Heinrich von Ferstel

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Heinrich von Ferstel, 1883

Heinrich Freiherr von Ferstel (* 7. Juli 1828 in Wien; † 14. Juli 1883 in Wien-Grinzing) war ein österreichischer Architekt. Er zählt zu den wichtigsten Vertretern des Historismus in Österreich. Sein größter und wichtigster Bauftrag war das Hauptgebäude der Wiener Universität an der Ringstraße.

Leben und Ausbildung

Im Jahr 1828 wurde Ferstel als Sohn des Bankbeamten Ignaz Ferstel und dessen Frau Antonia Anna Ferstel geb. Stache in Wien der Familie geboren. Neben ihm hat die Familie noch fünf Töchter. Nach der Volks- und Normalschule besuchte Ferstel von 1842 bis 1843 die Realschule im Polytechnischen Institut am Karlsplatz in Wien. Im Anschluss besuchte er bis 1847 das Polytechnische Institut, wo Baukonstruktion gelehrt wird. Ab 1845 ist Ferstel parallel eingeschrieben in die Architekturschule der Akademie der bildenden Künste, wo er bei Carl Roesner (1804-1869), Eduard van der Nüll (1812-1868) und August Sicard von Sicardsburg (1813-1868) lernte.[1]

Im August 1848 wurde Ferstels Vater nach Prag versetzt, seine Familie folgte ihm im Oktober. Im Jahr 1849 reiste Ferstel durch Deutschland und besucht München. Im Herbst kehrte er nach Wien zurück und setzte den Unterricht bei seinen alten Lehrern fort. Gleichzeitig lernte er Griechisch und Französisch, studierte antike Architektur und begann bei seinem Onkel dem Architekten Friedrich Stache im Atelier zu arbeiten.[2] Ebenfalls im Jahr 1849 erwirkte er gemeinsam mit einigen Studienkollegen, dass der Universitätsdozent Rudolf von Eitelberger kunsthistorische Vorträge für die Architekturschüler halten sollte.[3] 1850 schloss er die Ausbildung den der Akademie ab und folgte seinem Onkel nach Prag, in dessen Atelier.[4] Nach dem Attentat auf den Kaiser im Februar 1853 reichte Ferstel einen eigenständigen Entwurf für die Votivkirchenkonkurrenz ein. Im darauffolgenden Jahr wurde ihm ein kaiserliches Stipendium für eine Italienreise gewährt, die er im März 1855 antrat. In Neapel erfährt Ferstel Ende Mai, dass sein Votivkirchenprojekt die Konkurrenz gewonnen hatte.

Dieser erste eigenständige Erfolg bei einer derart wichtigen Ausschreibung sicherte Ferstel weitere Projekte und Ämter in Wien. Als zweiten wichtigen öffentlichen Auftrag erhielt er den Bau des Bank- und Börsengebäudes an der Herrengasse. Ab 1866 arbeitete an dem von Rudolf von Eitelberger gegründeten Österreichischen Museum für Kunst und Industrie, das von 1868 bis 1871 an der Wiener Ringstraße errichtet wurde. Sein Entwurf für die Wiener Hofmuseen hatte keinen Erfolg, doch ab 1868 wurde Ferstel in das Baucomité der Wiener Universität aufgenommen und schließlich zum Architekten des Hauptgebäudes berufen. Als angesehener Architekt plante er auch neben den Arbeiten für die Universität bis zu seinem Lebensende im Sommer 1883 zahlreiche weitere private und öffentliche Bauwerke.

Heinrich von Ferstel, um 1865

Wichtigste Bauten

  • Votivkirche, Wien 1., 1853
  • Bank- und Börsengebäude, Wien 9., 1855-1860.
  • Palais Ludwig Viktor, Wien 1., 1863-1869.
  • Villa Ferstel, Grinzing bei Wien, heute Wien 19., 1864.
  • Palais Wertheim, Wien 1., 1864-1868.
  • Österreichisches Museum für Kunst und Industrie, Wien 1., 1866-1871.
  • Chemisches Institut der Universität Wien, Wien 9., 1868-1872.
  • Hauptgebäude der Universität Wien, Wien 1., 1870-1884.
  • Kunstgewerbeschule, Wien 1., 1873-1877.
  • Administrationsgebäude des Österreichisch-Ungarischen Lloyd, Triest, 1879-1883.

Literatur

  • Rudolf von Eitelberger, Ferstel und die Votivkirche, in: ders., Gesammelte Kunsthistorische Schriften, Band 1: Kunst und Künstler Wiens der neueren Zeit, Wien 1879, S.271–348.
  • Rudolf Eitelberger von Edelberg, Heinrich Freiherr von Ferstel. Festschrift bei der Gelegenheit der feierlichen Enthüllung seines Denkmals im k.k. Österreichischen Museum für Kunst und Industrie, Wien 1884.
  • Max von Ferstel, Ferstel, Heinrich von[1], in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), Band 48, Duncker & Humblot, Leipzig 1904, S. 521–523.
  • Norbert Wibiral, Heinrich von Ferstel und der Historismus in der Baukunst des 19. Jahrhunderts, 2 Bd., Diss., Universität Wien, 1952.
  • Norbert Wibiral, Renata Mikula (heute: Kassal-Mikula), Heinrich von Ferstel, Wiesbaden 1974. (erschienen in der Buchreihe: Renate Wagner-Rieger (Hrsg.), Die Wiener Ringstraße. Bild einer Epoche, Bd. VIII/3, Wiesbaden 1974.)

Einzelnachweise

  1. Norbert Wibiral / Renata Mikula, Heinrich von Ferstel, Wiesbaden 1974, S.164.
  2. Jacob von Falke, Heinrich Freiherr von Ferstel. Festrede, in: Rudolf von Eitelberger, Heinrich Freiherr von Ferstel. Festschrift bei der Gelegenheit der feierlichen Enthüllung seines Denkmals im k.K. Österreichischen Museum für Kunst und Industrie, Wien 1884, S. 1-15, hier S.4.
  3. Norbert Wibiral / Renata Mikula, Heinrich von Ferstel, Wiesbaden 1974, S.164.
  4. Jacob von Falke, Heinrich Freiherr von Ferstel. Festrede, in: Rudolf von Eitelberger, Heinrich Freiherr von Ferstel. Festschrift bei der Gelegenheit der feierlichen Enthüllung seines Denkmals im k.K. Österreichischen Museum für Kunst und Industrie, Wien 1884, S. 1-15, hier S.5.