Ján Kollár

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Peter Michal Bohúň (1822-1897): Porträt Ján Kollár, 1862, Öl auf Leinwand, Slovenské národné literárne múzeum Martin.[1]

Ján Kollár (* 29. Juli 1793, Mošovce (Slowakei); † 24. Jänner 1852 in Wien) war ein slowakischer Dichter, Kulturphilosoph, Slawist und zwischen 1849-1852 Professor für Slawische Archäologie an der Evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Wien. An seine Tätigkeit an der Universität erinnert seit 1998 das Denkmal von Ľudmila Cvengrošová in dem Arkadenhof.

Leben

Ľudmila Cvengrošová (*1937): Denkmal Ján Kollár, 1998, Bronze, Arkadenhof der Universität Wien. Foto: Barbora Trebichalská.

Ján Kollár studierte 1812-1815 an dem evangelischen Lyzeum in Bratislava/Pressburg. Sein Theologie- und Philosophie-Studium absolvierte er an der Universität Jena in Deutschland, wo er zum ersten Mal starke Impulse, sich für die eigene Nation zu engagieren, empfing. Die Angst um die Zukunft der Slawen wurde bei ihm besonders geweckt, als er die Assimilierung der Sorben in Deutschland beobachtet hatte.

Beeinflusst von seinem persönlichen Freund Johann Wolfgang von Goethe stand er bereits während seines Studiums der politischen Romantik nahe und übertrug deren Gedankengut auf seine Heimat, womit er zum Mitbegründer des Panslawismus (eine allslawische Bewegung, deren Ziele vom kulturellen Austausch bis zur Errichtung eines homogenen slawischen Staates reichten) wurde.[2]

Während der Revolutionsjahre 1848/1849 arbeitete er als Vertrauensmann für Fragen der Slowaken bei der Regierung in Wien. Ende 1849 wurde er schließlich zusammen mit Karol Kuzmány – als Kompensation für die weitgehende Nicht-Erfüllung slowakischer Forderungen aus der Zeit der Revolution – zum ordentlichen Professor für slawische Archäologie an der Universität Wien und Regierungsberater für Fragen aus den Bereichen Sprachen und Schulwesen ernannt.[3]

Schaffen

Sein Hauptwerk, der die slawische Vergangenheit verehrrlichende tschechische Sonettenzyklus Slávy dcéra (Slávas Tochter bzw. Die Tochter des Ruhmes), war sehr wichtig für die Wiedergeburt der tschechischen nationalen Dichtung. Zunächst war darin das persönliche Erleben (Kollár betrachtete seine Gattin Wilhelmine als "Tochter" der in Deutschland untergegangener slawischen Stämme), das nationale und historische Pathos mit altertumskundlicher Gelehrsamkeit verschmolzen. Die späteren Fassungen waren dagegen bei unmäßigem Umfang (bis zu 645 Sonetten) überladen mit trockener Gelahrtheit, sodass er sich selbst gezwungen sah, einen wissenschaftlichen Kommentar zu seiner Gedichtssammlung zu veröffentlichen.[4]

In seiner deutschsprachigen Abhandlung, die das Programm des romantischen, rein kulturpolitischen Panslawismus zusammenfasst: Über die literarische Wechselseitigkeit zwischen verschiedenen Stämmen und Mundarten der slawischen Nation, begründete er eine theoretische Einheit der slawischen Kultur und wies ihr unter dem Einfluss von Johann Gottfried Herder eine humanisierende Mission zu.[5]

Gegenseitige Übersetzungen und Unterricht der slawischen Hauptsprachen an allen slawischen Schulen sollten die erstrebte kulturelle Einheit der Slawen anbahnen. Obwohl Kollár ein Gegner der Bestrebungen von Ľudovít Štúr war, der versuchte das Slowakische als selbstständige Schriftsprache vom Tschechischen zu emanzipieren, hat er doch durch seine grosse Sammlung slowakischer Volkslieder Národnié Zpiewanky, čili písně světské Slováků v Uhrách jak pospolitého lidu, tak i vyšších stavů mit zu dieser Entwicklung beigetragen.

Werke (Auswahl)

Im Sinne Herders betrachtete er die Volkspoesie und Volkslieder als Träger nationalen Geistes .[6]

  • 1822 - Dobré vlastnosti národu slovanského (Gute Eigenschaften der slawischen Nation), kritische Schrift
  • 1824-1845 - Sláwy dcera, lyricko-epická báseń w 3 zpěwích (Die Tochter des Ruhmes, lyrisch-episches Gedicht in 3 Gesängen)
  • 1837 - Über die literarische Wechselseitigkeit zwischen verschiedenen Stämmen und Mundarten der slawischen Nation (O literární vzájemnosti mezi kmeny a nářěčími slavskými) erschien 1836 in der von Karol Kuzmány herausgegebenen Zeitschrift Hronka
  • 1856 - Hlasové o potřebě jednoty spisovného jazyka pro Čechy, Moravany a Slováky (Stimmen über die Notwendigkeit einer einheitlichen Schriftsprache für die Böhmer, Mährer und Slowaken) kritische Schrift
  • 1834-35 - Národnié Zpiewanky, čili písně světské Slováků v Uhrách jak pospolitého lidu, tak i vyšších stavů (Volkslieder oder Weltliche Gesänge der Slowaken in Ungarn und zwar sowohl des einfachen Volkes wie auch der höheren Stände), Volksliedsammlung
  • 1853 (postum) - Staroitalie slavjanská (Das slawische Altitalien), archäologisches Werk, in dem er zu beweisen versuchte, dass die Römer Slawen waren.

Literatur

  • Brockhaus 2006: Brockhaus Enzyklopädie, Bd. 15, Leipzig 2006, S. 283.
  • Maisel 2007: Maisel, Thomas: Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, S. 90.
  • Wytrzens 1969: Wytrzens: Kollár Ján. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 4. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1969, S. 85.

Einzelnachweise

  1. http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kollar_jan.jpg
  2. Wytrzens 1969, S. 85.
  3. Maisel 2007, S. 90.
  4. Wytrzens 1969, S. 85.
  5. Brockhaus 2006, S. 283.
  6. Maisel 2007, S. 90.

Weblinks


Barbora Trebichalska, A0507553

Redigiert: Elena Koren SoSe 2014