Josef Grünhut

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Josef Grünhut (* 11. oder 18. August 1867 in Wien; † 7. Mai 1939 in Wien ) war ein österreichischer Bildhauer. Für den Arkadenhof der Universität Wien schuf er das Denkmal für den Internisten Adalbert Duchek, das 1901 enthüllt wurde.

Leben

Abb. 1: Denkmal Adalbert Duchek im Arkadenhof der Universität Wien von Josef Grünhut

Grünhut wurde am 11. (oder 18., beide Daten nach seinen Angaben) August 1867 als Sohn evangelisch getaufter Eltern in Wien geboren und evangelisch H.C. getauft.[1]

Er studierte ab dem Wintersemester 1883/84 an der Allgemeinen Bildhauerschule an der Wiener Akademie der bildenden Künste unter anderem bei Edmund Hellmer [2] und ab dem Studienjahr 1888/89 bis zum Ende seines Studiums 1893 in der dortigen Spezialschule für höhere Bildhauerei bei Carl Kundmann. Einer seiner Mitschüler war Arthur Kaan.[3] Nach seiner Ausbildung arbeitete er vorwiegend in Wien. Am 29.12.1898 wurde er als Mitglied des Wiener Künstlerhauses aufgenommen und präsentierte seine Werke bei den regelmäßigen Ausstellungen. Am 1.4.1927 wurde seine Mitgliedschaft wegen Schulden gestrichen, nach Intervention der Bildhauervereinigung die Schulden aber erlassen und bereits im Juli erfolgte seine Wiederaufnahme. Am 20.9.1938 wurde er als Nichtmitglied der Reichskulturkammer endgültig gestrichen, da er nicht dem Arierparagraphen entsprach.[4]

Er war zudem Mitglied der Bildhauer-Vereinigung und des Radfahr-Clubs. Von 1915 bis 1918 leistete er, vermutlich als Kriegskorrespondent, Militärdienst.

Als Josef Hoffmann mit gleichgesinnten Freunden 1892 den „Siebener-Club“ gründete, nahm auch Josef Grünhut gelegentlich an den Treffen dieser Runde teil.[5]

Grünhut, der unverheiratet blieb, wohnte in Wien (Mariahilfer Straße 66), sein Atelier befand sich in der Favoritenstraße 20.[6] Er starb am 7. Mai 1939 nach einem Verkehrsunfall auf der Mariahilferstraße und wurde am 13. Mai 1939 auf dem Evangelischen Friedhof Matzleinsdorf in Wien bestattet.[7]

Über Josef Grünhut ist nur sehr wenig bekannt, ebenso konnte bis dato keine Fotografie von ihm aufgefunden werden.

Schaffen

Abb. 2: Grabmal Familie Lutz-Pless, 1932.
Abb. 3: Grabmal Familie Lutz-Pless, 1932, Detail.

Josef Grünhut befasste sich sowohl mit kleinplastischen Figuren, Porträt- und Genredarstellungen als auch mit monumentaler Plastik,[8] wobei die Grabdenkmäler einen wesentlichen Teil seiner Arbeit ausmachten.

1898 erhielt er einen Preis des Fürsten Liechtenstein in Höhe von 2.000 Kronen für sein Marmorrelief "Schwere Stunden",[9] 1903 den Dumba-Preis für das Relief "Früh entrissen" (Abb. 4 und 5), das am Rondo des Neuen Evangelischen Friedhof am Zentralfriedhof aufgestellt wurde sowie 1910 die kleine Goldene Staats-Medaille.[10]

Von 1905 bis 1908 war er künstlerischer Mitarbeiter der „Wiener kunstkeramischen Fabrik A. Förster & Co.“ und entwarf einige von deren Objekten.[11]

Josef Grünhut schuf zahlreiche Grabmäler für konvertierte Juden, die, so wie er, protestantisch getauft waren. Eines seiner eindrucksvollsten Werke ist die kauernde Trauerfigur am Grabmal der Familie Lutz-Pless am Wiener Zentralfriedhof, die er wenige Jahre vor seinem Tod schuf (Abb. 2 und 3). Zum Unterschied zu der sonst üblichen weiblichen Gestalt der Trauernden schuf er eine junge, männliche Figur, mit sehnigem, detailliert modelliertem Körper, der sich, nur flüchtig mit einem Tuch verhüllt, weinend über eine Urne beugt.

Der Stil Grünhuts scheint den Objekten, die er anfertigte, angepasst. So wirkt die Büste Ducheks (Abb. 1) als eine naturalistische Darstellung des Internisten, deren einzige Dekorationselemente am Sockel zu finden sind, während er für die Darstellung „Früh entrissen“ (Abb. 4 und 5) am wenige Jahre später entstandenen Denkmal auf dem Zentralfriedhof eine genrehafte Szene wählte, die an die Bilder Waldmüllers erinnert: einerseits geprägt durch den sentimentalen Ausdruck und andererseits gefestigte, bodenständige Personen darstellend. Die Ausführung der Figuren erinnert an die realistischen Darstellungen der Arbeiter um die Jahrhundertwende, aber auch an die Skulpturen der Zeit um 1930, wie sie zum Beispiel als Denkmäler vor Gemeindebauten stehen. Die gesamte Komposition wiederum entspricht einem Guckkasten, sie findet auch Anklänge in Bergwerkskapellen oder Marterln mit Heiligenszenen.

Einem Arbeiterdenkmal entspricht auch das Grabmal für den Großindustriellen Matthias Hofherr, das Josef Grünwald 1909 anfertigte. Hofherr errichtete in Wien einen Betrieb für landwirtschaftliche Maschinen, der zu den größten in der Monarchie zählte. Das Grabmal spielt auf die Agrarmaschinenindustrie an und zeigt auf einem weißen Marmorstein das Relief eines ackernden Bauern, davor die klobige Bronzefigur eines vor Maschinen sitzenden Arbeiters, der sich auf einen Hammer stützt. (Abb. 6 und 7)

Ähnlich im Aufbau ist auch das Grabmal für den Unternehmer Georg Adam Scheid, an dem ein auf Bücher gestützter Trauernder vor einem Marmorstein dargestellt ist (Abb. 8 und 9).

Werke

in Auswahl:

  • Hochrelief „Schwere Stunden“, 1898.
  • Thonet-Reliefbildnis im Deutschen Volkstheater.
  • Büste des Internisten Adalbert Duchek, Arkadenhof der Universität Wien, 1901
  • Figuren Glaube und Hoffnung am Turmaufbau Tor 4, Zentralfriedhof / Neuer Evangelischer Friedhof
  • Kruzifix in der Kirche bei Tor 4, Zentralfriedhof / Neuer Evangelischer Friedhof.
  • Friedhofsdenkmal „Früh entrissen“, Zentralfriedhof / Neuer Evangelischer Friedhof erster Rondo, 1903.
  • Grabmal Hofherr, Zentralfriedhof / Neuer Evangelischer Friedhof erster Rondo, 1906.
  • Grabmal Lutz-Pless, Zentralfriedhof / Neuer Evangelischer Friedhof erster Rondo, 1932.

Quellen

  • Lehmann 1938: Adolf Lehmann‘s allgemeiner Wohnungs-Anzeiger, 1.Band, Wien 1938, S. 373. Online-Abruf per 20.5.2014 [1]
  • UAAbKW: UAAbKW, Aufnahmelisten vom I. Semester (= Winter-Semester) 1883/84, 112 bis I.+II. Semester 1892/93, 126.

UAAbkW = Universitätsarchiv der Akademie der bildenden Künste Wien.

Literatur

  • Aichelburg 2011: Wladimir Aichelburg, 150 Jahre Künstlerhaus Wien 1861-2011. Mitglieder-Gesamtverzeichnis, Abruf 20.5.2014. [2]
  • Dehio 1996: Dehio-Handbuch. Kunstdenkmäler in Österreich. Wien X. bis XIX. und XXI. Bis XXIII. Bezirk, Wien 1996, S. 116-117.
  • Kosel 1902: Herm. Kosel (Hg), Deutsch-österreichisches Künstler- und Schriftsteller-Lexikon, Wien 1902, S.137.
  • Kossatz 1970: Horst-Herbert Kossatz, Josef Hoffmann, Adolf Loos und die Wiener Kunst der Jahrhundertwende, in: Alte und Moderne Kunst, XV, Heft 113, Wien 1970.
  • Neuwirth 1975: Waltraud Neuwirth, Wiener Keramik der Jahrhundertwende – Die Wiener kunstkeramische Fabrik A.Förster & Co. (1899-1908), in: Alte und Moderne Kunst, XX, Heft 139, Wien 1975.
  • Stieglitz / Zeillinger 2008: Olga Stieglitz / Gerhard Zeillinger, Der Bildhauer Richard Kauffungen (1854-1942). Zwischen Ringstraße, Künstlerhaus und Frauenkunstschule, Frankfurt am Main 2008.

Einzelnachweise

  1. Aichelburg 2011
  2. UAAbkW, Aufnahmelisten 112, 1883/84 bis 121, 1987/88
  3. UAAbkW, Aufnahmelisten 122, 1888/89 bis 126, 1992/93
  4. Aichelburg 2011
  5. Kossatz 1970, S. 2.
  6. Lehmann 1938, S. 373.
  7. Aichelburg 2011
  8. Aichelburg 2011
  9. Stieglitz / Zeillinger 2008, S. 99.
  10. Kosel 1902, S. 137.
  11. Neuwirth 1975, S. 56.

Darstellungen


Gabriele Böhm-Nevole