Johann Martin Fischer

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
Wechseln zu: Navigation, Suche
Porträt Johann Martin Fischer, Zeichnung: Jakob Merz, Stich: Johann Jakob Laurenz Billwiller.
Porträt Johann Martin Fischer, Hubert Maurer, Akademie der Bildenden Künste Wien, Öl, 1785

Johann Martin Fischer (*2. November 1740 Bebel bei Hopfen (Allgäu); † 27. April 1820 in Wien) war ein österreichischer Bildhauer und Direktor der Akademie der bildenden Künste in Wien.

Leben

Fischer absolvierte seine erste Lehre mit 15 Jahren bei einem Dorfbildhauer namens Schweiger und reiste nach seiner Freisprechung 1760 nach Wien. In der Residenzstadt machte er Bekanntschaft mit dem Bildhauer Jakob Christoph Schletterer nachdem er zwei Jahre beim Bildhauer Anton Tabota arbeitete. 1771 wurde Johann Martin Fischer in die k.k. Kupferstecher- und Zeichenakademie aufgenommen und erwarb dort umfangreiches Wissen über die Kunst der Antike. [1] Ab 1764 wird Fischer in den Verwaltungsakten der Akademie als Student angeführt. [2] Er genoss somit eine umfangreiche Ausbildung. Seine Aufträge wurden mehr und er verbrachte daher ein Jahr in Fünfkirchen, Ungarn. 1777 kehrte er nach Wien zurück und er widmete sich anatomischen Studien. Er wollte eine objektive Voraussetzung für die Bildhauerei schaffen und daher führte er eine Vielzahl an Studien durch. Eine anatomische Figur brachte ihm 1785 das Diplom eines Mitglieds der Akademie ein. [3] Fischer bemühte sich mehrmals um eine Beamtenstelle, unter anderem als Direktor für die Akademie Bildender Künste, die Stelle erhält jedoch 1782 Franz Anton Zauner und um eine Stelle als Hofbildhauer. Aufgrund des Vorschlags von Joseph Barth, des Professors für Anatomie wurde Fischer 1786 zum Professor der Anatomie bestellt und stellvertretender Professor der Bildhauerei. Seine anatomischen Studien verbindete er mit Untersuchungen der Antike, diese Erkenntnisse publiziert er 1806 in einem eigenen Werk. Nach langjähriger erfolgreicher Tätigkeit bekam er 1806 die Bildhauerklasse und wurde im hohen Alter im Jahr 1815 zum Direktor der Akademie gewählt. [4]

Schaffen

Johann Martin Fischer soll 1766/67 als Gehilfe von Franz Xaver Messerschmidt bei dessen Figur der Maria Immaculata an der Fassade des Savoyischen Damenstiftes und am Elisäus-Brunnen für den Hof mitgearbeitet haben. [5] Ab der Mitte der 1770er Jahre sind dann erste selbstständige Arbeiten von ihm bekannt. Dazu zählt ein Auftrag des Fürsten Kaunitz, der ihn bat, die Büste „Mucius Scaevola“ für den Schönbrunner Garten zu gestalten. [6] Danach folgte eine Reihe von Aufträgen aus Fünfkirchen, Ungarn für den Bischof Georg Klimo. [7] Aufgrund seiner Arbeitsweise und seinen Stil, als auch der Ausrichtung nach antiken Werken stellt sich Fischer in die Tradition des frühen Klassizismus in Wien. Rom konnte er jedoch nie besuchen, daher studierte er die Antike anhand von Grafiken, Zeichnungen und Abgüssen. Sein Schaffen fällt in die Übergangszeit von Barock zu Klassizismus in Wien und seine heroisierend- nüchterne Gestaltung ist ein Indiz dafür. [8] In der Mitte der 1770er Jahre ist er bereits ein sehr angesehener Bildhauer und kann eine gute Auftragslage verbuchen. Zu seinen Auftraggebern gehört neben dem Hof auch eine Vielzahl an gut betuchten Privatpersonen. Der Höhepunkt seines Schaffens lag in dem Jahrzehnt 1780-90, in einer Übergangsepoche des Josephinismus. [9] Ab Ende des 18. Jahrhunderts bevorzugte Fischer in seinen Arbeiten, den in Wien beliebten Bleiguss und entwickelt dabei einen eigenen charakteristischen Stil, der die Idealität der Kunstepoche wiederspielte.

Werke

  • Mucius Scaevola, Garten von Schönbrunn, 1775
  • Drei Nachbildungen antiker Statuen (Der borghesische Fechter, Sterbende Gallier, Ares Ludovisi), Garten des Grafen Lacy in Neuwaldegg b. Wien, 1775
  • Grabmal Freiherrn Harrucker, Gyula/Ungarn, 1775
  • Vier Evangelien, Hochaltar der Wiener Michaelerkirche, 1781
  • Hygiea, Metallguss, Wien 19, Josephinum, 1787
  • Büste des Kaisers Franz II. (I.), Carraramarmor, 1797
  • Büste Herzog Ferdinand von Württ, 1800
  • Büste Graf Franz von Sarau, 1800
  • Brunnen der Wachsamkeit, Metallguss, Wien, Conrad-v.-Hötzendorf-Platz, 1799
  • Mosesbrunnen, Metallguss, Wien, Franziskanerplatz , 1798
  • Büste Freiherr Joseph von Quarin, Arkadenhof Universität Wien, 1802
  • Josefs- und Leopoldsbrunnen, Blei, Wien 1, Graben, 1804
  • Allegorische Figuren „Die Vaterlandstreue“ und „Der Ackerbau“, zwei Brunnen am Hof, Wien, 1812

Schriften

  • Erklärung der anatomischen Statue für Künstler, Wien 1785 (drei Auflagen)
  • Darstellung des Knochenbaues von dem menschlichen Körper mit der Angabe der Verhältnisse desselben, Wien 1806 (mit Illustrationen)

Einzelnachweise

  1. Mrazek, 1961, S. 192.
  2. Saur, 2004, S. 365.
  3. Mrazek, 1961, S. 192
  4. Mrazek, 1961, S. 193.
  5. Saur, 2004, S. 365.
  6. Wurzbach, 1858, S. 244.
  7. Mrazek, 1961, S. 192.
  8. Saur, 2004, S. 365.
  9. Mrazek, 1961, S. 193.

Literatur

  • Mrazek 1961: Wilhelm Mrazek, Fischer, Johann Martin in: Historische Kommission bei der bayrischen Akademie der Wissenschaften (Hrsg.), Neue deutsche Biografie, Bd. 5, Falck – Fyner (voran: Faistenferger), Berlin, 1961.
  • Poch-Kalus 1949: Margarethe Poch-Kalous, Johann Martin fischer. Wiens Bildhauer Repräsentant des Josefinismus. Mit 48 Bildtafeln, Wien, 1949.
  • Saur 2004: K.G. Saur (Hrsg.), Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Bd. 40. Filippi – Fitzner, München/Leipzig, 2004.
  • Wurzbach 1858: Constant v. Wurzbach (Hg.), Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, enthaltend die Lebensskizzen der denkwürdigen Personen, welche seit 1750 in den österreichischen Kronländern geboren wurden oder darin gelebt und gewirkt haben, Vierzehnter Theil. Egervari - Füchs, Wien 1858.

Darstellungen

  • Porträtbüste Josef Quarin, Johann Martin Fischer, Arkadenhof der Universität Wien, 1800
  • Ares Ludovisi, Johann Martin Fischer, Carrarmarmor, Schwarzenbergpark, Marswiese, Wien 17, 1774
  • Die drei Grazien, Johann Martin Fischer, Altes Rathaus, Wipplingerstraße 8, 1010 Wien, 1780
  • Büste des Erzherzog Karl, Johann Martin Fischer, 1800
  • Büste Kaiser Franz II. (I.), Johann Martin Fischer, 1798
  • Brunnenfigur Hygieia, Johann Martin Fischer, Metall, Währingerstraße 25, Hof Josephinum, 1787