Johann von Oppolzer

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Johann von Oppolzer, Porträtsammlung, ©ÖNB.

Johann von Oppolzer (* 4.8.1808 in Gratzen (Nové-Hrady), Tschechische Republik; † 16.4.1871 in Wien) war ein österreichischer Mediziner (Internist) und Universitätsprofessor. Er war der Vater des Astronomen Theodor von Oppolzer. Das Doppeldenkmal für ihn und seinen Sohn wurde von Viktor Tilgner geschaffen und am 18.5.1890 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.

Leben

Johann von Oppolzer wurde am 4.8.1808 im südböhmischen Ort Gratzen (Nové Hrady, Tschechische Republik) in bescheidenen Verhältnissen geboren.[1] Durch den frühen Tod seiner Eltern war er gezwungen, schon als Gymnasiast und in weiterer Folge auch während seines Medizinstudiums in Prag sich seinen Unterhalt durch Privatunterricht zu verdienen. 1835 wurde er an der Karls-Universität Prag zum Dr. med. promoviert. Bis 1839 war er als Assistenzarzt bei Julius Vincenz von Krombholz (1782–1843) an der Prager Klinik tätig. Danach eröffnete er seine eigene Praxis als praktischer Arzt. Trotz seiner jungen Jahre zählte Oppolzer rasch zu den besten Ärzten Prags. 1841 wurde er als Nachfolger seines Lehrers Krombholz zum Professor der medizinischen Klinik und Primararzt im allgemeinen Krankenhaus in Prag ernannt. 1848 folgte Oppolzer einem Ruf an die Universität Leipzig und übernahm auch die Leitung des dortigen Jakobsspitals. 1850 berief ihn Graf Leo von Thun-Hohenstein an die Universität Wien, wo er die Leitung der neu gegründeten II. Medizinischen Klinik übernahm.[2] In Wien standen Oppolzer anfänglich seine Kollegen Josef von Skoda und Carl von Rokitansky reserviert gegenüber, da er sich als Vertreter der physiologischen Heilkunde gegen ihre Auffassung als symptomatische Pathologen stellte. Es gelang Oppolzer aber auch in Wien sehr rasch sich als einer der beliebtesten Lehrer und international anerkannter und gefragter Arzt zu profilieren. In den Jahren 1860/1861 war Oppolzer zudem Rektor der Universität Wien.[3] Am 16. April 1871 starb Johann von Oppolzer an einer Typhusinfektion in Wien. Sein Grab befindet sich in der Familiengruft in den alten Arkaden auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe AAL, Nr. 34).[4]

Schaffen

Im Gegensatz zur alten symptomatischen Patholologie vertrat Oppolzer die damals junge physiologische Heilkunde. Er erkannte, dass die Heilung des Kranken das letzte Ziel aller ärztlichen Forschungen sein müsse und darüber hinaus die Individualität des Leidenden zu berücksichtigen sei. Zu Oppolzers Behandlungskonzept gehörten die Krankheitsverhütung, die Behandlung früher Krankheitsstadien, die Besserung des Allgemeinzustandes und die Milderung der Symptome. Oppolzer war ein Verfechter möglichst einfacher Behandlungsmethoden. Oftmals führten ihn bereits diätetische Maßnahmen und Badekuren zum Ziel. Er setzte aber auch die Elektrotherapie ein und machte sich die Fortschritte der Physiologie und Pathologie, der Chemie und der Mikrobiologie nutzbar.[5] Oppolzers Bedeutung ist vor allem seiner Tätigkeit als Universitätsprofessor und praktizierender Arzt zu verdanken. Er galt als ein Meister der Diagnostik, glänzender Therapeut und lieferte grundlegende Beiträge zur Kenntnis der Krankheiten. [6] Seine literarische Tätigkeit ist demgegenüber nur von untergeordneter Bedeutung: Abgesehen von seiner Dissertation hat er keine weitere Monographie veröffentlicht. Er ist darüber hinaus Autor einer Reihe von Mitteilungen in verschiedenen medizinischen Journalen. In den Jahren 1866–1872 hat Ritter von Stoffella, sein Schwiegersohn und mehrjähriger Assistent, Oppolzers Vorlesungen über „specielle Pathologie und Therapie“ veröffentlicht. Zu Oppolzers Schülern zählten u.a. Moriz Benedikt (1835-1920), Josef Breuer (1842-1925), Johann Schnitzler (1835-1893), Joseph Seegen (1822–1904) und Wilhelm Winternitz (1835-1917), der erste Inhaber der Lehrkanzel (Lehrstuhl) für Hydrotherapie im deutschsprachigen Raum. Am 18.05.1890 wurde ein ihm, gemeinsam mit seinem Sohn, dem Astronomen Theodor von Oppolzer, zu Ehren errichtetes Doppeldenkmal im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt. Dieses Denkmal wurde von Celestine Oppolzer, der Gattin Theodor von Oppolzers, finanziert und vom Bildhauer Viktor Tilgner ausgeführt.

Schriften oder Werke (Auszug)

  • Observationes de febri nervosa intestinali anno 1834 Pragae epidemica (1835), Dissertation Universität Prag.
  • Über den gegenwärtigen Standpunkt der Pathologie und Therapie (1849), Antrittsrede Oppolzers gehalten in Leipzig am 30. Oktober 1848, In: Jahrbücher der in- und ausländischen gesammten Medicin 61, S. 103 ff.
  • Die Krankheiten der Speiseröhre (1851), In: Wiener Medizinische Wochenschrift, Jahrgang 1
  • Pathologie und Therapie der epidermalen Cholera (1855), In: Wiener Medizinische Wochenschrift, Jahrgang 5.
  • Oppolzer’s Vorlesungen über specielle Pathologie und Therapie. Band 1 (1866-70): Herz- und Gefäßerkrankungen, Krankheiten der Atemorgane; Band 2 (1872): Krankheiten der Mundhöhle (1866-72), (Hrsg.) E. Ritter von Stoffela d’Alta Rupe, Enke-Verlag, Erlangen.

Auszeichnungen und Ehrungen

  • 1860: Verleihung des Leopold-Ordens verbunden mit der Erhebung in den erblichen Ritterstand.[7]
  • 1874: Benennung der Oppolzergasse in Wien 1, Innere Stadt, gemeinsam mit seinem Sohn Theodor von Oppolzer. [8]
  • 1890: Enthüllung des Oppolzer-Denkmals von Viktor Tilgner im Arkadenhof der Universität Wien.

Literatur

  • Czeike 1995: Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Band 4., Wien 1995.
  • Hirsch 1886: August Hirsch, „Oppolzer, Johann Ritter von“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 24 (1886), S. 405–407, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Oppolzer,_Johann_Ritter_von&oldid=1693252 (Version vom 30. März 2014, 16:21 Uhr UTC).
  • Jantsch 1978: M. Jantsch: Oppolzer, Johann von. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 7. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1978.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.
  • Meister 1934: Richard Meister, Ruhmeshalle der Wiener Universität. Wien u.a. 1934.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Hirsch 1886, S. 405 ff.
  2. Maisel 2007, S.75 f.
  3. Maisel 2007, S. 75 f.
  4. http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_von_Oppolzer
  5. Jantsch 1978, S. 239.
  6. Meister 1932, S. 20.
  7. Czeike 1995, S. 456.
  8. Czeike 1995, S. 456.

Rene Kreisl