Johannes Benk

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Porträt von Johannes Benk, ©ÖNB.
Johannes Benk (* 27.Juli 1844 in Wien, † 12.März 1914 in Wien) war ein österreichischer Bildhauer und einer der Hauptvertreter des Wiener Späthistorismus.

Leben

Johannes Benk (Abb. 1) wurde in Wien als Sohn des ungarischen, in Wien tätigen, Bildhauers János Benk geboren.

Nach Besuch der Unterrealschule studierte Johannes Benk ab 1859 wie sein Vater Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Franz Bauer. Ab 1866 setzte Benk sein Studium an der Kunstakademie Dresden bei Ernst Julius Hähnel fort. Er wurde schon während seiner Studienzeit mehrfach ausgezeichnet.

1870/71 ging Benk als Stipendiat des Rom-Preises für einen Studienaufenthalt nach Rom und Florenz, bevor er 1872 sein Atelier in Wien eröffnete.

Johannes Benk starb am 12.3.1914 in Wien. Sein Grab, welches vom Bildhauer und Medailleur Carl Maria Schwerdtner errichtet worden war, befindet sich am Wiener Zentralfriedhof. Im 13. Wiener Gemeindebezirk wurde die Benkgasse nach dem Künstler benannt.

Schaffen

Anfangs vertrat Benk einen ruhigen, relativ geschlossenen Stil, was sich beispielsweise an der Skulptur am Kunsthistorischen Museum (Abb. 5) und den acht Statuen des Hauptportals der Votivkirche (Abb. 3) zeigen lässt.

Durch französische Einflüsse wurden seine Ansätze zur Verlebendigung im Figuralen kontinuierlich verstärkt. Diese entwickelten sich zu einem gemäßigten Neubarock mit Einschlag ins Locker-Dekorative, was Benks Stil besonders für die Bauplastik prädestinierte.

Der Bildhauer erhielt zahlreiche Aufträge für Bauten der Wiener Ringstraße und Monumentalbauten. Den Höhepunkt markierten hierbei die 1881-83 entstandenen, allegorischen Bekrönungsfiguren des Kunsthistorischen und Naturhistorischen Museums („Athene und Helios“, „Liebe und Hass“, „Heroismus und Egoismus“, „Demut und Herrschsucht“) und die Figuren an der Burgtheater-Fassade inklusive der Kandelaberfigur „Klytia“ aus Marmor von 1888, die sich heute im Österreichischen Theatermuseum befindet (Abb. 7). Benk fertigte 1882 unter anderem auch Büsten von Jacob van Ruisael und Bartolomé Esteban Murillo an, welche für die Fassade des Künstlerhauses in Wien bestimmt waren.

Ein anderer Schwerpunkt Benks war die Grabskulptur. Am Wiener Zentralfriedhof befinden sich von seiner Hand Gräber von Johann Strauß Sohn (Abb. 8), Carl von Hasenauer und Friedrich von Amerling.

Auch auf dem Denkmalsektor etablierte sich Benk spätestens mit dem Deutschmeister-Denkmal an der Wiener Ringstraße, welches 1906 fertig gestellt war (Abb. 10). Es war das erste seiner Denkmäler, welches das Mittelformat überstieg. Davor schuf Benk im Jahr die Denkmäler für den Naturforscher Carl von Hügel in Wien-Hietzing und den Maler Friedrich von Amerling im Wiener Stadtpark.

Benks Spätwerk ist durch eine realistische Note gekennzeichnet, die pathetische Züge annimmt, ohne jedoch die stilistisch essentiellen Licht-Schatten-Effekte vorzuweisen.

Oftmals beschrieben lag sein Talent in der Darstellung weiblicher Anmut und Körperschönheit sowie im Ausdruck feiner seelischer Empfindungen. Benk verband Formenbildung mit Geschick im Aufbau rhythmisch bewegter Gruppen.

Ehrungen

Mitgliedschaften:

  • ab 1872 Mitglied der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens (heutiges Künstlerhaus)
  • ab 1887 Mitglied der Pensionsgesellschaft bildender Künstler Wien
  • von 1899 bis 1903 Präsident des Clubs bildender Künstler Alte Welt

Auszeichnungen:

  • während des Studiums: Füger- Medaille der Akademie der Bildenden Künste Wien
  • 1868 Reichel-Preis der Akademie der Bildenden Künste Wien
  • 1884 Erzherzog-Karl-Ludwig-Medaille
  • 1887 Ritter des Franz-Joseph-Ordens
  • 1888 Orden der Eisernen Krone III. Klasse
  • 1893 Silberne Staats-Medaille und Gold-Medaille des Künstlerhauses Wien

Werke (Auswahl)

  • 1866 Büste für Gioachino Rossini, Foyer der Staatsoper, Wien (Abb. 2)
  • 1875 Gewändestatuen am Mittelportal der Votivkirche, Wien (Abb. 3)
  • 1876 Figurengruppe Austria, Heeresgeschichtliches Museum (HGM), Wien (Abb. 4)
  • 1878 Allegorie der Bildhauerei (Abb. 5), Skulpturen von Amor und Psyche an der Fassade des Kunsthistorischen Museums (KHM), Wien; Skulptur von Pallas Athene in der Kuppel des KHM
  • 1878 Skulpturen an der Fassade des Naturhistorischen Museums (NHM), Wien (Abb. 6)
  • 1883 allegorische Nischenfiguren im Burgtheater, Wien
  • 1886 Stiegenhausgruppe im Burgtheater, Wien
  • 1888 Tierfries im Kuppelgewölbe des Naturhistorischen Museums (NHM), Wien
  • 1888 Skulptur (Windgott) am Dach des Burgtheaters, Wien
  • 1888 Kandelaber „Klytia“ (früher im Stiegenhaus des Burgtheaters, jetzt fragmentiert im Österr. Theatermuseum), Wien (Abb. 7)
  • 1890 Habsburger-Medaillons im Kuppelgewölbe des Kunsthistorischen Museums (KHM), Wien
  • 1891 Attikagruppe am Michaelertrakt (Nordfassade) der Hofburg, Wien
  • 1895 Denkmal für Josef Böhm im Arkadenhof der Universität Wien (Abb. 8)
  • 1901 Denkmal für C.A. Freiherr von Hügel, Wien-Hietzing
  • 1901 Grabmal für Johann Strauß Sohn, Zentralfriedhof Wien (Abb. 9)
  • 1902 Statuen für die ehemaligen Bürgermeister von Wien Wolfgang Treu und Konrad Vorlauf, Festsaal des Rathauses, Wien
  • 1902 Denkmal für Friedrich von Amerling, Stadtpark Wien
  • 1904 Statue für Kaiser Franz Joseph, Burggarten, Wien (Abb. 10)
  • 1906 Deutschmeisterdenkmal (gemeinsam mit Architekt Anton Weber), Wien (Abb. 11)
  • 1907 Denkmal für Karl Stoerk im Arkadenhof der Universität Wien (Abb. 12)
  • 1908 Statue für Ludwig van Beethoven, Kongresszentrum, Vestibül, Graz
  • 1908 Statue für Ludwig van Beethoven, Kongresszentrum, Vestibül, Graz
  • 1908 Denkmal für Moriz Kaposi im Arkadenhof der Universität Wien (Abb. 13)
  • 1912 Statue für Kaiserin Elisabeth, Hermesvilla, Wien-Hietzing

Beteiligung an Gruppenausstellungen:

  • 1873 Weltausstellung Wien
  • bis 1910 häufige Beteiligung an Internationalen Kunstausstellungen und Jahresausstellungen im Wiener Künstlerhaus

Literatur (Quellen)

Galerie

Autorin: Sibylle Zelger redigiert von Herbert Kreiser