Jan Ingen-Housz

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Stich Jan Ingen-Housz, o. A.

Jan Ingen-Housz (* 08. Dezember 1730 in Breda; † 07. September 1799 in Bowood bei London) war ein niederländischer Arzt und Botaniker.

Leben

Jan Ingen-Housz war der Sohn von Arnoldus Ingen-Housz und Maria Beckers, welche noch vor dem ersten Geburtstag ihres Kindes starb. Die Familie gehörte gebildeten Kreisen an und lag großen Wert auf eine sorgfältige Erziehung. So besuchte Jan Ingen-Housz die Lateinschule; und sein Wissensdurst war so groß, dass er schon als Jugendlicher Latein und Griechisch perfekt beherrschte und sich in diesen Sprachen sowie in seiner Muttersprache auszudrücken vermochte. Mit 16 Jahren ging er nach Löwen, um Heilkunde zu studieren.[1]

1753 erwarb er das medizinische Doktorat in Löwen. Danach studierte er in Leiden, Paris und Edinburgh; und arbeitete von 1757 bis 1765 als praktischer Arzt in Breda. Nach dieser Zeit verschlug es ihn nach London, wo er sich insbesondere mit der Pockenimpfung an Kindern beschäftigte. Sogar Kaiserin Maria Theresia ließ Jan Ingen-Housz zu sich holen, um ihre Kinder impfen zu lassen. [2] Aus Dank ernannte sie ihn zum kaiserlichen Leibarzt. [3]

1769 wurde er Mitglied der Royal Society.[4]

Kaiser Joseph II. soll es genossen haben, Jan Ingen-Housz in seinem Arbeitszimmer zu besuchen und ihm bei seinen physikalischen und chemischen Experimenten über die Schultern zu sehen. Er blieb für mehrere Jahre am Kaiserhof, beschloss aber, 1785 Wien zu verlassen. Er kehrte erneut in die Heimat zurück, bevor er nach Bowood in England ging. Dort starb Jan Ingen-Housz 1799, im Alter von 69 Jahren.[5]

1905 wurde das vom Bildhauer Franz Seifert geschaffene Denkmal Jan Ingen-Housz im Arkadenhof der Universität Wien aufgestellt.

Im Jahr 1910 wurde eine Gasse im 9. Wiener Gemeindebezirk nach Jan Ingen-Housz benannt.[6]

Schaffen

Jan Ingen-Housz gilt als vielseitig interessierter Naturwissenschaftler. So ist beispielsweise der Nachweis über die Unterschiede der Geschwindigkeit, mit welcher sich die Wärme in verschiedenen Metallen ausbreitet, auf ihn zurückzuführen. Weiters untersuchte er die Ernährung von Pflanzen und konnte nachweisen, dass blühende, dem Sonnenlicht ausgesetzte Pflanzen, Sauestoff von sich geben. Wenn sie sich im Schatten befinden, atmen sie jedoch Kohlenstoff aus. Auch wandte er als Erster Kohlenstoff in der Medizin an.[7] Jan Ingen-Housz interessierte sich ebenso für Elektrizität und Magnetismus. So erfand er eine Elektrisiermaschine und ließ im Jahr 1784 einen von ihm konstruierten Heißluftballon im Wiener Prater steigen.[8] Hinsichtlich der Einführung von Blitzableitern in Österreich ist der Naturwissenschaftler ebenso erwähnenswert. So folgte er Benjamin Franklinks Vorschlag, spitze Formen zu verwenden. Weiters unterstand ihm die Leitung der Anbringung dieser an den Pulvermagazinen und an der Wiener Hofburg. In Bezug auf die Geschichte der Mikroskopie kann der erstmalige Einsatz von Decklglässchen anstelle von Glimmerplättchen hervorgehoben werden, der ebenfalls auf Jan Ingen-Housz zurückgeht. [9]

Julius Wiesner schrieb 1905 Folgendes über seine Schriften: "Was die Lektüre der Schriften des Ingen-Housz besonders auszeichnet, ist die sonnige Klarheit seiner Darstellung, welche mit einer wohltuenden Einfachheit des Ausdruckes gepaart ist und nichts anderes beabsichtigt, als den Leser in der sichersten Weise zu belehren. Und immer geschieht es mit einer den Gegenstand erschöpfenden Gründlichkeit, deren Wert gerade dort am meisten empfunden wird, wo er verwickelte Gegenstände [...] verständlich zu machen unternimmt."[10]

Werke (Auszug)

  • Some experiments on the torpedo made at Leghorn. Philosophical Transactions, 1775.
  • Easy methods of measuring the diminution of bulk, taking place upon

the mixture of common and nitrous air together with experiments on platina. Phil. Trans., 1776.

  • Experiments upon Vegetables: Discovering their Great Power of Purifying the Common Air in the Sunshine and of Injuring it in the Shade at Night, 1779.
  • On some new methods of suspendig magnetical needles. Phil. Trans., 1779.
  • Sûr la matière verte de Mr. Priestley, in: Journ. de phys., 25,1784.
  • An Essay on the Food of Plants and the Renovation of soils, 1796.
  • Uitslag der proefnemingen op te planten, strekkende tot ontdekking van

derselver zonderlinge eigenschap om de gemeene lucht te zuiveren op plaatsen, waar de zon schijnt etc., in: de algemeene Vaderlandsche Letteroeffeningen 1880, Deel II, St. 2, blz. 247.

Einzelnachweise

  1. Wiesner 1905, S. 14-15.
  2. deutsche-biographie.de
  3. austria-forum.org
  4. Wikipedia
  5. Wurzbach 1863, S. 206-208.
  6. austria-forum.org
  7. Wurzbach 1863, S. 206-208.
  8. Maisel 2007,S. 48.
  9. deutsche-biographie.de
  10. Wiesner 1905, S. 215.

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, S. 48.
  • Neue Kalender, in: Wiener Zeitung, 31.12.1785, S.3033. (Anmerkung: Jan Ingen-Houszs Sillhouette zierte einen Kalender)
  • Wappler 1784: C. F. Wappler, Vermischte Schriften physisch-medizinischen Inhaltes, hg. von h von Nik. K. Molitor, 1, Wien 1784².
  • Wiesner 1905: Julius Wiesner, Jan Ingen-Housz. Sein Leben und sein Wirken als Naturforscher und Arzt, Wien 1905.
  • Wissenschaft, Gewerbe, Kunst, Leben., in: Wiener Zeitung, 20.12.1856, S. 3787 (S. 3). (Anmerkung: "Anekdote" zu Ingen-Housz versuche mit Chloroformdämpfen)
  • Wurzbach 1863: Constantin von Wurzbach, Ingenhouß Johann, in: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich, 10, Wien 1863, S. 206 - 208.

Weblinks

Darstellungen


Kristina Kogler, Elena Koren