiser Franz Joseph I., Marmor, Heeresgeschichtliches Museum, Wien (1911)
  • Statuette k.k. Gendarm, Gips, Heeresgeschichtliches Museum, Wien (1905)

Literatur

  • Perko-Greiffenbühl, 2001: Walter Perko-Greiffenbühl. Der akademische Bildhauer Josef Kassin (1856-1931) Biographie und Werksverzeichnis, Ein Forschungsprojekt des Rollettmuseums Baden in Zusammenarbeit mit dem Landesmuseum für Kärnten in Klagenfurt, Baden 2001.
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften, 1963: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950, Band 3, Wien 1963. S.256 [1]

Weblinks

  • Artikel zum Künstlerjubiläum Kassins [2]
  • Artikel zu Kassins "Kaiserschützen" [3]
  • Artikel zum Heldendenkmal bei Tarvis [4]
  • Artikel zur Enthüllung des Heldendenkmals bei Tarvis [5]
  • Artikel zur Enthüllung des Heldendenkmals bei Tarvis [6]
  • Artikel zur Enthüllung des Undinebrunnens in Baden [7]
  • Artikel zum Undinebrunnen in Baden [8]
  • Artikel zur Enthüllung des Beethoven-Denkmals [9]
  • Artikel zum Tod Kassins [10]
  • Porträtbüste für Martin von Kink (österreichischer Techniker, k. u. k. Oberbaurat und Industrieller) in Klagenfurt [11][12]

Einzelnachweise

  1. Perko-Greiffenbühl 2001, S. 5.
  2. Österreichisches Biographisches Lexikon 1963, S. 256.
  3. Perko-Greiffenbühl 2001, S. 6.
  4. Perko-Greiffenbühl 2001, S. 7.
  5. Neue Freie Presse 1931, Bildhauer Josef Kassin gestorben

Darstellungen



redigiert von Carina Schaffer, 2014SS