Johann Kalmsteiner

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Bildnis Kaspar Johann Kalmsteiner von C. Herberth, um 1892.

Johann Kalmsteiner (*29. September 1845 in Sarntheim; † 5. Januar 1897 in Wien) war ein österreichischer Bildhauer. Er führte bis ca. 1872 den Familienname Unterkalmsteiner. Von ihm stammte das Denkmal Stephan Ladislaus Endlicher im Arkadenhof der Universität Wien.

Leben

Johann Kalmsteiner wurde am 29. September 1845 in Sarnthein, Südtirol, geboren. Er war der erste Sohn von Anton Michel Unterkalmsteiner, einem Ökonomen und Brauereiwirt, und seine Ehefrau Katharina geb. Ramoser. Um 1851 begann er seine Schulbildung an einer öffentlichen Schule in Sarntheim, es gibt keine gesicherte Informationen über den weiteren Verlauf seiner Ausbildung oder Hinweise auf einen Militärdienst. Kalmsteiner zeigte schon als Kind ein künstlerisches Talent für skulpturales Gestalten. Daher waren seine Eltern einverstanden ein Kunststudium finanziell zu unterstützen. 1867 wurde er in die Bildhauerschule der Akademie der Bildenden Künste in München, bei Max von Widnmann (1812-1895), aufgenommen. Die Frage wann oder ob überhaupt er sein Studium abgeschlossen hat, bleibt bisher unbeantwortet. Eine künstlerische Ausbildung in Dresden und Wien ist nicht nachweisbar, obwohl es oft in den Künstlerlexika [1] angegeben wird.

Während des Studiums - um 1870 bis zur Verlegung der Werkstatt 1873 nach Wien - war er Mitarbeiter im Atelier von Caspar von Zumbusch (1812-1895). Es ist auch möglich, dass Kalmsteiner schon 1873 zusammen mit Zumbusch nach Wien zog und dort weiterhin für ihn tätig war, sie waren ihr Leben lang nicht nur geschäftlich, sondern auch freundschaftlich verbunden. Nach dem Tod seines Vaters 1877 reiste Kalmsteiner nach Rom, wo er nach eigenen Angaben eineinhalb Jahre verbrachte um das Studium der Antike zu vertiefen. 1879 übersiedelte er nach Wien; die Bauten an der neuen Ringstrasse wurden bildhauerisch reich ausgestattet. Dies bedeutete ein enormes Betätigungsfeld für Künstler. Kalmsteiner wurde wieder in der Werkstatt von Zumbusch tätig, wo er Skulpturen für die öffentlichen Aufträge Zumbuschs schuf. 1880 wurde er Mitglied der Genossenschaft bildender Künstler Wiens; es war der erste Schritt auf dem Weg zum selbständigen Bildhauer mit eigenem Atelier. In den folgenden Jahren konnte er Dank der Beteiligung an mehreren Ausstellungen - wie 1882 bei der Ersten Internationalen Kunstausstellung in Wien - seine Werke der breiteren Öffentlichkeit präsentieren. Um Aufträge als freischaffender Künstler zu bekommen, beteiligte er sich an Wettbewerben, und versuchte fertiggestellte Auftragsarbeiten öffentlich auszustellen. Am 2. Oktober 1882 heiratete Kalmsteiner Ida Künl in Wien und am 18. Dezember des selben Jahres wurde sein erster Sohn Hans Kalmsteiner (1882-1914) in Wien geboren, der ein bekannter Werbe- Grafiker für Plakate, Bilderbogen und Künstlerpostkarten wurde. Seine beiden anderen Söhne Oskar (1883-1884) und Edmund (1883-1892) verstarben noch im Kindesalter, die 1888 geborene Tochter Martha blieb ledig und ohne Kinder. Kalmsteiner verstarb unerwartet am 5. Januar 1897 an Tuberkulose in Wien.

Schaffen

Professor Max von Widnmann beeinflusste stark die künstlerische Entwicklung des jungen Kalmsteiner, er vermittelte ihm den hohen Wert der antiken Vorbilder, Klarheit der Formen, wie auch eine leichte Idealisierung der Gesichter.

Kalmsteiners Schaffen stand im Dienste des historistischen Klassizismus. Für die Prachtbauten der Wiener Ringstrasse schuf er antikisierende Statuen mit allegorischer Bedeutung. Von seiner Hand stammen auch zahlreiche allegorische Figuren an Grabdenkmälern. Viele bekannte Gesichter aus dem öffentlichen Leben der Vergangenheit und Gegenwart - Künstler und Gelehrte -verewigte er in Porträtbüsten.

Gemeinsam mit dem Bildhauer E.A. Swoboda war Kalmsteiner an der Gestaltung der Fassade der ehem. Handelskammer beteiligt, genauer für die Souterrainfensterstürze mit Bleireliefs verschiedener Wirtschaftszweige. Das Gebäude wurde unter dem Architekten Ludwig Baumann 1905-07 erbaut.[2]

Werke (Auswahl)

  • 1879 Figuren für die Attika der Universität Wien; Externe und Interne Medizin, Biologie, Hygiene
  • 1882 Nischenfiguren für Wiener Künstlerhaus; Palladio, Sansovino
  • 1883 Reliefplatte und Attikafiguren für Österreichisches Parlament; Die Flüsse Kerka und Narenta, Begeisterung, Sparsamkeit
  • 1885 Grabmal für Familie Gänsbacher in Sarnthein
  • 1887 Nischenstatuen für Wiener Burgtheater; Francois-Joseph Talma, Edmund Kean
  • 1889 Büste Josef Hyrtls für den Arkadenhof der Universität Wien
  • 1890 Figuren für die Attika des k.u.k. Finanzministeriums; Ruhm, Friede
  • 1893 Nischenfigur Pietas Augusti für Wiener Hofburg
  • 1894 Grabmal der Familie Moeller in Rhiensberger Friedhof in Bremen
  • 1895 Porträtrelief Josef Hyrtls für Sitzungssaal des Niederösterreichischen Landhauses
  • 1897 Büste Stephan Ladislaus Endlicher für das Arkadenhof der Universität Wien

Literatur

  • Martischnig/Schipani 2007: Michael Martischnig und Helmut Schipani, Johann und Hans Kalmsteiner. Zwei Südtiroler Künstlergenerationen in Wien um 1900, Wien 2007.

Einzelnachweise

  1. Kalmsteiner Johann, in: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950, Band 3, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1965, S.200.
  2. Dehio 2003, Wien I.-IX. Innere Stadt, S.363

Darstellungen


Carina Schaffer