Ilse Twardowski-Conrat

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Ilse Twardowski-Conrat.

Ilse von Twardowski-Conrat (*20. Jänner 1880 in Wien; † 9. August 1942 in München) war eine österreichische Künstlerin.

Leben

Ilse Twardowski-Conrat wuchs in einer gutbürgerlichen Familie in Wien auf. In ihrem Elternhaus wurde sie durch private Lehrer unterrichtet und besuchte später ein Gymnasium, welches sie mit der Matura abschloss. Skizzen und Malbücher, die sich heute im Familienbesitz befinden, belegen, dass sie schon in jungen Jahren anfing zu malen. Unter der Anleitung des Wiener Bildhauers Josef Breitner entstanden ihre ersten Versuche in der Plastik. Als Modell für ihre ersten plastischen Arbeiten diente der deutsche Komponist Johannes Brahms, der einen engen Kontakt mit ihrer Familie pflegte. Aus diesem Grund wurde ihr später der Auftrag für das Brahmsdenkmal am Wiener Zentralfriedhof übertragen. 1898 bewarb sie sich für eine Ausbildung beim Bildhauer Charles van der Stappen in Belgien, der ihr Mentor und Freund wurde. Aus seiner Klasse gingen einige bedeutende Bildhauer hervor, wie zum Beispiel: Jules Lagae, Charles Samuel oder Guillaume Charlier. In dieser Zeit beeinflusste sie auch der bekannte belgische Architekt Victor Horta. 1901 ging sie wieder zurück nach Wien und nahm an der 8. Internationalen Kunstausstellung in München teil, wo sie zum ersten Mal öffentliche Anerkennung erlangte. Kurz darauf kam ihr Werk an die Wiener Secession, wo es ebenfalls große Bewunderung erzeugte. Daran anschließend bekam sie viele Aufträge für Porträtbüsten und Grabmäler. Sie hatte ihr eigenes Atelier und unternahm Studienreisen nach London, Paris, Brüssel und Rom. 1910 heiratete sie den einunddreißig Jahre älteren Generalmajor August Dobrogost Ernst von Twardowski, der ihr viel Freiraum für ihre Arbeit ließ. Im selben Jahr wurde sie als Vizepräsidentin des neu gegründeten Vereins "Bildender Künstlerinnen Österreichs" berufen. Dieses Amt legte sie jedoch bald ab und verbrachte die nächsten vier Jahre mit ihren Mann in Rom. Nach dem Ausbruch des 1. Weltkriegs zogen sie nach München; die ökonomische Krise verhinderte jedoch eine produktive Arbeit. Nach der Geburt ihrer Tochter am 15. Juni 1920 lebte sie zurückgezogen und beteiligte sich nur selten an Ausstellungen. Ilse Twardowski-Conrat war getaufte Jüdin protestantischen Glaubens. Nach dem Tod ihres Mannes, lebte sie noch einige Jahre geschützt vor nationalsozialistischer Verfolgung. Dieses verdankte sie der freundschaftlichen Beziehung zu Hans Schmutterer. 1935 wurde sie jedoch von der Reichskammer der bildenden Künste ausgeschlossen. Der erste Deportationsbefehl an Ilse Twardowski-Conrat kam am 17. Juli 1942, wurde allerdings aus unbekannten Gründen noch am selben Tag für hinfällig erklärt. Als sie am 6. August 1942 der zweite Deportationsbefehl erreichte, beging sie einige Tage später, am 9. August 1942, Selbstmord.[1]

Schaffen und Ausstellungen (Auswahl)

Abb.1: Grabmal Johannes Brahms. 1903. Zentralfriedhof Wien.

Im Stadtarchiv München wird der Nachlass der Künstlerin aufbewahrt. Dort befindet sich ein eigenhändiges Werksverzeichnis der Künstlerin mit einer Auflistung von siebzig Werken ohne Datierungen. Es wurden jedoch nur die Porträtbüsten, Plaketten und Reliefarbeiten angeführt; Großplastiken und die während der Kriegsjahre geschaffenen Kleinplastiken fehlen. 1993 versuchte Elisabeth Kahmann, die Tochter von Ilse Twardowski-Conrat, das Gesamtwerk zu datieren und erweiterte die Auflistung um weitere 60 Kunstwerke. Zum Großteil sind die Arbeiten der Künstlerin nicht mehr erhalten. [2] Das Brahmsgrabmal, welches 1903 enstanden ist, gehört zu den bekanntesten Werken von Ilse Twardowski-Conrat. Nach dem Tod des Komponisten gestaltete sie 1897/98 auch eine lebensgroße Büste von ihm.

Abb. 2: Büste Johannes Brahms. 1897/98.
Abb. 3: Charles van der Stappen. Relief.

Neben Brahms gestaltete sie zahlreiche Porträts in Form von Büsten, Reliefs, Medaillen oder Plaketten von anderen bekannten Persönlichkeiten. Dazu gehören: Alma Mahler, Feruccio Busoni oder Charles van der Stappen. Diese Portraits lassen sich durch einen ausgeprägten Naturalismus kennzeichnen und weisen einen großen Detailreichtum auf.[3]

Abb. 4: Kaiserin Elisabeth. 1907, Marmor. Österreichische Galerie Belvedere.

Die Skulptur von Kaiserin Elisabeth schuf sie 1907; sie steht heute noch in der Österreichischen Galerie Belvedere und weist eine Stilverwandtschaft mit dem böhmischen Bildhauer Franz Metzner auf. [4]

Abb.5: Selbstporträt 1927. Privatbesitz.

Sie fertigte auch einige Selbstporträts an, die eine starke Rezeption des Werkes Auguste Rodins erkennen lassen. [5]

Abb.6: Nasse Haare um 1900. Gips. Verbleib unbekannt.

Ihr Werk "Nasse Haare" wurde 1902 in der XIII. Ausstellung der Wiener Secession ausgestellt. Die künstlerische Gestaltung der Figur, ihre Größe und Monumentalität, erregte großes Aufsehen. [6] 1910 arbeitete sie an der Ausstellung "Die Kunst der Frau" mit. Diese hatte das Ziel die künstlerischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der bildenden Künstlerinnen Österreichs zu verbessern. Auch wenn die Ausstellung eine hohe Besucherzahl aufweisen konnte, bekam die junge Vereinigung auch sehr viel Kritik. Ilse Twardowski-Conrat zog sich kurz nach der Ausstellung von der Vereinigung zurück und ging mit ihrem Ehemann nach Rom. [7] Nach dem Umzug nach München arbeitete sie ab 1917 in der Keramikfabrik Allach, wo sie Entwürfe für dekorative Kleinplastiken und kunstgewerbliche Arbeiten anfertigte. Während dieser Zeit veränderte sich auch ihr Stil. Von einer starken Bewegtheit der Figuren und der Oberfläche, ging sie nun zu einer strengeren Haltung und einer verstärkten Stilisierung in der Darstellung über. Das heute zerstörte Werk "Die Flüchtlinge" ist ein Beispiel dafür.[8]

Abb.7: Die Flüchtlinge, 1917. Muschelkalk. Zerstört.

Sie arbeitete mit vielen Materialien: Holz, Gips, Terracotta oder Marmor. Ihre Porträts, insbesondere die Auftragsarbeiten, wurden bevorzugt in Bronze gearbeitet.

Wichtige Ausstellungen:

  • 1901: 8. Internationale Ausstellung München. "Nasse Haare", in Gips.
  • 1902: XIII. Ausstellung der Wiener Secession (Februar- März 1902). Sie war mit vier Werken vertreten, eines davon "Nasse Haare" in Gips.
  • 1903: XVII. Ausstellung der Wiener Secession (März - Juni 1903) "Feruccio Busoni" in Bronze.
  • 1905: XXII. Ausstellung der Wiener Secession (Januar - Februar 1905) "Bildnisstudie" in Marmor
  • 1907: Galerie Miethke: Zahlreiche Werke
  • 1908: Kunstsalon Franz Hanecke, Breslau. Zahlreiche Werke, darunter "Kaiserin Elisabeth"
  • 1910: "Kunst der Frau" I. Ausstellung der Vereinigung bildender Künsterinnen Österreich (VBKÖ): Zahlreiche Werke
  • 1911: Internationale Kunstausstellung in Rom. "Zwei Köpfe" in Laaser Marmor und "Erinnerungen" in Marmor
  • 1912: III. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs (VBKÖ) Zahlreiche Werke
  • 1914: Internationale Ausstellung in Rom: "Wäscherinnenbrunnen"
  • 1918: Münchner Kunstausstellung im Glaspalast: "Steinarbeiten"
  • 1930: Jubiläumsausstellung der Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs (VBKÖ), Zwei Jahrhunderte Kunst der Frau in Österreich: Zahlreiche Werke

(nicht vollständig)

Werke (Auswahl)

  • Büste Johannes Brahms, 1897/98 Marmor, Verbleib unbekannt
  • Grabmal Johannes Brahms. 1903. Laaser Marmor, Zentralfriedhof Wien.
  • Charles van der Stappen, Relief, Bronze, Privatbesitz
  • Kaiserin Elisabeth, 1907, Marmor, Österreichische Galerie Belvedere, Wien.
  • Selbstporträt, 1927, Gips. Privatbesitz.
  • Nasse Haare, um 1900, Gips, Verbleib unbekannt.
  • Der Wäscherinnenbrunnen um 1914, Ton, Verbleib unbekannt.
  • Die Flüchtlinge, 1917, Muschelkalk. Zerstört.
  • Relief des Chemikers Zdenko Hans Skraup, 1920 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.

Literatur

  • Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.
  • Sylvia Mraz, Die Bildhauerin Ilse Twardowski-Conrat. Studien zu Leben und Werk, phil. Dipl.(ms.), Wien 2003.

Einzelnachweise

  1. Mraz 2003, S.11-28
  2. Mraz 2003, S.7
  3. Mraz 2003, S.27
  4. Mraz 2003, S.48
  5. Mraz 2003, S.51
  6. Mraz 2003, S.65
  7. Mraz 2003, S.78
  8. Mraz 2003, S.87

Weblinks

  • [1], abgerufen am 13.6.2014
  • [2], abgerufen am 13.6.2014

Darstellungen


Evelyn Haspl