Hermann Bonitz

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: s/w-Aufnahme von Hermann Bonitz
Abb. 2: Carl Kundmann, Denkmal für Hermann Bonitz, Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1893.

Hermann Bonitz (* 29. Juli 1814, Langensalza (Thüringen); † 25. Juli 1888, Berlin). Klassischer Philologe und Schulmann, 1849 gemeinsam mit Franz Exner Ausarbeitung des „Entwurfs der Organisation der Gymnasien und Realschulen in Österreich“. Das Denkmal Hermann Bonitz ist im Arkadenhof der Universität Wien aufgestellt.

Leben

Hermann Bonitz wurde als sechstes Kind in Langensalza als Sohn des Superintendenten und Oberpfarrers Mag. Karl Friedrich Bonitz geboren. Er besuchte die Landesschule in Schulpforta, studierte ab 1832 an der Universität Leipzig zunächst Theologie und Philosophie und wandte sich später dem Studium der Philologie zu. 1836 wurde ihm in Leipzig der philosophische Doktortitel verliehen und anschließend bekleidete er zwei Jahre hindurch eine Lehrerstelle in Dresden. Während dieser Zeit erschien sein erstes gedrucktes Werk: „Disputationes Platoncae duae“ (Dresden 1837). 1838 ging er als Lehrer nach Berlin und wurde 1840 an das städt. Gymnasium zum Grauen Kloster versetzt. Dort unterrichtete er in fast allen wichtigen Fächern des gymnasialen Unterrichts, sogar in Mathematik. Ab 1842 kam er an das Marienstiftsgymnasium zu Stettin als Professor und heiratete ein Jahr später seine Verlobte Bertha Semmel.[1]

1849 - 1867 Universitäts-Professor in Wien

Bonitz hatte sich als Schulmann und Gelehrter bewährt und wurde 1849 nach Wien berufen. Am 6. Februar 1849 erfolgte die kaiserliche Ernennung zum Professor der klassischen Philologie an der Universität Wien. Neben seinen Vorlesungen erhielt er die Aufgabe die Kandidaten des Gymnasiallehramtes für ihre wissenschaftliche und berufliche Tätigkeit anzuleiten. 1849 entstand gemeinsam mit Franz Exner der „Entwurf der Organisation der Gymnasien und Realschulen in Österreich“. 1854 führte dieser Entwurf unter Unterrichtsminister Leo Graf Thun-Hohenstein zur Reform zum 8-klassigen Gymnasium mit Fachlehrern und der „Maturitätsprüfung“ als Abschluss. Der Schwerpunkt des Unterrichts verlagerte sich in diesem Reformwerk auf die Verstärkung des Griechischunterrichts und der Verschiebung des Schwerpunkts im Lateinunterricht hin zum Verständnis von Sprache und Literatur. Maßgebend für diese Neugestaltung des Gymnasiums war „der Begriff der höheren allgemeinen Bildung“. Obligatorische Fächer waren demgemäß Mathematik, Geschichte, Naturgeschichte und Physik.

Ab 1850 übernahm Bonitz gemeinsam mit J. J. Seidl und J. Mozart die Redaktion der von Graf Leo Thun begründeten „Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien“, die er bis 1867 innehatte. Bonitz selbst war eifriger Mitarbeiter dieses Blattes, in dem er besonders seine Abfertigung einer Reihe von Angriffen verfasste, darunter eine Erwiderung an die Kritik des tschechischen Abgeordneten Dr. Franz Čupr.[2] 1854 wurde Hermann Bonitz Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Wien und 1864 Mitglied im Ausschuss für Bildung.

Seit 1855 war Bonitz Schriftführer im Presbyterium der evangelischen Gemeinde Wien, ab 1864 gehörte er als weltlicher Deputierter der Generalsynode an.[3] [4]

1867 - 1888 Direktor und Regierungsrat in Berlin

1867 übersiedelte Bonitz nach Berlin und wurde Direktor des Gymnasiums „Graues Kloster“. 1868 wurde Bonitz Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Berlin. Seine Vorlesungen an der Universität wurden nach einem Zuhörer so beschrieben: „Die Vorlesungen über Plato und Aristoteles waren die vollendetsten, die ich je gehört habe. In zweistündigen gleichmäßigen Vortrage entwickelte er , bloß mit wenigen Notizen in der Hand, den Inhalt Platonischer Dialoge oder Darlegungen Aristoteles [...] wusste zugleich durch philosophische Kritik, namentlich bei Aristoteles, das Interesse für die Sache selbst zu wecken.“[5]

1874 wurde Bonitz Geheimer Regierungsrat und 1876 fand in Berlin unter seiner Leitung eine „Konferenz zur Herstellung größerer Einigung auf dem Gebiet der deutschen Orthografie“ statt. Im Jahr 1879 wurde Bonitz Geheimer Oberregierungsrat. 1882 erfolgte die Reform des preußischen höheren Schulwesens, an deren Entstehung Bonitz beteiligt war. Unter anderem wurde mehr Wert auf das Textverständnis im Latein- und Griechischunterricht gelegt. 1888 zog sich Bonitz aus dem Arbeitsleben zurück und verstarb am 25. Juli 1888 in Berlin.[6]

Seine Witwe Bertha Maria Bonitz (geb. Semmel) blieb in Berlin und starb mit 97 Jahren. Drei seiner Kinder wurden in Stettin geboren, darunter der Sohn Eduard Friedrich (geb. 1844), der von 1879 bis zu seinem frühen Tode 1889 als Stadt- und Amtsrichter in Berlin wirkte.

Hermann Bonitz war Stifter des Bonitz-Preises an der Wiener Akademie der Wissenschaften für Arbeiten aus dem Gebiet der Klassischen Philologie und Philosophie (erstmals vergeben 1890).[7]

Zur Erinnerung an sein Wirken wurde 1893 das Denkmal Hermann Bonitz im Arkadenhof der Universität Wien aufgestellt und ist Teil der Denkmalgruppe Leo Graf Thun-Hohenstein, Franz Exner und Hermann Bonitz, die den Reformern des österreichischen Bildungswesen gewidmet wurde.

Im Jahre 1954 wurde in Wien Floridsdorf (21. Bezirk) die Bonitzgasse nach ihm benannt.[8]

Schaffen

Hermann Bonitz war der geistig bedeutendste Verteidiger humanistischer Studien. Als Gelehrter tat er sich namentlich durch seine Beiträge zur Erklärung des Aristoteles hervor. Bonitz war hervorragender Kenner des Aristoteles und Platon und ist der Verfasser einer großen Anzahl von wissenschaftlichen Schriften, von denen die meisten über die Lehren Platos und Aristotes handeln.[9] [10]

Bonitz wirkte neben Schulpraxis und Schulverwaltung als philologischer Schriftsteller. Seine erste literarische Arbeit, verfasste er 1835 als Student in Leipzig in einer Beantwortung der von der philosophischen Fakultät gestellten Preisfrage: „Utrum idea absoluti summum et unicum philosophiae principium esse possit“ , diese gekrönte Preisschrift kreierte ihn zum Doktor. Die erste gedruckte Schrift erschien in Dresden 1837: „Disputationes Platonicae duae“. In den Schriften der Wiener Akademie erschienen 1858 und 1860 „Platonische Studien“ und eine längere Reihe von Aufsätzen in den Schriften der Berliner Akademie (1869 – 1878) sowie in der Wiener Zeitschrift für das Gymnasialwesen. Besonders ist zu nennen der große „Index Aristotelicus“ (Berlin 1870, Band V der großen Ausgabe des Aristoteles der Berliner Akademie). „Beiträge zur Erklärung des Sophokles“ (1856/57) und „des Thucydides“ (1854) brachten die Berichte der Wiener Akademie. Fast unübersehbar ist die Reihe von Rezensionen wissenschaftlicher und schulpraktischer Werke und Aufsätze über das höhere Unterrichtswesen. Sein Wesen offenbarte durch seine edle Lebensansicht verklärte Humanität und sein Schüler Th. Gomperz beurteilte ihn als "einsichtsvollsten und geisteshellsten Altertumsforscher und Jugendbildner dieser Tage".[11]

Für Österreich ist von großer Bedeutung sein gemeinsam mit Franz Exner 1849 verfasster „Entwurf der Organisation der Gymnasien und Realschulen in Österreich“, der die gesetzliche Grundlage für das moderne 8-klassige Gymnasium bildete.[12]

Werke (Auswahl)

  • Disputationes Platonicae Duae (1837)
  • „Metaphysika“ des Aristoteles, (2 Bde., Bonn, 1848/49)
  • Kommentar zu obigem Werke des Alexander von Aphrodisias, 1847
  • Index Aristotelicus zu Bekkers Ausgabe (Berlin, 1870)
  • Wörterverzeichnis für alle Schriften des Aristoteles ( 1870)
  • Übersetzung der Metaphysika, (hrsg. von Wellmann, Berlin, 1891)
  • Aristotelische Studien 1862-1867
  • Platonische Studien (3. Ausg. Hrsg. 1886)
  • Abhandlungen zu Sophokles (1856 – 57)
  • Beiträge zur Erklärung des Thukydides ( 1854)
  • Beiträge zu Demosthenes, Homer u. a.

Einzelnachweise

  1. ADB, Band 47, S. 99 - 105.
  2. Bonitz 1861.
  3. http://www.bonitz-forum.de, eingesehen am 11. Dezember 2013.
  4. ÖBL, S. 101.
  5. ADB, Band 47, S. 99 - 105.
  6. ADB, Band 47, S. 99 - 105.
  7. http://www.bonitz-forum.de, eingesehen am 11. Dezember 2013.
  8. http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Bonitz, eingesehen am 17. Dezember 2013.
  9. WZ, 27. Juli 1888, S. 13, Sp. 1.
  10. NFP, 27. Juli 1888, S. 4, Sp. 1.
  11. ADB, Band 47, S. 99 - 105.
  12. http://www.austria-forum.org, eingesehen am 17. Dezember 2013.

(ADB = Allgemeine Deutsche Biographie) (ÖBL = Österreichisches Biografisches Lexikon) (WZ = Wiener Zeitung) (NFP = Neue Freie Presse)

Literatur

  • Organisationsentwurf 1849, in: Österreich-Lexikon, Ernst Bruckmüller (Hg.), Wien 2004.
  • Bonitz 1861: Hermann Bonitz, Über den Čupr’schen Antrag auf Revision des dermaligen Unterrichtswesens unserer Mittelschulen, Wien 1861.

Rezeption in der Presse

  • Neue Freie Presse: Nachricht vom Ableben Hermann Bonitz, in: Neue Freie Presse, 27. Juli 1888, Seite 4, Sp. 2.
  • Wiener Zeitung: Todesnachricht Hermann Bonitz, in: Wiener Zeitung, 27. Juli 1888, Seite 13, Sp. 1.

Weblinks


Christa Dobrzanski, Magdalena Fleming