Heinrich Natter

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Heinrich Natter (* 16.3.1844 in Graun, heutiges Südtirol (dieser Ort ist seit 1950 in den Futen des aufgestauten Reschensees vesunken); † 13.4.1892 in Wien) war ein österreichischer Bildhauer. Im Arkadenhof der Universität Wien schuf er das Denkmal Ludwig Barth von Barthenau.

Leben

Mit 14 Jahren brach Heinrich Natter seine Ausbildung am Realgymnasium in Innsbruck ab. [1] Ab 1859 ging Natter für fünf Jahre in die Lehre bei dem Steinmetz und Bildhauer Josef Pendl dem Jüngeren in Meran. 1863 wurde Heinrich Natter in die Akademie von München aufgenommen. Als er jedoch merkte, dass ihm eine nötige Vorbildung fehlte, ging er nach Augsburg um dort eine Zeichenschule zu besuchen. Ab 1864 war er dann schließlich Schüler der Münchner Akademie. 1867 geriet er mit einigen Professoren in Konflikt. So verließ er die Akademie, da er sich mit der an der Akademie gelehrten Kunstrichtung nicht anfreunden konnte. [2] Nach einigen Italienreisen bezog er 1868 sein erstes Atelier in München und begann seine Arbeit als freischaffender Künstler. [3] Die auf seinen Reisen gewonnen Eindrücke und sein Wissen setzte er in Porträtbüsten um und er erfuhr bald künstlerischen Erfolg. Besonders Themen aus der nordischen Mythologie spielten eine zentrale Rolle in Natters Werk. [4]

An der Weltausstellung in Wien 1873 beteiligte sich Natter mit fünf Werken. [5] 1876 übersiedelte Natter nach Wien und 1877 wurde er als ordentliches Mitglied im Wiener Künstlerhaus aufgenommen. [6] 1879 übernahm Natter seine erste große Aufgabe, den Auftrag zum Haydndenkmal in Wien, welches 1887 enthüllt wurde. [7] 1888 bekam Natter den Auftrag für zwei Porträtbüsten für das Vestibül des Logenhauses im Wiener Burgtheater. Bei den Dargestellten handelt es sich um die Theaterdirektoren Heinrich Laub und Franz Dingelstedt. [8]

Schaffen

Seit Natter 1877 in sein Atelier in Wien übersiedelt war und diverse größere Aufträge übernommen hatte, beschäftigte er mehrere Gehilfen und Schüler. Jeder Arbeit, die Natter begann, gingen zeichnerische Skizzen voraus. Hierbei dürfte es sich nicht um maßstabgetreue Vorzeichnungen gehandelt haben, sondern die von ihm angefertigten Skizzen waren seine Art, Ideen festzuhalten. [9] Heinrich Natter bevorzugte die Materialen Ton und Terrakotta. Die Spuren der Arbeit, die in Ton oftmals zu sehen sind, ließ er oft als Ausdrucksmittel stehen. Besonders bei Männerporträts verzichtete er gerne auf die letzte feinste Ausführung, um der Phantasie des Beschauers mehr Spielraum zu lassen. [10] Größere Arbeiten, die für das Freie bestimmt waren, führte der Bildhauer in Stein aus, oder ließ sie in Bronze gießen. Bei Auftragsarbeiten war das zu verwendete Material natürlich meist vorgegeben. [11] Heinrich Natter versuchte alle Personen so darzustellen, dass das Porträt möglichst nah an die Natur herankam und es war ihm auch ein Anliegen, den Charakter der darzustellenden Personen möglichst genau zu treffen. Natters Streben war es, seine Figuren möglichst authentisch zu gestalten. [12] Natter ließ sich nie dazu drängen, ein Werk, das ihm noch nicht vollkommen erschien, aus den Händen zu geben oder seine Kunst an fremden Maßstäben zu messen. Durch seine Heirat in die sehr wohlhabende Familie Hirschl war es ihm möglich, seine Kunst nach eigenen Vorstellungen zu schaffen und er hatte somit auch die Freiheit, Aufträge abzulehnen, wenn sie seinen Vorstellungen nicht entsprachen. [13] Natters Denkmalstatuen und Porträtbüsten sind durch größtmögliche Naturnähe gekennzeichnet und er versuchte romantische Idealisierung zu vermeiden. Auch Attribute lehnte er meist ab, ebenso Polychromie als bildhauerisches Gestaltungsmittel. [14] Seine Arbeiten sind von glatten Oberflächen und geschlossenen Formen geprägt. Seine Figuren haben eine Hauptschauseite, sie scheinen ihre Dreidimensionalität beinahe zu negieren. Natters Skulpturen treten meist in keine Wechselbeziehung mit dem sie umgebenden Raum. [15] Trotz seines Bruches mit der Akademie hinterließ die Zeit an der Akademie deutliche Spuren in seinem künstlerischen Schaffen. Bei seiner Suche nach anderen Kunstformen sind meist Merkmale des Klassizismus in seinen Ausführungen zu finden. [16] Heinrich Natter sammelte Ideen und Anregungen aus allen Stilströmungen seiner Zeit, jedoch ist er nicht eindeutig zuzuordnen, da er alle Eindrücke in sehr eigenständiger Form umsetzte. Es gelang ihm, seinen Figuren durch überbetonte Monumentalität, Schlichtheit und Ruhe zu verleihen . [17]

Schriften (Auswahl)

  • 1887 Haydn Denkmal, Mariahilferstraße Wien
  • 1887 Statue Heinrich Laube, Burgtheater Wien
  • 1887 Statue Franz Dingelstedt, Burgtheater Wien
  • 1888 Denkmal Andreas Hofer, Bergisel Innsbruck
  • 1889 Denkmal Walther von der Vogelweide, Waltherplatz Botzen
  • 1892 Denkmal Ludwig Barth von Barthenau, Arkadenhof der Universität Wien

Literatur

  • Lillie 1998: Urusla Lillie, Standbilder und Denkmäler von Heinrich Natter, Wien 1998.
  • Historische Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 1997: Historische Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Neue deutsche Biographie,18, Berlin 1997.

Einzelnachweise

  1. Neue deutsche Biographie, S. 753
  2. Lillie 1998, S. 76
  3. Lillie 1998, S. 9
  4. Neue deutsche Biographie, S. 753
  5. Lillie 1998, S. 10
  6. Lillie 1998, S. 11
  7. Lillie 1998,S. 12
  8. Lillie 1998, S. 15
  9. Lillie 1998, S.28
  10. Lillie 1998, S. 30
  11. Lillie 1998, S. 30
  12. Lillie 1998, S. 31
  13. Lillie 1998, S. 33
  14. Neue deutsche Biographie, S. 754
  15. Lillie 1998, S. 78
  16. Lillie 1998, S. 76
  17. Lillie 1998, S. 79

Galerie

Weblinks


Veronika Preisinger, Marlene Schweinschwaller