Josef Hyrtl

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Josef Hyrtl, Repronegativ nach Lithographie, UAW.

Josef Hyrtl (*07. Februar 1810 in Eisenstadt, † 17. Juli in Perchtoldsdorf bei Wien) war ein österreichischer Anatom und Universitätsprofessor. Noch zu seinen Lebzeiten, am 30. Mai 1889, wurde ein von Johann Kalmsteiner für ihn geschaffenes Denkmal im Arkadenhofs der Universität Wien enthüllt.

Leben

Josef Hyrtl zog mit seinem Vater Jacob (1768-1852), einem Oboisten in der Kapelle des Fürsten Esterhazy in Eisenstadt, und seiner Mutter, Franziska Theresia (1768-1842), 1813 von Eisenstadt nach Wien, wo Josef Hyrtls Vater im Orchester des Carl-Theaters spielte. Dank seiner Gesangsbegabung wurde Josef Hyrtl Sängerknabe in der Hofkapelle und Zögling des k.k. Konvikts, wodurch er sich eine humanistisch-gymnasiale Ausbildung sicherte.

1831 begann Hyrtl sein Medizinstudium in Wien. Da seine Familie nicht wohlhabend war, musste er für seine Ausbildung selbst aufkommen. Sein Geschick im Umgang mit anatomischen Präparaten sicherte ihm die Förderung des Anatomen Joseph Berres (1796-1844), bereits 1833 wurde er zum Prosektor der Anatomie ernannt.

Nach der Promotion 1835 gab Hyrtl als Assistent von Joseph Julius Czermak Kurse in Anatomie für Studenten und in Praktischer Anatomie für Physiologen. Im Mai 1837, mit nur 27 Jahren, wurde Hyrtl als Professor der Anatomie nach Prag berufen. 1845 kehrte er nach Wien zurück und übernahm dort den Lehrstuhl für Anatomie. Dank seiner wissenschaftlichen Erfolge wurde die topographische Anatomie zur wissenschaftlichen Disziplin erhoben.

Seit 1847 war Hyrtl Mitglied der Akademie der Wissenschaft geworden. Das "Museum für vergleichende Anatomie" gründete Hyrtl 1850, seine anatomischen und mikroskopischen Präparate waren wegen ihrer Feinheit weltweit begehrt. Für das akademische jahr 1864/65 wurde er zum Rektor der Wiener Universität ernannt.

1874 zog er sich aus dem Universitätsleben zurück und wohnte abgeschieden in Perchtoldsdorf bei Wien, wo er sich seinem wissenschaftlichen Alterswerk und der Wohlfahrt widmete.

Seit den 1850er Jahre lebte Hyrtl mit der verheirateten Auguste Conrad (1816-1901), einer Lyrikerin aus Braunschweig, zusammen. Erst nach dem Tod ihres Gatten heirateten sie im Juli 1870 in der Wiener Alserkirche. Das Paar blieb kinderlos, Hyrtl vermachte sein Vermögen wohltätigen Institutionen.

Josef Hyrtls Bruder, Jacob Hyrtl (1799-1868), ein Kupferstecher in Wien, vermachte Josef den angeblichen Schädel von Wolfgang Amadeus Mozart. Josef Hyrtl vermachte den Schädel nach eingehenden Untersuchungen wiederum dem Mozarteum in Salzburg.

Josef Hyrtl starb am 7. Juli 1894 und wurde in einem Ehrengrab auf dem Perchtoldsdorfer Friedhof (Gruft R89-91) bestattet.

Schaffen

Josef Hyrtl war der bekannteste Anatom seiner Zeit. Er schrieb zahlreiche wissenschaftliche Werke. Sein Handbuch topographischer Anatomie wurde weltweit zu den wichtigsten Lehrbüchern, sein Lehrbuch der Anatomie des Menschen brachte es in den Jahren 1846-1889 auf 20 Auflagen.

Als "technischer Anatom" war er weltberühmt für seine Präparate. Er war der Begründer der sog. modernen "Korrosionstechnik", wobei die verschiedenen Organe durch Ausgießen von Hohlräumen (auch Bronchialbaum und Blutgefäße) mit erstarrenden Substanzen und anschließende Mazeration des umgebenden Gewebes gefertigt werden. Seine Präparate zeigten bisher nie gesehene Details und wurden zur weltweit gesuchten Sammlungsobjekten.

Nach dem Verlassen der Wiener Universität widmete sich Hyrtl der Wohlfahrt; in Perchtoldsdorf stiftete er die "Kinderbewahranstalt", finanzierte den Ausbau des Bürgerspitals und errichtete ein Waisenhaus in Mödling.

Schriften

  • Lehrbuch der Anatomie des Menschen, 1846.
  • Handbuch der topographischen Anatomie, 2 Bände, 1847.
  • Handbuch der Zergliederungskunst, Wien, 1860.
  • Die Blutgefäße der menschlichen Nachgeburt in normalen und abnormen Verhältnissen, Wien, 1870.
  • Die Corrosionsanatomie und ihre Ergebnisse, Wien, 1873.
  • Anomatologia anatomica. Geschichte und Kritik der anatomischen Sprache der Gegenwart, 1880.

Literatur

  • Der Anatom Joseph Hyrtl 1810-1894, Festschrift, Mödling 1991.
  • Hugo Glasser, Hyrtl, in: Ders., Wiens große Ärzte, Wien 1950, S. 71-82.

Weblinks

  • Eintrag zu Josef Hyrtl in Austria-Forum [1]
  • Eintrag zu Josef Hyrtl auf Wikipedia [2]

Hanna Sumislawska-Glessner

Redigiert: Rene Kreisl