Hans Horst Meyer

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Hans Horst Meyer um 1930

Hans Horst Meyer (* 17. März 1853 in Insterburg, Ostpreußen, heute Tschernjachowsk, Russland; † 6. Oktober 1939 in Wien) war ein deutscher Arzt und Pharmakologe. Sein Name ist in die Meyer-Overton-Theorie der Narkose eingegangen . Er gilt als Wegbegleiter der experimentellen Pharmakologie und als Begründer der österreichischen Schule dieser Disziplin.

Leben

Frühe Jahre

Hans Horst Meyer wurde am 17. März 1853 in Interburg, Ostpreußen geboren. Sein Vater, Ernst Rudolf Heinrich Meyer, war Jurist und "königlich-preußischer Notar". Hans Horst Meyer begann das Universitätsstudium 1871 in Königsberg mit Naturwissenschaften, insbesondere Chemie und legte damit den Grundstein für seine später zunächst chemisch ausgerichtete Forschungsarbeit. Das Studium der Medizin führte ihn nach Leipzig, Berlin und nach Königsberg. Das Lernen fiel ihm nach eigenen Aussagen leicht und dennoch fiel er bei der Staatsprüfung bei M. Jaffé in der Arzneimittelkunde durch. M. Jaffé lud ihn danach aber ein und Hans Horst Meyer schrieb bei diesem seine Dissertation üner das Verhalten des Harnstoffes im Körper des Huhnes und wurde so Pharmakologe. Im Jahre 1881 heiratete er Doris Böhm mit welcher er drei Söhne hatte.

Experimentelle Pharmakologie

Schon rasch nach seiner Promotio nahm Hans Horst Meyer einige Pharmakologie-Lehrstühle an verschiedenen Universitäten an. Im Jahre 1904 auch jenen an der Universität in Wien. Damit begann die Zeit der experimentellen Pharmakologie in Österreich.[1] Nach einigen Zusammenarbeiten mit herausragenden Wissenschaftlern entstand in seiner Zeit in Wien das Lehrbuch Die experimentelle Pharmakologie als Grundlage der Arzneibehandlung, welches gemeinsam mit dem Heidelberger Pharmakologen Rudolf Gottlieb (1864–1924) entstand und bis 1936 neun Auflagen erfuhr.[2]

Letzte Jahre und Ableben in Wien

1917–1918 war er Rektor der Wiener Universität. Auch nach seiner Emeritierung 1924 blieb er in Wien. 1932 wurde er Ehrenbürger der Stadt Wien. Obwohl Hans Horst Meyer sein Vaterland überaus wertschätzte, und sogar von einer "Vergewaltigung des Vaterlands"[3] sprach, wenn er vom Ergebnis des ersten Weltkriegs erzählte, hat ihm der Nationalsozialismus hart getroffen. Die Familie des zweitältesten Sohnes HAns Horst Meyers traf es sogar tödlich. Arthur Woldemar Meyer leitete die Chirurgische Abteilung des Krankenhauses Charlottenburg-Westend. Am 14. November 1933 erschoss er seine Frau und sich selbst, vermutlich weil sie jüdischer Herkunft war und von ihm dasselbe behauptet wurde.[4] Der Vater, also Hans Horst, blieb bis zum Anschluss Österreichs vor direkter Misshandlung bewahrt. Meyer starb am 6. Oktober 1939 in Wien. Nach seinem Wunsch wurde er in Marburg bestattet.

Schaffen

Für die Pharmakologen zur Zeit Meyers galt es zunächst, die große Zahl arzneilicher oder auch schädlicher Wirkstoffe zu testen und zu ordnen. Aus dieser Aufgabe folgte eine gewisse Buntheit der Themen in Meyers Schriften. So hat dieser noch in Straßburg in dem südamerikanischen Rautengewächs Pilocarpus, aus dem das Pilocarpin stammt, nach weiteren Alkaloiden gesucht. In Marburg hat er experimentell Buchheims Annahme bestätigt, dass der wirksame Bestandteil im Ricinusöl die bei der Spaltung des Triglycerids freiwerdende Ricinolsäure ist. Er hat ein Gerbstoffpräparat hergestellt, das 1894 als „Durchfallstiller Tannigen Bayer“ auf den Markt kam, Vorläufer heutiger Gerbstoffpräparate wie Tannalbin. In seinem Wiener Institut wurde entdeckt, dass Calciumsalze den Flüssigkeitsaustritt aus Blutgefäßen bei Entzündungen hemmen, die Gefäße „abdichten“ – Ursprung der auch heute hie und da praktizierten, aus der wissenschaftlichen Medizin aber verschwundenen Anwendung von Calciumsalzen etwa bei Urticaria.

Auf drei Untersuchungen gründet sich vor allem Meyers Nachruhm: auf der Entdeckung, zusammen mit Oswald Schmiedeberg, der Glucuronsäure, auf der Meyer-Overton-Theorie der Narkose und auf der Erkennung des Weges des Tetanustoxins im Körper. [5]

Schriften (Auswahl)

  • Beiträge im Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie u. a. Fachzeitschrift.
  • Beiträge zur Kenntnis des Stoffwechsels im Organismus des Huhnes, med. Dissertation 1879.
  • Die experimentelle Pharmakologie als Grundlage der Arzneibehandlung, 1910, (mit R. Gottlieb und E. P. Pick).
  • Aufgaben und Ergebnisse pharmakologischer Forschung, 1917.
  • Gesetzlichkeit des Lebens, 1924.
  • Pharmakolog. Grundlagen d. Reizkörpertherapie, 1925.
  • Die Narkose und ihre allgemeine Theorie, in: Handbuch der normalen und pathologischen Physiologie I, 1927, S. 531-49.
  • Wesen und Sinn der experimentellen Pharmakologie, in: Handbuch der experimentellen Pharmakologie, Ergänzung-Werk I, 1935, S. 1-10.

Außergewöhnliche Informationen

  • Was im Lehrbuch geschrieben wurde, praktizierte Meyer auch. Mit Klinikern gründete er in Wien eine „Herzstation“, in der er zugleich lernte und beriet.
  • Hans Horst Meyer war maßgeblich an der österreichischen Arzneimittel-Gesetzgebung beteiligt.
  • Sein Name ist eingegangen in die Meyer-Overton-Theorie. Diese ist eine Form der Narkose, die in jedem Standartwerk behandelt wird.
  • Nach ihm wurde, der Hans-Horst-Meyer-Preis benannt, der von der Österreichischen Pharmakologischen Gesellschaft jährlich verliehen wird.
  • 1953 wurde im Arkadenhof der Universität Wien ein Denkmal für Hans Horst Meyer im Form einer Porträtbüste errichtet. Diese wurde wahrscheinlich durch die Bildhauerin Grete Hartmann ausgeführt.
  • Hans Horst Meyer wurde 1905 Mitglied der Akademie der Wissenschaften.
  • Er war ab 1932 Ehrenbürger der Stadt Wien .

Literatur (Auswahl)

  • Engel 1994: Michael Engel, Hans Horst Meyer, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Berlin 1994, Bd. 17, S. 317–319.
  • Konzett 1975: Heribert Konzett, 70 Jahre österrreichische Phramakologie, in: Subsidia medica 1975, Nr.27, S. 1-6.
  • Legrum, Al-Toma und Netter 1992: Wolfgang Legrum, Adnan J. Al-Toma und Karl J. Netter, 125 Jahre Pharmakologisches Institut der Philipps-Universität Marburg. Marburg 1992.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrten Porträt in Stein und Bronze, Die Denkmälder im Arkadenhof der Universität Wien. Wien/Köln/Weimar 2007, S. 70.
  • Meyer 1923: Hans Horst Meyer, Die Medizin der Gegenwart in Selbstdarstellungen. Leipzig 1923, S. 139–168.
  • Meyer/Gottlieb 1936: Hans Horst Meyer/Rudolf Gottlieb, Die experimentelle Pharmakologie als Grundlage der Arzneibehandlung, Berlin Wien, 1936.
  • Molitor 1940: Hans Molitor, Hans Horst Meyer. in: Archives internationales de Pharmacodynamie et de Thérapie 1940, Nr.64, S. 257–264.
  • Ostrowski 1963: Siegfried Ostrowski, Vom Schicksal jüdischer Ärzte im dritten Reich, in: Bulletin des Leo Baeck Instituts, 1963, Nr. 6, S. 313-351.
  • Wyklicky 1990: Helmut Wyklicky, Zur Geschichte des Pharmakologischen Institutes der Universität Wien (Gründungsproblematik, Forscherpersönlichkeiten und Auswahl einiger Leistungsschwerpunkte), in: Wiener klinische Wochenschrift, 1990, Nr. 102, S. 585–593.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Konzett 1975, S. 1-6.
  2. Meyer/Gottlieb 1936.
  3. Meyer 1923, S. 139–168.
  4. Ostrowski 1963, S. 313–351.
  5. Eintrag zu Hans Horst Meyer auf Wikipedia

Darstellungen


Carola Auer, Kevin Breiteneder, Katharina Schmidt