Johann Radon

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Fotografie von Johann Radon um 1920, unbekannter Fotograf
Portrait von Johann Radon 1955, Hedwig Szymanska
Potrait von Johann Radon 1957, Sergius Pauser

Johann Radon (*16. Dezember 1887, Tetschen/Dĕčn an der Elbe, Böhmen; † 25. Mai 1956, Wien) war ein österreichischer Mathematiker dem zu seinem 100. Geburtstag ein Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien gesetzt wurde, welches von Ferdinand Welz gefertigt worden ist.

Leben

Johann Radon war der einzige Sohn von Anton Radon und dessen zweiter Ehefrau Anna. Seine beiden Halbschwestern (väterlicherseits) waren bereits erwachsen und so wuchs er als Einzelkind auf. [1] Die Volksschule besuchte Radon noch in seiner Geburtsstadt, bevor er von 1897-1903 (oder 1905) ein humanistisches Gymnasium in Leitermitz besuchte und dort die Matura unter Auszeichnung ablegte.

1905 begann er in Wien, an der philosophischen Fakultät, sein Lehramtsstudium für Mathematik. Gleichzeitig hörte er Vorlesungen über Physik, Musik, Astronomie, Psychologie und Philosophie. [2] Nachdem Radon am 12. Juli 1909 seine Lehramtsprüfung abgelegt hatte, folgte ein Jahr später am 18. Februar 1910 seine Promotion. [3]

Gefördert durch ein Stipendium war es ihm im Wintersemester 1910/11 möglich nach Göttingen, einer Hofburg der Mathematik zu gehen und dort zu forschen. Von Göttingen aus kam Radon nach Brünn wo er ab dem 1. April 1911 ein Jahr lang als Assistent an der Technischen Hochschule tätig war. Darauf folgte eine Stelle als Assistenz der Lehrkanzel Mathematik II an der technischen Hochschule in Wien, welche er von 1912-1919 ausführte (ab 1915 Privatdozent). 1916 heiratete er Marie Rigele, eine Hauptschullehrerin der Naturwissenschaften. Sie war eine Cousine seines engen Freundes Roland Weitzenböck. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder Hervor. Drei Söhne und eine Tochter, von denen nur die Tochter Brigitte die beiden Weltkriege überlebte. [4]

Radon-Medaille von Robert Trsek
Durch seine starke Kurzsichtigkeit (Myopie) war er vom Kriegsdienst befreit. [5]

1914 folgte Radons Habilitation in Mathematik. Durch den Ruf der Universität Hamburg 1919, die Radon die Stelle eines Extraordinarius mit nur 32 Jahren anboten, beginnt seine langjährige Tätigkeit als Professor in Deutschland. Von Hamburg zog Radon 1922 nach Grafswald, wo er als Ordinarius tätig war. Danach folgten die Universitäten in Erlangen (1925) und Breslau, wo er sich bis 1945 aufhielt. Er lehnte den Ruf nach Leipzig (1929) und Wien (1938) ab. Ersteren da er die Universität Breslau weiter ausbauen wollte und letzteren wegen des schlechten Gesundheitszustandes seines Sohnes. [6]

Erst nach Kriegsende kam Radon über Innsbruck 1946 als Ordinarius zurück nach Wien, wo er auch in den Jahren 1951/52 als Dekan wirkte und von 1954/55 also Rektor. [7]

Seit 1939 war er korrespondierendes und ab 1947 wirkliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften. 1953 wurde er zum Sekretär der mathematisch- naturwissenschaftlichen Klasse und von 1950-52 Vorsitzender der Mathematischen Gesellschaft.

Johann Radon starb am 25. Mai 1956 nach fünfmonatiger Krankheit (Wabenlunge) in Wien. [8]

Schaffen

Johan Radon beschäftigte sich in seiner Forschung mit Problemen die für die Mathematik an sich, als auch für deren Anwendungen wichtig sind. Die Bedeutung seiner Errungenschaften für die technische Anwendung wurde aber nicht sofort erkannt.

Unter den österreichischen Mathematikern hat er eine besondere Stellung inne. Allein durch seinen Namen verhalf er dem Institut in Wien auch nach dem Krieg wieder die Geltung zu erlangen, die es vor dem Krieg inne hatte. [9]

Radons Hauptgebiete waren die Mengenfunktionen, Variationsrechnungen und die Differentialgeometrie, sowie die Funktionalanalysis und Maß- und Integrationstheorie. Dissertation „Über das Minimum des Integrals“ wurde in den Sitzungsblättern der Österreichischen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht und in Fachkreisen gewürdigt. Besonders Radons Scharfsinn und Akribie wurden geschätzt. [10]

Während seiner Tätigkeit als Assistent an der technischen Hochschule in Wien veröffentlichte er zwei Arbeiten zur Variationsrechnung, woraufhin seine Habilitationsschrift „Theorie und Anwendung der absolut additiven Mengenfunktionen“ folgte und abermals in den Sitzungsblättern gedruckt wurde. Radon prägte mit diesem Werk einen neuen Begriff des Integrals und präsentierte eine neue Entwicklung in der reinen Mathematischen- und in der Wahrscheinlichkeitstheorie. Durch diese Veröffentlichung war Radon bereits in jungen Jahren berühmt. [11]

Im wissenschaftlichen Kontext ist er unter folgenden Aspekten bekannt:

  • Radon-Theorie: in jener Theorie finden sich alle Hilfsmittel zum Aufbau der Wahrscheinlichkeitstheorie außerdem lässt sie sich auf die Theorie der Dirac-Funktion anwenden.
  • Radon-Kurve: löst schwierige Probleme der Geometrie der Zahlen.
  • Radontransformation: Grundlage der heutigen Computertomografie.

Allgemein trugen seine Beiträge zur Relativitätstheorie, zur Algebra im Licht der Variationstheorie, sowie zur Grundlagentheorie der Mathematik bei. [12]

1992 wurde das erste mal die Radon Medaille, die von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften initiiert wurde, vergeben. Sie dient dazu Wissenschaftler zu ehren, die in den Gebieten, in denen Radon forschte, arbeiteten. [13]

2003 benannte die Österreichische Akademie der Wissenschaften das von ihr gegründete Institute for Computational and Applied Mathematics nach Johann Radon. [14]

Werke

Auswahl

  • Über das Minimum des Integrals, 1910.
  • Theorie und Anwendung der absolut additiven Mengenfunktionen, 1913.
  • Über die Oszillatienstheorie der konjugierten Punkte beim Problem von Lagrange, 1927.
  • Zum Problem von Lagrange, 1928.
  • Singuläre Probleme Radonscher Art, 1937.
  • Differentialgeometrie I.II, 1947.
  • Mathematik und Naturerkenntnis (Inaugurationsvortrag), 1954.

Literatur

  • Felix Czeike: Johann Radon, in: Historisches Lexikon Wien, Bd.6, Wien/München/Zürich 2004, S. 161.
  • Curt Christian: Festrede zum 100. Geburtstag Johann Radons, in: Internationale mathematische Nachrichten, 146, 1987, S. 1-8.
  • Leopold Schmetterer: Johann Radon (1887-1956), in: Internationale mathematische Nachrichten, 153, 1990, S. 15-22.
  • Brigitte Bukovics: Lebensgeschichte von Johann Radon geschrieben von seiner Tochter Brigitte Bukovics, Internationale mathematische Nachrichten, 162, 1993, S. 1-5.
  • Christa Binder: Johann Radon (1887-1956), Mathe-Brief, 36, Mai 2013, 18.2.2014.

Einzelnachweise

  1. Bukovics, 1993.
  2. Christian, 1987.
  3. Bukovics, 1993.
  4. Bukovics, 1993.
  5. Christian, 1987.
  6. Christian, 1987.
  7. Czeike, 2004.
  8. Christian, 1987.
  9. Senat 222.63.
  10. Christian, 1987.
  11. Schmetterer, 1990.
  12. Senat 222.63.
  13. Binder, 2013.
  14. Binder, 2013.

Weblinks

Text: Erika Peherstorfer

Redigiert: Elena Koren SoSe 2014

Darstellungen