Heinz Satzinger

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
Wechseln zu: Navigation, Suche
Abb. 1: Heinz Satzinger in jungen Jahren

Heinz Satzinger (* 24. Juni 1921 in Wien) ist ein österreichischer Bildhauer und Graphiker (Abb. 1).

Leben

Heinz Satzinger besuchte in Wien das Realgymnasium und die Technische Hochschule. In den Jahren 1948 bis 1951 unterzog er sich einer Ausbildung an der Akademie der bildenden Künste, die er als akademischer Bildhauer abschließen konnte. Zur Finanzierung seines Studiums verdingte sich Satzinger als Maurer und Steinmetz. 1952 lernte er seine Frau Dr. Ingeborg Kunewalder kennen, welche er kurz darauf heiratete.[1]

Ihr Interesse für die indische Kunst und Kultur bewog beide im Februar 1953, ihre Heimat Richtung Indien zu verlassen, wo Heinz Satzinger den Lebensunterhalt anfangs mit Gelegenheitsarbeiten bestreiten musste, ehe er mit künstlerischen Aufgaben betraut wurde. Zwei von ihm geschaffene Kleinplastiken wurden bald in mehreren Ausstellungen gezeigt und fanden großen Anklang. Mit weiteren Aufträgen für die Anfertigung einer Portraitbüste sowie einer überlebensgroßen Bronzestatue des damaligen indischen Ministerpräsidenten Jawaharlal Nehru (Abb. 2) gelang Satzinger in Indien ein entscheidender Durchbruch. [2]

1954 kehrte das Ehepaar nach Wien zurück, wo Heinz Satzinger mehrere Werke für österreichische Auftraggeber schuf und auch seine Eindrücke aus Indien künstlerisch verarbeitete.

Im Jahr 1959 ging das Ehepaar wieder ins Ausland, diesmal für einen zehnjährigen Aufenthalt in Ägypten, da Frau Dr. Satzinger in Kairo eine Anstellung im diplomatischen Dienst angenommen hatte. Dort schloss sich Heinz Satzinger neben seiner Arbeit als Bildhauer den österreichischen archäologischen Ausgrabungen in Nubien an. Seine Aufgabenbereiche umfassten dabei das zeichnerische Festhalten von Funden sowie deren Restaurierung. Später nahm Satzinger an weiteren Ausgrabungskampagnen in Luxor und im Nildelta (Tell el Daba’a) teil. Seine bildhauerischen Schöpfungen konnte Satzinger in mehreren Ausstellungen in Kairo und Alexandrien präsentieren. Zudem trat er in dieser Zeit Reisen in die Türkei, nach Syrien, in den Libanon und in den Iran an, wo er auch als Gastprofessor lehrte.

1969 kehrte die inzwischen vierköpfige Familie zwar nach Österreich zurück, Heinz Satzinger beschäftigte sich aber noch mit der Restaurierung des Anch-Hor-Grabes in Luxor. Erst als seine Frau 1975 beruflich an die österreichische Botschaft in Tokio gerufen wurde, befasste er sich wieder mehr mit seinem künstlerischen Schaffen, wobei sein neues Schaffensgebiet die japanische Holzschnittkunst wurde. Satzinger wurde in dieser Zeit die Möglichkeit geboten, seine Schöpfungen bei Ausstellungen in Japan, Thailand und der Republik Korea zu präsentieren. Nach 10 Jahren beendete das Ehepaar seinen Aufenthalt in Japan, kehrte nach Österreich zurück und lebt seit 1986 wieder in Wien.[3]

Schaffen

Heinz Satzingers Kunst umfasst eine Vielfalt an Themen, Techniken und Materialien. Kanjana Spindler charakterisiert dieses Phänomen in der Bangkok Post vom 26. Jänner 1979 treffend wie folgt: „Looking at Satzinger’s work ist’s hard to believe that all oft them are created by the same person.“[4] Ausschlaggebend dafür waren sicher die vielen Reisen und Auslandsaufenthalte Satzingers. Dennoch ist in seinem Werk ein roter Faden insofern zu erkennen, als Satzinger von den Erlebnissen des zweiten Weltkrieges und der daraus resultierenden Erkenntnis über Ohnmacht und Verletzlichkeit des Individuums geprägt wurde. Der Künstler reduzierte seine Figuren auf das Wesentliche. Die Hauptaussagen zur menschlichen Existenz sind Hilflosigkeit, Abhängigkeit und die Sehnsucht nach Geborgenheit. Egal, wo seine Werke entstanden sind, haben alle Plastiken dieselbe Aussage.

Im Mittelpunkt des plastischen Schaffens von Heinz Satzinger stand stets der Mensch. In seinen frühen Arbeiten sind seine Werke noch sehr naturalistisch, doch lässt sich bald eine Reduktion in eine einfache Formensprache erkennen. Seine Figuren der 1960er-Jahre sind meist überlang und schlank dargestellt. Hierbei verwendet er in erster Linie Eisen als Material. Erst in seinem späteren Schaffenswerk fand Satzinger zu einer neuen künstlerischen Ausdrucksform, den Farbholzschnitt.[5]

Ehrungen

  • 1949 Goldene Medaille der Gemeinschaft der bildenden Künstler, Wiener Zedlitzhalle [6]
  • 1954 Silbermedaille der Academy of Fine Arts in Amritsar, Indien [7]
  • 1959 Kolkoks Förderungspreis der Gesellschaft bildender Künstler Österreichs, Wien, Künstlerhaus [8]
  • 1991 Goldener Lorbeer der Gesellschaft bildender Künstler Österreichs, Wien, Künstlerhaus [9]

Ausstellungen (Auswahl)

  • 1948 Wien: Eröffnungsausstellung der Gemeinschaft bildender Künstler, Wiener Kunsthalle
  • 1953 Bombay: Jahresausstellung der Indian Society of Art, Bombay
  • 1954 Amritsar: Internationale Jubiläumsausstellung der Kunstakademie in Amritsar (Indien)
  • 1956 Rom: Ausstellung der Gesellschaft bildender Künstler Wiens im Österreichischen Kulturinstitut
  • 1962 Kairo: Herbstausstellung der Künstlervereinigung "ATELIER"
  • 1979 Tokio: Einzelausstellung an der Hiro Galery, Ginza
  • 1984 Seoul: Einzelausstellung im Hong-Ik University Museum
  • 1985 Pusan: Ausstellung "Heinz Satzinger & Kim Sooseok" (Südkorea)

Werke (Auswahl)

  • Portraitstudie Jawaharlal Nehru, New Delhi, 1954 (Abb. 2)
  • Statue des Hl. Antonius am Portal der Kirche St. Anton, Wien-Favoriten, 1958 (Abb. 3)
  • Denkmal für Karl Luick, Arkadenhof der Universität Wien, 1956 [10]
  • "Begegnung", 1963 (Abb. 4)
  • "Herbst", 1966 (Abb. 5)
  • "Japanische Gaststätte II", 1982 (Abb. 6)

Weitere Werke des Künstlers befinden sich u.a. [11]

  • in Österreich: Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Sport; Gemeinde Wien; Pfarren ... Breitenfeld, Wien; Fa. Chemo-Medico, Wien; Privatbesitz
  • in Indien: G.D. Birla Education Trust, Pilani; Jesuitenkolleg Poona; Privatbesitz
  • in Ägypten: Museum of Modern Art, Kairo; Privatbesitz Kairo, Alexandrien
  • in der Republik Korea: Gouvernement Masan; Lee-Cho Galerie, Masan; Dong-Seo Galerie, Masan; Sain Galerie, Pusan; Privatbesitz Seoul, Daegu
  • in Japan: Galerie Aoki, Tokio/Ginza; Galerie Rikugien, Tokio/Ginza; Galerie Bon, Tokio/Ginza; Hiro Galerie, Tokio/Ginza; Privatbesitz Tokio, Osaka

Einzelnachweise/Fußnoten

  1. Katalog 1988, S. 6
  2. Katalog 1988, S. 7
  3. Katalog 1988, S. 8
  4. Katalog 1988, S. 13-14
  5. Katalog 1988, S. 10-11
  6. Katalog 1988, S. 5
  7. Katalog 1988, S. 5
  8. Katalog 1988, S. 5
  9. Künstlerhaus Wien, Preise und Ehrungen; URL: http://www.k-haus.at/de/verein/preise_ehrungen/ (abgerufen am 5.6.2014)
  10. die Gestaltung der Gedenktafel für Karl Luick war für Heinz Satzinger mehr eine handwerkliche Herausforderung denn eine kreative Leistung und stellt in der langen Reihe seiner Werke einen interessanten Sonderfall dar
  11. Katalog 1988, S. 19

Literatur

  • Katalog 1988: Katalog zur 122. Wechselausstellung der Österreichischen Galerie: Heinz Satzinger. Skulptur und Holzschnitt, Wien 1988

Darstellungen


Autorin: Stappers Isabelle redigiert von Kreiser Herbert