Ignaz Philipp Semmelweis: Unterschied zwischen den Versionen

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Bild:Semmelweis_Grab.jpg|Fülöp Herczog und Albert Schickedanz, Semmelweis Grabmal am Budapester Kerepesie- Friedhof, Bildnachweis: http://www.agt.bme.hu
 
Bild:Semmelweis_Grab.jpg|Fülöp Herczog und Albert Schickedanz, Semmelweis Grabmal am Budapester Kerepesie- Friedhof, Bildnachweis: http://www.agt.bme.hu
 
Bild:Semmelweis_Heidelberg.jpg|Friedrich Müller, Denkmal Philipp Ignaz Semmelweis, 1971, Botanischer Garten Heidelberg
 
Bild:Semmelweis_Heidelberg.jpg|Friedrich Müller, Denkmal Philipp Ignaz Semmelweis, 1971, Botanischer Garten Heidelberg

Version vom 26. Oktober 2014, 19:56 Uhr

Ignaz Philipp Semmelweis, Stich von E. Dopy 1860.

Ignaz Philipp Semmelweis (* 1.7.1818 in Buda, gestorben am 13.8.1865 in Wien) war ein ungarischer Gynäkologe. Er gilt als Begründer der Antisepsis und ist auch unter dem Beinamen „Retter der Mütter“ bekannt. Das Denkmal Ignaz Philipp Semmelweis wurde vom Bildhauer Alfred Hrdlicka gefertigt. Somit gehörte er zu „[...] jenen Medizinern, die bereits in der vorbakteriologischen Ära die Grundlage zur erfolgreichen Bekämpfung infektiöser Erkrankungen schufen.“ (Bauer 2010)

Leben

Ignaz Semmelweis wurde unter dem Namen Ignác Fülöp am 1. Juli, als fünftes von neun Kindern des Krämers József Semmelweis und dessen Frau Terézia (geborene Müller) in Buda, einem Stadtteil des heutigen Budapest, geboren. Nachdem er das katholische Gymnasium am St.- Niklas- Turm besucht hatte, studierte er von 1835-37 an der Universität Pest (heutiges Budapest). Anschließend, im Alter von neunzehn Jahren, ging er nach Wien um dort Rechtswissenschaft zu studieren. Ein Jahr später entschloss er sich jedoch, sich stattdessen an der Medizinischen Fakultät in Wien einzuschreiben. Es folgte ein Studienaufenthalt in Pest zwischen 1939 und 1940. 1844 wurde er Magister der Geburtshilfe, als auch mit seiner botanischen Arbeit Tractatus de vita plantarum zum Dr. med. promoviert. Ein Jahr später folgte die Promotion zum Doctor Chirurgiae.

Nach Beendigung seines Studiums begann Semmelweis im Allgemeinen Krankenhaus Wien an der von Joseph Skoda geleiteten Brustambulanz, sowie an der Ausschlagabteilung von Ferdinand von Hebra zu arbeiten. Er wurde mit Skodas Methode der "diagnosis per exclusionem", als auch mit Kenntnissen des statischen Methodenfelds vertraut. Weiters sammelte er Erfahrungen in Carl Freiherr von Rokitanskys pathologischen Institut, indem er am Krankenbett erstellte Tastbefunde durch das Sezieren von Frauenleichen, welche gynäkologischen Erkrankungen oder Eingriffen erlegen waren, überprüfte.

1846 wurde Semmelweis Assistent bei Johannes Klein in der ersten gynäkologischen Abteilung des AKH in Wien. Er interessierte sich vor allem für die Arbeit in den Stationen und die Sektion von Opfern des Kindbettfiebers.

Nach dem Tod des befreundeten Gerichtsmediziners Jakob Kolletschka, der durch eine Handverletzung beim Sezieren ausgelöst wurde, stellte Semmelweis fest, dass sein Freund die selben Krankheitssymptome als die an Kindbettfieber verstorbenen Mütter, aufgewiesen hatte.

Schaffen

Aufgrund dessen gelang es ihm 1847 nachzuweisen, dass Kindbettfieber eine Wundkrankheit ist. Die Übertragung eiterbildender Stoffe geschah durch die Untersuchung von Schwangeren nach dem Sezieren, aber auch durch unreine Wäsche, unsaubere Wunden oder die Übertragung bei Reihenuntersuchungen. Jene Übertragung konnte laut Semmelweis durch hygienische Maßnahmen, wie Reinigung der Hände mit Chlorkalklösung, vermieden werden.

Die durch ihn eingeführte Pflicht zur ständigen Desinfektion der Hände der Ärzte und Studenten machte Semmelweis zum sogenannten „Retter der Mütter“ und Begründer der Antisepsis. Der Sterbeanteil war nun von 12,3 auf drei Prozent gesunken.

Seine Forschungsergebnisse führten zu kontroversen Reaktionen. Der Großteil der führenden Mediziner stellte sich gegen seine These. 1849 wurde Semmelweis aus seinem Amt des Assistenten ausgeschlossen. Im selben Jahr wurde er zwar zum Mitglied der k. und k. Gesellschaft der Ärzte, seine ein Jahr später folgende Habilitation zum ordentlichen Professor für theoretische Geburtshilfe wurde jedoch nur beschränkt auf Phantom-Übungen und Demonstrationen zugelassen.

Semmelweis kehrte also Wien den Rücken und ging nach Budapest zurück. Er eröffnete eine Privatpraxis und arbeitete seit 1851 nebenher als unbesoldeter Primararzt an der Entbindungsstation des dortigen St. Rochus- Spital. 1855- 65 lehrte er an der heute nach ihm benannten Universität als ordentlicher Professor praktische und theoretische Geburtshilfe. Er war dort außerdem auch als Hebammenlehrer tätig. Semmelweis beschäftigte sich vorwiegend mit operativer Gynäkologie und führte erstmals eine Operation am Eierstock durch.

1860 veröffentlichte Semmelweis sein Hauptwerk „Die Ätiologie, der Begriff und die Prophylaxe des Kindbettfiebers“, welches ihm jedoch keinen Erfolg bescherte.

Semmelweis wurde 1865 durch eine fortschreitende Geisteskrankheit in die Irrenanstalt Döbling bei Wien eingeliefert, wo er zwei Wochen später, mit 47 Jahren, an einer Blutvergiftung starb. Er wurde auf dem Kerepesie- Friedhof in Budapest überführt.

Heute ist er in seinem Geburtshaus, das nun zu einem Museum umgewandelt wurde, begraben.

Schriften

  • 1844 Tractatus de Vita Plantarum
  • ab 1857 Fachbeiträge im ungarischen Orvosi Hetilap (Ärztliches Wochenblatt)
  • 1861 Die Ätiologie, der Begriff und die Prophylaxe des Kindbettfiebers
  • 1861 Zwei offene Briefe an Siebold und Scanzoni
  • 1861 Zwei offene Briefe an Späth und Scanzoni
  • 1862 Offener Brief an sämtliche Professoren der Geburtshilfe

Ehrungen

Semmelweis wurde vor allem posthum geehrt. An dieser Stelle sind folgende unterschiedliche Ehrungen zu nennen, die sich alle in Wien befinden: die Stele mit Semmelweis' Relief von Theodor Charlemont zwischen neuem und altem AKH in der Spitalgasse 23, das von Alfred Hrdlicka ausgeführte Semmelweisdenkmal (Denkmal Ignaz Philipp Semmelweis) im Arkadenhof der Universität, die nach ihm benannte Semmelweisklinik in Wien, vor der ein von Rudolf Schmidt geschaffenes Denkmal steht, als auch die Semmelweisgasse im 21. Gemeindebezirk.

Weiters wurde Semmelweis auf diversen Sonderbriefmarken verewigt: in Ungarn und Österreich 1965, in der BRD 1956 und der DDR 1968. Ebenso wurden Plaketten und Münzen mit seinem Bild angefertigt.

Darstellungen

Literaturnachweis

  • Benedek 1983: István Benedek, Ignaz Philipp Semmelweis 1818- 1865, Wien 1983 (zuerst ungarisch: Semmelweis, Budapest 1983).
  • Bauer 2010: Bruno Bauer, Semmelweis, Ignaz Philipp, in: Neue Deutsche Biographie, 24, 2010, S. 239-241.
  • Czeike 1997: Felix Czeike (Hg.), Historisches Lexikon Wien, 5, Wien 1997, S.203.
  • Nuland 2006: Sherwin B. Nuland, Ignaz Semmelweis. Arzt und großer Entdecker, dt. und hg. von Sonja Hauser, München 2006 (zuerst englisch: The Doctors Plague. Germs, Childbed Fever, and the Strage Story of Ignác Semmelweis, New York 2003).
  • Regal/Nanut 2007: Wolfgang Regal/ Michael Nanut, Wien für Mediziner, Wien 2007.
  • Schönbauer 1944: Leopold Schönbauer, Das Medizinische Wien. Geschichte, Werden, Würdigung, Wien 1944.
  • Skopec 1991: Manfred Skopec, Ignaz Philipp Semmelweis. Die Bedeutung seiner Erkenntnis, in: Kunst des Heilens. Aus der Geschichte der Medizin und Pharmazie (Kat. Ausst. Kartause Gaming 1991), Wien 1991.

Weblinks

  • Eintrag zu Semmelweis im Österreichischen Biographischen Lexikon [1]
  • Hompage der Semmelwei Societey [2]
  • Eintrag zu Semmelweis in der Neuen Deutschen Biografie [3]
  • Offener Brief an sämtliche Professoren der Geburtshilfe, online-Version[4]
  • Eintrag zu Semmelweis im Austria-Forum [5]

Einzelnachweise

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Redigiert: Elena Koren SoSe 2014